Mein Heim ist meine Welt: Tiersymbolik in der Volkskunst am Beispiel des Malers Heinz Friedrich

Tiersymbolik im Schwetzinger Hirschacker. Foto: Frank Bürger

Schwetzingen. Unsere Autorin Nadine Grimmig beschäftigt sich mit Tiersymbolik in der Volkskunst am Beispiel des Malers Heinz Friedrich.

Von Nadine Grimmig

Ausgangspunkt
Heinz Friedrich (1924–2018) verbrachte den größten Teil seines Lebens in Schwetzingen. Künstlerisch blieb er der Druckgrafik und dem expressiven Realismus eng verbunden.

Das Wandbild in Schwetzingen-Hirschacker
An einem Haus in der Siedlerstraße 23 in Schwetzingen-Hirschacker befindet sich ein Wandbild, das diesen künstlerischen Einfluss erkennen lässt.

Bildaufbau
Im Zentrum steht ein Zaun, der die Darstellung räumlich gliedert. Um ihn herum sind drei Tiere angeordnet: ein Hahn sitzt auf dem Zaun, ein Hund liegt davor, und eine Katze erscheint am Bildrand und droht beinahe aus dem Bild herauszufallen. Im rechten oberen Bereich ergänzt eine überdimensionierte Sonnenblume die Szene und setzt einen auffälligen Akzent.

Tiersymbolik

Symbolik der Katze
Die Katze steht in mehreren religiösen und volkstümlichen Deutungen für zwei gegensätzliche, aber miteinander verbundene Grundtendenzen: Freiheitsliebe und die Suche nach Geborgenheit.

In der christlichen Ikonografie erscheint sie als Attribut der heiligen Gertrud von Nivelles, die unter anderem gegen Mäuse- und Rattenplagen angerufen wird. Daneben gibt es Erzähltraditionen, nach denen Jesus während seines irdischen Lebens eine Katze vor dem Hungertod gerettet haben soll.

Nach einer russischen Legende bewachen Hund und Katze gemeinsam das Paradies.

Symbolik des Hundes
Der Hund erscheint zunächst als Sinnbild der Treue und Begleitung. Im Buch Tobit begleitet er den jungen Tobit auf seiner Reise neben dem Engel Raphael (Tob 5,17). Auch in der Legende des heiligen Rochus spielt ein Hund eine schützende Rolle: Während Rochus an der Pest erkrankt war, soll ihn der Hund täglich mit Brot versorgt haben.

Zugleich kann der Hund ambivalent gedeutet werden. Im Judentum wurden Unbeschnittene, also Heiden, abwertend mit Hunden verglichen. In der Ostkirche wird der heilige Christophorus häufig mit Hundekopf dargestellt; eine Legende führt dies auf seine Herkunft aus dem Stamm der „Hundeköpfigen“ zurück.

Eine humorvolle Umdeutung findet sich bei den Dominikanern, die sich mit dem Wortspiel „Domini canes“ — „Hunde des Herrn“ — bezeichnen.

Symbolik des Hahns
Der Hahn besitzt in biblischen und kirchlichen Zusammenhängen mehrere Bedeutungsebenen. Einerseits gilt er als Beispiel für Stolz (Spr 30,31). Andererseits erinnert er an Wachsamkeit und Treue — nicht zuletzt durch seine Darstellung auf Kirchtürmen.

Besonders prägend ist die Verbindung mit Petrus: Jesus kündigt an, Petrus werde ihn noch vor dem Krähen des Hahns dreimal verleugnen (Mt 26,34). Da der Hahnenschrei Petrus zur Reue bewegt, wird der Hahn auch zum Zeichen von Reue und Umkehr, etwa in Darstellungen an Beichtstühlen.

Als Verkörperung von Tag und Licht kann der Hahn außerdem im Gegensatz zur Schildkröte erscheinen, die Nacht, Finsternis und Unterwelt symbolisiert. Ein Beispiel dafür ist das Mosaik in der Patriarchalbasilika von Aquileia.

Gegensatzmotiv Hahn und Schildkröte
Die Schildkröte bildet in dieser Deutung die Gegenspielerin des Hahns. Während der Hahn für Tag, Licht und Wachsamkeit steht, verweist die Schildkröte auf Unterwelt, Dunkelheit und Nacht.

Symbolik der Sonnenblume
Die Sonnenblume erweitert die Tiersymbolik um ein starkes Licht- und Lebensmotiv. Durch ihre auffällige Größe und ihr leuchtendes Gelb verbindet sie die häusliche Szene mit Vorstellungen von Wärme, Wachstum und sommerlicher Fülle.

In der Blumensprache steht die Sonnenblume häufig für Lebensfreude, Bewunderung und Loyalität. Ihre Ausrichtung zur Sonne lässt sie zudem als Sinnbild der Hinwendung zum Licht erscheinen. Im christlich geprägten Deutungshorizont kann sie daher auch für Glauben, Beständigkeit und die Ausrichtung auf eine höhere Ordnung gelesen werden.

Abschließende Deutung
Im Zusammenspiel der Motive erscheint das Wandbild als verdichtete Darstellung eines geschützten Lebensraums. Katze, Hund und Hahn verweisen auf Nähe, Treue, Wachsamkeit und Umkehr; die Sonnenblume öffnet diese häusliche Ordnung zugleich nach oben und führt ein Moment von Licht, Wachstum und Zuversicht ein.

So wird das „Heim“ nicht nur als privater Rückzugsort sichtbar, sondern als kleine Welt, in der alltägliche Beobachtung, religiöse Symbolik und volkstümliche Bildsprache miteinander verbunden sind.

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