„Christianisierung in Pommern“ auf dem Markt

Berlin. Mein Buch „Christianisierung in Pommern“ ist auf dem Markt, es wird demnächst auch in polnischer Sprache erscheinen. Die Präsentation gibt es bei einer internationalen Konferenz im Oktober.

Von Frank Bürger

„Erstaunliche Neuigkeiten, heute ist ein Buch von Frank Bürger Christianisierung in Pommern direkt aus der Druckerei bei uns eingetroffen – es enthält viele interessante Informationen über unsere 900-Jahr-Feier, das Buch ist auf Deutsch, aber wir werden bald mehr über unsere Region auf Polnisch veröffentlichen. Das schrieb Agnieszka Odachowska-Piosik am 29. August 2025 auf ihrem Facebookkanal in polnischer Sprache.

Es war viel Recherchearbeit vor allem in den Sommerferien 2024 notwendig. Nun trägt die Arbeit Früchte. Es war eine Auftragsarbeit von Agnieszka Odachowska-Piosik. Auf ihrer Homepage sind die Projekte abzulesen, bei denen sie sich aktiv einbringt.

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Die Christianisierung Pommerns hängt historisch mit dem Namen Otto von Bamberg zusammen. Dieses Buch verfolgt die Spuren Ottos an verschiedenen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten, mit reichlich Bildmaterial. Dazu gehört auch ein Blick in die Zeit vor der Christianisierung, vor den ersten Taufen auf dem heute polnischen Gebiet. In Bamberg, in Speyer und an verschiedenen Stellen im heutigen Deutschland und Polen sind viele Spuren des Weges zu finden. Als roter Faden dient das Leben des Ottonen. Es wird herausgearbeitet, wie er zu dem Namen „Apostel der Pommern“ gekommen ist. Dazu gehört auch die Zerstörung slawischer Heiligtümer. Die Biografie des Ottonen zeigt deutlich, wie eng Politik und Christianisierung zusammenhängen. Es ist spannend und es gibt dabei bedeutsame Querverbindungen zu entdecken, bis zur Gegenwart. Ereignisse wie der sogenannte „Gang nach Canossa“, wie der Investiturstreit beeinflussten das Zeitgeschehen. Ein Besuch im Dom zu Speyer spielt ebenfalls eine Rolle wie der Blick nach Bamberg und die Tauffeier im polnischen Pyrzyce mit vielen Gästen aus Deutschland und Polen, aus der Politik und der Kirche. Es sind die Missionsreisen Ottos von Bamberg, die bis heute ihre Spuren hinterlassen haben. Interessant ist hier auch die Quellenlage. Klar ist: Es ist einiges geblieben aus dieser besonderen Missionierung und hilft auch bei der Frage: Quo Vadis Ecclesia. Und auch heute bildet die Linie Stettin-Berlin eine Achse, die das Gefüge Polen-Deutschland prägt.

So ist es auf dem Cover zu lesen. Für den Titel wurde ein Foto aus Bamberg gewählt. Quelle ist die Bürgerspitalstiftung in Bamberg. Konstruktiv auch der Austausch.

Das Buch zeichnet sich vor allem durch das reichliche Bildmaterial aus. Die Reisen nach Speyer gehörten ebenso dazu wie die Erlebnisse in Pyritz.

Vor 900 Jahren unternahm Bischof Otto von Bamberg zwei Missionsreisen, die ihn 1124 und 1128 nach Pommern führten. Diese Reisen bildeten den Auftakt für die Christianisierung Pommerns und wirkten sich auch auf die kulturhistorische Entwicklung der Region maßgeblich aus. 900 Jahre später erinnern daran im deutschen Vorpommern und polnischen Westpommern zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen, Tagungen, Konzerte, Musicals und weitere kulturelle Initiativen. 

Hier in Pyritz soll Otto von Bamberg zuerst getauft haben. Das Taufbecken ist heute noch vorhanden.

Foto: Frank Bürger

Am Taufbecken gab es am 8. Juni einen festlichen Gottesdienst mit deutsch-polnischer Note. Unter anderem waren Christen aus Penkun und Berlin mit vor Ort. Es ist angedacht in Penkun die deutsche Ausgabe zu präsentieren.

Das Nachwort fasst vieles zusammen:

Zu Beginn der weitreichenden Recherchen zu dem Thema ‚900 Jahre Christianisierung Pommerns’ war die Tragweite nicht zu erahnen. Doch die Feierlichkeiten setzen sich im Jahr 2025 fort.

Eng verbunden war diese Aufgabe mit der Person Justus Werdin. Er war zuletzt Referent für grenzüberschreitende Ökumene und Osteuropa der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz im Berliner Missionswerk sowie Programmverantwortlicher im Ôkumenischen Europa-Centrum Frankfurt (Oder). Ich möchte ihm danken für alle Impulse, die er mir gegeben hat.

Ein Dankeschön geht auch an Agnieszka Odachowska-Piosik. Sie machte die Türen weit auf für das Projekt. Es war schön bei den Jubiläumsveranstaltungen zur Erinnerung an das große Werk es Ottonen in Pyritz mit dabei gewesen zu sein. Er war großartig, diesen Atem wirklich zu spüren und an der Stelle gestanden zu haben, an der Otto zum ersten Mal auf seiner Missionsreise taufte.

