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Margot Käßmann zum Erntedankfest 2014 im Evangelischen Johannesstift Berlin. Foto: Evangelisches Johannesstift Berlin

Berlin (fb) Margot Käßmann predigt am 15. April 2018 um 9.30 Uhr im Evangelischen Johannesstift Berlin als Reformationsbotschafterin im Rahmen eines Fernsehgottesdienstes.  Voraussichtlich ihre letzte Predigt im Fernsehen. Ende Juni wird sie in der Marktkirche zu Hannover in den Ruhestand verabschiedet. Weitere Stationen bis dahin sind unter anderem Münster, Peking und Heidelberg.

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Unterwegs im Haus Wahnfried. Foto: Joanna Bürger

 

Berlin (fb) Richard Wagner war politisch. Und gerade die Auseinandersetzung mit dem „Hoftheater Hitlers“ in Bayreuth macht einen kritischen Blick auf den Mythos um Festspielhaus, Haus Wahnfried, Strahlkraft und Schaffen unumgänglich.

Blick nach Baden-Baden

In der Nachfolge des legendären Herbert von Karajan prägte Simon Rattle das Auftreten der Berliner Symphoniker. Die Bedeutung des Klangkörpers in der Liga der besten Orchester der Welt ist unumstritten, sein Ruf fast einzigartig. So ist es ein internationaler kultureller Höhepunkt, dass er in einer Neuinszenierung die Musiker am Sonnabend und über die Ostertage in Baden-Baden zum Gral führt. Mit Spannung wird die Neuinszenierung des Parsifal von Dieter Dorn zu den Osterfestspielen erwartet. Der „Karfreitagszauber“ ist ein Höhepunkt der letzten Oper des Meisters.

„,Ich wüßte nicht, auf welchem Wege ich je des reinsten sonnenhellen Glücks theilhaftig geworden wäre als durch Wagner’s Musik: und dies obwohl sie durchaus nicht immer von Glück redet, sondern von den furchtbaren und unheimlichen unterirdischen Kräften des Menschentreibens, von dem Leiden in allem Glücke und von der Endlichkeit unseres Glücks; es muß also in der Art, wie sie redet, das Glück liegen, das sie ausströmt“, lesen wir in einer nachgelassenen Aufzeichnung  Friedrich Nietzsches vom Sommer 1875.

Ja, es gab den Bruch zwischen Nietzsche und Wagner, aber er war nicht endgültig

Der Journalist Helmut Hein schreibt in der Mittelbayerischen Zeitung:

„Wagner hatte seine großen Themen früh gefunden und im vorrevolutionären Paris der 1840er Jahre und auf den Barrikaden der 48er-Revolution, die ihn zum „Staatsfeind“ machte, verfestigt. Der „Ring“ ist nicht nur in der erst heftig umstrittenen, dann einhellig gefeierten Jahrhundert-Inszenierung Patrice Chéreaus (1976) kapitalismus- und modernitätskritisch. Das Geld und die „Verträge“ sind Schuld an Entfremdung, Weltuntergang und „Götterdämmerung“. Die Liebe erscheint als große verzaubernde und zerstörende Himmels- und Höllenmacht, die zu Tod („Tristan“) und Erlösung („Parsifal“) führt.

Die Lektüre Schopenhauers macht den Erneuerer zuerst zum spätzeitlichen Pessimisten, dann zum christlichen Heilssucher, der wie viele seiner romantischen Vorläufer am Ende seines Lebens auf der Flucht vor einem gefräßigen Nihilismus „zu Kreuze kriecht“. Und alles wird bei Wagner nicht nur These, sondern Szene und Musik, ein aufgeladener Kosmos der Sensationen und Sounds. Nicht bloß der späte Verächter Nietzsche konstatiert bei ihm eine Tendenz zur Auflösung. Wer sich Wagner hingebe, überlasse sich einer Droge.“

Eine Droge, die wirkt.

