Schweitzer-Times 2025 im Herbst

Berlin. Ende September und im Oktober bekommt der Schweitzer-Hype 2025 nochmals Schwung. Wir schauen nach Schwetzingen und Berlin. Am 26. Oktober gibt es um 16 Uhr im Schwetzinger Hebelhaus die Präsentationspremiere.

Von Frank Bürger

„Der Journalist und Theologe Frank Bürger ging den Darstellungen unserer Autorin Carla Thompkins aus ihrem biografischen Text „Opa, Onkel Hellmut, Castadarrow und ich“ nach. Das Bändchen eröffnete im April 2022 unsere „Reihe Biografie“. Als Kind hatte Carla Thompkins in Schwetzingen den Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer getroffen. Mehr noch: Ihr Onkel Hellmut Cramm pflegte als junger Student vertrauten Umgang mit Schweitzer – in Schwetzingen, in Frank Bürgers Heimat! Der Autor begab sich auf Spurensuche.
Sein Text erschien zuerst auf der Seite der Deutsch-Polnischen Nachrichten und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht“, so schreibt der Berliner Erzählverlag auf seiner Seite.

Die Autorin Carla Thompkins veröffentlichte noch ein weiteres Band zu ihrem inzwischen verstorbenen „Onkel Hellmut“.

Das Titelbild ziert das Foto von mir. Hier eine Rezension auf der Seite der Deutsch-Polnischen Nachrichten.

Nun ist Carla Thompkins in Schwetzingen zum Schweitzer-Jubiläum zu Gast.

Foto: Carla Thompkins

Unzählige berühmte Menschen besuchten Schwetzingen: Künstler, Schriftsteller, Ärzte, Politiker und das nicht nur in der Festspielzeit. Unter ihnen war in der 1950er Jahren der Nobelpreisträger Albert Schweitzer.

Albert Schweitzer war in Sommer 1959 in Schwetzingen, um sich zu bedanken für die großzügigen Spenden, die er aus der Spargelstadt erhielt. Schweitzer hielt sich bei Familie Cramm in der Carl-Theodor-Straße auf. Hier gab der Friedensnobelpreisträger Hellmut Cramm und der damals neun Jahre alten »kleinen Cramm« einen Merksatz für deren zukünftiges Leben mit: »Die Menschen werden den Wein zurückweisen, wenn Gott ihnen Wein einschenken will.« 

Es war nun dem »Schwetzingen Buben« Hellmut Cramm ein großes Anliegen in Buchform festzuhalten, wie er seinem großen Vorbild Albert Schweitzer nacheiferte. Aus dem Knaben, der noch die Wirren des Zweiten Weltkriegs in Schwetzingen erlebte, wurde ein beispielhafter Erklärer von geistigen Wahrheiten. Sein Leben wurde maßgebend beeinflusst durch mehrere Begegnungen mit Albert Schweitzer. Hellmuts Nichte berichtet am 20. September 2025 in der Stadtbücherei Schwetzingen ab 16:30 Uhr mehr darüber. Auch wenn der Lebensrückblick von Hellmut Cramm als Erzählroman  geschrieben wurde, so hat die Familie Cramm für diese Erzählrunde ihre Privatarchive durchsucht und einiges Material zusammengetragen, das bei der Buchvorstellung gezeigt wird.

Aus der »Kleinen Cramm«, wie die Schwetzinger die Referentin als Kind nannten, wurde eine Weltbürgerin wie ihr Großonkel Gottfried. Sie heißt jetzt Carla Thompkins und ist tätig als Wissensvermittlerin, Beraterin und Autorin. Sie besuchte das Hebel-Gymnasium bis zum Abitur. Als sie 15 Jahre alt war, wurden ihre Zeichnungen und Bilder in den Zirkelsälen des Schlosses ausgestellt. Mit 17 Jahren gewann sie einen bundesdeutschen Wettbewerb mit der Gestaltung eines Plakats für die deutschen Sportmeisterschaften. Wegen ihrer Begeisterung für Kunst studierte sie zunächst Kunstgeschichte an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg, wendete sich aber dann lebenspraktischen Berufen zu.