Ein inniger Dank geht an meine Familie. Wir machten viele Ausflüge, um den Spuren Ottos zu folgen. In den Dank schließe ich meine Eltern ein. Sie liebten den Dom zu Speyer. Immer wieder entzündete meine Mutter eine Kerze in diesen heiligen Hallen.

Am Ende geht mein Dank an Friederike Walter vom Dom zu Speyer, die mir bezüglich der Bildmaterialien geholfen hat. Dazu auch an Lara Müller vom Stiftungsmanagement in Bamberg.

Zum Abschluss noch eine Stellungnahmen zum Missionsbegriff: Heutzutage  ist dieser Begriff umstritten. Mission löst zwiespältige Gefühle bei den meisten Menschen aus. Das hat vor allem mit der Geschichte der Missionierung im Christentum zu tun. Aber was bedeutet Mission heute?

Ich zitiere hier das Sonntagsblatt:

Der Lutherische Weltbund formulierte unlängst Richtlinien zur Mission und hielt fest: Mission ist die gemeinsame Verantwortung jedes Christen, jeder Gemeinde und jeder Kirche; Mission an jedem Ort ist das Privileg und die gemeinsame Verantwortung der weltweiten Kirche.

Auch der Ökumenische Rat der Kirchen hält in einer Erklärung zur Mission von 1982 fest:

„Die Kirche ist in die Welt gesandt, um Menschen und Nationen zur Buße zu rufen, Vergebung der Sünden und einen Neuanfang in den Beziehungen mit Gott und den Nächsten durch Jesus Christus zu verkündigen.“

Der unliebsame Missionsbegriff ist durch Zerrformen von Missionierung begründet, die mit dem eigentlichen Auftrag des Evangeliums nichts zu tun haben. Es sind Zerrformen, mit der die protestantischen Kirchen nur wenig belastet sind. Aber auch hier gab es Entwicklungen die – aus unserer heutigen Sicht – nicht gut waren. Dazu gehört der Kulturprotestantismus, den auch Bismarck vertrat. Er erklärte im Reichstag, dass Mission darum eine so wichtige Aufgabe sei, weil sie den Bewohnern Afrikas die gebotene menschenwürdige Kultur bringen würde.

Eine andere beispielhaft problematische Entwicklung gab es in Papua-Neuguinea. Im Animismus unter den über 700 Stämmen war die Ehe mit mehreren Frauen erlaubt. Kam ein Eingeborener zum Glauben, so wurde von ihm verlangt, sich bis auf eine Frau von allen anderen zu trennen. Die Folge war, dass die Männer sich von den älteren Frauen trennten, sie damit ins soziale Elend stießen und die jüngere behielten. Während für den Mann das Evangelium zur frohen Botschaft wurde, wurde sie für die entlassenen Frauen zur Botschaft des sozialen Elends.

Die Reformatoren hatten mit Mission wenig im Sinn. Schon das Wort war unbekannt. Noch im 17. Jahrhundert wurde in der Theologie ernsthaft die Frage diskutiert, ob Menschen schwarzer Hautfarbe eine Seele hätten, ob sie zu Gott bekehrbar wären, oder doch eher bessere Haustiere ohne jedes göttliche Verständnis. Diese Diskussion lieferte eine bequeme theologische Begründung für den damaligen Sklavenhandel.

Und Mission heute?

Ernst Schroth schreibt in einem Artikel der Sonntagszeitung 2019:

In der Tat, es ist nicht zu übersehen, dass wir uns, vor allen Dingen in den Großstädten und den Neuen Bundesländern, immer mehr in einer missionarischen Situation befinden, die uns herausfordert. Haben wir den Missionsbefehl nicht zu sehr statisch – geographisch verstanden, nachdem Volk um Volk gewonnen werden muss, bis die ganze Welt erreicht wurde? Ist nicht jede Generation neu „ein Volk“, das für das Evangelium erreicht werden muss“, fragt er.

Vom Theologen Emil Brunner stammt der Satz:

„Die Kirche existiert durch die Mission, so wie das Feuer dadurch existiert, dass es brennt“.

Der Sozialwissenschaftler Claus Leggewie sagte es in Tutzing so:

„Denn ich glaube, dass eine Religion, die den Anspruch aufgibt, missionarisch zu sein, also nicht Mission praktiziert, ihre Demission praktiziert. Sie missioniert nicht, sie demissioniert.“

Mission hat eine große Breite: Es beginnt mit dem verkündeten Heil, geht aber nicht an der Not des Menschen vorbei. Die soziale Aufgabe, die Entwicklungshilfe, das Teilen der Güter, die Gott uns anvertraut hat, gehört untrennbar zur Mission dazu. Und: Mission kann nie im Überzeugen des anderen geschehen, sondern im bezeugenden Gewinnen, und, dem anderen das Zeugnis unserer Hoffnung gönnen über den Herrn, der uns das Herz abgewonnen hat.

Die aktuellen Zahlen sind erschreckend. Es gilt nun zu bedenken, welche Wege man gehen muss, bezeugendes Gewinnen gelingen zu lassen. Die immer leerer werdenden Kirchen bleiben als Zeugnis einstiger Bedeutung von Kirche für die Gesellschaft.

Und es bleiben die Fragen: Wie bewahren wir das Erbe des Ottonen? Was bleibt?

Die Präsentation des Buches gibt es bei einer internationalen Konferenz im Oktober

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