
Impuls aus Taizé
Gott sei gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er deckt auf, was tief und verborgen ist. Er weiß, was im Dunkeln ist, und bei ihm ist das Licht.
Dan 2,20-22
Berlin. Wir beginnen mit einer Andacht von Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Weltkirchenrates. Mit dem Politiker und Autoren Andreas Sturm aus Baden haben wir einen neuen Partner gewonnen. Dann kommt ein Impuls vom Potsdamer Generalsuperintendenten Kristóf Bálint oder direkt von der EKBO. Ein besonderer Impuls kommt von Prälat i. R. Prof. Dr. Traugott Schächtele. Gedanken kommen dieses Mal in einem neuen Format, musikalisch umrahmt von Organistin Barbara Herrberg (Evangelische Weihnachtskirche Spandau), mit Fokus auf das Thema „Buntes Ferienpuzzle“, diese Woche wieder mit Siegfried Weber, stellv. Dekan in Karlsruhe. Es gibt jede Woche die Rubrik „Wachet und Betet“, und zwar über die Aktion „#createsoundscape“. Zu hören sind die Glocken der Kath. Kirche St. Jakob in Aachen. Mit dem Reise Know-How Verlag aus Bielefeld geben wir Impulse für Touren in alle Welt. Ergänzend dazu Impulse von Kerstin Pagel. Dazu kommen historische Impulse aus der Schweiz mit Albrecht Grözinger, emeritierter Professor für Praktische Theologie an der Universität Basel. Es gibt Tipps aus dem und für den Religionsunterricht, manchmal von Mitarbeiterin Angela Schweitzer, auch für die Familie, ab und an eine Koproduktion von Ute Mertens (Evangelische Kirche Mitteldeutschland und Thorsten Fabrizi (Evangelische Kirche im Rheinland), eine Einspielung dieses Mal wieder von Michael Reichert Ann-Helena Schlüter, ab und an auch ein Beitrag von Agita Rando. Es gibt Impulse für Kinder und Jugendliche von Redaktionsmitarbeiterin Juliane Heger. Es gibt nun eine Buchempfehlung und Texte von Nadine Grimmig, eine Filmempfehlung kommt von Miss Sonnenschein oder Klassikradio. Jazziges kommt über den Experten Marco Reiß. Nun auch die YouTube-Einspielung der Woche, empfohlen von unserer Mitarbeiterin Joanna Filus-Olenkiewicz. Dazu klassische Noten von Hans-Josef Overmann, Opern- und Konzertsänger, Fagottist, Komponist und Dirigent. Jede Woche präsentiert Prof. Dr. Frank Thissen Momentaufnahmen aus Karlsruhe. Dazu kommen regelmäßig Momentaufnahmen von Pfarrer Erko Sturm. Regelmäßig gibt es jetzt Noten von der Sopranistin Andrea Chudak. Von Anfang an mit dabei Superintendentin Angela Zaedow.
Mit dabei eine deutsch-polnische Note über Stephan Schiller. Dazu eine oekumenische Ergänzung: Regelmäßig zeigen wir einen Impuls von Uwe Lüttinger, Dekan der Römisch-Katholischen Kirchengemeinde Mittlere Kurpfalz. Und zum ersten Mal eine kulturelle Note von der SPD-Abgeordneten Sebahat Atli.
Von Frank Bürger
Andacht Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Impuls Generalsuperintendent Kristóf Bálint

In der schönen Dorfkirche von Ringenwalde (Kirchenkreis Oberes Havelland) fand heute im Rahmen der Sommerpredigtreihe ein Gottesdienst mit Generalsuperintendent Kristóf Bálint zum Text aus Röm 11 am Israel-Sonntag statt. Die aufmerksame und sangesfreudige Gemeinde ging im und nach dem Gottesdienst mit und es ergaben sich gute Gespräche. Die Predigt findet sich hier: https://www.ekbo.de/…/2026-08-09_Predigt_zu_Roem_11__25…
Facebook, 9. August 2026
Impuls von Prof. Dr. Traugott Schächtele

