
Schwetzingen. Die vorliegende Abhandlung hat den Apollo-Tempel im Schwetzinger Schlossgarten zum Gegenstand. Die Ausführungen gehen weit drüber hinaus.
Von Nadine Grimmig
Beim Apollotempel handelt es sich um ein Ensemble aus Naturtheater und einem in einen Berg/Hügel gehauenen Tempel der von der Gartenseite wie ein Belvedere angelegt ist. Dies finden wir so auch im Vatikan. Man könnte auch wie Prof. Dr. Hesse von einer Architekturerfindung sprechen. ( Vgl. Schwetzingen. Die kurfürstliche Sommerresidenz – Gartenkunstwerk und freimaurerische Ideen. Nominierung zur Eintragung in die UNESCO-Welterbeliste. Antragstext. Hrsg.; Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg; Finanzministerium Baden-Württemberg, Stadt Schwetzingen, 2006. S. 10)
Ein Belvedere ist ein Gebäude oder Aussichtspunkt, das eine schöne Aussicht beschreibt. Der Belvedere im Vatikan, der am ehesten als Vorbild dient, war zudem der Standort des Apoll von Belvedere. Unser Apollotempel in Schwetzingen wird zudem von einem klassischen Monopteros bekrönt, indem eine Statue von Apollo steht. Von der Gartenseite her ist es ein mehr stufiger Altan in den dunkle Gänge hineingehauen wurden.
Im Inneren des Tempels kann man wortwörtlich durch die Dunkelheit ans Licht gelangen, das dann noch in vielfältiger Weise durch die mehrfach vorhandenen Sonnen am oberen Geländer verstärkt wird. Interessanterweise wird der Apollotempel ebenso von Bosketten in Form von Labyrinthen umgeben. Das Naturtheater am Apollo-Tempel setzt sich aus einem Zuschauerraum, der von Sphingen bewacht wird und einer Bühne, die sich direkt vor den Kaskaden des herabfließenden Wassers erstreckt, zusammen. Daneben stehen heute wieder hohe Hecken, hinter denen wechselnde Kulissen für das Theater geschoben werden konnten. Zu den verschiedenfach verschachtelten Tempeln haben wir hier ebenso ein Heckentheater, wo die höfische Gesellschaft in der Sommerfrische Abwechslung geboten bekam.
Michael Hesse beschreibt den Tempel mit folgenden Worten: …eine der originellsten Schwetzinger Architekturerfindungen ist der in zwei Kontexten wirksame Apollo-Bezirk mit dem Tempel des Gottes (1765/66). Durch den terrassierten Unterbau an der Westseite zum Kanal hin, erlebt der Besucher über finstere und bruchsteinverkleidete und in ihrem Verlauf verwirrende Korridore einen gleichsam rituellen Aufstieg durch das Enge, Dunkle Ungeformte zur lichtdurchfluteten oberen Plattform mit dem idealen klassischen Monopteros des Gottes der Ordnung, der Klarheit und Vernunft. Der Monopteros bekrönt aber auch aus der Sicht der Zuschauer im Heckentheater auf der Ostseite dessen Bühnenprospekt. Apoll erscheint in diesem Zusammenhang als Gott der Künste, als Musenführer auf dem Gipfel des Berges Helikon, des Musensitzes, wo ein Hufschlag des Pegasus die Quelle Hippokrene ausgelöst hatte, deren Wunderwasser in Schwetzingen durch die Najaden und die Kaskade an die Menschen weitergegeben wird.“ ( Vgl. Schwetzingen. Die kurfürstliche Sommerresidenz – Gartenkunstwerk und freimaurerische Ideen. Nominierung zur Eintragung in die UNESCO- Welterbeliste. Antragstext. Hrsg.; Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg; Finanzministerium Baden- Württemberg, Stadt Schwetzingen, 2006. S. 10)
Allerdings kann man den Apollotempel nicht nur so eindimensional sehen.Apollo erscheint hier nicht ausschließlich als Apollo Musagetes, da sowohl die Musen als auch Pegasus fehlt. Die ganze Geschichte muss man sich dazu denken um zu dieser Deutung zu gelangen. Somit handelt es sich im besten Fall um eine Anspielung.