Blick nach Karlsruhe

Am Badischen Staatstheater wurde das Abenteuer gewagt, den Ring mit unterschiedlichen Regisseuren zu inszenieren, ein gelungenes Unternehmen, das zu Ostern und im Mai zu bewundern ist. Dazu rückte die Uraufführung von Uraufführung von Avner Dormans Bayreuth-Oper „Wahnfried“. Sie fokussiert die Wirren im Familienleben nach dem Tod Wagners. Der reine Wahnsinn ist es im Zusammenbrechen dem Briten Houston Stewart Chamberlain zu begegnen, der seine erste Frau Anna für Richards Tochter Eva links liegen ließ und ansonsten vorwiegend rechtes Gedankengut verbreitete. Die Vorherrschaft der arischen Rasse war für ihn reine Selbstverständlichkeit und sein fanatisches Streben, Deutsch zu werden, Deutscher zu sein, zeigt Regisseur Keith Warner in unter die Haut gehenden Momenten.

Ein fataler Irrtum bestärkte den Zerfall Deutschlands. Vier Wochen vor Hitlers Münchner Putschversuch am 9. November 1923 schrieb ihm Chamberlain: „Sie haben Gewaltiges zu leisten vor sich, aber trotz Ihrer Willenskraft halte ich Sie nicht für einen Gewaltmenschen.“

Wahnfried

So ist es folgerichtig, dass sich auch die Leitung des Hauses Wahnfried vorbildlich mit dem „Politikum Wagner“ auseinandersetzt.

Auf der Homepage ist zu lesen:

„Friedelind Wagner, die älteste Tochter von Richard Wagners Sohn Siegfried und dessen Frau Winifred, war eine der prominentesten Vertreterinnen der Opposition gegen die Festspiele als „Hitlers Hoftheater“ und die begeisterte Schützenhilfe aus Wahnfried. Sie hat bewiesen, dass man als „Wagner“ durchaus kein Nationalsozialist sein musste. Am 29. März 2018 wäre sie 100 Jahre alt geworden. „Ich lasse mich nicht zermahlen!!!“ schrieb Friedelind Wagner am 6. November 1939 in einem Brief an ihre Tante Daniela Thode. Friedelind Wagner steht mithin für einen bedeutsamen Kontrapunkt gegen den Geist, der sich exemplarisch im Siegfried Wagner-Haus manifestierte. Von Jugend an gab sie das „schwarze Schaf“ in der Familie und ging nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 im Alter von erst 21 Jahren ins entbehrungsreiche amerikanische Exil. Es ist indessen schwer zu beurteilen, ob der endgültige Bruch mit Wahnfried vor allem politischen Überzeugungen entsprang oder in höherem Maße ihrer notorischen Daueropposition gegen die Mutter und ihrer Außenseiterrolle in der Familie. In jedem Fall wurde Friedelind Wagner, inzwischen amerikanische Staatsbürgerin, nach ihrer Rückkehr nach Bayreuth 1953 als „Verräterin“ beschimpft.

Das Richard Wagner Museum zeigt vom 30. März bis 27. Mai 2018 unter dem Titel „‚Ich lasse mich nicht zermahlen!!!‛– Friedelind Wagner und Bayreuth“ eine „Intervention“ zu Friedelind Wagner im Rahmen seiner Dauerausstellung im Siegfried Wagner-Haus.

Das Siegfried Wagner-Haus symbolisiert in besonderer Weise die nationalsozialistische Inanspruchnahme Wagners und der Bayreuther Festspiele. Von 1936 bis 1940 beherbergte Winifred Wagner hier Adolf Hitler während seiner Festspielbesuche. Sie selbst lebte darin bis zu ihrem Tod 1980. Dieser historisch in besonderer Weise kontaminierte Ort ist heute Schauplatz der Dokumentation und Darstellung der Ideologiegeschichte Wagners, der Bayreuther Festspiele und der Wahnfried-Familie vor und während des „Dritten Reichs“.

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Foto: Matthias Baus „Götterdämmerung“ im Badischen Staatstheater. Katharine Tier (Waltraute, 1. Norn, Flosshilde), Dilara Baştar (2. Norn, Wellgunde), An de Ridder (3. Norn)

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Beitrag: Frank Bürger

 

 

 

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Schloss Ribbeck. Foto: Frank Bürger

Ribbeck (fb). Theodor Fontane steh im nächsten Jahr im Mittelpunkt des historischen Gedenkens. Dazu gehört natürlich Schloss Ribbeck im Havelland.

