Sein oder Nichtsein

 

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Potsdam (fb) Das Babylon veranstaltet vom 26. bis 28. Januar die erste internationale Konferenz zu Lubitsch in Deutschland mit elf internationalen Wissenschafts- und Filmgästen. James Harvey, US-Autor verschiedener Filmbücher (u.a. die anerkannte Studie: „Romantic Comedy in Hollywood: From Lubitsch to Sturges“) eröffnet die Konferenz mit einem Vortrag. Danach folgt ein Gespräch zwischen dem slowenischen Philosophen Slavoj Žižek (u.a. „Ärger im Paradies“) und dem deutschen Regisseur Volker Schlöndorff (TV-Dokumentation über Billy Wilder „Billy, how did you do it“). Weiterhin freuen wir uns über die Beiträge unter anderen der slowenischen Philosophen Alenka Zupančič (u.a. „What is sex?“) und Mladen Dolar (u.a. „His Master’s Voice – Eine Theorie der Stimme“) sowie des österreichischen Philosophen Robert Pfaller (u.a. „Schluss mit der Komödie! Zur schleichenden Vorherrschaft des Tragischen in unserer Kultur“). Neben den Vorträgen zeigt das Babylon auch eine Auswahl an Lubitsch-Filmen.

Am 28. Januar findet zudem die jährliche Lubitsch-Preisverleihung im Babylon statt. Am Geburtstag von Ernst Lubitsch am 29. Januar führen Lubitschs Tochter und Enkeltochter Nicola Lubitsch und Galen Goodpaster (u.a. a.d.r. editor für „La La Land“, first assistant sound editor für „X-Men: Apocalypse“, „Hitchcock“) persönlich in einen Lubitsch-Film ihrer Wahl ein.

To be or not be

Mit dem Film „To be or not be“ schuf Lubitsch ein cineastisches Meisterwerk, das am 27. Januar um 21.30 Uhr gezeigt wird. 1942 drehte Lubitsch sein Meisterwerk: To Be or Not to Be. Eine Gruppe polnischer Schauspieler führt unter der Leitung des Ehepaar Tura in Warschau Anti-Nazi-Stücke auf. Marias Affäre mit einem Leutnant führt die Schauspieler zu Plänen, welche die gesamte Warschauer Widerstandsbewegung vernichten können.

In den Hauptrollen spielen Jack Benny sowie Carole Lombard in ihrer letzten Rolle, sie starb kurz darauf bei einem Flugzeugabsturz. Lombard gehörte zu den bestbezahlten Stars in Hollywood, ihr Tod war tragisch und sorgte für Diskussionen.

Carole Lombard

Am 16. Januar 1942 verstarb die Schauspielerin im Alter von 33 Jahren. Sie hatte sich auf einer Tournee befunden, bei der auch Kriegsanleihen beworben worden waren, und es waren insgesamt mehr als zwei Millionen US-Dollar zusammengekommen. Die Maschine, die sich fast sieben Meilen abseits von ihrem Kurs befand, prallte am Abend gegen eine Bergflanke 25 Meter unterhalb des Gipfels des Potosi Mountain, eines der höchsten Berge Nevadas. Sie rutschte in eine Schlucht, zerbrach und ging in Flammen auf. Dabei kamen alle 22 Menschen an Bord ums Leben, darunter Lombard, ihre Mutter und ihr Presseagent. Als Unglücksursache wurde im Untersuchungsbericht ein Pilotenfehler angegeben. Das Flugzeugunglück, aber insbesondere Lombards Tod sorgten für großes Aufsehen. US-Präsident Franklin D. Roosevelt sagte anlässlich ihres Todes: „Sie brachte große Freude zu allen, die sie kannten und zu Millionen, die sie nur als große Künstlerin kannten. Selbstlos gab sie Zeit und Talent, um ihrer Regierung in Frieden und Krieg zu dienen. Sie liebte ihr Land. Sie ist und wird immer ein Star bleiben, einen den wir nie vergessen und immer dankbar bleiben sollen.“

Verheiratet war sie mit dem Filmstar Clark Gable, der sich später neben ihr bestatten ließ.

Ernst Lubitsch

Ernst Lubitsch (1892–1947) wurde am 29. Januar in Berlin geboren. 126 Jahre nach seiner Geburt ist diese Konferenz ein weiterer Baustein auf dem langen Weg, seine Filme wieder dahin zurückzubringen, wo seine Karriere begann.

Ziel der Konferenz ist es, Lubitschs Geburtsort Berlin und seine Bedeutung für das Kino, die Philosophie und die politischen Fragen der Jetztzeit miteinander zu verknüpfen – auch um die Einwohner Berlins an das Genie zu erinnern, welches mit subversiven Komödien vor fast 100 Jahren das Besondere der Berliner Kultur filmisch verbreitete.

