
Berlin. Die Deutsch-Polnischen Nachrichten blicken auf den Mauerbau und die Städtepartnerschaft Berlin-Warschau.
Von Frank Bürger
Vor 65 Jahren, am 13. August 1961, riegelte das SED-Regime den Zugang nach West-Berlin ab. Aus provisorischen Sperren entstand die Berliner Mauer, die in der Folgezeit immer weiter ausgebaut wurde, um jede Fluchtmöglichkeit aus der DDR in die Freiheit zu verhindern.
Mitten in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 ist es so weit: Um 1.05 Uhr gehen die Lichter aus. Das Brandenburger Tor, Symbol der offenen deutschen Frage, sonst hell erleuchtet, liegt in der lauen Sommernacht schlagartig im Dunkeln. Nur schemenhaft sind die Schützenpanzer zu erkennen, die durch das klassizistische Bauwerk rollen, und Uniformierte, die an der Bezirksgrenze von Mitte zu Tiergarten eine Postenkette bilden. Nicht nur hier, sondern überall rund um die drei westlichen Sektoren Berlins marschieren in diesen Minuten bewaffnete DDR-Kräfte auf. Sie sperren die etwa 80 bis dahin vorhandenen offiziellen Übergänge, ziehen über Straßen, durch Ruinengrundstücke und Parks Stacheldraht. Deutsche aus Ost-Berlin und der DDR dürfen die Sektorengrenze nur noch mit speziellen Passierscheinen überschreiten – also praktisch gar nicht. Gegen 1.45 Uhr ist ganz West-Berlin abgesperrt und von bewaffneten Posten umstellt. Vom Frühjahr 1961 an bedrohte die Fluchtwelle die Existenz der DDR. Mit diesem Argument setzte Walter Ulbricht bei Nikita Chruschtschow durch, dass West-Berlin völlig abgeriegelt wird. SED-Sicherheitschef Erich Honecker tarnt die „Operation Rose“ perfekt.
Obwohl umfangreiche Vorbereitungen nötig sind, tausende Soldaten, Polizisten und Männer aus den paramilitärischen „Betriebskampfgruppen“ eingesetzt werden, gelangen vorab keine Details über die Abriegelung an die Öffentlichkeit. Einzelne Gerüchte lassen zwar den Bundesnachrichtendienst aufhorchen. Jedoch können sich Politiker in Bonn und West-Berlin nicht vorstellen, dass die DDR tatsächlich die Sperrung der innerstädtischen Sektorengrenze wagt und damit einen klaren Verstoß gegen den Vier-Mächte-Status begeht.
Der Westen wird durch den Mauerbau überrumpelt. Die drei Schutzmächte sehen aber keinen Grund für harte Gegenmaßnahmen. Man bleibt gelassen: US-Präsident John F. Kennedy segelt vor Massachusetts, der britische Premier Harold MacMillan jagt in Schottland, der französische Präsident Charles de Gaulle erholt sich in der Champagne. Alle drei sehen in der Abriegelung lediglich eine Festschreibung der politischen Realität. Kennedy stellt lapidar fest: „Wir werden jetzt nichts tun, denn es gibt keine Alternative außer Krieg.“ Peinlich genau achten die USA darauf, dass ihre Rechte nicht angetastet werden. Kennedy hat Nikita Chruschtschow schon am 25. Juli 1961 signalisiert, worauf der Westen bestehen wird – und worauf nicht. Unabdingbar sind für ihn die Präsenz der Alliierten in West-Berlin, freie Zugangswege von und nach West-Berlin sowie die Selbstbestimmung der West-Berliner. Ost-Berlin kommt in Kennedys Fernsehansprache nicht vor.
Die Deutschen aber sind nicht bereit, die Absperrung zu akzeptieren. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt schreibt nach Washington: „Untätigkeit und reine Defensive könnten eine Krise des Vertrauens gegenüber den Westmächten verursachen.“ Daraufhin schickt Kennedy seinen Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson nach Berlin, ernennt Lucius D. Clay zu seinem Sonderbeauftragten und lässt die West-Berliner US-Garnison durch 1500 GIs verstärken; auch Briten und Franzosen schicken zusätzliches Militär. Mit Panzern zeigen die Schutzmächte Präsenz. Das Vertrauen der West-Berliner kehrt zurück, besonders als Kennedy im Juni 1963 selbst die Stadt besucht und die berühmten Worte spricht: „Ich bin ein Berliner!“ Offiziell geregelt wird der durch den Mauerbau radikal veränderte Status von Berlin erst 1972 im Viermächteabkommen.
Quelle: Bundesstiftung Aufarbeitung
35 Jahre Städtepartnerschaft Berlin-Warschau
Die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Warschau wurde mit dem Abkommen über Freundschaft und Zusammenarbeit am 12. August 1991 in Berlin vereinbart. Beide Städte pflegen einen intensiven Austausch zu Themen wie Stadtentwicklung, Mobilität, Stadtmarketing, Umweltschutz, Wissenschaft und Kultur. Dazu gab es einen Empfang auf der Terrasse des Deutschen Polen-Instituts an der Burgstraße.

