Die Wurzeln von Götschendorf

Leopold IV von Lippe. Unbekannter Maler

Götschendorf. Abt Daniil, Prior des russisch-orthodoxen Klosters Götschendorf, sieht gerne auf die Wurzeln des Geländes, das er und sein Netzwerk, entwickelt haben. Am 26. September kann jeder sich ein Bild von dem Gelände machen.

Von Frank Bürger

“Wenn man mit der Bahn von Berlin über Eberswalde dem alten Jagd- und Wildrevier der preußischen Kurfürsten und Könige zustrebt, gelangt man, in Eberswalde umgestiegen, nach einigen weiteren Stationen der Eberswalder-Fürstenberger Bahn nach dem am Werbellinsee idyllisch gelegenen königlichen Jagdschloss Hubertusstock. Einige Stationen weiter auf dieser Bahn nähert man sich einem anderen Fürstensitz vor den Toren Berlins, von der Bahnstation Milmersdorf bald erreichbar. Es ist dies die Fürstlich Lippische Herrschaft Götschendorf, die Seine Hochfürstliche Durchlaucht Fürst Leopold IV zur Lippe vor einigen Jahren erwarb, und auf der er sich am Ufer des Kölpinsees ein schlichtes, helles Schloss erbaut hat.

So lautete am 31. Juli 1915 der Titel eines Artikel von Professor E. P. Stein zum Leben und Treiben des preußischen Kurfürsten Leopold zur Lippe-Detmold in der Zeitschrift “Die Woche”, Heft Nummer 31. 

Die etwa 10.000 Morgen große Fürstliche Herrschaft bestand zu diesem Zeitpunkt aus den 2 Rittergütern GötschendorfHohenwalde und dem Vorwerk Pikas-Hütte. Es ist wohl nicht nur der schlichten Schönheit der märkischen Landschaft geschuldet, mit seinen Wäldern und Seen, dass Fürst Leopold sich weit weg von seinen heimischen Gefilden einen neuen Fürstensitz zulegte. Er hatte durch die in der Provinz Posen gelegenen Besitzungen seines Vater, des Grafregenten Ernst zur Lippe-Biesterfeld, den Zauber großer Wasserflächen kennen und lieben gelernt. Hier konnte er das zwanglose Leben eines Landedelmannes führen. Dennoch verbrachte er wohl die meiste Zeit auf seinem Schloss, wenn in Göteschendorf die Treibjagden veranstaltet wurden. Die Garnisionen von Berlin und Potsdam durften jagdfreudige Offiziere nach Götschendorf entsenden, um sich den Treibjagden anzuschließen. Derjenige, der zum ersten mal in Götschendorf weilt, musste auf das Wohl des Jagdherren aus einem silbernen Becher trinken, der in einem großen Geweih versteckt war, ohne sich das weiße Hemd zu beschmutzen.

Im Hochsommer zog Fürst Leopold mit seiner Frau Berta (geborene Prinzessin von Hessen), den Kindern und nur dem nötigsten Gefolge auf seinen Fürstensitz, um in dem schlichten Naturreiz Götschendorfs zu leben. Gegenüber dem Schloss, liegt auf dem Kölpinsee eine Insel, auf der umgeben von hehen Bäumen ein Pavillon steht. Dort pflegte die Fürstliche Familie den Kaffee einzunehmen. Der jetzige Steg, von dem aus sie zur Insel gelangten, nannte sich damals Gondelhafen und hatte einen kleinen Uferpavillon, der heute nicht mehr vorhanden ist. Eine Badestelle befand sich am Inselufer der Ruine einer alten Kapelle gegenüber.

Heute sitzt Abt Daniil gerne in einem runden Pavillion aus Holz, in der er gerne Gäste einlädt. Geziert ist sie von Aufnahmen von Förderer und Politikern. Darunter auch der Bundestagsabgeordnete Jens Köppen und … Leopold IV, der Erbauer des Landhauses Götschendorf.

Das Gut mit Herrenhaus ist seit  dem15. Jahrhundert im Besitz der von Arnim, 1910 neues Gutshaus errichtet, 1942–1945 war es Jagd- und Gästehaus von Hermann Göring, bis 1975 Ferienhaus der Nationalen Volksarmee, danach des Rates des Kreises und des Ministeriums der Staatssicherheit. Seit 1990 stand es leer, 2007 wurde ein Kloster eingerichtet.

