„Candide“: Von Potsdam nach Schwetzingen

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Voltaire, eine prägende Gestalt in Potsdam und Schwetzingen, hier zu sehen in der Schwetzinger Orangerie. Foto: Frank Bürger

Potsdam. Das Weimarer Dreieck kreist immer wieder neu um die kurpfälzische Perle Schwetzingen. Als weiterer Markstein auf dem Weg zählt die Ausstellung mit Illustrationen zu Voltaires Novelle „Candide“. Der Weg von Potsdam nach Schwetzingen ist kein weiter, auch nach dem Ende der Ausstellung.

Von Frank Bürger

Immer wieder bringt der renommierte Künstler, Kurator und Publizist Josef Walch Weitblick mit und inszeniert historische Noten. Als Kurator initiierte er die Ausstellung mit Illustrationen zu der Novelle „Candide“ aus der Feder des bekannten Philosophen Voltaire (1694–1779). Zu Ostern war sie zum letzten Mal zu sehen, die Gelegenheit war zu nutzen.

„Candide oder der Optimismus“ (frz. Candide ou l’optimisme) ist eine 1759 unter dem Pseudonym Docteur Ralph erschienene satirische Novelle des französischen Philosophen. Im Jahr 1776 erschien eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Candide oder die beste aller Welten. Diese Satire wendet sich unter anderem gegen die optimistische Weltanschauung Gottfried Wilhelm Leibniz’, der die beste aller möglichen Welten postulierte. Voltaire propagiert Skeptizismus und Pessimismus, die Leibniz’ Postulat in den Kontext der Zeit rücken (Eindruck des Erdbebens von Lissabon 1755, Siebenjähriger Krieg) und in Frage stellen. Mit Witz und Ironie prangert Voltaire in seinem „conte philosophique“ den überheblichen Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg und Sklaverei an und verspottet die naive Utopie des einfachen Mannes von einem sorglosen Leben.

Die „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ haben sich intensiv mit dem Verhältnis zwischen Potsdam und Schwetzingen, auch mit der Beziehung des Kurfürsten Karl-Theodors und Voltaires beschäftigt. Der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire  verweilt mehrmals am Hof Carl Theodors von der Pfalz in Schwetzingen. Zwischen Kurfürst und Aufklärer entsteht eine lockere Freundschaft, die sich durch den regen Briefwechsel nachvollziehen lässt.

1753 überwirft sich Voltaire mit König Friedrich II. und verlässt Preußen. Carl Theodor lädt den Dichter daraufhin in seine Sommerresidenz ein. Hier erholt sich Voltaire und berichtet: „Ich bin augenblicklich im Lustschloß seiner Durchlaucht des Kurfürsten von der Pfalz. Es fehlt mir nur Gesundheit, um alle Vergnügungen zu genießen. Französische und italienische Komödie, große italienische Oper, Komische Oper, Balletts, große Essen, Konversation, Höflichkeit, Würde, Einfachheit, das ist der Mannheimer Hof.“

Während Voltaires Aufenthalt kommen Opern und Komödien auf die Bühne des Schlosstheaters, darunter auch seine eigenen Stücke. Beim zweiten Besuch 1758 lässt Carl Theodor Voltaires Tragödie „Mahomet ou le fanatisme“ aufführen. Voltaire arbeitet im Schloss an seinem Werk „Candide“ und liest dem Kurfürsten daraus vor. 1759 überstellt er seinen Sekretär Cosimo Collini in die Dienste des Kurfürsten.

Der  „alte Fritz“, der sich von Voltaire in Potsdam getrennt hatte, bezeichnete diesen später als einen „Affen“. Auch hämisch, oder eher neidig bezeichnete er den Kurfürsten als „Glücksschwein“, weil dieser nie Krieg führen musste. Diese Bezeichnung diente auch als Anregung für das viel diskutierte Denkmal auf dem Schwetzinger Schlossplatz. Bildhauer Peter Lenk atmet auch Weltluft. Mit seinem Relief „Friede sei mit Dir“ am taz-Gebäude gegenüber der Springer-Zentrale hält er so unter anderem der Boulevardpresse und dem gesamten Springer-Imperium den Spiegel vor.

Die Illustrationen in der Schwetzinger Orangerie zeigten, welche Kreise „Candide“ zieht. Die Spuren führen zu Verfilmungen, Musicals, zu Opern und zu Theaterfassungen.

Nun darf man gespannt sein, wie dieser Bogen im Rahmen des Weimarer Dreiecks weiter gespannt wird.

In diese Zeit fällt auch der berühmte Besuch von Wolfgang Amadeus Mozart. Er spielte am 18. Juli 1763 im Schwetzinger Theater. Um die Beziehung zu Schwetzingen widmet sich eine Ausstellung im Karl-Wörn-Haus am 28. April eine Ausstellung  von Oberbürgermeister René Pöltl eröffnet.

Das Weimarer Dreieck ist ein loses außenpolitisches Gesprächs- und Konsultationsforum Deutschlands, Frankreichs und Polens. Seine Zielsetzung ist die Abstimmung der Politik der drei Länder und die Stärkung der europäischen Integration, ohne andere Staaten auszuschließen. Stück für Stück wird diese Beziehung an unterschiedlichen Orten mit Leben gefüllt.

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