Wort zum Tag in SWR Kultur (ehemals SWR 2) am Donnerstag, 22. Juli 2026
ermine
- 23.08.2026 10:30 Gottesdienst im Rahmen der Predigtreihe zu R.M. Rilke Stadtkirche Karlsruhe
- 13.09.2026 10:00 Gottesdienst Matthäuskirche Freiburg
Aktuelle Buchhinweise
Am 17. August 2026 erscheint beim Herder Verlag mein neues Buch Die neue Freiheit genießen und gestalten: Ein Reiseführer in den Ruhestand (20 Euro). Lesen und Verschenken lohnt sich!
Mein Buch geistesinzidenzen: sieben mal sieben unterbrechungen im lauf des Jahres ist beim Verlag Buchwerk am Kämpfelbach eben neu aufgelegt erschienen und wieder überall erhältlich! (19,90 Euro)
Im November erscheint beim Verlag Buchwerk am Kämpfelbach ein Band mit 32 Grafiken des Freiburger Künstlers Wolf Becke, jedem der Drucke stelle ich ein Gedicht zur Seite. Näheres bald!
Beitrag von Pfarrer Erko Sturm

Jacob Heerbrand – Leben, Wirken und Einfluss
Ein Theologe zwischen Reformation und lutherischer Orthodoxie
Jacob Heerbrand gehört zu jener zweiten Generation evangelischer Theologen, deren historische Bedeutung lange Zeit im Schatten Martin Luthers, Philipp Melanchthons und Johannes Brenz’ stand. Dabei war Heerbrand keineswegs nur ein Bewahrer des reformatorischen Erbes. Als Professor, Prediger, Kirchenpolitiker, akademischer Lehrer und Verfasser eines weit verbreiteten theologischen Lehrbuchs wirkte er entscheidend daran mit, aus den Impulsen der ersten Reformationsgeneration eine institutionell gefestigte und lehrmäßig profilierte lutherische Kirche zu formen. Seine Biographie verbindet dabei auf exemplarische Weise die verschiedenen Entwicklungsphasen des deutschen Protestantismus im 16. Jahrhundert: die unmittelbare Begegnung mit Luther und Melanchthon, die Auseinandersetzung um das Augsburger Interim, die Konsolidierung der württembergischen Reformation, die Konfessionsbildung nach dem Augsburger Religionsfrieden sowie den Übergang zur sogenannten lutherischen Orthodoxie. Heerbrand war deshalb weniger ein Reformator im ursprünglichen Sinne als ein Theologe der Konsolidierung. Seine Aufgabe bestand nicht mehr primär darin, die spätmittelalterliche Kirche grundsätzlich in Frage zu stellen, sondern darin, die evangelische Lehre zu ordnen, gegenüber konkurrierenden theologischen Entwürfen abzugrenzen, künftige Pfarrer auszubilden und die entstandenen evangelischen Kirchen institutionell zu stabilisieren.
1. Herkunft und Studium in Wittenberg
Jacob Heerbrand wurde am 12. August 1521 in der Reichsstadt Giengen an der Brenz geboren. Sein Vater Andreas Heerbrand war Weber, zugleich aber für seine Zeit ungewöhnlich gebildet und mit den Schriften Luthers vertraut. Nach dem Besuch der Lateinschule in Ulm ging Jacob Heerbrand 1538 nach Wittenberg. Dort studierte er fünf Jahre lang Philosophie und Theologie und erlebte damit die Wittenberger Reformation noch in ihrer ersten Generation unmittelbar. Zu seinen prägenden Lehrern gehörten Martin Luther und insbesondere Philipp Melanchthon. Diese Wittenberger Jahre sind für Heerbrands spätere theologische Entwicklung kaum zu überschätzen. Während Luther für ihn die reformatorische Autorität schlechthin blieb, wurde Melanchthon für die Gestalt seines wissenschaftlichen Denkens besonders wichtig. Heerbrands spätere systematisch-theologische Arbeiten orientierten sich methodisch deutlich an Melanchthons Loci communes. Volker Leppin hat darauf hingewiesen, dass Heerbrand seinem ehemaligen Lehrer Melanchthon auch dann loyal verbunden blieb, als dieser nach Luthers Tod innerhalb des Luthertums zunehmend umstritten war. Heerbrand verteidigte Melanchthon gegen seine gnesiolutherischen Kritiker und erinnerte daran, dass Luther selbst dessen theologisches Werk ausdrücklich geschätzt hatte. Diese Verbindung ist wichtig, weil Heerbrand dadurch nicht einfach dem Klischee eines starren frühorthodoxen Dogmatikers entspricht. Seine Theologie verbindet vielmehr die humanistisch geprägte Lehrmethode Melanchthons mit einer zunehmenden konfessionellen Festlegung auf das entstehende lutherische Bekenntnis.