Wichtig an dieser Installation ist der gegabelte Weg aus der Dunkelheit zum Licht. Im gesamten Apollohain, der den Tempel umgibt, geht es um den Sieg des Sonnengottes über die niederen Leidenschaften des Menschen.
Man steigt durch die Dunkelheit zum Licht empor und dies wird durch das Hereinscheinen der Sonne vielfach illustriert. Hat man den Aufstieg hinter sich, erfreut man sich an dem Anblick des Lyra spielenden Gottes Apoll auf seiner von Sonnen umsäumten Terrasse. Ein sehr schönes Bild, wenn man es mit dem Sieg der Tugenden über die menschlichen Leidenschaften gleichsetzt. Um zu dieser Deutung zu gelangen, müssen wir allerdings früher ansetzen. Wenn man in die nördlichen Bosketten hereinläuft, passiert man Alexander, den Großen und Antinous, den Geliebten Kaiser Hadrians. Diese beiden Statuen fallen zum einem durch ihre Überlebensgröße auf als auch durch ihren prominenten Aufstellungsort zu Beginn des Apollo-Hain. Hier haben wir von links nach rechts mehrere „points de vue“ im Garten: Antinous-Pan-Galathea mit Polyphem und schließlich Alexander, den Großen. Diese können alle als Symbole für die Triebhaftigkeit bzw. Hybris des Menschen angesehen werden. Wir können nur mit Hilfe von Minerva und Temperantia diese Triebhaftigkeit in uns ausgleichen.
Auch diese beiden Statuen stehen im Garten in Sichtachse gegenüber den beiden goldenen Atalanten-Statuen. Temperantia auf der Seite des Minerva-Tempels und die Minerva auf der Seite des Apollo-Tempels.
Nun möchte ich den Gott Apoll etwas näher beleuchten und ihn dann für
unseren Garten deuten: Apollon ist ein griechischer Gott, vorderorientalischen Ursprungs. Er ist der Sohn des Zeus und der Leto. Seine Zwillingsschwester ist die Artemis (Diana), die etwas vor ihm geboren wurde und dann bei seiner Geburt half. Bei seiner Geburt war ein Hanh (Künder des Lichts) zugegen und seine Mutter umfasste eine Palme, zudem leuchtete die ganze Insel Delos golden auf (M. Lurker, Lexikon der Götter und Dämonen (Stuttgart 1989), 36f.) Schon kurz darauf tötete Apollon als Kind den Python und erhielt den Beinamen Pythios. Er fährt auf einem Schwanengespann, ähnlich der Aphrodite / Venus zudem ist ihm der Delphin heilig, indem er sich einmal, um Arion zu retten verwandelte. Außerdem trägt er den Beinamen Sauroktonos, was Echsentöter oder auch Schlangentöter bedeutet.
Apollo hat darüber hinaus noch weitere Funktionen, als Apollo Lykeios wehrt er die Wölfe ab und als Apollo Smyntheios vertreibt er die Feldmäuse, als vor dem Hause stehender Steinpfeiler schützt er das Haus und seine Bewohner (Apollon Agyieus).
Neben seiner Funktion als Heilgott kann Apoll auch als Sühnegott gesehen werden, dessen Pfeile Krankheit und Tod bringen. Wenn der Mythos erzählt, er habe gleich nach seiner Geburt mit dem ersten Pfeil seines Bogens den Drachen Python erlegt, so bedeutet dies den Sieg des Frühlingsgottes über den Winter. Als Lichtgott hatte er im Frühling, Sommer und Herbst seine Feste, von denen manche seine natürliche Bedeutung in einzelnen Zügen noch klar erkennen lassen. So bezog sich das ihm im April in Athen gefeierte Fest der Delphinien auf die nach den Winterstürmen eintretende Beruhigung des Meeres und die damit verbundene Wiedereröffnung der Schiffahrt. Die im folgenden Monat in Athen und anderwärts gefeierten Thargelien galten Apollo als Sommergott, dem man Opfer für eine reiche Ernte der Feldfrüchte, zugleich aber auch Sühnopfer darbrachte, um die verderbliche Hitze abzuwenden. Die verderbliche Hitze hatte traditionell ihre größte Kraft während der Hundstage, an denen Sirius, der auch Hundsstern genannt wird, der Erde ganz nahe steht. Gleiche Bedeutung hatten die Delien auf Delos. Zur Zeit des höchsten Sonnenstandes, im Juli bis August, wo der Gott seine teils wohltätige, teils verderbliche Macht ausübt, wurden ihm zu Ehren in Sparta die Hyakinthien begangen. (Apollon, Meyers Großes Konversations-Lexikon, https://meyers.de-academic.com/6721/Apollon , Stand: 07.07.2022)
Vor allem aber ist er der Gott der Weissagungen und seine beiden
berühmtesten Orakelstätten waren Delphi und Delos.