Carla Thompkins verbrachte die letzten drei Jahrzehnte ihres Lebens als Regierungsberaterin in Südosteuropa. Danach leitete sie Kommunikationstrainings für Führungskräfte in Kalifornien und half Unternehmen bei der ‚Kunst der Öffentlichkeitsarbeit‘. Ihr letzter Einsatzort war an einer Universität in Kasachstan. Wenn sie nicht unterwegs ist, genießt sie jetzt das Wandern mit ihrem Ehemann in den Bergen des Hochsauerlandes. Während der Pandemie fing sie an, Romane zu schreiben und kam den Wunsch ihres Onkels Hellmut nach, über sein Leben zu schreiben.

Quelle: Stadt Schwetzingen

Der Ort ist gut gewählt: Denn hier befindet sich eines der letzten Exemplare des Buches „Kloster Götschendorf“

Ausgang meiner Beschäftigung war ein anderer Ort: die Spandauer Nikolaikirche. Der Potsdamer Autor Klaus Hugler schickte mich auf die „geheimnisvolle Spurensuche“ nach Albert Schweitzer

Verbundenheit zu Prälat i. R. Prof. Dr. Traugott Schächtele, der sich gerade von dem Zauber anstecken ließ und am 1. September 2025 folgende Zeilen verfasste

Ein Lebensbekenntnis – Albert Schweitzer nachgespürt

01.09.2025

Ich glaube an Gott,

die Quelle alles Lebens. Aus ihr wächst mir die Kraft zu, meinen eigenen Lebenskräften zu vertrauen. Alle meine Lebensenergie beziehe ich aus dem Willen, immer auf der Seite des Lebens zu stehen. Du, Gott, bis Leben, das leben will, damit auch ich spüre: Ich bin Leben, das leben will. inmitten von Leben, das leben will.

Mein Vertrauen setze ich in den Menschen, aus dessen Angesicht mir Gottes Gegenwart entgegenleuchtet.

Wo der Blick sonst stumpf wird und die Haut hart wie ein Panzer, da bleibt dieser Mensch durchscheinend auf Gott hin. Der Tod konnte ihm die Wege ins Leben nicht abschneiden. Weil er zum Christus aller Lebendigen wurde,durchdrungen von aller Lebendigkeit aus Gott,bleibe auch ich voller Leben.Wie für den, dem Gott unendlich nahe war, gilt auch für mich: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.

Beflügeln lasse ich mich von Gottes Geistkraft.

Sie macht lebendig, wo die Handlanger des Todes allem, was lebt, den Garaus machen wollen. Sie hält lebendig, wo die eigenen Lebenskräfte an ihre Grenze kommen. Sie ermöglicht Gemeinschaft, aus der meine Lebenskräfte entspringen. Gottes gute Geistkraft durchpulst und fördert alles, was lebt. Was mir den Weg zur Lebendigkeit Gottes verwehren will, räumt sie für mich aus dem Weg. Wo meine Stimme versagt, lässt sie mich dennoch nicht verstummen. Ich rede aus Gottes Geistkraft, die mir einhaucht, was ich glaube: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.

Heute und für immer.

Amen.

Über diese literarische Beschäftigung lernte ich in der Schwetzinger Region auch Herausgeber Wolfgang Schröck-Schmidt kennen, der nun das Buch zu der geheimnisvollen Spurensuche herausbrachte.

26. Oktober in Schwetzingen präsentiert

Zu der geheimnisvollen Reise gehörte auch ein Festgottesdienst in der Weihnachtskirche am 19. Januar 2019, meine Mutter feierte ihren 85. Geburtstag.

