Pilgerpfade ausprobieren

Pfarrerin Kathrin Deisting (links) und Pfarrer Viktor Weber (rechts) auf neuen Pilgerpfaden

Berlin. Immer wieder neu zeigt sich: Pilgern ist eine wichtige Sache. Der evangelische Kirchenkreis Spandau macht ein Angebot zum Tag der Einheit.

Von Frank Bürger

Pilgern ist großartig. Das weiß ich, auch wenn ich es noch nicht selber gemacht habe. Ich kenne viele Menschen, deren leuchtende Augen und ihr Schwärmen davon ansteckend sind. Es gibt eine richtige Pilgerbewegung – läuft, würden die Menschen der Postmoderne sagen. Natürlich ist Pilgern mehr als laufen oder länger spazieren gehen, es ist eine geistliche Übung – ein bewusstes Mit-Gott-auf-dem-Weg-sein. Es ist Beten mit Leib und Seele. 

Unterwegs mit Gott statt auf Leistung bedacht

Pilgern ist großartig – und dass ich das gegenüber den meisten in der evangelischen Kirche unbefangen sagen kann, ist durchaus etwas Besonderes. Denn die Reformation musste zunächst und völlig zu Recht festhalten, dass es ein Missverständnis wäre anzunehmen, dass man mit dem Pilgern eine Leistung vor Gott erbringen würde, möglicherweise sogar erbringen müsste, um Gott gnädig zu stimmen. 

Wir sind von solchen Gedanken heute so weit weg, dass fast niemand mehr auf diese Idee kommt. Gut so. So ist der Weg frei für eben das, was es sein kann: eine geistliche Übung. Mancher versucht es gleich mal mit dem Jakobsweg – und ich habe mitreißende Erzählungen gehört von Menschen, die Gott innerlich indifferent oder gänzlich fern gegenüberstanden und die aber auf dem Jakobsweg die für sie unwahrscheinlichsten Erfahrungen gemacht haben, durch die sie sich selbst und Gott nahegekommen sind. 

Wo der Glaube in Bewegung kommt

Was kann da alles mit einem geschehen? Wer allein oder mit anderen gerne läuft, weiß ja immer schon, dass sich Denken, Erfahren, Reden und Schweigen im Laufen völlig ändern. Die Bewegung macht etwas mit uns, die körperliche Anstrengung. Die Verlangsamung des Lebens auf diese Weise ebenso. Hinzu kommt beim Pilgern zumeist die Dauer. Es ist eben keine geistliche Fastfood-Übung, eher ein sehr nahrhaftes Körnerbrot. Es führt einen – durch Gebete, durch Singen, im inneren Gespräch – an die eigenen Fragen, Grenzen und Abgründe, aber auch in die Höhen des eigenen Lebens. 

Unterwegs auf dem Pilgerweg Loccum–Volkenroda

Ich habe viele Jahre in Loccum gelebt, dem Anfangs- oder Endpunkt des Pilgerweges Loccum–Volkenroda. Man braucht in der Regel 14 Tage für diese Strecke, 14 Pilgertage mit maßvollen, fordernden Wegeinheiten. Vom Segnen am Anfang des Weges und vom segensreichen Empfangen am Ende des Weges kenne ich die Gesichter der Pilgernden, die Vorfreude und die Erschöpfung, die Erfüllung und die Fragen und Zweifel. Alles zusammen zeigt die Fülle dieser geistlichen Übung.

Den Pilgersegen, den ich in Loccum gelernt habe, trage ich stets mit mir:

Gott bewahre Dich auf Deinem Weg.
Gott befreie Dich aus aller Not.
Gott erfülle Dich mit seinem Geist.
Sein heiliger Engel sei mit Dir
und führe Dich zum Ziel in Zeit und Ewigkeit.
Amen. 

Bischof Dr. Christian Stäblein / EKBO

Darum weiß auch der Kirchenkreis Spandau

Am Tag der Einheit pilgern wir über ehemaligen Grenzen hinweg und lauschen unterwegs Impulsen aus ost- und westdeutscher Perspektive. Was wäre, es die Wende nicht gegeben hätte und die Mauer noch stehen würde? Wo wäre ich heute? Wie anders sähe mein Leben aus?

Besonders eingeladen sind Konfirmand:innen, Jugendliche und Menschen, die nach der Wende 1989 geboren sind.

Strecke: ca. 3,5 km

Laufzeit: ca. 45 Minuten

Start 14 Uhr in Laurentiuskirche

Ziel: ca. 15.30 Uhr in Dorfkirche Altstaaken

In der Dorfkirche Altstaaken erwartet uns ein kleiner Imbiss zur Stärkung und Zeit für Austausch.

Mitwirkende: Pilgerteam, Pfarrerin Kathrin Deisting, Pfarrer Viktor Weber

Pilgermomente

Es muss nicht immer Santiago de Compostela sein – auch in Spandau gibt es Ziele für Pilgernde. Seit dem 5. September 2020 gibt es einen Pilgerweg in Spandau, der 22 evangelische Kirchen und zwei katholische Kirchen des Bezirks miteinander verbindet.

Der knapp 75 km lange Weg ist in drei Rundwege – STADT, LAND, FLUSS – unterteilt mit einer jeweiligen Strecke zwischen 21 und 30 Kilometern. Zusätzlich gibt es eine 63 Kilometer lange FAHRRAD-Rundtour und eine 4 Kilometer lange erprobte Pilgerstrecke für Familien von der Gnadenkirche zur Dorfkirche Gatow (siehe Landweg).

Der Weg bleibt dauerhaft bestehen. Pilgerinnen und Pilger können sich mit Pilgerpass, Pilgerführer und Karte auf den Weg machen, den Pilgerzeichen folgen und Stempel an den Kirchen sammeln. 

Im Pilgerführer finden Sie die genaue Streckenbeschreibung, viele Informationen und Anregungen rund ums Pilgern, Wissenwertes über die Spandauer Kirchen und den Bezirk.

Dank engagierter Menschen wird der Spandauer Pilgerweg zu den umliegenden Gemeinden erweitert. Die Strecke „Alte Grenzen – Neue Wege“ grenz im Süden an den Weg. Für Falkensee gibt es ebenfalls schon Ideen für eine neue Strecke.

Weitere Infos hier klicken

Bettina Kammer, Kirchenkreis Spandau

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