2. Tübingen, Interim und erste kirchliche Ämter
Nach seinem Wittenberger Studium kam Heerbrand 1543 nach Tübingen und übernahm dort ein kirchliches Amt. Die politische Entwicklung des Reiches griff jedoch bald unmittelbar in seine Biographie ein. Nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes versuchte Kaiser Karl V. mit dem Augsburger Interim von 1548 eine vorläufige religionspolitische Neuordnung durchzusetzen. Heerbrand gehörte zu den württembergischen Theologen, die sich dieser Entwicklung nicht dauerhaft anpassten; infolge des Interims verlor er sein Amt. Gerade diese Erfahrung dürfte seine spätere Sensibilität gegenüber konfessionellen Kompromissen geprägt haben. Die Frage, welche kirchlichen Praktiken als bloße „Adiaphora“, also theologisch nicht entscheidende Mitteldinge, angesehen werden konnten und wo ein Bekenntnisfall begann, gehörte zu den großen Streitfragen des damaligen Protestantismus. Heerbrand vertrat später eine differenzierte Position: Zeremonielle Fragen konnten grundsätzlich zu den Adiaphora gehören, Glaubenslehren hingegen nicht. Darin verband sich die melanchthonische Tradition mit dem inzwischen stärker ausgebildeten Bewusstsein einer verbindlichen lutherischen Konfession. 1550 wurde Heerbrand in Tübingen zum Doktor der Theologie promoviert. Anschließend wirkte er als Pfarrer und Superintendent in Herrenberg. Damit gehörte er bereits zu den führenden württembergischen Theologen.
3. Die Confessio Virtembergica und das Konzil von Trient
Besondere Bedeutung gewann Heerbrand im Zusammenhang mit der Confessio Virtembergica. Dieses württembergische Bekenntnis war unter maßgeblicher Beteiligung von Johannes Brenz entstanden und sollte die evangelische Position gegenüber dem Konzil von Trient darstellen. Heerbrand gehörte zu den Unterzeichnern der Bekenntnisschrift und reiste 1552 gemeinsam mit Brenz nach Trient. Die Teilnahme blieb für die evangelischen Gesandten enttäuschend. Die Württemberger erhielten keine Möglichkeit, ihre Position in einer regulären Konzilssitzung ausführlich zu vertreten. Leppin zeigt, dass Heerbrand diese Erfahrung noch Jahrzehnte später erinnerte und beklagte, dass die evangelischen Vertreter bereit gewesen seien, ihre Lehre öffentlich aus der Schrift zu verteidigen, letztlich aber nicht wirklich gehört worden seien. Diese Episode ist für Heerbrands späteres Verhältnis zum römischen Katholizismus aufschlussreich. Seine kontroverstheologischen Schriften müssen vor dem Hintergrund einer Zeit gelesen werden, in der konfessionelle Zugehörigkeit keineswegs nur Privatüberzeugung war, sondern Kirche, Staat, Universität und gesellschaftliche Ordnung miteinander verband. Die teilweise außerordentlich scharfe Sprache der konfessionellen Polemik ist daher historisch einzuordnen, ohne sie zu verharmlosen.
4. Reformator in Baden
1556 erhielt Heerbrand eine wichtige Aufgabe außerhalb Württembergs. Von Pforzheim aus beteiligte er sich maßgeblich an der Einführung beziehungsweise Festigung der Reformation in der Markgrafschaft Baden-Durlach und deren zugehörigen Gebieten. Damit trat er für kurze Zeit selbst in eine Rolle ein, die stärker der klassischen ersten Reformationsgeneration ähnelte: Er musste nicht allein Theologie lehren, sondern kirchliche Verhältnisse praktisch ordnen und evangelische Strukturen etablieren. Bereits 1557 wurde er jedoch nach Tübingen zurückgerufen. Hier begann die längste und historisch wohl wichtigste Phase seines Wirkens.
5. Professor, Stiftsdekan und Universitätsmann in Tübingen