Auch am 25. Mai gab es mit dem Schwetzinger Landtagsabgeordneten und Autoren Andreas Sturm eine Podiumsdiskussion mit Schweitzer-Note

Andreas Sturm mit der Schweitzer-Torte

Auch der bereits vor über 10 Jahren angelegte Albert-Schweitzer-Tee erlebte eine Renaissance.

Eine der ersten, die Tee beordert hat, ist Carla Thompkins.

Auch in meinem Buch zum „Kloster Götschendorf“ spielen Tee und Albert Schweitzer eine Rolle

Foto: Carla Thomkins

Als Neubürgerin im Hochsauerland entdeckte ich zuerst den Ferienort Niedersfeld. Genauer gesagt, mein Hund entdeckte Niedersfeld, weil es im Mühlenlanden das beste Hundefutter gab. Aber dann bemerkte ich, dass es in diesen schönen Ort alles gibt, was der Mensch jeden Tag zum Leben braucht. Ich entdeckte im Gemeindehaus auch eine kleine feine Bücherei. Die nette Dame in der Bücherei realisierte mehrere Male, dass ich mir exotische Bücher über die Fernleihe ausleihen konnte, sogar Bücher von Enver Hoxha, als ich einmal etwas über das Phänomen der Blutrache recherchieren wollte.
Was lag da näher, dass ich mich auch revanchierte und ein Buch meines Freundes Frank Bürger in der Bücherei ließ.

Frank Bürger ist der Verfasser des Buches »Kloster Götschendorf«. Er schreibt über das einzige Kloster der Berliner Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche. Das Klosterleben findet jetzt in einem Herrenhaus statt, das zeitweise von Hermann Göring genutzt wurde während der Zeit des Nationalsozialismus. Für die geistige Führung ist jetzt im Kloster Abt Daniil Irbits zuständig.

Dieses Buch findet nur große Beachtung, nicht nur von meinen Hund Hatschiko, der auch in die Bücherei darf und so tut, als ob er er lesen kann.“

In den Gemeinderäumen der Weihnachtskirche wurde der Tee von Carolin Richter kreiert

Caroline Richter mit der ersten Tasse vom Albert-Schweitzer-Tee

Beim Besuch am 21. Juni in Zerben trafen wir auch Landwirt Daniel Ladwig, der auch zum Kreistag Jerichower Land gehört. Auf seinem Hof wird der Albert-Schweitzer-Tee, jedenfalls die Melisse dazu angebaut. „Inzwischen wurde auch schon etwas geerntet und wird getrocknet“, sagt er

In Zerben ist der Weg dann nicht weit zu Theodor Fontane

Foto. Frank Bürger

„eine Geschichte nach dem Leben“

So heißt es 1895 in einem Brief von Theodor Fontane an Marie Uhse. Das Ehe-Epos und Schicksal der gleichnamigen Titelheldin „Effi Briest“ beruht auf der wahren Geschichte der Elisabeth von Ardenne, geb. Edle und Freiin von Plotho.

An den Ufern der Elbe wird sie 1853 im Schloss Zerben, zu jener Zeit im Besitz der Familie von Plotho, geboren. Dort wächst Elisabeth, jüngste Tochter des Edlen Freiherrn Carl Albrecht Felix von Plotho und Franziska Maria geborene Welling, mit ihren drei Schwestern und dem ältesten Bruder Wolfgang, dem einzigen männlichen Nachkommen, auf.

Elisabeth, im Kreise der Familie kurz „Else“ gerufen, zeigt sich in ihrer Kindheit als ein äußerst aufgeschlossenes, lebhaftes junges Mädchen. Mit ihren vornehmlich männlichen Spielkameraden verbringt Elisabeth so viel Zeit wie möglich in der Natur. Nicht selten wird ihr unerschrockenes und temperamentvolles Auftreten zum Gegenstand von Gesprächen der Dorfbewohner Zerbens, welche die junge Elisabeth schlicht und liebevoll „unser Elseken“ nennen. Elisabeth und ihre Geschwister lieben in Kindertagen besonders die Ausflüge zum Forsthaus in Penningsdorf und die Picknicks mit ihrer Mutter.

