Kloster Chorin – dem Himmel so nah

Kloster Chorin
Franziska Siedler, Leiterin des Klosters Chorin, steht an einer Backsteinsäule im historischen Kloster in Chorin (Brandenburg), Foto: Patrick Pleul/dpa

 

Das Kloster Chorin ist eine Perle im Norden der Bundesrepublik. Die Verbundenheit mit Baumeister Friedrich Wilhelm Schinkel ist groß, und damit auch die enge Verbindung zu anderen Stätten seines Schaffens.

Hier das Interview mit Klosterchefin Franziska Siedler.

 

Wie sind Sie zum Kloster Chorin gekommen?

Ich habe Kunstgeschichte studiert und promoviert. Das Kloster Chorin hat mich schon vor dem Studium fasziniert. In meinem Berufsleben habe ich mich vor der Tätigkeit in Chorin an verschiedenen Museen mit ehemaligen Klöstern und Künstlerkolonien befasst. Da war die Tätigkeit in Chorin eine willkommene und passende Aufgabe.

 

Was schätzen Sie persönlich an diesem Ort?

Das Kloster steht frei in der Landschaft, ist unverbaut und vermittelt eine Atmosphäre, als sei die Zeit stehen geblieben. Man kann sich hier besonders gut in frühere Jahrhunderte versetzen.

 

Was sind die Schwerpunkte der Arbeit in einem der bedeutendsten Beispiele norddeutscher Backsteingotik?

Ein wichtiger Bereich ist die Netzwerkarbeit im musealen und touristischen Bereich. Wir habe seit 2017 eine wunderbare Dauerausstellung, die in diesem und im kommenden Jahr um weitere Stationen Ergänzt werden wird. Diese kuratorische Arbeit wird durch tägliche Aufgaben der Verwaltung und Organisation ergänzt.

 

Welche Höhepunkte gibt es im Jahresprogramm?

Am 23.11. werden wir eine besondere Sonderausstellung im ehemaligen Infirmarium eröffnen. „Sprechende Steine“ ist der Titel, hinter dem sich Ziegel mit mittelalterlichen Innschriften verbergen. Sie wurde erst 2012/ 2013 entdeckt und haben sehr spannende Geschichte zu erzählen.

 

Friedrich Wilhelm Schinkel hat das Kloster Chorin in seiner heutigen Erscheinung mit geprägt.

Was sind seine wichtigsten Leistungen für das Kloster?

Ihm haben wir zu verdanken, dass das ehemalige Kloster in diesem hohen Maß an Originalsubstanz erhalten geblieben ist. Die Nachnutzung als preußische Domäne hätte der Anlage weitere Jahre nicht gut getan. Schinkel hat seine Möglichkeiten erkannt und viele Zeitgenossen für die junge Disziplin der Denkmalpflege sensibilisiert. Er hat verstanden, dass es die Aufgabe des Staates ist, sein Erbe für kommende Generationen zu bewahren und hier Standards zu schaffen. Viele Politiker teilen diese wichtige Ansicht heute leider nicht und gehen weniger bewusst mit historischen Ressourcen um.

 

In Magdeburg wird Schinkel wieder in diesem Jahr groß gefeiert, gibt es da Berührungen?

In Magdeburg erinnert man an das Kulturleben der Stadt vor rund 200 Jahren. Das ist die Zeit, in der Schinkel auch Begann sich in Briefen für das Kloster Chorin einzusetzen. Er war für viele öffentliche und kirchliche Bauten zuständig. Direkte Verbindungen gibt es daher nicht. Aber, wenn in Magdeburg mittels Musiktagen an Schinkels Wirken erinnert wird, so gibt es aus heutiger Sicht Verbindungen. Chorin ist ebenfalls Schauplatz wunderbarer Konzerte aus der Zeit des Klassizismus und der Romantik.

 

Welche Höhepunkte gibt es in diesem Jahr im Konzertprogramm?

Am 17.3. starten wir mit der Jazzsängerin Jule Unterspann ein jazziges Frühlingskonzert. Es bildet den Auftakt der Saison und verspricht mit Dirk Starkhof am Kontrabass und Johannes Kersthold am Klavier im historische Infirmarium eine wunderbare Veranstaltung zu werden.

 

Am 11.5., um 16.00 Uhr stellen wir uns einem Thema der Romantik. Wir zeigen „Der Mond ist aufgegangen“- Ein Matthias Claudius- Programm unter der Leitung von Johanne Gärtner. Dieser gestaltet auch am 8.September den Liederabend  „Hymnen an die Nacht“ mit Texten und Liedern von Novalis. Die beiden Konzerte werden im Refektorium aufgeführt, dass erst seit dem letzten Jahr für Konzerte und Lesungen zur Verfügung steht. Der Saal im Westflügel hat einen neuen Boden erhalten, als der Ausstellungsraum im Keller wieder hergestellt wurde. Dabei ist ein Raum mit einer sehr guten Akustik entstanden, der von allem in den Abendstunden durch die untergehende Sonne eine besondere Stimmung erhält.

 

Gibt es renommierte Künstler, die das Kloster in den letzten Jahren Ihrer Meinung nach mitgeprägt haben?

Wir präsentieren seit 2010 zeitgenössische bildende Künstler im ehemaligen Infirmarium des Klosters. Hier sind in der Galerie Maler/innen, Grafiker/innen und Bildhauer/innen zu sehen, die das historische Bauwerk immer wieder in ein besonderes Licht tauchen. Die Künstler sehen es mit Ihren Augen und machen oft die besondere Atmosphäre sichtbar und spürbar. Günter Rinnhofer ist ein Fotograf, der für viele Chorin- Gäste die Klosteranlage in den vergangenen Jahren im Bild fest gehalten hat und das Bild der Klosteranlage über seine Postkartenserien geprägt hat.

Bei den Musikern denke ich an Marek Janowski, bis 2016 Dirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, der immer gerne nach Chorin gekommen ist. Auch Howard Griffiths, der Generalmusikdirektor des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder) hat mit den Auftritten seines Orchesters den Choriner Musiksommer entscheidend mitgeprägt. Er nimmt in dieser Saison seinen Abschied in Chorin, da der Vertrag mit dem Orchester ausläuft. Das sind Persönlichkeiten, die Chorin im Herzen haben und das auch dem Publikum gerne vermitteln.

Hier weitere Bilder

Das Interview führt Frank Bürger

 

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