Delos, als Geburtsstätte des Apolls. Der Mythos erzählt, dass Delos eine
schwimmende Insel auf dem Mittelmeer war. Nur hier konnte die von Hera
verfolgte Leto niederkommen, da es kein Festland war.
Das Orakel von Delphi gab zunächst nur einmal im Jahr am Geburtstag des Apollon Auskunft, dem siebten Tag des Monats Bysios, später am siebten Tag jedes Monats im Sommer. Im Winter legte es für drei Monate eine Pause ein.
Nach griechischer Vorstellung hielt sich der Gott in dieser Zeit bei den Hyperboreern auf, einem sagenumwobenen Volk im Norden. Das Orakel wurde währenddessen von Dionysos/Bachus regiert. Hinweis auf Dionysos im Labyrinth zum Apollotempel mit den Bachusknaben und dem Pan, der als Satyr auch mit Dionysos verwandt ist. (Orakel von Delphi, wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Orakel_von_Delphi, Stand: 07.07.2022)
Interessanterweise gibt es auch alte Abbildungen des Apollotempels, die zwei Gestalten neben dem Apollotempel zeigen, die ebenfalls Satyrn sein könnten, die Begleiter des Dionysos. ( Vgl.: N. Grimmig in Freimaurerlicht 2/21, Kolloquium in Schwetzingen
am 13.06.2021, S. 81 ff.)
Das sind für mich Beweise genug, dass es hier um die Laster und Tugenden der Menschen handelt, die im 18. Jhd. auch sehr präsent waren. Dieses Wissen war für jeden verfügbar und war nicht verschüttet, wie es heute in unserer Gesellschaft der Fall ist. Diese Deutung war und ist darüber hinaus auch in der Freimaurerei außerordentlich beliebt. Aufgrund des Gartens können wir sicher sein, dass die freimaurerischen und rosenkreuzerischen Ideen Carl Theodor geläufig waren. Dies spiegelt sich auch in einigen Büchern, die sich heute noch in der Münchner Bibliothek befinden. In diese Bibliothek gingen nämlich die gesamten Bücher mit hermetischem Inhalt von Carl Theodor auf. Es gibt sie heute noch.
Zurück zum Orakel von Delphi, das hier vermutlich im Zuschauerraum des Heckentheaters eingeschrieben ist. Darauf verweisen die paarweisen Sphingen, die den Besucherraum bewachen, also nach Innen gerichtet sind. Hier ging es Carl Theodor wohl tatsächlich um Apollo als Gott der Weissagung. In der Antike war es wie folgt, bevor das Orakel sprach, bedurfte es eines Omens: Ein Oberpriester besprengte eine junge Ziege mit eiskaltem Wasser. Blieb sie ruhig, fiel das Orakel für diesen Tag aus, und die Ratsuchenden mussten einen Monat später wiederkommen. Zuckte die Ziege zusammen, wurde sie als Opfertier geschlachtet und auf dem Altar verbrannt. Nun konnten die Weissagungen beginnen: Begleitet von zwei Priestern begab sich die Pythia zur heiligen QuelleKastalia, wo sie nackt ein Bad nahm, um kultisch rein zu sein. Aus einer zweiten Quelle, der Kassotis, trank sie dann einige Schlucke des heiligen Wassers. Begleitet von zwei Oberpriestern und den Mitgliedern des Fünfmännerrates ging die Pythia anschließend in den Apollontempel. Sie wurde nun vor den Altar der Hestia geführt, wo – nach einigen Theorien – aus einer Erdspalte die berauschenden Dämpfe aufstiegen, so dass sie ihre Weissagungen in einer Art Trance gemacht hätte. 1 Vgl.: Die trunkene Alte, die sich im Besitz von Carl Theodor befunden hat. Plausibel wird diese Deutung, wenn wir uns in der Antikensammlung von Carl Theodor umschauen. So gibt es dort bereits aus dem Besitz von Johann Wilhelm in Düsseldorf, die so genannte trunkene Alte, bei der es sich um eine Priesterin handelt.