Die Erziehung Elses liegt jedoch in weiten Teilen in den Händen des Pfarrers, einer Gouvernante und einer Privatlehrerin, die von Else als langweilig und unfähig beschrieben wird.

1864 verliert die junge Elisabeth ihren Vater durch einen tödlichen Jagdunfall. Die Mutter ist es nun, die die Güter Zerben, Penningsdorf und Güsen alleine führen muss. Diese Verantwortung tragend und der Reputation des Herrengeschlechts verpflichtet, bemüht sich die Mutter ihre Töchter statthaft unter die Haube zu bringen.

So kommt es, dass die vierzehnjährige Else mit dem Fähnrich Léon Armand von Ardenne, einem Zieten-Husar der Garnisom von Rathenow, bekannt gemacht wird. Wider Willen wird die noch kindliche Else von ihrer Mutter angehalten, dem Klavierspiel Ardennes zuzuhören. Die Mutter Elses ist sichtlich bestrebt, eine Heirat beider in die Wege zu leiten.

Dabei ist es zu jener Zeit freilich nicht die Liebe, die eine Ehe begründet. Vielmehr gilt es vordergründig sowohl monetären als auch gesellschaftlichen Einfluss durch eine standesgemäße Heirat zu sichern. Elisabeth jedoch lehnt eine Heirat mit Léon Armand von Ardenne zunächst beharrlich ab.

Erst später fügt sich Else dem Bestreben ihrer Mutter und nimmt die Ablehnung einer Heirat in einem Brief an Armand zurück. Dieser schickt ihr daraufhin Feldpost von der Front und bittet seinen Vater im Folgenden um Erlaubnis, Else zu ehelichen.

1871 findet die Verlobung Léon Armand von Ardennes und Elses in Stechow bei Rathenow und 1873 sodann die Hochzeit in Zerben statt. Am selben Tag noch verlässt Else ihr Elternhaus, das Schloss Zerben, und zieht mit ihrem Bräutigam nach Berlin.

Zwischen 1873 und 1877 bringt diese Verbindung die Kinder Margot und Egmont hervor.

Zu Gast bei Carl Robert Lessing, dem Besitzer der Vossischen Zeitung, und seiner Frau Emma macht Theodor Fontane die Bekanntschaft mit Elisabeth und Armand.

Die Familie von Ardenne verlässt Berlin jedoch schon bald, um im Schloss Benrath bei Düsseldorf am Rhein, dem einstigen Wohnsitz des Kurfürsten Karl Theodor, zu wohnen. Hier nimmt das Schicksal der unglücklich verheirateten Elisabeth seine Wendung. Sie lernt den Amtsrichter Emil Hartwich kennen und lieben. Beide wechseln fortan Liebesbriefe.

Elisabeths Ehemann aber schöpft Verdacht und findet die Schreiben Hartwichs. In der Folge dessen fordert Léon Armand von Ardenne seinen Nebenbuhler 1887 zum Duell heraus, welches für Hartwich tödlich endet. Die Ehe zwischen Elisabeth und Armand wird geschieden und die Kinder dem Mann zugesprochen.

Der „Fall Ardenne“ erhebt sich zu einem gesellschaftlichen Skandal; wird in Zeitungen thematisiert und in Tischgesellschaften diskutiert. Auch Fontane erfährt zu Gast bei dem bekannten Ehepaar Lessing von dem Ehebruch Elisabeths und den jüngsten Ereignissen in der Familie von Ardenne, die er Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts so schließlich in seinem Gesellschaftsroman „Effi Briest“ zu einem Meisterwerk verarbeitet.

Während „Effi“ in Fontanes Roman jedoch frühzeitig am Verlust ihrer Kinder zerbricht und verstirbt, wird Elisabeth im wahren Leben 98 Jahre alt. Nach sechzehn langen Jahren, in denen ihr die Kinder entzogen wurden, kann sie schließlich auch die Verbindung zu diesen wieder aufnehmen.