Hier die besonderen Worte:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Hier noch ein paar Fotos

Beitrag: Frank Bürger

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Tabakmuseum in Vierraden. Foto: Frank Bürger

Vierraden (fb) Die Landwirtschaft in Deutschland und Polen steht im Mittelpunkt eines internationalen Projektes vor dem Osterfest. Ein Experte wird gesucht.

Das badische Schwetzingen beschäftigt der Spargel, das uckermärkische Vierraden war und ist Hochburg des Tabaks.

Intensiv hat sich das Tabakmuseum mit der Geschichte des Tabaks auseinandergesetzt, wie er nach Europa kam:
„Der wildwachsende Tabak gedieh ursprünglich nur in den tropischen und subtropischen Gebieten nahe des Äquators. Forschungsreisende brachten Pflanzen und Samen aus Mittel- und Südamerika als botanische Kuriosität nach Europa, wo zuerst in Botanischen Gärten der Anbau erfolgte. Durch Züchtung entstanden Sorten, die den klimatischen Bedingungen der Alten Welt angepasst waren. Ende des 17. Jh. gab es in Westeuropa bereits einen wirtschaftlichen Tabakanbau, von hier verbreitete sich die Pflanze bis zum Ende des 18. Jh. nach Asien, Afrika und Australien.

1492 sah Kolumbus auf den Westindischen Inseln erstmals rauchende Indianer. Die Aruaks, die Ureinwohner Kubas und Haitis rauchten Tabak, den sie in ein trockenes Mais- oder Tabakblatt einwickelten. Diese Rauchrolle, nicht die Pflanze, nannten sie tabago. Die Spanier übernahmen die Bezeichnungen auch für die Pflanze und so gelangte das neue Wort in viele europäische Sprachen.“

Die heutige Museumsleiterin Karin Stockfisch hat sich intensiv für die Entwicklung dieses Museums in Vierraden eingesetzt. Die ehemalige Bürgermeisterin der einstigen selbstständigen Stadt Vierraden hat dieses Territorium entwickelt. Höhepunkt des Kalenders  ist alljährlich  nun mal das Tabakblütenfest.

Was ist auf der Homepage dazu zu lesen:

„Vierraden ist ein Glücksfall für die Kulturgeschichte. Der Tabak, der den Bauern seit über 300 Jahren den Wohlstand brachte, hat dem Ort sein ganz besonderes, mit anderen Orten kaum vergleichbares Erscheinungsbild gegeben und lebt noch immer in den Herzen seiner Einwohner.

Mächtige Tabaktrockengebäude, Schuppen aus dunkelbraunen Holzbohlen, massive Tabakspeicher und einfache Feldschuppen prägen bis heute die Hofgrundstücke und sind bauliches Zeugnis des Tabakanbaus als einer bäuerlichen Wirtschaftsform, die sich an den Ufern der Oder, von Lunow bis nach Gartz, erstreckte. Die massiven Scheunen und Speicher entstanden zur Lufttrocknung des damals meistverbreiteten Zigarrentabaks.

Hier in den Orten am Rande des Nationalparks „Unteres Odertal“ und besonders in der Ackerbürgerstadt Vierraden sind diese Bauten als Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft noch erlebbar. Charakteristisch sind die zahlreichen Luken und Dachöffnungen zum Be- und Entlüften der Tabakblätter. Mit Wehmut denkt so mancher Uckermärker an die Zeit, als im August auf zahlreichen Feldern der Tabak rosa blühte und der schon in den Hang gebrachte Tabak seinen unverwechselbaren Duft verströmte. Doch der Wandel vollzieht sich auch in Vierraden. Wo vor über zwei Jahrzehnten noch viele Hektar Tabak angebaut wurden, jeder Zipfel Land mit dieser subtropischen Pflanze bepflanzt wurde, ist der Kleinanbau gänzlich zum Erliegen gekommen.