Dazu sagt die Berliner SPD-Abgeordnete Sebahat Atli, Autorin der Deutsch-Polnischen Nachrichten.
Vor 65 Jahren errichtete das DDR-Regime die Mauer mitten durch Berlin. Das bedeutete über Jahrzehnte Unglück für die Menschen in Deutschland. Familien wurden auseinandergerissen, Verwandte und Freunde konnten sich oft viele Jahre nicht sehen.
Dazu kam das brutale Grenzregime der DDR. Nach aktuellem Stand starben 140 Menschen beim Versuch, die Berliner Mauer zu überwinden. Für die gesamte innerdeutsche Grenze gehen Forscher von mehr als 1000 Toten aus.
Allein an der Grenze zwischen Spandau und der DDR kamen mindestens neun Menschen ums Leben. Ihre Namen: Dieter Wohlfahrt, Peter Kreitlow, Adolf Philipp, Willi Block, Helmut Kliem, Klaus Schulze, Dietmar Schwietzer, Franciszek Piesik und Ulrich Steinhauer.
Die Geschichte der Mauer führt uns vor Augen, wie wichtig die Freiheit und Demokratie sind, in der wir heute leben. Niemand schreibt den Menschen in diesem Land vor, wohin sie reisen dürfen, und wohin nicht. Und niemand, der Regierungen in Bund und Ländern kritisiert, muss versuchen, das Land zu verlassen, weil ihm Verfolgung droht.
Was wir angehen müssen, sind Mauern, die in manchen Köpfen geblieben oder neu entstanden sind. Egal woher wir gekommen sind, egal, was uns persönlich ausmacht – wir müssen immer in der Lage sein, miteinander ins Gespräch zu kommen und da, wo Hilfe notwendig ist, diese zu leisten. Zusammenhalt und Offenheit für andere sind die Grundlagen eines freien Lebens in unserer Demokratie.
Stimmen dazu kommen auch aus Westdeutschland.

Der Schwetzinger Landtagsabgeordnete Andreas Sturm (CDU), Autor der Deutsch-Polnischen Nachrichten, wirft einen Blick auf die Geschehnisse in Berlin:
Auch Jahrzehnte nach dem Fall der Berliner Mauer erinnern Mauerstücke an die jahrzehntelange Teilung Deutschlands – so beispielsweise auch vor dem Landtag von Baden-Württemberg. Sie sind Mahnmale gegen Unfreiheit, Unterdrückung und Gewalt, zugleich aber auch Symbole dafür, dass Grenzen überwunden werden können und aus Trennung Freundschaft und Partnerschaft entstehen kann, wie sie heute in zahlreichen Städtepartnerschaften zwischen Ost und West gelebt wird.
Am Jahrestag des Mauerbaus erinnern wir deshalb nicht nur an die Opfer der deutschen Teilung. Der 13. August ist für uns auch Auftrag, die Mauern abzubauen, die in den Köpfen teilweise noch immer zwischen Ost und West bestehen. Wir sind ein Land. Was uns verbindet, ist stärker als das, was uns trennt.


Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner: „Berlin und Warschau verbindet seit 35 Jahren eine enge Partnerschaft. Diese entstand in einer Zeit großer historischer Veränderungen – kurz nach dem Fall der Berliner Mauer und während des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in Osteuropa. Die Begründung der Partnerschaft war ein Meilenstein der europäischen Versöhnung. 35 erfolgreiche Jahre Städtepartnerschaft sind auch ein Auftrag, unsere Zusammenarbeit zu vertiefen, neue Projekte anzustoßen und die deutsch-polnische Partnerschaft im Interesse eines starken und zukunftsfähigen Europas weiter auszubauen.“

Fokus seiner Rede: „Es braucht Menschen, um sich zu engagieren“.