Diese Figur ist äußerst interessant, da sie nicht in den klassischen Sammlungskanon von Fürsten passt. Sie wurde von Johann Wilhelm bereits in Düsseldorf erworben und ist somit eine der ältesten Figuren im Figurenkabinett von Carl Theodor. Sie befand sich schon seit 1731 in Mannheim, d.h. CT hat sie gleich, als er mit 7 Jahren an den Hof kam, kennen gelernt. Sie hat ihn wohl nachhaltig beeindruckt, weshalb er den Apollotempel so angelegt hat, das auch eine Pythia dort eingeschrieben werden kann. (Orakel von Delphi, wikipedia,
https://de.wikipedia.org/wiki/Orakel_von_Delphi, Stand: 07.07.2022)
Apollos Sohn ist der Arztgott Asklepios. Daneben gibt es allerdings noch weitere Söhne wie zum Beispiel den Aristaios (altgriechisch Ἀρισταῖος Aristaíos, lateinisch Aristaeus). Er ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Gottes Apollon und der Nymphe Kyrene. Er war ein ländlicher Gott der Imkerei, des Olivenanbaus, der Schafzucht und der Jagd. Daher kommen auch seine zwei Beinamen Agreús (Ἀγρεύς ‚Jäger‘) und Nómios (Νόμιος ‚Hirte‘). Darüber hinaus war er wie sein Vater in der Heilkunst und Prophetie bewandert. Der gute Hirte am Badhaus in direkter Nachbarschaft zum Apollotempel gehört höchst wahrscheinlich in die gleiche Ikonographie.Aristaios ist interessanterweise der Vater von Aktaion und somit ist Aktaion ein Enkelsohn des Apollo. Die Stammlinie Apollo-Aristaios-Aktaion ist somit für die Hauptachse des Schwetzinger Schlossgartens von herausragender Bedeutung.
Aktaion ist am Übergang des ehemaligen Spiegelbassin durch die Hirschgruppe in den Garten eingeschrieben. Hier fassen wir die Geschichte aus den Metamorphosen Ovids, bei der Aktaion die Diana/ Artemis beim Bade beobachtet und zur Strafe, da niemand die Göttin schauen darf in einen Hirsch verwandelt wird. Seine eigenen Jagdhunde zerfleischen ihn nun. Ein vergessener Aspekt wird durch den Hirsch allerdings auch transportiert. Der Hirsch ist seit der Urgeschichte und auch bei den Kelten ein bevorzugtes Sympathietier, das die edelsten Eigenschaften der Menschen verkörpert.
Bei Lili Fehrle-Burger heißt es: Seit der Renaissance diente seine Gestalt wieder in ihrer astral-mythischen Bedeutung, die sie in der Antike angenommen hatte, der Glorifizierung des Sonnenkönigtum. ( L. Fehrle-Burger, Die Welt der Oper in den Schloßgärten von Heidelberg und Schwetzingen. (Heidelberg/Berlin 1977), S.104f.)
So ist auch die Hirschgruppe darüber, dass Aktaion ein Enkel des Apolls ist und der Hirsch ebenfalls ein Symboltier für die Sonne sogar auf zweifacher Weise mit der Symbolik des Gottes Apoll verbunden. Arion ist lediglich durch die Geschichte des Musikwettstreits mit Apoll verbunden. Hier rettet Apoll ihn in Gestalt eines Delphins (Metamorphose). Das Tier, das dem Apollo heilig ist. Aristaios hingegen finden wir in der Statue der Rhetorika mit dem Bienenkorb neben sich. Er wird ikonographisch stets als Imker oder Gärtner dargestellt.
