
Berlin. Die Welt feiert in diesem Jahr den 200. Todestag des Dichterfürsten Johann-Peter Hebel. Die Spuren reichen auch nach Berlin.
Von Frank Bürger
An einer Wand in den Schwetzinger Bürgerstuben hängt sie noch. Die Urkunde zur Johann-Peter-Hebel Medaille, die dem Autor als Gymnasiast des Johann-Peter-Hebel-Gymnasiums auf Initiative seines Musiklehrers Werner Boll und des damaligen Oberstudiendirektors Walter Bärle von dem damaligen Oberbürgermeister Gerhard Stratthaus überreicht wurde.

Nun feiert die Welt den 200. Geburtstag Hebels, der sein Grab neben der einstigen Hildaschule, dem Hebelhaus und der Stadtbibliothek hat. So wurde auch bewusst das Hebelhaus für die Buchpremiere von „Auf den geheimnisvollen Spuren von Albert Schweitzer“ ausgewählt.
Die Stadt Schwetzingen feiert dieses besondere Ereignis
Anlässlich des 200. Todestages von Johann Peter Hebel lädt die Stadt Schwetzingen am Samstag, 19. September 2026, von 15 bis 18.30 Uhr zum Symposium „Johann Peter Hebel – Prälat, Dichter, Mensch“ in den Vortragsraum (EG) des Palais Hirsch (Schlossplatz 2) ein. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Badischen Heimat (Ortsgruppe Schwetzingen), dem Mannheimer Altertumsverein und der Volkshochschule Bezirk Schwetzingen durchgeführt.
Johann Peter Hebel zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der badischen Kultur- und Literaturgeschichte. Als evangelischer Theologe, Prälat, Pädagoge und Dichter prägte er mit seinen Schriften weit über seine Zeit hinaus Sprache, Bildung und Literatur. Das Symposium nimmt den 200. Todestag zum Anlass, Hebels Leben, Werk und Wirkung aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven zu beleuchten und seine Aktualität für die Gegenwart herauszuarbeiten.
Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Matthias Steffan und einer Einführung durch den Moderator Lars Maurer, Leiter des Museums der Stadt Schwetzingen, eröffnet Stadtarchivar Joachim Kresin das Symposium mit einem Kurzimpuls zur Bedeutung Schwetzingens zur Zeit Hebels und den Beziehungen des Dichters zur kurpfälzischen Residenzstadt.
Im Anschluss widmen sich fünf Vorträge zentralen Facetten des vielseitigen Gelehrten: Prälat i. R. Traugott Schächtele spricht über „Gottesrede und Menschenbild – die Fragen der Gegenwart und die Theologie Hebels“. Elmar Vogt beleuchtet die Rezeptionsgeschichte der „Biblischen Geschichten“, während Prof. Dr. Hermann Wiegand Hebels Korrespondenz unter dem Titel „Hebel und seine Briefpartnerinnen und Briefpartner – Versuche einer Typologie“ untersucht. Rosmarie Wiegand richtet den Blick auf „Hebel als (früher) Ökologe“ und zeigt die erstaunliche Modernität seines Naturverständnisses auf. Den Abschluss bildet der literarisch-musikalische Beitrag „Johann Peter Hebel. Mein Traum-Tagebuch“ von Martin Jösel, begleitet von der Cellistin Ute Hüffmann.
Quelle: Stephan Bauer, Stadtverwaltung Schwetzingen
Traugott Schächtele macht zum Jubiläum noch folgende Angebote…
27. September 2026, 10 Uhr, Hebelgottesdienst in der Freiburger Ludwigskirche, Starkenstraße 8
5. November 2026, 19.30- 21 Uhr, Hebelrevue: Zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit, Maria Magdalena Kirche Freiburg, Maria von Rudloff-Platz 1

Mit dabei auch Prälat i. R. Prof. Dr. Traugott Schächtele, Autor der Deutsch-Polnischen Nachrichten

Hier führen natürlich die Spuren nach Berlin.


Aber auch die Spuren Hebels reichen nach Berlin, obwohl er nie in Berlin war, nämlich über die Johann-Peter-Hebel-Grundschule im Stadtteil Charlottenburg

