Agrarjournalismus an der Grenze

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Tabakmuseum in Vierraden. Foto: Frank Bürger

Vierraden (fb) Die Landwirtschaft in Deutschland und Polen steht im Mittelpunkt eines internationalen Projektes vor dem Osterfest. Ein Experte wird gesucht.

Das badische Schwetzingen beschäftigt der Spargel, das uckermärkische Vierraden war und ist Hochburg des Tabaks.

Intensiv hat sich das Tabakmuseum mit der Geschichte des Tabaks auseinandergesetzt, wie er nach Europa kam:
„Der wildwachsende Tabak gedieh ursprünglich nur in den tropischen und subtropischen Gebieten nahe des Äquators. Forschungsreisende brachten Pflanzen und Samen aus Mittel- und Südamerika als botanische Kuriosität nach Europa, wo zuerst in Botanischen Gärten der Anbau erfolgte. Durch Züchtung entstanden Sorten, die den klimatischen Bedingungen der Alten Welt angepasst waren. Ende des 17. Jh. gab es in Westeuropa bereits einen wirtschaftlichen Tabakanbau, von hier verbreitete sich die Pflanze bis zum Ende des 18. Jh. nach Asien, Afrika und Australien.

1492 sah Kolumbus auf den Westindischen Inseln erstmals rauchende Indianer. Die Aruaks, die Ureinwohner Kubas und Haitis rauchten Tabak, den sie in ein trockenes Mais- oder Tabakblatt einwickelten. Diese Rauchrolle, nicht die Pflanze, nannten sie tabago. Die Spanier übernahmen die Bezeichnungen auch für die Pflanze und so gelangte das neue Wort in viele europäische Sprachen.“

Die heutige Museumsleiterin Karin Stockfisch hat sich intensiv für die Entwicklung dieses Museums in Vierraden eingesetzt. Die ehemalige Bürgermeisterin der einstigen selbstständigen Stadt Vierraden hat dieses Territorium entwickelt. Höhepunkt des Kalenders  ist alljährlich  nun mal das Tabakblütenfest.

Was ist auf der Homepage dazu zu lesen:

„Vierraden ist ein Glücksfall für die Kulturgeschichte. Der Tabak, der den Bauern seit über 300 Jahren den Wohlstand brachte, hat dem Ort sein ganz besonderes, mit anderen Orten kaum vergleichbares Erscheinungsbild gegeben und lebt noch immer in den Herzen seiner Einwohner.

Mächtige Tabaktrockengebäude, Schuppen aus dunkelbraunen Holzbohlen, massive Tabakspeicher und einfache Feldschuppen prägen bis heute die Hofgrundstücke und sind bauliches Zeugnis des Tabakanbaus als einer bäuerlichen Wirtschaftsform, die sich an den Ufern der Oder, von Lunow bis nach Gartz, erstreckte. Die massiven Scheunen und Speicher entstanden zur Lufttrocknung des damals meistverbreiteten Zigarrentabaks.

Hier in den Orten am Rande des Nationalparks „Unteres Odertal“ und besonders in der Ackerbürgerstadt Vierraden sind diese Bauten als Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft noch erlebbar. Charakteristisch sind die zahlreichen Luken und Dachöffnungen zum Be- und Entlüften der Tabakblätter. Mit Wehmut denkt so mancher Uckermärker an die Zeit, als im August auf zahlreichen Feldern der Tabak rosa blühte und der schon in den Hang gebrachte Tabak seinen unverwechselbaren Duft verströmte. Doch der Wandel vollzieht sich auch in Vierraden. Wo vor über zwei Jahrzehnten noch viele Hektar Tabak angebaut wurden, jeder Zipfel Land mit dieser subtropischen Pflanze bepflanzt wurde, ist der Kleinanbau gänzlich zum Erliegen gekommen.