Elisabeth war zeitlebens eine starke, bemerkenswerte Frau mit ausgeprägter Schaffens- und Willenskraft. Sie arbeitete als Krankenschwester, reiste viel und bestieg mit 50 Jahren den 2970 hohen Berg „Scesaplana“ bei Liechtenstein. Auch im Alter zeigte sich ihre Rastlosigkeit und ihr überaus großer Willen aktiv am Leben teilzunehmen und es frei zu gestalten. So lernte sie noch mit 60 Jahren das Skilaufen und mit 80 Jahren das Radfahren.

In Gedenken an die beeindruckende Persönlichkeit Elisabeths und mit viel Liebe zum Detail stehen Gemeinde, Kreis und Land Sachsen-Anhalt für die Erhaltung dieses kulturgeschichtlichen Erbes ein. Von einer einzigartigen Wälder- und Seenlandschaft umrahmt, lädt das Schloss Zerben heute sowohl Literaturfreunde als auch Naturliebhaber zum Staunen, Entdecken und Verweilen ein.

Quelle: Schloss Zerben

Am 21. September 2025 wird das neue Schweitzer-Buch in der Weihnachtskirche präsentiert. Hier erklingt auch das neue Schweitzer-Lied

Vorpremiere in Berlin

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Am 26. Oktober wird das Schweitzer-Buch an historischem Ort präsentiert: Im Schwetzinger Hebelhaus um 16 Uhr

Auch dort befindet sich ein Friedrich Bild.

Dann sind wir beim Kunstmaler Friedrich, dessen Bild auch ein Haus der Familie Bürger in Schwetzingen ziert

Dann sind wir bei Johann Peter Hebel, wie Traugott Schächtele auch Prälat der badischen Landeskirche…der Kreis schließt sich…

C. J. A. Agricola: Doppelbildnis Johann Peter Hebel mit Elisabeth Baustlicher, 1814 (Historisches Museum Basel)

Zu Hebel

(* 10. Mai 1760 in Basel; † 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein Dichter aus dem alemannischen Sprachraum. Anlässlich der 250. Wiederkehr seines Geburtstages erinnerte man landauf landab an ihn. Bekannt wurde er vor allem durch seine „Alemannischen Gedichte“ und das „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“. Dass er von Haus aus evangelischer Theologe, Pädagoge und ein führender Vertreter der badischen Landeskirche war, ist nicht so sehr im allgemeinen Bewusstsein.

Hebel war ein gebildeter, kluger und humorvoller Mann – und er war tiefgläubig.
Seine Texte kommen leicht daher, sind aber niemals seicht oder harmlos. Er erzählt voller Tief- und Hintersinn. Alle Geschichten dienen zur Erkenntnis der Wahrheit in dieser Welt und im menschlichen Leben mit seinen Brüchen. Das ist der Grund, warum sich sogar Schriftsteller und Philosophen wie Franz Kafka, Bertolt Brecht oder Ernst Bloch auf Johann Peter Hebel bezogen haben.

Sein „Seltsamer Spazierritt“ z.B. fand sich über Jahrzehnte hinweg in Lesebüchern für den Deutschunterricht:

Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und läßt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. Kommt ein Wanderer und sagt: „Das ist nicht recht, Vater, dass Ihr reitet und lasst Euern Sohn laufen; Ihr habt stärkere Glieder.“ Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: „Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest Deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine.“ Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. Kommt ein dritter Wandersmann und sagt: „Was ist das für ein Unverstand, zwei Kerle auf einem schwachen Tiere? Sollte man nicht einen Stock nehmen und Euch beide hinabjagen?“ Da stiegen beide ab und gingen selbdritt zu Fuß, rechts und links der Vater und Sohn und in der Mitte der Esel. Kommt ein vierter Wandersmann und sagt: „Ihr seid drei kuriose Gesellen. Ist’s nicht genug, wenn zwei zu Fuß gehen? Geht’s nicht leichter, wenn einer von Euch reitet?“ Da band der Vater dem Esel die vordern Beine zusammen, und der Sohn band ihm die hintern Beine zusammen, zogen einen starken Baumpfahl durch, der an der Straße stand, und trugen den Esel auf der Achsel heim.
So weit kann’s kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.
J. P. Hebel, Werke1, Frankfurt 1968, S.224.