Der Russland-Journalist Norbert Kuchinke stieß auf seiner Suche nach einem Standort für ein von ihm geplantes russisch-orthodoxes Kloster in der Nähe Berlins 2006 auf das Gelände. Nach anfänglichem Zögern der einheimischen Verantwortlichen halfen schließlich Kontakte in die Potsdamer Staatskanzlei und die Fürsprache von Pfarrer Horst Kasner aus Templin bei der Verwirklichung des Projekts. Er ist der Vater von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Das Gelände wurde für einen symbolischen Euro gekauft mit der Auflage, mindestens vier Millionen Euro in den nächsten 10 Jahren in den Ausbau des Geländes zu investieren. Das Ziel wurde nach Aussagen von Abt Daniil 2017 schon erreicht. Ein persönliches Gespräch Norbert Kuchinkes mit Präsident Putin brachte einen Teil der benötigten finanziellen Unterstützung. 2007 wurde das Kloster auf Beschluss der Obersten Synode der Russisch-Orthodoxen Kirche offiziell gegründet.

Im Zuge der Um- und Neubauarbeiten wurde eine Kirche im nordrussischen Stil errichtet. 2011 zogen die ersten Mönche ein. 2013 wurde ein Kreuz auf der Kuppel durch Erzbischof Feofan geweiht. Zu dieser Zeit lebten fünf Mönche im Kloster.

2015 wurde in einem feierlichen Gottesdienst ein Kreuz zum Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren geweiht.

Mit an dem Gottesdienst beteiligt Erzbischof Feofan, Bischof der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche und Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. Ein weiterer hoher geistlicher Vertreter war Erzbischof Alexander, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche von Baku und Aserbaidschan. Weltenluft brachte der Schöpfer des Kreuzes, Sergei Isakov, mit. An seinem Heimatort Rostow am Don hatte er das Kreuz gegossen, das dann nach Götschendorf transportiert und aufgestellt wurde. Das Mitglied der Russischen Akademie der Künste hat rund 60 Denkmäler entwickelt, die unter anderem in Moskau, Kaliningrad, Altea (Spanien), Minsk (Weißrussland) und Badenweiler zu sehen sind. Besonders beeindruckend die Bronzestatue des „Heiligen Nikolaus“ im Franz-Josef-Land 2007, die auch Staatspräsident Wladimir Putin besucht hat.

Das Franz-Josef-Land ist eine Inselgruppe im Nordpolarmeer und gehört zu Russland. Benannt wurde sie nach Österreich-Ungarns Monarchen Franz Joseph I. Die Zufahrt ist nur wenige Sommerwochen (und nicht in jedem Jahr) eisfrei und für Besucher praktisch nur auf einer der sporadisch durchgeführten Eisbrecher-Kreuzfahrten möglich. Landexpeditionen sind in der Regel nicht erlaubt.

Isakovs Werke sind in Museen Belgiens, Italiens, Griechenlands, Frankreichs sowie in privaten Sammlungen Putins, der russischen Patriarchen Alexius II und Kyrill, des Patriarchen von Jerusalem Fiofila III und des Patriarchen Georgiens Ilia zu finden. Vor zehn Jahren erhielt Isakov die Goldmedaille der Russischen Akademie der Künste.

Seine Spuren hinterließ er auch in Darmstadt, in der russisch-orthodoxen Kirche, die Weltluft atmet.

Der Sakralbau wurde in den Jahren von 1897 bis 1899 nach Plänen des Petersburger Architekten Léon N. Benois (eigentlich Leonti Nikolajewitsch Benois), einem Großvater Peter Ustinovs, errichtet. Das zwischen verschiedenen Jugendstilgebäuden auf importierter russischer Erde errichtete Gotteshaus, in dem bis zum heutigen Tag orthodoxe Gottesdienste stattfinden, ist im Stil russischer Kirchen des 16. Jahrhunderts gehalten.

Auftraggeber war der russische Zar Nikolaus II. von Russland, der bei Besuchen in der Heimat der Zarin Alexandra, gebürtige Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt, nicht auf ein eigenes Gotteshaus für seine Familie und seinen Hofstaat verzichten mochte. Die Kosten in Höhe von rund 400.000 Mark wurden aus dem Privatvermögen des Zaren bestritten.

Das Innere des Gotteshauses ist unter anderem mit Mosaikarbeiten und Ausmalungen nach Entwürfen des russischen Malers Wiktor Michailowitsch Wasnezow ausgeschmückt.[1] Diese Arbeiten waren erst 1903 vollendet. Die Kapelle wurde von 2005 bis 2008 für 1,1 Millionen Euro restauriert. Léon Benois lieferte den Entwurf für eine ähnliche Russische Kapelle in Bad Homburg vor der Höhe. Vor der Kirche befindet sich eine im Jahre 1914 im Jugendstil erbaute Brunnenanlage, die aus Anlass der vierten Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie nach einem Entwurf von Albin Müller mit Figuren von Bernhard Hoetger errichtet wurde.

1918 ging die ursprüngliche Hofkapelle in den Besitz der Russisch-Orthodoxen Diözese über.