Von 1557 bis in die späten 1590er Jahre wirkte Heerbrand als Professor der Theologie an der Universität Tübingen. Ab 1561 war er zugleich Stiftsdekan beziehungsweise Superattendent des Herzoglichen Stipendiums. Nach dem Tod Jakob Andreaes wurde Heerbrand 1590 Kanzler der Universität und Stiftspropst. Er gehörte damit über Jahrzehnte zum Führungskreis der württembergischen Kirche und Universität. Die Verbindung von Universität und Kirche ist für das Verständnis seines Wirkens entscheidend. Ein Theologieprofessor der Frühen Neuzeit war nicht lediglich Wissenschaftler im heutigen Sinne. Er bildete die künftigen Pfarrer aus, wirkte an kirchlichen Entscheidungen mit, predigte, führte akademische Disputationen, begutachtete Lehrfragen und übernahm administrative Verantwortung. Heerbrand entwickelte dabei ein ausgeprägtes Verständnis von theologischer Bildung.
Universität und Stift sollten nach seiner Vorstellung nicht nur gelehrte Individuen hervorbringen, sondern zuverlässige Amtsträger für Kirche und Gemeinwesen. In einer Jubiläumspredigt über die Universität Tübingen hob er die Bedeutung der Ausbildung für Kirche und Staat hervor. Leppin interpretiert dieses Bildungsverständnis als typisches Kennzeichen der frühneuzeitlichen protestantischen Konfessionskultur: Universität, landesherrliche Kirchenorganisation und Nachwuchsausbildung rückten eng zusammen. Charakteristisch ist Heerbrands Vorstellung, die Universität müsse zur „Einhelligkeit“ der Kirchendiener beitragen. Damit wird zugleich der Übergang von der bewegten Reformationszeit zur konfessionellen Konsolidierung sichtbar. Theologische Ausbildung sollte nicht mehr primär neue Grundsatzdebatten eröffnen, sondern einen verbindlichen Lehrkonsens sichern. Leppin sieht hierin zu Recht ein Kennzeichen der werdenden lutherischen Orthodoxie.
6. Das Compendium Theologiae
Heerbrands bedeutendstes theologisches Werk ist sein 1573 veröffentlichtes Compendium Theologiae. Das Werk wurde mehrfach aufgelegt und nach der Entstehung der Konkordienformel überarbeitet. Die Neue Deutsche Biographie bezeichnet es als eine der frühesten bedeutenden evangelischen Gesamtdarstellungen der Glaubenslehre nach Melanchthons Loci. Die Bedeutung dieses Werkes liegt weniger in spektakulären theologischen Neuerungen als in seiner Fähigkeit zur Systematisierung. Heerbrand ordnete den Stoff der evangelischen Theologie in methodisch gegliederter Form und machte ihn für akademische Lehre und kirchliche Ausbildung verfügbar. Das Compendium wurde im ausgehenden 16. Jahrhundert zu einem prägenden Lehrbuch des Tübinger Theologiestudiums. Methodisch blieb Heerbrand dabei stark Melanchthon verpflichtet. Inhaltlich wurde das Werk jedoch zunehmend in den Rahmen der lutherischen Bekenntnisbildung gestellt. Gerade darin lässt sich Heerbrands historische Stellung besonders gut erkennen: Er bildet eine Brücke zwischen der humanistisch-systematischen Theologie Melanchthons und der konfessionell normierten Dogmatik des späteren Luthertums. Bemerkenswert ist auch die internationale Wirkung des Werkes. Das Compendium gehörte zu den theologischen Schriften, die im Zusammenhang mit dem berühmten Briefwechsel der Tübinger Theologen mit dem ökumenischen Patriarchen Jeremias II. von Konstantinopel in den Osten gelangten. Damit wurde Heerbrands Dogmatik Teil eines der frühesten ausführlichen Lehrgespräche zwischen lutherischer Reformation
und orthodoxem Christentum. Dieser Vorgang darf nicht im modernen Sinne als ökumenischer Dialog missverstanden werden. Beide Seiten gingen von ausgeprägten Wahrheitsansprüchen aus. Dennoch zeigt der Vorgang, dass die Tübinger Theologie ihren Horizont keineswegs auf das Heilige Römische Reich beschränkte.
7. Heerbrand und die Entstehung der lutherischen Konfessionskultur