Im Apollo-Hain haben wir noch als einen „point de vue“ eine Solon-Büste. Solon ist ein weiser Staatsmann. Er hatte Verbindungen nach Delphi und ist somit auch ein Universalgelehrter, der Zugang hatte zu den geistigen Strömungen seiner Zeit. Er war ein Vordenker und galt als Staatsmann, der mit Umsicht und Weisheit regiert hat. In der Fama Fraternitalis ( Eine der Schriften der Rosenkreuzer von 1610 in Kassel), einer Nacherzählung von Trajano Boccalino geht es um Solon. Er denkt die Streitigkeiten auf der Erde würden durch Hass und Eifersucht hervorgerufen.
Deshalb möchte er unter den Menschen Barmherzigkeit, Liebe und Toleranz verbreiten. Er ist der Meinung, wenn die Güter gerechter verteilt wären, würden sich die Dinge zum Besseren wenden. Die Weisen vom Parnaß bezeichnen seinen Vorschlag als Utopie. Cato schlägt daraufhin eine neue Sintflut vor. Anhand von Solon wird die Regierungsauffassung von Carl Theodor illustriert. Interessanterweise bedeutet Solon Sonnenlicht. Dies scheint ein Thema zu sein, dass Carl Theodor ebenso sehr interessiert hat. Hier kann man dann dran festmachen, dass Carl Theodor ein aufgeklärter Herrscher war. Seine Regierungsform war der aufgeklärte Absolutismus, wofür ja auch oftmals, schauen wir nach Frankreich, symbolisch die Sonne steht. Vgl: Louis XIV als roi de soleil. Als aufgeklärter Herrscher hat Carl Theodor die Todesstrafe abgeschafft und er hat auch anders konfessionelle Kirchen finanziell unterstützt. Darüber hinaus suchte er den Kontakt zu seinen Untertanen und hat sich oftmals durch Lebensgeschichten erweichen lassen, finanziell zu helfen. Später dann, als er schon dauerhaft in München lebte, Die Darstellung und Verherrlichung des Sonnengottes ist nicht neu in der
Kurpfalz: Das fassen wir schon mit dem Ottheinrich-Bau am Heidelberger Schloss. Das Heidelberger Schloss wurde auch in eine ideale Landschaft eingefügt. Der Parnaß wird immer als Berg mit Doppelspitze beschrieben. Auch Heidelberg hat eine Doppelspitze: den Schlossberg und den Königsstuhl.
Manch einer sagt sogar eine doppelte Bergspitze, denn wenn man Heidelberg von weiter weg betrachtet, hat man den Königstuhl und den Heiligen Berg auf der anderen Seite des Neckars. Traditionell fasst man hier in Gedichten den Schlossberg als die Wurzel der Idee des Apollo-Parnaß und die Heimstatt der Musen auf dem Heidelberger Schlossberg. ( H. Hubach, Parnassus Palatinus- Der Heidelberger Schlossberg als neuer Parnass und Musenhort. In: Gercke, Hans (Hrsg.): Der Berg: [eine Ausstellung des Heidelberger Kunstvereins, 20. Oktober 2002 bis 19. Januar 2003], Heidelberg 2002, S. 84-101.)
Nur wenige Jahre vor der Zerstörung des Heidelberger Schlosses im Pfälzisch- Orleanschen Erbfolgekrieg, schrieb Joachim von Sandrart ein schönes Gedicht über Heidelberg: in zeitgenössisches Deutsch übersetzt:
Auf diesem Schlossberg, wo Kunst bei Weisheit wohnt, wo die Geschicklichkeit recht fürstlich belohnt wird, Wo Jupiter regiert, wo manches kluges Bild Apollo malt im Sinn, öffnete er seinen Garten für seine Untertanen. Außerdem verbesserte er den Haushalt durch Sparmaßnahmen bei Hofe durch Umbesetzung der Minister und Reorganisation der Verwaltung, Abschaffung des Ämterkaufs und Verbesserung der Justiz. Symbolisch kann man dies alles als Licht und Sonne sehen, der weise Staatsmann Solon (das Sonnenlicht) ging auf Carl Theodor über.
