Pfingstwunder geschehen immer wieder

Foto; Frank Bürger

Berlin. Die Begegnung mit der renommierten Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff vor wenigen Tagen war eine besondere. Vier Bücher hat mir die mehrfache Literaturpreisträgerin mit auf den Weg gegeben. Ich habe eine Auseinandersetzung beschritten. Am Anfang steht „Das Pfingstwunder“.

Von Frank Bürger

Die Corona-Zeit ist eine große Herausforderung. Das gilt vor allem auch für Religionslehrer, auch in der Grundschule. Das habe ich auch über das Medienorgan „Deutsch-Polnische Nachrichten“ verbreitet, für Kinder und ihre Eltern.

Hier ist sie nun die Pfingstgeschichte, Vorbild für den Titel des Buches von Sibylle Lewitscharoff:

39 Tage nach Ostern kam Jesus zu Gott, seinem Vater, in den Himmel. An Christi Himmelfahrt denken wir Christen an diese Reise. Vor den staunenden Augen seiner Freundinnen und Freunde, den Jüngern, wurde Jesus von einer Wolke in den Himmel zu Gott getragen. Zwei Männer in weißen Gewändern erschienen und sagten ihnen, dass Jesus wieder auf die Erde zurückkommen würde.

Nun zu Pfingsten: 49 Tage waren seit Ostersonntag vergangen. Es war der 50. Tag der Osterzeit. Das kann man sich so merken: Das Wort Pfingsten kommt vom altgriechischen Wort „Pentekoste“. Und das heißt so viel wie „der fünfzigste Tag“. Jedenfalls trafen sich Jesu Freunde, die Apostel, zum Pfingstfest. Sie saßen in einem Haus zusammen und feierten. Plötzlich kam vom Himmel ein lautes Brausen, das sich anhörte wie ein Sturm.

Die Apostel konnten Jesus zwar nicht sehen, aber sie fühlten, dass er da war – wie bei einem Geist. Der Heilige Geist zeigte sich hier zum ersten Mal den Jüngern. Er wurde an diesem Tag von Gott geschickt. Denn der Heilige Geist ist ebenso wie Jesus ein Teil Gottes. Gott hat also drei Gesichter: Den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Das ist schwer zu verstehen, bleibt ein Geheimnis.

Der Heilige Geist erschien den Aposteln als Flammen aus Feuer. So konnten sie ihn dann doch sehen. Danach sollten sie allen von Jesus und Gott erzählen. Sie sollten allen sagen, dass sie sich taufen lassen sollen, um zu Gott zu gehören. Sie sollten an Gott glauben und allen von seiner Liebe erzählen. In Jerusalem gab es Menschen aus vielen verschiedenen Ländern. Fast jeder sprach eine andere Sprache, seine eigene Sprache.  Damit aber die Apostel jeder verstehen konnte, machte der Heilige Geist, dass sie jede Sprache sprechen konnten. Sofort rannten sie aus dem Haus und erzählten jedem die Geschichte von Jesus, von seinen Wundern, von seinen Reden, von seinen Worten.

Manche lachten über sie. Sie hielten es für Unsinn, was die Apostel sagten. „Sie sind vom süßen Wein betrunken“, stellten manche fest.

Petrus, einer der Apostel, stand auf und erhob seine Stimme. „Diese Männer sind nicht betrunken!“ ermahnte er die lachende Menge. Er war wütend darüber, dass die Leute ihnen nicht glaubten. Er erklärte ihnen, dass Gott ihnen dabei geholfen hatte, in einer anderen Sprache zu sprechen. Außerdem war es auch Gott, der Jesus wieder lebendig gemacht und ihnen den Heiligen Geist geschickt hatte.

Als die Leute das hörten, tat es ihnen leid, dass sie zuvor über die Apostel gelacht hatten. Sie glaubten nun, was ihnen gesagt wurde. Und sie wollten nun auch zu Jesus gehören und den Heiligen Geist spüren. Sie alle ließen sich auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist taufen. Sie waren nun eine Gemeinschaft, die an Gott glaubte. Sie erzählten allen, die sie trafen, von Gott. Tausende Menschen wollten auch zu der Gemeinschaft gehören. Daher ließen auch sie sich sofort taufen. Sie alle waren nun Christen.

Später kamen immer mehr Menschen hinzu, die sich taufen ließen. Seitdem gilt Pfingsten als der Geburtstag der Kirche. Die Christen beteten seitdem gemeinsam und lobten und dankten Gott im Gebet. Sie glaubten an den einen Gott, der aus dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist besteht – ebenso wie wir Christen es noch heute tun.

An Pfingsten feiern wir nicht nur, dass der Heilige Geist zum ersten Mal zu den Jüngern hinab kam. Bis heute soll das Fest auch daran erinnern, dass man nicht dieselbe Sprache sprechen muss, um an dasselbe zu glauben. Was Gott einem sagen will, kann jeder verstehen – egal, welche Sprache man spricht.

In Sibylle Lewitscharoffs Roman taucht dieses Pfingstwunder auf. Immer in Bezug auf Dantes „Göttliche Komödie“. Die Schriftstellerin erweist sich als Expertin des Autoren und der Literatur. In dem Buch beschreiten wir nicht nur den Weg Dantes, sondern einen gelungenen Weg durch die Dante-Rezeption und durch die Literaturgeschichte im Allgemeinen.. Ich kann hier nur wenige Passagen aufgreifen.

„Die Feuerchen, die an den Sohlen der gestraften Päpste brennen, weisen auf die Verkehrung des Pfingstwunders“, schreibt die Autorin in Bezug auf die Höllenerfahrung Dantes. „Bei den Päpsten, die ihr hohes Amt verraten haben, brennen die Flammen an den Sohlen der emporgestreckten Füße“, was für ein Bild von Dante, was da zur Sprache kommt!

Dem Leser begegnen der heldenhafte Odysseus und andere Gestalten der Antike.

Faszinierend, dass mich die Autorin unbewusst nach Neckarsteinach führt. Ich liebe die Fahrten von Schwetzingen zum dortigen Geo-Park. Davor stehen die Figuren der Nibelungensage, die auch an verschiedenen Stellen erwähnt werden. Im dazu gehörigen Café befindet sich das Museum zu Joseph von Eichendorff, der in dieser Region seine Spuren hinterlassen hat und im Buch erwähnt wird.

Einfach wunderbar die Reise mit Sibylle Lewitscharoff durch eine besondere Welt.

Sibylle Lewitscharoff (* 16. April 1954 in Stuttgart) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie wurde 2013 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

ISBN 978-3-518-46841-8

Sibylle Lewitscharoff. Quelle: Jürgen Trinkewitz
Die Gibichungen in Neckarsteinach. Foto: Frank Bürger

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