Die Jahrzehnte nach Luthers Tod 1546 waren von erheblichen innerprotestantischen Konflikten geprägt. Streitfragen betrafen unter anderem das Abendmahl, den freien Willen, die Rechtfertigungslehre, gute Werke, Adiaphora und das Verhältnis unterschiedlicher reformatorischer Traditionen zueinander. Heerbrand ist in diesen Auseinandersetzungen nicht leicht einer einzigen „Partei“ zuzuordnen. Er war zwar deutlich durch Melanchthon geprägt, kann aber nach dem Urteil der neueren Forschung nicht einfach als „Philippist“ bezeichnet werden. Zugleich beteiligte er sich an jenem Prozess, der schließlich zur stärkeren lehrmäßigen Vereinheitlichung des Luthertums führte. Die 1577 abgeschlossene Konkordienformel und das Konkordienbuch von 1580 markieren diesen Prozess besonders deutlich. Heerbrands eigenes theologisches Werk wurde entsprechend überarbeitet und stärker auf den erreichten Bekenntniskonsens ausgerichtet. Die historische Bedeutung Heerbrands liegt deshalb gerade nicht darin, dass er selbst der Hauptautor der Konkordienformel gewesen wäre. Seine Bedeutung liegt vielmehr darin, dass er den durch sie repräsentierten theologischen Konsolidierungsprozess in Lehre, Ausbildung und akademischem Leben weitertrug.
8. Kontroverstheologie und konfessionelle Abgrenzung
Ein beträchtlicher Teil von Heerbrands Schriften entstand aus theologischen Kontroversen. Er setzte sich unter anderem mit katholischen Theologen und Jesuiten auseinander. Namen wie Gregor von Valencia und Georg Scherer begegnen in seinen Schriften wiederholt. Dabei standen Fragen des Abendmahls, der Messe, des päpstlichen Primats, des Fegefeuers, der Heiligenverehrung und der kirchlichen Autorität im Mittelpunkt. Für heutige Leser können Ton und Argumentationsweise solcher Schriften irritierend wirken. Ihre historische Bedeutung erschließt sich jedoch erst, wenn man sie als Bestandteil der frühneuzeitlichen Konfessionsbildung versteht. Wie Leppin hervorhebt, war die Abgrenzung gegenüber anderen Konfessionen zugleich ein Mittel innerer Selbstverständigung. Indem man bestimmte katholische oder reformierte Positionen zurückwies, formulierte man zugleich präziser, was unter lutherischer Lehre zu verstehen sei. Bemerkenswert ist dabei, dass Kontroversen Heerbrand gelegentlich zu theologischen Differenzierungen zwangen. So analysierte er etwa katholische Argumentationen zur Eucharistie und musste dabei das Verhältnis zwischen älteren Formulierungen der Confessio Augustana und der zeitgenössischen lutherischen Abendmahlslehre näher bestimmen. Kontroverstheologie war deshalb nicht nur Polemik; sie konnte zugleich dogmatische Präzisierung erzeugen.
9. Fegefeuer, Wunder, Magie und „Aberglaube“
Ein weniger bekannter, aber besonders interessanter Teil von Heerbrands Werk betrifft Fragen, die aus heutiger Perspektive an der Grenze zwischen Theologie, Naturverständnis und Volksglauben liegen. 1569 beschäftigte er sich beispielsweise mit der Lehre vom Fegefeuer. Seine Ablehnung begründete er vor allem rechtfertigungstheologisch: Für Heerbrand existiert kein eigenständiger Zwischenzustand, der die Heilsgewissheit des Glaubenden ergänzen müsste. Die Vorstellung eines Fegefeuers erschien ihm deshalb nicht nur als exegetisches Problem, sondern als Gefährdung der ausschließlichen Heilsbedeutung Christi. Noch interessanter ist seine Beschäftigung mit Wundern und Magie. Heerbrand kritisierte bestimmte Formen des Wunder- und Magieglaubens, allerdings keineswegs aus einem modernen naturwissenschaftlichen Rationalismus heraus. Ausgangspunkt seiner Argumentation war vielmehr die absolute Souveränität Gottes. Wirkliche Wunder können allein auf Gottes Wirken zurückgeführt werden. Die theologische Kritik an magischen Vorstellungen entsprang daher gerade einem besonders konsequenten Gottesglauben.
Diese Position zeigt, wie problematisch es wäre, Heerbrand vorschnell entweder zum aufgeklärten Kritiker des Hexenglaubens oder zum Vertreter vormoderner Vorstellungen zu erklären. Sein Denken gehört vollständig in die theologische Welt des 16. Jahrhunderts. Innerhalb dieser Welt entwickelte er jedoch Argumente, die bestimmte populäre Vorstellungen von eigenständigen magischen Kräften begrenzten.
10. Heerbrands Verhältnis zu Melanchthon