Die Darstellung und Verherrlichung des Sonnengottes ist nicht neu in der Kurpfalz: Das fassen wir schon mit dem Ottheinrich-Bau am Heidelberger Schloss. Das Heidelberger Schloss wurde auch in eine ideale Landschaft eingefügt. Der Parnaß wird immer als Berg mit Doppelspitze beschrieben. Auch Heidelberg hat eine Doppelspitze: den Schlossberg und den Königsstuhl. Manch einer sagt sogar eine doppelte Bergspitze, denn wenn man Heidelberg von weiter weg betrachtet, hat man den Königstuhl und den Heiligen Berg auf der anderen Seite des Neckars. Traditionell fasst man hier in Gedichten den Schlossberg als die Wurzel der Idee des Apollo-Parnaß und die Heimstatt der Musen auf dem Heidelberger Schlossberg. ( H. Hubach, Parnassus Palatinus- Der Heidelberger Schlossberg als neuer Parnass und Musenhort. In: Gercke, Hans (Hrsg.): Der Berg: [eine Ausstellung des Heidelberger Kunstvereins, 20. Oktober 2002 bis 19. Januar 2003], Heidelberg 2002, S. 84-101.)
Nur wenige Jahre vor der Zerstörung des Heidelberger Schlosses im Pfälzisch- Orleanschen Erbfolgekrieg, schrieb Joachim von Sandrart ein schönes Gedicht über Heidelberg: in zeitgenössisches Deutsch übersetzt:
Auf diesem Schlossberg, wo Kunst bei Weisheit wohnt, wo die Geschicklichkeit recht fürstlich belohnt wird, Wo Jupiter regiert, wo manches kluges Bild Apollo malt im Sinn, wo Pallas führt den Schild. Wohl Euch, ihr Musen, hier sind Parnassus Zinnen.
Der Kunsthistoriker beschließt hier mit knappen Worten seinen Bericht über die Gemäldesammlung der Pfälzer Kurfürsten und deren Kunstkammer. Hierbei geht es um die ideelle Vorstellung des Heidelberger Schlossberges als neuen Parnaß, auf dessen Gipfel durch das Mäzenatentum der Pfalzgrafen und Kurfürsten dem Dichtergott Apollo und den neun Musen eine würdige neue Heimstatt bereitet worden sei. Dies wurde in eine lange Reihe von Kurfürsten eingebettet von Ludwig V. über Friedrich IV. (der Winterkönig, Griff nach der böhmischen Krone, Auslöser des 30jährigen Krieges) bis Ottheinrich, die alle zu unterschiedlichen Anlässen von ihren Hofdichtern als Apollo, Phoebus oder Sol betitelt wurden. Der Sonnengott lebt also schon lange in Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis. Am besten greifbar ist dies in einem Bildteppich des Sol von Ottheinrich. Sol hat hier die kräftige Statur von Ottheinrich und trägt seine Gesichtszüge, am Rad des Sonnengottes ist das Sternzeichen des Löwen angebracht, der die charakteristische Form und die Farben des pfälzischen Löwen hat.
Dazu passt, dass an der Hoffassade des Ottheinrichbaus die Reihe der Planetengötter gegen alle Tradition mit einer Statue des Sol/Apollo begonnen wurde, die zweite ist Jupiter, die ja auch einen Sonnenbezug hat.
In diese Tradition passt auch das Denkmal auf dem Marktplatz in Mannheim.
Hier lesen wir sogar die Inschrift: Was in Heidelberg begonnen wurde, wurde in Schwetzingen vollendet. Hier geht es um den Hortus Palatinus, der dann in Schwetzingen wieder aufgenommen wurde und heute einen der symbolträchtigsten Gärten in Deutschland darstellt. Apoll wurde bereits in Heidelberg als Apoll Musagetes gesehen, das heißt als Musenführer, der aber gleichzeitig in seiner Wesenheit Sol entsprach, als das irdische Zeitmaß und hier meist von Urania, der Muse der Astronomie verkörpert wird.
