Auf den Spuren von Voltaire

Grafik: Dominik Göhlich

Berlin. Der Autor François-Marie Aroue prägte eine Epoche. Die Deutsch-Polnischen Nachrichten gingen auf Spurensuche in Versailles, Potsdam und Schwetzingen.

Von Frank Bürger

Voltaire, bürgerlich François-Marie Arouet, wurde 1694 in Paris geboren. Er war einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren seiner Zeit. 1750 begab sich Voltaire, ein Jahr nach dem Tod seiner Geliebten Émilie du Châtelet, nach Sanssouci bei Potsdam. Er folgte einer Einladung von König Friedrich dem Großen von Preußen, seinem langjährigen Briefpartner. Nach heftigen Meinungsverschiedenheiten trat der Franzose 1753 den Rückweg nach Frankreich an. Seine Reise führte ihn über Leipzig, Gotha, Frankfurt, Mainz, Mannheim und Schloss Schwetzingen.

Der Philosoph François-Marie Arouet Voltaire galt als rebellischer Denker und lebte damit im Frankreich des 18. Jahrhunderts gefährlich. Immer wieder eckte er mit Zensoren und Kirchenoberen an, doch weder Gefängnisaufenthalte noch das Exil konnten ihn bremsen. Ein kirchliches Begräbnis blieb ihm verwehrt.

Gerade wird ihm in der Festspielstadt Schwetzingen ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Neugestaltete Unterführung „baroque rebels“ 

Aus einem funktionalen Durchgang wird ein neuer künstlerischer Blickfang: Die Unterführung zwischen Heidelberger Straße und Schubertstraße präsentiert sich nach Abschluss der Arbeiten in einem neuen Erscheinungsbild. Unter dem Titel „baroque rebels“ hat der Künstler Dominik Göhlich die Unterführung gestaltet und dabei Schwetzinger Geschichte mit zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum verbunden.

Das Gestaltungskonzept greift die besondere Geschichte Schwetzingens auf und übersetzt sie in eine moderne künstlerische Bildsprache. Im Mittelpunkt stehen Motive und Persönlichkeiten aus der Barockzeit und der Geschichte des Schwetzinger Hofes. Als „baroque rebels“ werden sie neu interpretiert und bringen auf überraschende Weise ein Stück Schwetzinger Vergangenheit in die Gegenwart.

Mit der künstlerischen Gestaltung wurde die Unterführung deutlich aufgewertet. Die neuen Motive sollen nicht nur für ein attraktiveres Erscheinungsbild sorgen, sondern zugleich einen Bezug zur kulturellen Identität Schwetzingens schaffen. Mit „baroque rebels“ erhält Schwetzingen ein weiteres Kunstprojekt im öffentlichen Raum, das Geschichte, Gegenwart und den täglichen Weg durch die Stadt miteinander verbindet.

Quelle: Stadt Schwetzingen

Mit unter den Grafiken auch eine Darstellung von Voltaire.

15 Millionen Wörter stammen aus der Feder Voltaires. Als Vorkämpfer für die Vernunft und gegen den religiösen Fanatismus gehört er zu den fruchtbarsten Denkern der französischen Aufklärung. Bis heute gilt das 18. Jahrhundert deshalb für viele Franzosen als „das Jahrhundert Voltaires“.

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Paris

Das sind die wichtigsten Stationen Voltaires in Paris

  • Le Procope: Das älteste durchgehend geöffnete Café von Paris im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés war Voltaires liebster Treffpunkt. Hier trank er literweise Kaffee und debattierte mit anderen Denkern. Sein alter Schreibtisch steht dort noch heute. [1]
  • Quai Voltaire & Voltaires Sterbehaus: Das Seine-Ufer im 7. Arrondissement ist nach ihm benannt. Am Quai Voltaire Nr. 27 befindet sich das Haus, in dem er 1778 kurz nach seiner triumphalen Rückkehr aus dem Exil verstarb. Eine Gedenktafel erinnert daran. [
  • Das Panthéon: Voltaire war der erste große französische Denker, der im Panthéon beigesetzt wurde. Sein prächtiger Sarkophag steht in der dortigen Krypta.
  • Die Bastille: Weil er freche Gedichte über die Herrschenden schrieb, sperrte man ihn als jungen Mann zweimal in das berüchtigte Pariser Gefängnis Bastille. Dort erfand er auch seinen Künstlernamen „Voltaire“.
  • Statuen in der Stadt: Große Denkmäler und Statuen von ihm stehen unter anderem im Innenhof des weltberühmten Louvre-Museums, in der Académie française und am Place Voltaire. 