Nur noch ein moderner Betrieb, mit effizienten Pflanz-, Bearbeitungs- und Erntemaschinen, die Uckermärkische Tabak GmbH, produziert auf ca. 75 Hektar, die Kulturpflanze, die für diese Region über dreihundert Jahre von so großer Bedeutung war und die den Menschen Arbeit und Brot brachte. Wenn der Verein für Heimatgeschichte und Traditionspflege Vierraden e.V. und das Tabakmuseum Vierraden jährlich im August alle Gäste zum Tabakblütenfest einladen, dann ist das eine besondere Form der Weitergabe des kulturellen Erbes von einer Generation zur nächsten. Es zeigt die besondere Wertschätzung der Lebensleistung der hier lebenden Generationen von Tabakbauern und den damit verbundenen Sitten und Gebräuchen.

Alle zwei Jahre wird eine neue Tabakkönigin gewählt. Sie muss in Anwesenheit der Festbesucher und vor einer Jury beweisen, dass sie über den Tabak gut Bescheid weiß. Dabei ist ihr Wissen über die Biologie der Pflanze genauso gefragt, wie über deren Anbau, Ernte und Verarbeitung.

Im Tabakmuseum findet aus diesem Anlass immer eine zünftige „Tabakköst“ mit Kuchen und Likör statt.“

Der Vierradener Tabak eignet sich gut als Einlage für Zigarren und war weit besser als sein Ruf. Neben Zigarrenfabriken in der Pfalz, Schlesien, Sachsen und Pommern, die diesen Tabak mit den höher geschätzten Überseeblättern mischten, gab es kleine ansässige Firmen, die Zigarren herstellten.

Erdgeschoss, Obergeschoss, Dachgeschoss und Außengelände erklären die Historie und Entwicklung des Tabaks in der Region.

Aber ohne Personen geht es ja nicht:

Der letzte Zigarrenmacher in Vierraden war August Friedrich Koch, der in Heimarbeit tätig war. Als Werkstatt diente die Küche. Der ältere Bruder Gustav Koch betrieb in der Berliner Chausseestraße eine eigene Zigarrenfabrik.

Nun sind wir bei Berlin und der Kurpfalz angekommen…

Hie reine persönliche Bemerkung. Auch mein Großvater war Zigarrenfabrikant. Und die Firma Neuhaus in Schwetzingen, die ihre Lagerkeller in der Lindenstraße in Schwetzingen hatte, genoss nicht nur badischen Ruhm. Die Marke La Paloma Princess des Unternehmens wies auf die Bedeutung des Tabaks hin …Vierraden macht vor, was in Schwetzingen mit Spargel- und Tabakanbau realisiert werden könnte. Wenn der politische Wille da wäre…

Ein grenzüberschreitendes Projekt beschäftigt sich nun mit Agrarpolitik.

Die in Georgien geborene Dozentin Mariam Pirveli doziert an der Universität Stettin.

Sie engagiert sich in dem georgischen Projekt „Moli in Kakheti“ in Tbilisi.

Das Thema einer Reise mit neun Projektteilnehmern ist der Agrarjournalismus in Deutschland und Polen.

Am 30. März sucht sie im Zeitraum von 11 bis 15 Uhr im Raum Berlin / Uckermark einen Journalisten mit Kompetenzen im Bereich der Agrarpolitik.

Ziele der Veranstaltung sollen sein:

Wie sind die Agrarmedien weiter zu entwickeln?

Wie sieht es mit der Finanzierung in Deutschland und Polen aus?

Welche Organisationen und Institutionen beschäftigen sich in Deutschland mit dem Thema Agrarjournalismus?

Wie kann man sich weiter in diesem Bereich international vernetzen?

Inwieweit werden Studiengänge für dieses Genre angeboten?

Hintergrund: In Georgien gibt es eine Vereinigung der Agrarjournalisten
Wie sieht es damit in der BRD aus?

Bei Interesse bitte melden über die Adresse Frank.Buerger@deutsch-polnische-nachrichten.eu

Beitrag: Frank Bürger