Jan Tadeusz Tombiński, Diplomatischer Vertreter Polens in Berlin, betonte die gemeinsame Verantwortung und Freundschaft der beiden Städte und malte das Bild einer „Brücke über 1000 Jahre komplizierter Beziehungen“. Er hofft, dass Polen Einfluss auf deutsche Wachstumsimpulse nimmt. Er unterstrich die Bedeutung von Frédéric Chopin, auch in Bezug zum Weimarer Dreieck Polen. Frankreich, Deutschland.
Ein Loch in der Mauer
Die Zeitschrift „Frohe Botschaft“, der ich als Schriftleiter voranstand, bezeichnete einst Landesvater Manfred Stolpe auf einer Veranstaltung als „Loch in der Mauer“

Titelblatt der ältesten Ausgabe der Zeitschrift „Frohe Botschaft“
Ein Rückblick, das bedeutet auch ein Blick voraus. Fragen kommen auf, wenn ich von Potsdam nach Steglitz über die Glienicker Brücke fahre. Wie kann es sein, dass es schon über 20 Jahre her ist, dass der Osten und der Westen Deutschlands voneinander getrennt waren? „Der Blick von der Glienicker Brücke wetteifert mit den schönsten Punkten der Welt”, soll Alexander von Humboldt gesagt haben-frohe Botschaft für diejenigen, die Augen und Ohren für Natur, Menschen und deren Schaffen öffnen. „Frohe Botschaft“, das ist Titel und Motto für eine Zeitschrift, die Gläubigen in der DDR Mut machte und letztendlich mit die Fackel der friedlichen Revolution entzündete – Brücke zwischen Ost und West.
Gedruckt wurde das Blatt im damaligen Westberlin, ausgeliefert aber nach Ostberlin, von wo aus es seinen Verbreitungsweg erfolgreich – „leise, unauffällig, aber erduldet und offiziell” – mit dem damaligen Postzeitungsvertrieb „PZV” in die gesamte DDR fand. Hochburgen waren neben Berlin und Brandenburg von jeher Thüringen und Sachsen.
Die wechselvolle Geschichte der Zeitschrift begann als Beilage des im Christlichen Zeitschriftenverlag (CZV) herausgegebenen „Evangelischen Berliner Sonntagsblattes“. Kirchenferne Bürger, damals als „Sonntagslose” bezeichnet, sollten in einer fortschreitend weltlich geprägten Gesellschaft durch ein missionarisches Blatt angesprochen und für den christlichen Glauben gewonnen werden. Durch Theodor Wenzel, damals Direktor des Provinzialausschusses für Innere Mission in Brandenburg, wurde die Frohe Botschaft später als „Evangelisationsblatt” der Märkischen Volksmission verselbständigt. 1941 erfolgte das Verbot durch die Nationalsozialisten. Als das Heft 1946 wieder erscheinen durfte, geschah das für Jahrzehnte in der deutsch-deutschen Geschichte Beispiellose: Zur Redaktion gehörten trotz deutscher Teilung weiterhin Autoren aus Ost und West, so z.B. die „Ostbischöfe“ Werner Leich und Gottfried Forck sowie „Westbischöfe“ wie Otto Dibelius und Martin Kruse.
Jemand, der die Ärmel hochkrempelte nach dem Zusammensturz des NS-Regimes, war Artur Schoch. Im Mai 1946 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück, enttäuscht, aber doch voller Hoffnung. „Damit fing gleichsam ein neues Leben an, denn man war ja bis dahin für die Heimat wie gestorben. Ein Menschenleben alt geworden, aber für eineinhalb Jahre wie ausgelöscht“, schrieb er in der August-Ausgabe des Jahres 1956. Bereits 1940 hatte er die Schriftleitung übernommen, musste aber miterleben, wie aufgrund des Kriegstreibens aus „Rücksicht vor dem totalen Krieg“ im folgenden Jahr die Erscheinung eingestellt wurde. Die Neuerscheinung der „FB“ im August 1946 wurde 47. Jahrgang genannt, nachdem die Zeitschrift 1941 im 46. Jahrgang verboten wurde. Es gibt dafür auch einen historischen Grund: Diese Jahrgangszählung sollte nach Kriegsende bei der Beantragung der Genehmigung zum Ausdruck bringen, dass nicht eine Neuerscheinung geplant war, sondern das Wiedererscheinen seit Jahrzehnten bewährten und von den Nazis verbotenen Zeitschrift. Das war eine Erleichterung für die Beantragung gegenüber der amerikanischen Besatzungsmacht, in deren Sektor die Redaktion in Berlin lag.