Das Panthéon

Grab Voltaires im im Panthéon

Voltaire in Potsdam

Friedrich II. verehrte ihn und unterhielt eine Korrespondenz, die bis zum Tode Voltaires dauern sollte. Nach dem Tod seiner Lebensgefährtin nahm Voltaire endlich eine der vielen Einladungen Friedrichs an und kam am 10.07.1750 nach Potsdam. Hier wurde Voltaire Kammerherr, bekam ein hohes Gehalt bei freier Kost und Unterkunft sowie den Orden „Pour le mérite“. Als Gegenleistung unterrichtete Voltaire den König in Rhetorik, Stil und Poetik. 1759 schrieb Voltaire über seine regelmäßigen Teilnahmen an der Potsdamer Tafelrunde im Schloss Sanssouci: „Die Tafelrunden waren sehr angenehm … denn der König hatte Geist und regte zu Geist an.“

Irgendwann entstand in der Tafelrunde ein Mißverhältnis. Die Beziehung zwischen dem Präsidenten der Berliner Akademie, Piere-Louis Moreau de Maupertuis, und Voltaire wurde zusehends gehässiger. Daraufhin veröffentlichte Voltaire im Jahre 1752 eine bissige Spottschrift, trotz des ausdrücklichen Verbots des Königs. Als dann noch die dubiosen Geldgeschäfte Voltaires publik wurden – Friedrich II. fühlte sich „ausgequetscht wie eine Orange“ – war auch das Verhältnis zwischen dem König und Voltaire mehr als geschädigt.

Am 26.03.1753 reiste Voltaire aus Potsdam ab. Da er Potsdam nicht verlassen durfte, gab er an, Urlaub machen zu wollen. Friedrich II. und Voltaire sahen sich nie wieder, setzten jedoch ihre Korrespondenz fort.

Quelle: PotsdamWiki

Voltaire und Schwetzingen – Candide

Voltaire, eine prägende Gestalt in Potsdam und Schwetzingen, hier zu sehen in der Schwetzinger Orangerie. Foto: Frank Bürger

Immer wieder brachte der renommierte Künstler, Kurator und Publizist Josef Walch Weitblick mit und inszeniert historische Noten. Als Kurator initiierte er die Ausstellung mit Illustrationen zu der Novelle „Candide“ aus der Feder des bekannten Philosophen Voltaire (1694–1779)

„Candide oder der Optimismus“ (frz. Candide ou l’optimisme) ist eine 1759 unter dem Pseudonym Docteur Ralph erschienene satirische Novelle des französischen Philosophen. Im Jahr 1776 erschien eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Candide oder die beste aller Welten. Diese Satire wendet sich unter anderem gegen die optimistische Weltanschauung Gottfried Wilhelm Leibniz’, der die beste aller möglichen Welten postulierte. Voltaire propagiert Skeptizismus und Pessimismus, die Leibniz’ Postulat in den Kontext der Zeit rücken (Eindruck des Erdbebens von Lissabon 1755, Siebenjähriger Krieg) und in Frage stellen. Mit Witz und Ironie prangert Voltaire in seinem „conte philosophique“ den überheblichen Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg und Sklaverei an und verspottet die naive Utopie des einfachen Mannes von einem sorglosen Leben.

Die „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ haben sich intensiv mit dem Verhältnis zwischen Potsdam und Schwetzingen, auch mit der Beziehung des Kurfürsten Karl-Theodors und Voltaires beschäftigt. Der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire  verweilt mehrmals am Hof Carl Theodors von der Pfalz in Schwetzingen. Zwischen Kurfürst und Aufklärer entsteht eine lockere Freundschaft, die sich durch den regen Briefwechsel nachvollziehen lässt.

1753 überwirft sich Voltaire mit König Friedrich II. und verlässt Preußen. Carl Theodor lädt den Dichter daraufhin in seine Sommerresidenz ein. Hier erholt sich Voltaire und berichtet: „Ich bin augenblicklich im Lustschloß seiner Durchlaucht des Kurfürsten von der Pfalz. Es fehlt mir nur Gesundheit, um alle Vergnügungen zu genießen. Französische und italienische Komödie, große italienische Oper, Komische Oper, Balletts, große Essen, Konversation, Höflichkeit, Würde, Einfachheit, das ist der Mannheimer Hof.“

Während Voltaires Aufenthalt kommen Opern und Komödien auf die Bühne des Schlosstheaters, darunter auch seine eigenen Stücke. Beim zweiten Besuch 1758 lässt Carl Theodor Voltaires Tragödie „Mahomet ou le fanatisme“ aufführen. Voltaire arbeitet im Schloss an seinem Werk „Candide“ und liest dem Kurfürsten daraus vor. 1759 überstellt er seinen Sekretär Cosimo Collini in die Dienste des Kurfürsten.