Erstmals aufgefallen war Hebel durch seine Alemannischen Gedichte. Mit ihnen hatte er etwas vollkommen Neues gewagt: Er verlieh dem Dialekt, der Sprache der einfachen Leute eine literarische Qualität. Die 32 Gedichte wurden vom damaligen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe anerkennend besprochen und darauf hin auch gut verkauft. Eine Beispiel-Strophe aus dem Gedicht :„Der Wegweiser“

Und wenn de amme Chrützweg stohsch,              Und wenn du an einem Kreuzweg stehst
und nümme weisch, wo’s ane goht,                        und nimmer weißt, wohin dein Pfad,
halt still, und frog di Gwisse zwerst,                       halt still, frag dein Gewissen erst,
‚s cha dütsch, gottlob und folg sim Rot.  ‚s kann Deutsch, gottlob, folg seinem Rat!
J. P. Hebel, Alemannische Gedichte, Stuttgart 1969, S. 190)

Unerfüllter Lebenstraum Hebels blieb es Landpfarrer zu werden. Stattdessen erwartete ihn eine Karriere im Schuldienst. Er unterrichtete hauptsächlich Latein, Hebräisch und Griechisch, aber auch Mathematik und Naturkunde. Dabei bemühte er sich um eine kindgerechte Pädagogik und eine starke Orientierung an den Fähigkeiten und Interessen seiner Schüler. Im Nachlass findet sich die Geschichte: „Farbenspiel“
In einer Schule saßen zwei Schüler, von denen hieß der eine Schwarz, der andere Weiß, wie es sich treffen kann; der Schullehrer aber für sich hatte den Namen Rot.
Geht eines Tages der Schüler Schwarz zu einem andern Kameraden und sagt zu ihm: „Du, Jakob“, sagt er, „der Weiß hat dich bei dem Schulherrn verleumdet.“ Geht der Schüler zu dem Schulherrn und sagt: „Ich höre, der Weiß habe mich bei Euch schwarz gemacht, und ich verlange eine Untersuchung. Ihr seid mir ohnehin nicht grün, Herr Rot!“
Darob lächelte der Schulherr und sagte: „Sei ruhig, mein Sohn! Es hat dich niemand verklagt, der Schwarz hat dir nur etwas weiß gemacht.“
J.P.Hebel, Werke 1, Frankfurt 1968, S. 118.

Später stieg er bis zum badischen Prälaten auf. Als sich 1821 die lutherische und die reformierte Landeskirche Badens zur heutigen Evangelischen Landeskirche in Baden vereinigten, war Hebel daran maßgeblich beteiligt. Aber auch in diesen Funktionen brachte er Menschen, die ihm anvertraut waren in Predigten und Briefen die Freundlichkeit Gottes nahe:


„Gott grüßt manchen, der ihm nicht dankt.“ Zum Beispiel, wenn dich früh die Sonne zu einem neuen, kräftigen Leben weckt, so bietet er dir: Guten Morgen. Wenn sich abends dein Auge zum erquicklichen Schlummer  schließet: Gute Nacht. Wenn du mit gesundem Appetit dich zur Mahlzeit setzest, sagt er: Wohl bekomms. Wenn du eine Gefahr noch zur rechten Zeit entdeckst, so sagt er: Nimm dich in acht, junges Kind, oder altes Kind, und kehre lieber wieder um! Wenn du am schönen Maitag im Blütenduft und Lerchengesang spazieren gehst, und es ist dir wohl, sagt er: Sei willkommen in meinem Schloßgarten. Oder du denkst an nichts, uns es wird dir auf einmal wunderlich im Herzen und naß in den Augen, und denkst, ich will doch anders werden, als ich bin, so sagt er: Merkst du, wer bei dir ist? Oder du gehst an einem offnen Grab vorbei und es schaudert dich, so denkt er just nicht daran, daß du lutherisch oder reformiert bist, und sagt: Gelobt sei Jesus Christ!
Also grüßt Gott manchen, der ihm nicht antwortet und nicht dankt.“

(J. P. Hebel, Werke 1, Frankfurt 1968, S. 402).

Autor: Pfarrer Thomas Müller

Zum 190. Todestag hielt Prälat i. R. Traugott Schächtele eine beeindruckende Rede zu dem alemannischen Dichter.

„Die Welt – so scheint’s – gerät aus den Fugen. Sie gerät in Gefahr, ihre tragende Balance zu verlieren – jene Balance, der wir Jahrzehnte des Friedens, des sozialen Ausgleichs und des erträglichen Miteinanders verdanken. Gegenüber unserem Gedenken an derselben Stelle vor zwei Jahren haben sich die lokalen und die globalen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. „Die Zukunft ist wieder offen!“ – so hat es ein Publizist vor einigen Wochen in der Zeit beschrieben.

Gleichwohl gibt es Konstanten in aller Dynamik des Wandels. Eine durchaus aussagekräftige Konstante besteht darin, dass wir auch heute wieder an dieser Stelle – vor dem Grab Johann Peter Hebels – stehen. Wir sind – gottsei-dank! – weitdavon entfernt, „dass ein Gespräch über“ Johann Peter Hebel „schon ein Verbrechen ist“ – um einen Satz des Dichters Bertolt Brecht zu variieren. Im Gegenteil. Die Tatsache, dass wir uns heute auch 190 Jahre nach dem Todes Hebels hier versammeln, sendet ein anderes Signal. Menschen, deren Gedenken auch nach so langer Zeit in so vitaler Weise begangen wird, haben sich wohl bleibend verdient gemacht. Wir hatten und haben Menschen wie Johann Peter Hebel nötig. Und heute eher noch mehr als zu Hebels Lebzeiten. Weil die Konfliktklagen komplexer geworden sind.“

Wenn es um ethische Dimensionen und Schwetzingen geht, ist auch das Genie Albert Schweitzer zu nennen, der sich nach Recherchen der Deutsch-Polnischen Nachrichten mehrmals in Schwetzingen aufgehalten hat. Aus der Schwetzinger Partnerstadt Lunéville kommt  Marie Viroux, die auch Verbindungen zu Schweitzer hat.

„Das Vaterhaus Schweitzers in Kaysersberg, das rund 120 Kilometer von Lunéville entfernt liegt, ist ein Museum, ich habe es mehrmals besucht mit meiner Freundin aus Neuss, deren Vater ein Jude aus Mulhouse mit Schweitzer befreundet war und Geld gespendet hatte um ihm für sein Unternehmen in Lambaréné zu helfen. Meine Freundin Yvette Winter geborene Cywie hat ihren Vater jedesmal nach Kaysersberg begleitet und so hat sie ihn natürlich auch kennengelernt. Schweitzer kam ab und zu in sein Heimatstädtchen zurück um Sponsoren zu suchen… Yvette war damals  noch ein sehr junges Mädchen. Ich denke, dass es  so um 1954 bis 1960  geschehen war.“

Auch Jürgen Trinkewitz, Kantor der Weihnachtskirche, hat ein Kapitel zur historischen Kirche verfasst

So hat sich auch die Spandauer Bernd-Ryke-Schule mit dem Thema beschäftigt. Zübeyde Ülkü Gören entwarf dieses Bild von Albert Schweitzer.

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