Das Schulhaus wurde 1909-10 als drei- bis viergeschossiger Mauerwerksbau in geschlossener Bebauung von Otto Herrnring gebaut und am 1. April 1910 als Fichte-Realgymnasium für Jungen eingeweiht. Von 1910 bis 1914 gab es ein Kuriosum auf dem Schulgelände. Auf dem heutigen Fußballplatz stand eine Fregatte der Kaiserlichen Marine in voller Größe auf dem Trockenen und diente als Schulschiff der Ausbildung der Fichte-Schüler zu Seekadetten.
Das Schiff war 36 Meter lang und 18 Meter hoch. Es hatte zwei Masten mit voller Besegelung, Rettungsboote und allerhand Kanonen an Bord. Zwei Offiziere im Ruhestand lebten an Bord und leiteten die Ausbildung. Auf dem ersten Kriegsschiff auf deutschem Boden (also nicht im Wasser) wurde natürlich auch geschossen – mit Platzpatronen. Später wurde dieser Platz zur Kunsteisbahn.
Ein Schüler des Fichte-Realgymnasiums für Jungen war Marcel Reich-Ranicki. Er hat hier als einer der letzten jüdischen Schüler 1938 sein Abiturzeugnis erhalten. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte eine Fliegerbombe Teile des Daches mit einem schönen Uhrturm.
Bis 1949 wurden die meisten baulichen Schäden beseitigt, die Aula konnte aber erst 1963 wieder in Betrieb genommen werden. Untergebracht wurde hier jetzt die Fichte-Hauptschule. Für diese wurde das Gebäude wegen abnehmender Schülerzahlen zu groß. Deshalb zog 1990 die Johann-Peter-Hebel-Grundschule ein.
Am 19. Mai 2010 wurde das Richtfest für den Erweiterungsbau gefeiert, in dem neue Gruppen- und Klassenräume sowie ein neuer Mehrzweckraum entstanden. Am 21. Januar 2011 wurde das fertige Gebäude übergeben.
Die Schule kann stolz sein: Denn ein Schüler des Fichte-Realgymnasiums war Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki.
Die historische Verbindung von Fichteschülern zu Seekadetten bezieht sich primär auf die Städtische Fichteschule (die Oberschule für Jungen in Berlin-Wilmersdorf) und deren enge Verknüpfung mit der Marine-Jugendwehr im frühen 20. Jahrhundert.
An der Fichteschule existierte eine eigene Marine-Jugendwehr. Schüler wurden dort bereits früh in seemännischen Grundfertigkeiten, Disziplin und Navigation unterrichtet.
Nach der ersten Zeit auf See absolvierten die Fichteschüler einen theoretischen Lehrgang an der Marineschule
Erst nach dem Bestehen der dortigen „Seekadettenprüfung“ erhielten sie offiziell den permanenten Rang des Seekadetten (bzw. Fähnrichs zur See). Es folgte eine rund zweijährige Welt- oder Auslandfahrt auf einem Schulschiff, um die praktische Seemannschaft und den weltmännischen Umgang zu erlernen, bevor die Beförderung zum Leutnant zur See anstand.
Also wieder von einer Schule hinaus zur See..
Auszug aus einer Rede anlässlich des 250. Geburtstages von Johann-Peter-Hebel – am 20.05.2010
„Meine Damen und Herren,
lassen Sie uns nun noch weiter auf der Zeitleiste zurückgehen, und zwar in die Lebenszeit des Johann Peter Hebel von 1760 bis 1826. Hebel lebte damals in einer Zeit großer Dichter und Denker wie Goethe, Schiller oder Kant, sowie ebenso großer Komponisten wie Mozart und Beethoven.
In Preußen herrschte Friedrich der Große und Schinkel verschönerte mit seinen Bauwerken unsere Stadt, z.B. mit dem Schauspielhaus, mit dem Alten Museum oder mit dem Schloss Glienicke. Langhans erbaute das Brandenburger Tor. Caspar David Friedrich malte die Rügener Kreidefelsen und William Turner malte den Bodensee.
Es war eine kreative und schöpferische Zeit aber auch eine Zeit voller revolutionärer Umbrüche, die die Welt veränderten.
Da wären zu nennen:
Die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika und die Französische Revolution, Napoleon und die Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress.
Auch das Leben Hebels wurde davon geprägt.
Wer war nun Johann Peter Hebel?
Er verbrachte seine Kindheit in Basel. Nach Gymnasium und Theologiestudium arbeitete Hebel als Hauslehrer und Pfarrer und wurde später als Dozent und Prediger an sein altes Gymnasium nach Karlsruhe berufen, dessen Direktor er später wurde.
Zeitweise war er als Schulvisitator tätig, wir würden ihn heute Schulinspektor nennen. Bekannt geworden ist Hebel allerdings als Literat:
Mit seinen im Jahr 1803 veröffentlichten ‚Alemannischen Gedichten’ hat er dem Dialekt seiner Heimatregion ein Denkmal gesetzt und wurde damit zum bekanntesten Mundartdichter seiner Zeit.
Seinen Platz in der Weltliteratur hat Hebel allerdings mit den Kalendergeschichten erlangt. Der Badische Landkalender litt damals unter erheblicher literarischer Ödnis. Hebels Vorschläge für eine „vorteilhaftere Einrichtung“ des Kalenders führten dann zu dem Auftrag, sich doch gleich selbst um die Sache zu kümmern. So wurde der Kalender 1808 erstmalig unter seiner Redaktion vom Rheinländischen Hausfreund herausgegeben. Dieser so genannte Volkskalender beinhaltete neben dem üblichen Kalendarium auch ganz praktische Ratschläge für das tägliche Leben. Zusätzlich jedoch enthielt der Kalender – und das war gerade Hebels Verdienst – unterhaltende und belehrende Texte, wie z.B. Rätsel, Berichte oder Geschichten. Eben die Kalendergeschichten. Solch ein Kalender hing auch oft in Gasthäusern aus und war für Bauern, Handwerker oder Tagelöhner manchmal die einzige Informationsquelle.
Im Jahr 1826 verstarb Hebel in Schwetzingen.
Zu Lebzeiten blieb er immer im Hintergrund, wie hinter einer Nebelwand versteckt. Er suchte weder die Öffentlichkeit, noch brauchte er den Beifall seiner Mitmenschen.
Auch heute wissen nur wenige mit dem Namen Johann Peter Hebel etwas anzufangen.“
Quelle: Johann-Peter-Grundschule