Besondere Aufmerksamkeit verdient schließlich Heerbrands anhaltende Verehrung Philipp Melanchthons. Nach dessen Tod 1560 hielt Heerbrand eine umfangreiche Gedächtnisrede. Dass diese nicht in Tübingen, sondern in Wittenberg gedruckt wurde, interpretiert Leppin als bewusstes Zeichen der Verbundenheit mit Melanchthon und seinem dortigen Erbe. Heerbrand verteidigte Melanchthon insbesondere gegen den Vorwurf, in entscheidenden Punkten von Luther abgewichen zu sein. Dabei betonte er ausdrücklich Luthers Wertschätzung der Loci communes. Diese Haltung zeigt, dass die Entstehung der lutherischen Orthodoxie keineswegs einfach als Überwindung Melanchthons verstanden werden kann. Vielmehr wurden Elemente seiner theologischen Methode und seiner Bildungsauffassung tief in die nachreformatorische Theologie integriert.
Heerbrand ist dafür eines der deutlichsten Beispiele.
11. Späte Jahre und Tod
Nach dem Tod Jakob Andreaes übernahm Heerbrand 1590 das Kanzleramt der Universität Tübingen und wurde zugleich Propst der Stiftskirche. Ein erhaltenes Schreiben von 1597 zeigt ihn noch im hohen Alter als praktisch tätigen Universitätskanzler, der sich mit konkreten disziplinarischen und administrativen Angelegenheiten der Universität beschäftigte. 1599 zog er sich aus Altersgründen von seinen Ämtern zurück. Am 22. Mai 1600 starb Jacob Heerbrand in Tübingen.
12. Wirkung und historische Bedeutung
Heerbrands historische Bedeutung lässt sich auf mindestens vier Ebenen erkennen. Erstens war er ein Vermittler zwischen der ersten und der zweiten Generation der Reformation. Persönlich hatte er Luther und Melanchthon erlebt; zugleich wirkte er noch bis unmittelbar an die Schwelle des 17. Jahrhunderts. Dadurch verkörperte er eine außergewöhnliche personelle Kontinuität. Zweitens war Heerbrand ein Systematiker der evangelischen Theologie. Sein Compendium Theologiae half entscheidend dabei, reformatorische Theologie in eine Form zu bringen, die gelehrt, geprüft und an kommende Generationen weitergegeben werden konnte. Es war damit nicht lediglich ein Buch unter vielen, sondern ein Instrument konfessioneller Traditionsbildung. Drittens war er ein Organisator theologischer Bildung. Seine Tätigkeit an Universität
und Stift trug dazu bei, Tübingen zu einem der wichtigsten theologischen Ausbildungszentren des süddeutschen Luthertums zu machen. Die Verbindung von akademischer Bildung, kirchlichem Amt und territorialer Kirchenorganisation wurde für Generationen evangelischer Pfarrer prägend. Viertens war Heerbrand ein Akteur der frühneuzeitlichen Konfessionsbildung. Seine kontroverstheologischen Schriften zeigen zwar die Härte damaliger Auseinandersetzungen, zugleich aber auch die intensive Suche nach begrifflicher Klarheit und konfessioneller Identität. Die neuere Forschung beurteilt diese Epoche deshalb differenzierter als ältere Darstellungen, die sie lediglich als Erstarrung der ursprünglichen Reformation verstanden.
Schluss
Jacob Heerbrand gehört nicht zu den großen theologischen Neuerern des 16. Jahrhunderts. Gerade darin liegt jedoch ein wesentlicher Teil seiner Bedeutung. Reformation konnte nur dann geschichtliche Dauer gewinnen, wenn ihre theologischen Einsichten institutionell stabilisiert, systematisiert, gelehrt und an kommende Generationen weitergegeben wurden. Diese Aufgabe übernahmen Männer wie Heerbrand. Sein Leben spannt einen bemerkenswerten Bogen von den Hörsälen Luthers und Melanchthons in Wittenberg über die Konflikte des Interims und das Konzil von Trient bis zur etablierten lutherischen Universitäts- und Kirchenordnung des ausgehenden 16. Jahrhunderts. An Heerbrand lässt sich deshalb exemplarisch beobachten, wie aus einer reformatorischen Bewegung eine dauerhafte Konfessionskirche wurde. Dabei wäre es zu einfach, ihn lediglich als Vertreter einer sich verhärtenden Orthodoxie zu betrachten. In Heerbrand begegnen sich melanchthonischer Humanismus, lutherische Bekenntnistreue, akademische Gelehrsamkeit, kirchliche Praxis und territoriale Kirchenpolitik. Gerade diese Verbindung macht ihn zu einer Schlüsselfigur der württembergischen Reformations- und Konfessionsgeschichte.
Persönlicher Impuls
Aktuelle Deutsch-Polnische Note