Nur noch ein moderner Betrieb, mit effizienten Pflanz-, Bearbeitungs- und Erntemaschinen, die Uckermärkische Tabak GmbH, produziert auf ca. 75 Hektar, die Kulturpflanze, die für diese Region über dreihundert Jahre von so großer Bedeutung war und die den Menschen Arbeit und Brot brachte. Wenn der Verein für Heimatgeschichte und Traditionspflege Vierraden e.V. und das Tabakmuseum Vierraden jährlich im August alle Gäste zum Tabakblütenfest einladen, dann ist das eine besondere Form der Weitergabe des kulturellen Erbes von einer Generation zur nächsten. Es zeigt die besondere Wertschätzung der Lebensleistung der hier lebenden Generationen von Tabakbauern und den damit verbundenen Sitten und Gebräuchen.

Alle zwei Jahre wird eine neue Tabakkönigin gewählt. Sie muss in Anwesenheit der Festbesucher und vor einer Jury beweisen, dass sie über den Tabak gut Bescheid weiß. Dabei ist ihr Wissen über die Biologie der Pflanze genauso gefragt, wie über deren Anbau, Ernte und Verarbeitung.

Im Tabakmuseum findet aus diesem Anlass immer eine zünftige „Tabakköst“ mit Kuchen und Likör statt.“

Der Vierradener Tabak eignet sich gut als Einlage für Zigarren und war weit besser als sein Ruf. Neben Zigarrenfabriken in der Pfalz, Schlesien, Sachsen und Pommern, die diesen Tabak mit den höher geschätzten Überseeblättern mischten, gab es kleine ansässige Firmen, die Zigarren herstellten.

Erdgeschoss, Obergeschoss, Dachgeschoss und Außengelände erklären die Historie und Entwicklung des Tabaks in der Region.

Aber ohne Personen geht es ja nicht:

Der letzte Zigarrenmacher in Vierraden war August Friedrich Koch, der in Heimarbeit tätig war. Als Werkstatt diente die Küche. Der ältere Bruder Gustav Koch betrieb in der Berliner Chausseestraße eine eigene Zigarrenfabrik.

Nun sind wir bei Berlin und der Kurpfalz angekommen…

Hie reine persönliche Bemerkung. Auch mein Großvater war Zigarrenfabrikant. Und die Firma Neuhaus in Schwetzingen, die ihre Lagerkeller in der Lindenstraße in Schwetzingen hatte, genoss nicht nur badischen Ruhm. Die Marke La Paloma Princess des Unternehmens wies auf die Bedeutung des Tabaks hin …Vierraden macht vor, was in Schwetzingen mit Spargel- und Tabakanbau realisiert werden könnte. Wenn der politische Wille da wäre…

Ein grenzüberschreitendes Projekt beschäftigt sich nun mit Agrarpolitik.

Die in Georgien geborene Dozentin Mariam Pirveli doziert an der Universität Stettin.

Sie engagiert sich in dem georgischen Projekt „Moli in Kakheti“ in Tbilisi.

Das Thema einer Reise mit neun Projektteilnehmern ist der Agrarjournalismus in Deutschland und Polen.

Am 30. März sucht sie im Zeitraum von 11 bis 15 Uhr im Raum Berlin / Uckermark einen Journalisten mit Kompetenzen im Bereich der Agrarpolitik.

Ziele der Veranstaltung sollen sein:

Wie sind die Agrarmedien weiter zu entwickeln?

Wie sieht es mit der Finanzierung in Deutschland und Polen aus?

Welche Organisationen und Institutionen beschäftigen sich in Deutschland mit dem Thema Agrarjournalismus?

Wie kann man sich weiter in diesem Bereich international vernetzen?

Inwieweit werden Studiengänge für dieses Genre angeboten?

Hintergrund: In Georgien gibt es eine Vereinigung der Agrarjournalisten
Wie sieht es damit in der BRD aus?

Bei Interesse bitte melden über die Adresse Frank.Buerger@deutsch-polnische-nachrichten.eu

Beitrag: Frank Bürger

 

 

 

 

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