Artur Schoch verabschiedete sich in der Ausgabe vom 30. Dezember 1973 von den Lesern. Die Entwicklung der Auflage unter seiner Egide spricht Bände. Von 5000 stieg diese auf fast 200 000 an. Das Blatt fand Verbreitung weit über die Grenzen des Landes hinaus. Die „Frohe Botschaft“ spendete „Kraft, Freude, Trost und Segen“.
Doch wie war es möglich, in einem sozialistisch geprägten Staat eine „fromme“ Zeitschrift zu halten? Wolf-Dietrich Talkenberger, Schriftleiter von 1993 bis 1999, erinnerte sich: „Nach seiner Berufung zum Direktor der Adolf-Stöcker-Stiftung in Berlin-Weißensee, der heutigen Stephanus-Stiftung, wurde Pfarrer Willi Federlein auch mit der Volksmissionarischen Arbeit beim Landesausschuss für Innere Mission beauftragt. Damit war auch die Wahrnehmung der Interessen der ,Frohen Botschaft’ beim Presseamt der Regierung der DDR verbunden. Der Druck der ,FB’ erfolgte in Westberlin, während der Hauptteil der Leser im Gebiet der damaligen DDR lebte. Bis 1955 erfolgte die Auslieferung über die Märkische Schriftenmission sowie über die Post, die seit Januar 1956 allein die Auslieferung übernahm.“
Gravierender Einschnitt war der Mauerbau vor 50 Jahren. Mehrere Nummern wurden beanstandet, vielleicht auch einige eingestampft. Ein mühevolles Ringen mit der DDR-Regierung besonders im Zusammenhang mit Neubestellungen begann. Hauptlast des Disputes trugen Federlein und der damalige Oberkonsistorial Manfred Stolpe, der noch heute die „Frohe Botschaft“ unterstützt. So löste 1968 ein Foto mit zwei kämpfenden Ziegenböcken auf einer Titelseite eine heftige Debatte aus, weil dazu bemerkt wurde: „Vieles haben wir heutigen Menschen gelernt – nur nicht den Umgang miteinander.“ Das System empfand diese Äußerung in Zusammenhang mit dem Foto als Angriff auf die sozialistische Lebensweise, Manfred Stolpe konnte dies laut Aussagen Talkenbergers entkräftigen.
Am Ende eines zähen Ringens stand die schriftliche Verpflichtung Stolpes und Federleins vom 13. Mai 1975 gegenüber der DDR-Regierung, die volle Verantwortung für die „Frohe Botschaft“ zu übernehmen. Die Auflagenhöhe wurde auf 158 000 festgelegt, die Auslieferung endgültig mit der Deutschen Post vertraglich geregelt. In einem Rückblick zählte Federlein 1976 den Weg der „Frohe Botschaft“ durch die DDR-Zeit zu den „kleinen Wundern“. Nur weil die Papierkosten, die per D-Mark zu zahlen waren, von den Diakonischen Werken im Rheinland, in Westfalen und in Baden getragen wurden, konnte das Monatsblatt erscheinen.
Im 90. Erscheinungsjahr der „Frohen Botschaft“ gab es dann die Wende. Ungeachtet vorangegangener Auseinandersetzungen würdigte das DDR-Presseamt die „FB“ – ein geschicktes Ausspielen gegenüber anderer kritischer Kirchenpresse. Aber sie hat geholfen, die Flamme der friedlichen Revolution aufflackern zu lassen. Und die „alte“ Zeitschrift hat überlebt – gut aufgehoben in den Händen des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg und beim Wichern-Verlag. Auch wenn sie heute die neuen Medien nutzt, mit einer Philippuskutsche um Leser auf dem Kirchentag in Dresden wirbt, fußt sie seit über 100 Jahren auf der frohmachenden, den Glauben begründeten Botschaft Jesu Christi.

Auch in Schwetzingen wurde die Zeitschrift vorgestellt. Vor allem über den ehemaligen Dekan Werner Schellenberg gab es den Kontakt in den Osten.


Steffen Möller – Bindeglied zwischen Warschau und Berlin

Ein wichtiges bekanntes Bindeglied zwischen Warschau und Berlin ist der Kabarettist Steffen Möller. In einer persönlichen Begegnung brachte er die Liebe zu Chopin zum Ausdruck.