Im Jahre 1914 wurde die Kapelle geschlossen und es wurde die Vergoldung der Turmdächer, die Vergoldung der Kreuzaufsätze, die Dacheindeckung aus Kupfer, die Kupferrinne, die Kupfereinfassung, fünf Glocken, vier bemalte Fenster und die vergoldete schmiedeeiserne Altartür entfernt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Glockenspiel durch reparierte oder zugekaufte Glocken wiederhergestellt. Diese Improvisation ergab aber kein harmonisches Glockenspiel. Im Jahre 2019 wurden deshalb sieben neue Glocken von der russischen Glockengießerei Vera in Woronesch gekauft. Die Gießerei Vera produziert Glocken mit dem speziellen Rostower Klang. Die Glocken haben ein Gewicht von 550 kg, 230 kg, 190 kg, 42 kg, 25 kg, 18 kg und 10 kg.

Kuchinke als Katholik und Top-Journalist mit Affinität zur russisch-orthodoxen Kirche und zur Weltpolitik, das passt. Mit Götschendorf wird für ihn ein Traum wahr. Die Berliner Diözese der Russisch-orthodoxen Kirche des Patriarchats Moskau erwirbt das einstige Herrenhaus Görings auf einem vier Hektar fassenden Gelände für einen Euro mit der Verpflichtung, dass in den nächsten 15 Jahren vier Millionen Euro in das Grundstück investiert werden. Insgesamt rechnet die Diözese mit rund 6 bis 7 Millionen Euro.

Norbert Kuchinke findet wichtige Partner und wirbt in der ganzen Welt um Spenden.

Vor Ort unterstützt ihn von der evangelischen Kirche Pfarrer Horst Kasner, der Vater von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein gutes Pendant zum Katholik Kuchinke. Und Kasners Blicke wandern gerne nach Osten. Seine Wurzeln väterlicherseits liegen in Posen. Zudem hat Kasner Weltluft geschnuppert. Zuerst das Studium an der renommierten Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, weiter an der Kirchlichen Hochschule Bethel und schließlich an die Hamburger Uni. Einige Wochen nach der Geburt von Angela nahm er in der damaligen DDR eine Pfarrstelle bei Perleberg an, bevor er 1957 in die heutige Uckermark kam.

Norbert Kuchinke zur Seite stand ebenso Aribert Großkopf. Er war von 1990 bis 1998 Abteilungsleiter in der Potsdamer Staatskanzlei unter Manfred Stolpe. Mit ihren Familien teilten sich Großkopf und Kuchinke ein Wochenendhaus direkt neben dem Klostergelände. Kulturinteressiert und weltmännisch tritt Großkopf auf. Mit Wolfgang Huber hat er Kontakte, seine Frau hat dort, wo Huber lehrte, in Heidelberg studiert. Mit dem Tod von Norbert Kuchinke im Dezember 2013 ist es nicht leichter geworden. Aber alle halten die Treue und hoffen gemeinsam mit Abt Daniil, dass es weiter geht.

Das Kreuz, das mit Unterstützung der Kristall GmbH, der Gesellschaft „Anbetungskreuz“ und dem russischen Botschafter Wladimir Michailowitsch Grinin realisiert werden konnte, ist ein weiterer Meilenstein. Wie der Abt mitteilt, ist eine der wichtigsten Sponsoren die Wneschekonombank. Die Aktivitäten der Bank erstrecken sich im Wesentlichen auf die Verwaltung der Auslandsschulden der Russischen Föderation sowie der Mittel der russischen staatlichen Rentenversicherungsanstalt. Darüber hinaus fördert die Wneschekonombank die internationale Wettbewerbsfähigkeit der russischen Wirtschaft unter anderem durch Exportrisikoversicherungen. Die Wneschekonombank ist damit das russische Pendant zur deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder der Schweizerischen Exportrisikoversicherung (SERV). Zu diesem Zweck führt die Wneschekonombank weltweit neun Foreign Branch Offices: In Deutschland, in der Schweiz, Frankreich, Italien, Großbritannien, in den USA, China, Indien und Südafrika. Die Linie führt auch hier wieder zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Denn er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Wneschekonombank. „Die Bauausführungen liegen in den Händen von uckermärkischen Firmen. Hier vor Ort werden Arbeitsplätze geschaffen“, erklärt Bruder Daniil.

Und mit einem weiteren Sponsor geht es nun an das Herrenhaus. Jetzt haben sich das Unternehmen Rosneft und der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder direkt eingeschaltet. Sie finanzieren die Endarbeiten in der Kirche und den Ausbau des Herrenhauses finanziert die Firma Rosneft. Hier liefen die Kontakte über Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Zur aktuellen Entwicklung hier klicken

Noch eine aktuelle Note ist zu setzen. In Hohenwalde, nur wenige Kilometer von Götschendorf entfernt, besitzt Bundekanzlerin Angela Merkel ein Grundstück, an historischem Ort, wie man sieht.

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