Berlin sollte endlich die Bedeutung dieses Filmemachers von Weltruf für die Identität der Einwohner und Bewunderer dieser Stadt erkennen, wenn sie den stolzen Satz sprechen: „Ich bin ein Berliner!“. Darum ist es von herausragender Wichtigkeit, ein kleines Stück der Straße am Rosa-Luxemburg-Platz nach ihm zu benennen. Gleich um die Ecke wurde er geboren und wuchs er auf. Als Schauspieler stand er das erste Mal hier auf der Bühne, der Volksbühne.

Lubitschs herausragende Bedeutung für Hollywood ist unstrittig, sein Renommee als komischer Darsteller und Regisseur bereits in der Stummfilmära tritt dabei oft in den Hintergrund. „Die Puppe“, „Die Austernprinzessin“ und „Madame Dubarry“ (alle 1919 in Berlin gedreht) werden bis heute für ihre innovativen Erzähltechniken und als Beispiel für die Meisterschaft des frühen deutschen bzw. Weimarer Kinos gepriesen.

Nachdem Lubitsch Anfang der 1920er Jahre nach Hollywood gegangen war, wurde er schnell als einer der frühen Meister, wenn nicht sogar als der Vater der raffinierten, romantischen Komödie gefeiert, welche dem Genre der berühmten Screwball-Komödie zur Blüte verhalf und viele andere Regisseure, nicht zuletzt Billy Wilder, maßgeblich beeinflusste. Wilder rief 1958 zusammen mit dem Club der Filmjournalisten den jährlichen Ernst-Lubitsch-Preis ins Leben.

In seinen Meisterwerken des klassischen Hollywood-Kinos, wie z.B. „Trouble in Paradise“ (1932), „Design for Living“ (1933), „Ninotchka“ (1939) und eben „To Be or Not to Be“ (1942), griff Lubitsch wichtige soziale und politische Themen seiner Zeit auf, durchwoben von visionären Vorstellungen über Liebe, Sexualität, Romantik und Begehren – dies alles verbunden durch treffenden Witz und elegante Leichtigkeit. Genau dafür konnte er die großen Stars wie Greta Garbo, Marlene Dietrich und Carole Lombard verpflichten.

Deshalb dürfen Lubitschs Filme nicht in der Gruft der Geschichte oder in den dunklen Regalen der Museen und Archiven verschwinden. Im Unterschied zu vielen Stummfilmen und Filmen des klassischen Kinos ist sein Werk heute genauso lebendig wie zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, unter der prüden Selbstzensur des US-amerikanischen Hays Code oder während des Zweiten Weltkriegs. Es scheint sogar, dass seine Filme origineller in der Form und subversiver im Inhalt sind, als die meisten der heutigen Komödien.

Wir sollten Lubitschs Filme nicht an unserer heutigen Erfahrung messen, sondern umgekehrt: Wir sollten seine unglaublichen Meisterwerke dazu nutzen, um unsere heutigen Ideologien und Nöte zu analysieren.

Was würde Lubitsch unter der jetzt herrschenden politischen Ordnung, dem Erstarken des Populismus, dem Verlust an Edelmut und der Verrohung der Sitten machen? Was können seine Filme uns über tiefgreifend veränderte, scheinbar liberale, moderne Auffassungen von Sex, Beziehung und sozialer Normen sagen?

Diese Konferenz fußt auf der festen Überzeugung, dass Lubitschs Kino in philosophischer und cinephiler Hinsicht den Anforderungen eines heutigen Feminismus, des Kapitalismus, den Fragen der Political Correctness, der Identität, zu Sex, Liebe, Humor und weiteren Aspekten des modernen Lebens gerecht wird.

Die Veranstaltung ist eine Fortsetzung der Lubitsch-Konferenz, die 2013 in Ljubljana stattfand und 2014 unter dem Titel „Lubitsch Can’t Wait“ von der Slowenischen Kinemathek als Buch veröffentlicht wurde. Das Interesse Sloweniens an Lubitsch erscheint für Außenstehende erstaunlich. Doch in den 1990er Jahren wurde in Slowenien zufälligerweise mit der Kopie des Stummfilms „Als ich tot war“ (1915) der älteste, erhaltene Lubitsch-Film wiederentdeckt und später vom Nationaltheater Lubljana als Pantomine-Theater neu inszeniert.

Alle Infos zum 1. Internationalen Konferenz zu Ernst Lubitsch im Kino Babylon

 

 

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