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Geschichte, Begegnung und internationaler Austausch in Velbert
Vom 23. bis 29. August 2026 beschäftigen sich junge Menschen aus Polen, Deutschland und der Ukraine gemeinsam mit Geschichte, besuchen Erinnerungsorte und sprechen über Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftliche Verantwortung.

Velbert, Deutschland

23.–29.08.2026

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Anmeldung: https://forms.cloud.microsoft/e/CK36iVrYMb
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Stephan Schiller, Deutsch-Polnische Nachrichten
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Facebook, 11. August 2026
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Foto: Archiv K. B. Page-l
Facebook, 8. August 2026
Impulse aus und für den Religionsunterricht / Kultur
Auf den Spuren von Abt Daniil Irbits, Seefeld und der TSG Hoffenheim

Mit Andrea Chudak unterwegs

HERZLICHE EINLADUNG!
Sonntag 6.09. – 16 Uhr
Bürgerhaus Wünsdorf (Zossen)
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mit Andrea Chudak (Sopran/ Rezitation/ Moderation) und Yuki Inagawa (Klavier)
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(Foto: Alex Adler
Facebook, 11. August 2026
Kulturelle Noten von Andreas Sturm



Ehre, wem Ehre gebührt!
Es ist mir eine Freude, langjährige Mitglieder der #CDU zu ehren. Diejenigen, die in diesem Jahr nicht an der Ehrungsveranstaltung des CDU-Gemeindeverband Altlußheim teilnehmen konnten, habe ich persönlich besucht.
Zu den Geehrten gehören Appolonia Ginder und Ludwig Raff. Ludwig Raff ist durch seine Arbeit bei einem ambulanten Pflegedienst viel in unserer Region unterwegs und engagiert sich seit vielen Jahren im katholischen Pfarrgemeinderat. Mit Appolonia Ginder verbindet mich eine besondere Erinnerung: Bereits Ende der 1990er-Jahre nahmen wir gemeinsam an einer Fahrt zum Europäischen Parlament in Straßburg teil.
Eine Partei ist mehr als ein Name – sie lebt von Menschen, die ihr über Jahrzehnte Gesicht, Herz und Haltung geben.
Bilder: Timea Gerlach
Facebook 10. August 2026
Kulturelle und soziale Note von Sebahat Atli

Über Albert Schweitzer ist bestimmt nicht alles gesagt. In dem Buch „Auf den geheimnisvollen Spuren von Albert Schweitzer“ von Frank Bürger und bei der Präsentation geht es um persönliche Begegnungen mit dem Theologen, Musiker und Arzt Albert Schweitzer, vielschichtig, geheimnisvoll und grenzwertig. Albert Schweitzer hat viele Spuren in der Welt hinterlassen, auch in Berlin, auch in Schwetzingen und so auch unserer Generation klar gemacht: Die Würde des Menschen ist das höchste Gebot.
Musikbeitrag für Klassikfreunde
Wachet und Betet!
Wachet und betet … Über den Link gibt es alles zu den Glocken der Kath. Kirche St. Jakob in Aachen.
#createsoundscape ist Teil der Kampagne „Hörst du nicht die Glocken?“.
Diese informiert über den Sinn und Zweck des Läutens überhaupt, über seine Geschichte und darüber, wie das Läuten heute wieder als Zeichen von Frieden, Freiheit und persönlicher Spiritualität verstanden werden kann.
Wachet und Betet – Historischer Impuls

Albrecht Grözinger, Facebook, 12. August 2026
YouTube der Woche von Joanna Filus-Olenkiewicz
Impuls aus Schwetzingen von Dekan Uwe Lüttinger
pausiert
Impuls aus Karlsruhe von Prof. Dr. Frank Thissen

»Kaum zu glauben: jetzt lebe ich schon wieder mehr als zehn Jahre in meiner Geburts- und Heimatstadt Karlsruhe. Manchmal, wenn ich im Urlaub in anderen Städten bin, frage ich mich, ob ich da leben wollte. Doch dann bin ich froh, wieder nach Karlsruhe zurückkommen zu können. Hier habe ich meine Familie, meine Freunde – ich liebe die grünen Plätze und schönen Ecken dieser Stadt. Jeden Tag gibt es viele Momente in denen man dankbar sein kann. In mir singt das Liebeslied Gottes und das gibt mir Mut und Zuversicht für jede Situation.« Martina Arnold
Foto: Frank Thissen
Quelle: https://menschen-in-karlsruhe.eu/
Zeitenreise mit Hans-Josef Overmann
Buchempfehlung
Hier gibt es einen Neuanfang mit Nadine Grimmig, Archäologin, Kunsthistorikerin und vergl. Religionswissenschaftlerin.
Heute mal von mir persönlich aus der Bestenliste der Woche