Auch passt hier die Uhr am Schwetzinger Schloss, bei der die Zeiger verkehrt herum angebracht sind, der Herr über die Zeit steht schon bei Mithras über der Sonne. So steht der kurpfälzische Herrscher auch hier außerhalb der Zeit. Ein sehr subtile Herrschaftssymbolik. Apollo Musagetes fassen wir auch in der Kunst von Carl Theodor. Im Schloss Mannheim hängt folgendes Gemälde, das ebenfalls die Götter und Musen darstellt. Wir sehen im oberen Bilddrittel Apollo mit den Musen im Gefolge. Ein Teil des Apollomonopteros kann man noch am linken Bildrand erkennen. Die Bildmitte nimmt ein Medaillon von Carl Theodor und die Lieblingsgöttin Minerva ein. Unten sehen wir die Flussgötter Rhein und Neckar.
Sonnensymbolik und Löwen.
Es gibt Gemälde im Schwetzinger Schloss, die das Herrscherpaar Carl Theodor und Elisabeth Augusta als Apoll und Diana zeigen.
Traditionell kann man die Sonnensymbolik mit dem Mann assoziieren und die Frau mit dem Mond. In der höfischen Gesellschaft des 18. Jhd. wird dann der Mann von Apollo symbolisiert und die Frau von Diana mit dem Mond auf der Stirn, wie Elisabeth Augusta im Schwetzinger Schloss dargestellt wird
Sonne und Mond sind für den Menschen die wichtigsten Orientierungspunkte im Kosmos. Deshalb sind sie immer dort anwesend, wo etwas Wichtiges geschieht. Beispiele hierfür sind die freimaurerischen Arbeitsteppiche und der Schlossgarten. Sonne und Mond sind öfter bei Bildern der Kreuzigungsszene zu sehen, zur Rechten und zur Linken des sterbenden Jesus, um die Dramatik des Todes hervorzuheben, ihn ins Kosmische zu erhöhen und durch diesen Rahmen die hohe Bedeutung des Kreuzestodes Christi auszudrücken. (Vgl.: Br. W. Krüger, Symbol wider Natur, am Beispiel von Sonne und Mond auf der Arbeitstafel. In: Tau I/2021, S. 40-43. S. 40.)
Dies fasst man bereits seit Beginn der abendländischen Kunstgeschichte. Ein gutes Beisspiel ist hier das Kreuzabnahmerelief an den Externsteine. ( Aus: W. Matthes, Das Relief an den Externsteinen: ein karolingisches Kunstwerk und sein spiritueller Hintergrund.
(Ostfildern 1997).)
Dies scheint ein universell gültiges Symbol des Abendlandes zu sein, das tief mit dem christlichen Glaubensbekenntnis verknüpft ist.
Sonne und Mond sind ein sich ergänzendes Doppelsymbol, ein komplementäres Paar von Sinnbildern, deren jedes auch für sich allein symbolisch eingekleidete Botschaften überbringen kann. (Br. W. Krüger, Symbol wider Natur, am Beispiel von Sonne und Mond auf der Arbeitstafel. In: Tau I/2021, S. 41.)
Gott machte zwei große Lichter, ein großes Licht das den Tag regiert und ein kleines Licht, das die Nacht regiert. (Genesis 1,17)
Die Symbolik von Sonne und Mond und die daraus resultierende Dualität ist fast so alt wie die Menschheitsgeschichte. Es handelt sich hierbei um eine tief verwurzelte Symbolik, die tief im kollektiven Unbewussten vorhanden ist und demnach bestens dafür geeignet ist, Allusionen anzustoßen. Dabei steht die Sonne für das männliche Prinzip, das Gebende-Aktive und der Mond für das weibliche Aufnehmende-Passive Prinzip. Dies fassen wir in fast allen Religionen.
In der Antike und im Christentum können wir für das männliche solare Prinzip folgende Assoziationskette bilden: Sol invictus – Mithras- Apollo- Helios – Christus – Johannes Dadophoren – Prometheus – Lucifer– Merkur
All dies sind verschiedene Personifikationen der Sonne oder Personifikationen des Lichtträgers oder Lichtbringers und können durchaus in einer Reihe stehen. Korrespondierend hierzu haben wir das weibliche Prinzip, das mit dem Mond verknüpft ist und folgende Assoziationskette: Diana- Luna – Semele- Isis – Maria- Lilith. Dies sind alles Gottheiten, die entweder den Mond oder die Natur selbst verkörpern.