Fotos: Anastasia Bürger
Berliner Logenhaus
Gegenüber der Schule befindet sich das Berliner Logenhais

Das Haus wurde 1911-13 von Max Grünfeld als Vereinshaus der Provinzial-Großloge erbaut und am 19.11.1913 eingeweiht. Es ist ein Mauerwerksbau mit teilweiser großflächiger Natursteinverkleidung. Bemerkenswert sind zwei bronzene Leuchter beidseitig des Doppelportals.
Quelle: Bezirksamt Charlottenburg
Einer der Bildhauerwerke ist der griechische Schreiber Homer. Dann ist der Weg zum aktuellen Filmhit „Odyssee“ nicht weit..
Der Proteuserbund
1790 gründete Hebel in Lörrach den Proteuserbund oder die Proteuserloge
Vier Männer, (Tobias) Günttert, Hebel, (Friedrich Wilhelm) Hitzig und ein untergeordneter Gerichtsaktuar schlossen sich zu diesem Bund zusammen. Den neuen Bund nannten sie nach dem griechischen Gott Proteus, einem Meeresgott und Künstler der Verwandlung. Sie organisierten diesen Bund wie eine Markgräfler Gemeinde: Günttert war der Vogt, J P Hebel sein Stellvertreter und Hitzig der geistliche Würdenträger. Als Kultstätte wählten sie sich den Belchen, den schönsten Berg im Schwarzwald und für J P Hebel das Wahrzeichen des Oberlandes. Diesen Berg bestieg J P Hebel zusammen mit Hitzig zwei Mal, was für jene Zeit ein völlig unübliches, weil nutzloses Unterfangen war. Aber diese Bergbesteigung wird für beide zu einem unvergesslichen Erlebnis und festigt ihre Freundschaft noch mehr. Vor allem Hebel und Hitzig gestalten die Welt des Proteuserbundes als ein Reich der Phantasie und der absonderlichen Wünsche und Wandlungen. Sie schaffen sich eine Traumwelt, ähnlich wie Mörike mit seiner Insel Oplid, dem Land, das von ferne leuchtet … Und sie schaffen sich eine geheime Sprache, den Belchismus, mit rätselhaften Buchstaben- und Wortverdrehungen.
Quelle: Goethe-Gesellschaft Ludwigsburg, Johann Peter Hebel – ein Zeitgenosse Goethes und Schillers und Markgräfler Dichter, April 2018
Das Schwetzinger Prinzenhaus
Ich hatte das Glück, Dr. Erwin Stemmle, den Gründungsvater kennenzulernen. 40 Jahre lang hat er als Verleger und Chefredakteur die Entwicklung der Schwetzinger Zeitung geprägt. Vorsitzende war unter anderem auch Andrea Gadamer, ehemalige Schwetzinger Amtsgerichtspräsidentin. Sie ist Tochter des weltberühmten Philosophen Hans-Georg Gadamer, den ich über meinen Musiklehrer im Europäischen Hof während einer Veranstaltung des Richard-Wagner-Verbandes Heidelberg persönlich kennenlernen durfte. Er signierte mir eines seiner Bücher. Es war einer seiner letzten öffentlichen Auftritte.
Das heutige Amtsgericht wurde 1725 als Prinzenhaus erbaut. Ab 1753 diente es als Gesandtenhaus, ab 1766 als Wohngebäude des Kurpfälzischen Oberbau- und Gartendirektors Nicolas de Pigage sowie dessen Nachfolger Friedrich Ludwig Sckell (ab 1796) und Johann Michael Zeyher (ab 1804). Der alemannische Dichter und damalige Prälat, Johann Peter Hebel, verstarb hier am 22. September 1826.

Hans-Georg Gadamer

Gadamer (1900–2002) war einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts und gilt als der Begründer der modernen philosophischen Hermeneutik. International berühmt wurde er durch sein 1960 erschienenes Hauptwerk Wahrheit und Methode. Er prägte das Verständnis darüber, wie Menschen Texte, Kunst, Geschichte und einander im Alltag verstehen und interpretieren.
Quelle: Hans Georg Gadamer Gesellschaft

So war es mir vergönnt, im Europäischen Hof im Jahr 2002 einer seiner letzten Vorträge zu hören.