Endstation Albtraum!
Der Jubiläums-Thriller von Bestseller-Autor Sebastian Fitzek schickt dich auf eine Reise in einem der luxuriösesten Züge der Welt – nonstop durch die tiefsten seelischen Abgründe und hinein in den größten Albtraum eines Vaters
In einer einzigen Nacht verlor der bekannte Berliner Strafverteidiger Adrian Corvin alles, was ihm im Leben wichtig war: Seine Frau Judith wurde brutal ermordet, sein fünfjähriger Sohn Emil entführt. Die geständige Mörderin lockt Adrian in den Royal Rail Express, einen der luxuriösesten Nachtzüge der Welt, in dem jedes Abteil sein eigenes Schlaf-, Bade- und Wohnzimmer hat.
Hier unterbreitet sie ihm ein diabolisches Angebot. Die Psychopathin verspricht, Emil lebend zurückzubringen. Unter einer völlig unerfüllbaren Bedingung, die nur eine Wahnsinnige stellen kann …
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Der vielfache #1-Bestseller-Autor Sebastian Fitzek lässt uns in »Der Nachtzug« wieder einen tiefen Blick in die Abgründe menschlicher Seelen werfen. Das Locked-Room-Setting im Luxuszug sorgt für eine packende Atmosphäre, die den Thriller über die verzweifelte Suche eines Vaters nach seinem verschwundenen Kind zum unwiderstehlichen Pageturner macht.
Impuls von Abt Daniil Irbits

Blick vom Großglockner aus.
Facebook, 10. August 2026
Empfehlung für Kinder und Jugendliche
Die Empfehlung kommt von Redaktionsmitarbeiterin Juliane Heger

Manche Worte brauchen ein ganzes Leben, um anzukommen.
Olivia wächst im friedlichen Deutschland der 50er-Jahre auf und doch trägt beinahe jeder Tag ein Stück Vergangenheit in sich. Wenn der Vater wieder und wieder die Lebensmittelvorräte überprüft oder der Lehrer die Kinder im Turnunterricht durch selbst gebaute Schützengräben kriechen lässt. Erst als Erwachsene begreift Olivia, wie stark sie von einer Generation bestimmt ist, die es nie gewagt hat, laut zu hoffen und beginnt, sich auf ungewöhnlichen, teils skurrilen Wegen von den Erinnerungen der anderen zu befreien. «Blinde Geister» ist eine bewegende Familiengeschichte, die vom Nachkriegsdeutschland bis in die Gegenwart führt und von der Frage erzählt: Wie können wir die eigene Familie schützen und uns gleichzeitig vor ihr bewahren?
Olivia, die Tochter von Rita und Karl, kennt seit jeher die Angst der Erwachsenen vor einem erneuten Krieg, obwohl seit Jahren Frieden herrscht in Deutschland. Beharrlich überprüft Karl die Speisekammer auf Vorräte, und immer wieder sucht die Familie gemeinsam Zuflucht im Keller, wenn der Vater den Einfall der Russen fürchtet. Für Olivia und ihre Schwester Martha ist es ein Spiel, dem sie sich still fügen, auch weil sie längst wissen, dass den Eltern die Worte für Erklärungen fehlen und das Schweigen nur umso lauter wird, je mehr sie fragen. „Bald bin ich tot“, denkt auch Olivia, als die Unruhe der Eltern schleichend zu ihrer eigenen wird. In ihrer ersten eigenen Wohnung fehlt Olivia der Keller dieser kleine Schutzbunker ihrer Kindheit, der immerhin eins bedeutete: Familienzeit. Die langen Risse, die von den Eltern bis in ihre Generation reichen, erkennt sie erst, als sie ihre eigene Tochter vor jenem Bedrohungsgefühl zu schützen versucht, das durch neue Konflikte in Europa plötzlich erschreckend real wird. „Blinde Geister“ ist ein vielschichtiger und berührender Roman, der vor dem Hintergrund deutscher Zeitgeschichte tief verwurzelte Ängste freilegt und mit feinem Gespür das Sonderbare und Entrückte im Menschen ergründet.
Film oder Hörspieltipp
Filmtipp von Klassikradio
