„Es geschah am hellichten Tag“

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Potsdam (fb) „Atze“ Brauner hat Filmlegende geschrieben, ja den deutschen Film mitgeprägt. Liebevoll soll ihn „Schinderhannes“ Curd Jürgens umgetauft haben, den Arthur Brauner. Gerne plauderte Jürgens im Rahmen der Schwetzinger Festspiele über seine Arbeit, auch in Berlin.

Vor 60 Jahren produzierte Brauner einen seiner Meisterwerke. Der Streifen „Es geschah am hellichten Tag“ entstand in Kooperation mit dem Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt. Faszinierend Heinz Rühmann als ermittelnder Kommissar und Gert Fröbe als gedemütigter, in Selbstzweifel junge Mädchen mordenden „Herrn Schrott“. Der Krimi sucht seinesgleichen, im Tiefgang und in der tiefenpsychologischen Nuance.

Sein Geld verdiente Brauner in den Zeiten des Wirtschaftswunders der 50er- und 60er-Jahre mit Liebes-, Heimat-, Musik- und Abenteuerfilmen. Über 250 Werke produzierte er, einmal 18 parallel. Daneben öffnete er die Studios der Central Cinema Compagnie für über 500 Fremdproduktionen.

Seine Tochter Alice ist heute mit im Boot. Aber „Atze“ ist immer mit dabei, auch bei der Berlinale feiert der 99-Järhige immer noch kräftig mit.

 

Brandenburger Note

 

Brandenburg und Berlin schauen voller Stolz auf das Ereignis.

Ministerpräsident Dietmar Woidke hat dem Medienboard Berlin-Brandenburg eine „erstklassige Arbeit“ bescheinigt. Die gemeinsame Fördereinrichtung habe wieder erfolgreich gearbeitet, sagte der Regierungschef beim Medienboard-Empfang zur Berlinale am Samstagabend in Berlin. Mehr als 32 Millionen Förder-Euro seien ausgereicht worden, 16 Millionen Kinofans hätten die vom Medienboard geförderten Produktionen gesehen. Woidke: „Das Sahnehäubchen wäre ein Auslands-Oscar.“ Von den fünf dafür nominierten Filmen wurden zwei vom Medienboard gefördert.

Woidke hob die große Bedeutung der Filmwirtschaft für die Hauptstadtregion hervor: „Dadurch wurden Ausgaben in Höhe von mehr als 150 Millionen Euro ausgelöst. Zudem gewinnt die Verflechtung der Filmwirtschaft mit dem Tourismus in Brandenburg weiter an Bedeutung. Das Medienboard fungiert als regionaler Wirtschaftsmotor.“

Woidke appellierte zugleich an die Bundespolitik: „Die künftige Bundesregierung muss weitere Maßnahmen in Sachen Filmförderung ergreifen, um die verlorene Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Vergleich zu anderen Medienproduktionsstandorten im Ausland wett zu machen und die Förderregularien flexibilisieren.“

Er brach auch eine Lanze für die Filmkunst: “Kino ist Kunst, Kultur, Kreativität und Kontroverse. Gute Filme regen uns zur Auseinandersetzung an, mit uns selber und mit den herrschenden Verhältnissen. Solche Anregungen braucht jede Gesellschaft, die sich weiterentwickeln will. Ohne Auseinandersetzung gibt es keinen Fortschritt.“ Woidke weiter: „Das Medienboard ist auch deshalb so wertvoll, weil es die wichtigen Fragen unserer Zeit und unserer Gesellschaft ins Kino bringt.“

Filmleben in Spandau

 

Brauners CCC-Studios liegen nahe der Insel Eiswerder, mitten in Spandau. Bereits wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte der legendäre Filmproduzent Artur „Atze“ Brauner sein Unternehmen CCC-Film neben dem Areal mit dem markanten – und denkmalgeschützten – Wasserturm gestartet, das heute noch für die Auffahrt zum Studiogelände genutzt wird.  1946 hatte Brauner eine amerikanische Lizenz für die Filmproduktion Central Cinema Company GmbH erhalten. 1949 begann er, auf dem 35000 Quadratmeter großen Gelände einer ehemaligen Versuchsanstalt für Kampfstoffe in Spandau, sein Filmstudio aufzubauen.

So lässt sich auch die Spandauer Verwaltung von dem Filmzauber anlocken, mit einer besonderen Note. Mit dem renommierten Comiczeichner Ingo Römling machen sich die Besucher der Ausstellung in der Bezirsksbibliothek Spandau, Carl-Schurz-Straße 13, 13597 Berlin, auf eine Reise durch Raum und Zeit. Ingo Römling, Jahrgang 1969, lebt und arbeitet als Freiberufler in Berlin. Nach einem abgebrochenen Studium an der Fachhochschule Wiesbaden stürzte er sich direkt ins Berufsleben und verbrachte einige Jahre in der Werbebranche als Art-Director, Grafiker und Reinzeichner.

Seit 2003 ist er als Illustrator und Comiczeichner selbstständig. Zusammen mit dem Autoren Christopher Tauber startete er den Webcomic „Survivor Girl“, der 2017 den ICOM Award als besten deutschen Independent-Comic gewann.

Mittlerweile arbeitet er für Disney/Lucasfilm an verschiedenen Comics aus dem „Star Wars“ Universum und an der Comic-Serie „Malcolm Max“, die mittlerweile auch im europäischen Ausland Erfolge feiert.

Herzliche Einladung am 6. März um 18 Uhr in das Lesecafé der Bibliothek. Der Eintritt ist frei.

Norwegische Note

 

Für cineastische Kunst interessiert sich so auch ein Kirchenchor aus Norwegen. Er gastiert voraussichtlich am 27. Mai mit einem Konzert im Spandauer Johannesstift und macht einen Abstecher in die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche. Untergebracht sind sie im Hollywood Media Hotel. Das Thema „Film“ und „Hollywood“ wird im ganzen Hotel aufgegriffen. In verschiedenen Themenecken zu bekannten Filmklassikern können Gäste beim Spaziergang durchs Hotel ein Stück Filmgeschichte hautnah erleben. Einzigartige Setbilder und Aufnahmen von Filmen und Poster des Berliner Filmproduzenten und Hoteleigentümers Artur Brauner vervollständigen die cineastische Atmosphäre. Jedes der 217 Zimmer und Suiten ist nach einem berühmten Schauspieler oder einer Filmlegende benannt und mit einem Porträt sowie einer Biographie ausgestattet.

 

Beitrag: Frank Bürger

 

 

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