Der  „alte Fritz“, der sich von Voltaire in Potsdam getrennt hatte, bezeichnete diesen später als einen „Affen“. Auch hämisch, oder eher neidig bezeichnete er den Kurfürsten als „Glücksschwein“, weil dieser nie Krieg führen musste. Diese Bezeichnung diente auch als Anregung für das viel diskutierte Denkmal auf dem Schwetzinger Schlossplatz. Bildhauer Peter Lenk atmet auch Weltluft. Mit seinem Relief „Friede sei mit Dir“ am taz-Gebäude gegenüber der Springer-Zentrale hält er so unter anderem der Boulevardpresse und dem gesamten Springer-Imperium den Spiegel vor.

Das Glücksschwein / ©Tobias Schwerdt / Schwetzinger Zeitung

In diese Zeit fällt auch der berühmte Besuch von Wolfgang Amadeus Mozart. Er spielte am 18. Juli 1763 im Schwetzinger Theater.

Der Künstler Dominik Göhlich hat sich nun in der Unterführung unter anderem auch Voltaire angenommen. Schon einmal setzte er in Schwetzingen historische Noten, und zwar am Rothacker‘sche Haus, das einst als Museum geplant war.

Die Deutsch-Polnische Nachrichten führten auch ein Interview mit ihm

Im November gibt es nun in Schwetzingen ein Kulturabend mit dem Titel „Geniale Rebellen“

Dominik Göhlich und Lars Maurer

Hier eine Rezension des Buches „Born to be wilde“ von Andreas Sturm

Wie Voltaire liegt Wilde auch in der Weltstadt Paris begraben

Anastasia und Frank Bürger am Grab von Oscar Wilde auf dem Friedhof Pére Lachaise

Neues Format verbindet Literatur, Musik, Kunst und Gespräch im Palais Hirsch

Mit einem neuen Veranstaltungsformat lädt das Museum der Stadt Schwetzingen am Freitag, 6. November 2026, um 18 Uhr zum ersten Schwetzinger Salon in das Palais Hirsch ein. Unter dem Titel „Geniale Rebellen: Oscar Wilde trifft Mozart“ erwartet die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreicher Kleinkunstabend, der Literatur, Musik, Kunst und spannende Gespräche miteinander verbindet.

Im Mittelpunkt stehen zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten der europäischen Kulturgeschichte: Oscar Wilde und Wolfgang Amadeus Mozart. Beide haben mit ihrem Denken, ihrem künstlerischen Schaffen und ihrem Mut, gesellschaftliche Konventionen zu hinterfragen, ihre Zeit geprägt – und wirken bis heute nach.

Der Abend beginnt mit einem gemeinsamen Ankommen im Salon. Eine Ausstellung mit Werken der Künstler Maks Dannecker und Dominik Göhlich, eine musikalische Einstimmung durch Rosi Goos und ein Aperitif schaffen die passende Atmosphäre, bevor die Moderatoren Lars Maurer und Andreas Sturm die Gäste begrüßen. Es folgen ein Kurzvortrag über Mozart als „rebellischer Geist“, eine Lesung aus Sturms Buch „Born to be Wild(e): Der Spirit von Oscar Wilde“, Klaviereinlagen des Ketscher Ausnahmepianisten Johannes Anselm Inselmann sowie ein offener Salon-Talk mit Gästen aus Kunst, Musik, Sport, Religion und Politik. Gemeinsam soll der Frage nachgegangen werden: „Welcher Rebell hat Ihr Leben verändert?“ Auch das Publikum ist eingeladen, sich mit eigenen Gedanken einzubringen.

Der Salon beginnt am Freitag, 6. November 2026, um 18.00 Uhr im Palais Hirsch (Schlossplatz 2) in Schwetzingen. Eine Anmeldung ist beim Museum der Stadt Schwetzingen per E-Mail an lars.maurer@schwetzingen.de oder telefonisch unter 06202 / 87 468 erforderlich.

Im Anschluss an das Programm besteht bei Getränken und musikalischem Ausklang Gelegenheit zum persönlichen Austausch.

Der Eintritt ist frei, Getränke können erworben werden.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Museum frei Haus“ des Museums der Stadt Schwetzingen.

Quelle: Visit Schwetzingen

Musikalisch umrahmt den Abend das Tastentalent Anselm Inselmann. Er zeigte im vergangenen Jahr, dass der Weg von Schwetzingen zu Richard Wagner kein weiter ist. Am 11. Juli 1877 weilte dieser mit Familie im Schwetzinger Schlossgarten.

Screenshot

Gespräch mit Anselm Inselmann zu Albert Schweitzer und seinem Pelikan

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