Am schönsten fassen wir diese Dualität des männlichen und weiblichen Prinzips in der Alchemie. Alchemistisch betrachtet steht Christus und die solaren Götter für den der Stein der Weißen, den roten Löwen oder König. Das weibliche Prinzip wird in der Alchemie von der weißen Königin oder das Sal symbolisiert.
Außerdem als Mutter Natur. Sehr schön kann man dieses Thema im Splendor solis fassen, einer alchemistischen Bildhandschrift aus dem 16. Jhd., das sich in Besitz der preußischen Kurfürsten befand. Hierbei geht die rote Tinktur aus der weißen Königin hervor. Der rote Sohn wird aus der weißen Königin geboren.
Alchemistisch ist dies die Verschlüsselung des Vorgangs Extraction aus dem weißen Salz, das sich rot färbt. Durch Fortsetzen der Hitze entsteht ein andauerndes Aufnehmen von Geist. „Nun ist der Tod ausgelöscht und unser Sohn herrscht in seine rote Toga gewandet.“ (Vgl. G. Quinque, Splendor solis (Schalksmühle, 2005) S. 228ff.)
Der junge König herrscht aus seiner Phiole über die lunare Welt, über Wasser und Erde. Hat ein Adept diese Stufe erreicht, transformiert alles an ihm zum Labsal. Er selbst wandelt sich in rote Tinktur, die alles Gebrechen heilt und jedes Metall in Gold transmutieren kann.
Hieraus können wir dann folgende Assoziation herleiten: Rote Tinktur = Stein der Weisen = Hermes Trismegistus.
Dies ist nun natürlich auch wieder für den Schwetzinger Schlossgarten von großer Bedeutung, denn Christus ist hier sowohl im Merkurtempel als auch im Apollotempel verschlüsselt. Die rote Tinktur = Christus hat die Welt mit seinem eigenen Blut reingewaschen und ist daher ein Segen für die Welt, indem er seine Geburt auf Erden freiwillig annimmt. Er ist der legendäre rote Löwe, der Löwe von Juda, das Lamm aus der Apokalypse, der Messias. Nicht weniger als die Verschmelzung mit dem Menschensohn ersehnte der wissende Alchemist, jetzt erhebt sich der Adept von seinen Knien, geht in sein Laboratorium, schließt dankbar die Bücher, das Werk löst sich von lehrhafter Unterweisung und extrahiert aus abertausend Worten und Gleichnissen die lebendige rote Tinktur.
Das Wissen der Älteren Brüder geleitete den Adepten hierher und nun bedarf es keiner weiteren Belehrung mehr, denn er vermochte selbst herzustellen, wonach er suchte
ALS KÖNIG DES RUBEDO GING ER ALS LEBENDIGER STEIN DER WEISEN
AUS DER ALBEDO HERVOR
Das heißt beide Prozesse gehören zusammen; es sind Mutter und Sohn, aber auch Braut und Bräutigam. Das männliche und das weibliche Prinzip. Das männliche aktive braucht die Mondenergie um wieder gekühlt zu werden, auch wieder eine Verschlüsselung eines alchemistischen Vorgangs. Heiß wie himmlisches Feuer brennt der Lapis philosophorum, seine Flammen verzehrendie Welt nicht, da Luna mit ihren Gefährtinnen über den Himmel zieht und Mondenwasser verteilt, das aus der Tiefe des Sternzeichen Krebs emporsteigt.
In der Laubhütte der Initiierten, innerhalb einer Loge kann es nur ein Mondenwasser geben: Merkurialwasser. Dies ist das Silberwasser des weißen Werks, das gereinigte Wasser von Frau Luna, die ihre Mondsichel nach oben hält, den Geist ihres Bruders Sol darin empfängt und damit ihr eigenes Wasser schwängert und vergeistigt. In dieser Verschlüsselung steckt auch die Deutung des Merkurtempels und der Moschee im Schwetzinger Schlossgarten. Bei der Moschee haben wir nämlich liegende Monde. Ich bin mir sehr sicher, dass Carl
Theodor diese Literatur kannte, sonst hätte er seinen Garten nicht so gestalten lassen.
