Spurensuche im Sommer: Von Karow nach Prenzlau

Die Hill-Orgel in der Prenzlauer Marienkirche. Foto: Christoph Wichtmann

Berlin. Die Sommertour entlang verschiedener Orgeln ist eine Wanderung durch Raum und Zeit, sie führt über Spandau, nach Karow, Angermünde, Felchow direkt in das Herz der Uckermark: Prenzlau.

Von Frank Bürger

Wir gehen Jahrzehnte zurück in den Oktober 2007, also fast 20 Jahre. Hannes Ludwig und ich saßen in Prenzlau zusammen. Mit der Überschrift „Das Rad rumreißen“ erschien in der Zeitung „Die Kirche“, damals unter dem Dach des Wichern-Verlages ein Artikel. Ludwig begann seine Arbeit in Prenzlau als Kirchenmusiker und formulierte damals seine Visionen von einer Orgel in der Marienkirche Prenzlau.

Über die „Europäische Route der Backsteingotik“ erfahren wir mehr über diese traditionsreiche Kirche.

Die Hauptpfarrkirche Sankt Marien ist das Wahrzeichen der Stadt, denn ihre Türme sind weit zu sehen. Ursprünglich hatten diese eine Höhe von 90 Metern, heute ist der Nordturm 68 Meter und der Südturm 64 Meter hoch.

Vor dem heutigen Bau stand hier zunächst eine dreischiffige Hallenkirche mit Querschiff und einem lang gestreckten rechteckigen Chor. Dieser war aus Feldstein und wurde zwischen 1235 bis 1250 erbaut.

Ab 1289 bis 1340 wurde dieser erste Bau durch einen hochgotischen Backsteinbau ersetzt. Der Neubau entstand in zwei Abschnitten. Zunächst wurde das Kirchenschiff mit Chor und Ostgiebel fertiggestellt, dann folgten die Türme mit gotischem Helmabschluss.

Die Kirche wurde als dreischiffige Halle angelegt. Die Schiff enden jeweils in einem polygonalem Chor. Um 1350 wurde im Süden die Margareten- und Christophoruskapelle angebaut.

Im Osten gibt es einen filigranen Maßwerkgiebel, der einer Kathedrale würdig ist. Der Giebel war eine für das 14. Jahrhundert äußerst anspruchsvolle Konstruktion, da das Maßwerk frei vor der Wand steht. Er gilt als Weiterentwicklung der Neubrandenburger Marienkirche. Rund 22 Meter ist der Giebel hoch und damit ebenso hoch, wie die äußere Chorwand. Für die Gestaltung des Maßwerkes wurden rote und schwarzglasierte Ziegelsteine verwendet.

Auch die Seiten der Kirche sind aufwändig gestaltet. Neben langen spitzbogigen Fenstern weißen sie zum Dach hin einen feinen aufgesetzten Maßwerkstreifen auf.

Im Süden entstand um 1400 eine Portalvorhalle. Die nördliche Vorhalle wurde um 1410 vermutlich von einem Verwandten des berühmten gotischen Baumeisters Hinrich Brunsberg erbaut. Der zweigeschossige Bau ähnelt dem Aussehen des Tangermünder Rathauses, dass Hinrich Brunsberg erbaute.

Der Nordturm wurde 1546 fertiggestellt. Der Südturm erhielt seine heutige Gestalt erst 230 Jahre später, 1776. Noch heute kann die Türmerstube besichtigt werden.

Im April 1945 brannte die Kirche bis auf die Umfassungsmauern aus. Aber die Pfeiler mit den spitzen Bögen der Arkaden und vor allem der prächtige Maßwerkgiebel über der Ostwand blieben erhalten. 1970 begann der Kirchenkreis Uckermark mit dem Wiederaufbau. Mit dem Einbau neuer Gewölbe wird ab 2020 auch das Innere seine Raumqualität zurückgewinnen.

Nach den fast 20 Jahren hat es der Kantor geschafft. In der Kirche befindet sich nun eine Hill-Orgel.

Viele Informationen dazu befinden sich in dem neuen Buch von Ludwig, das er selbst verfasst und herausgegeben hat

Hier die Erklärungen von Amazon

William Hill (1789-1870) war neben seinen Zeitgenossen Aristide Cavaille-Coll (Paris) und Eberhard Friedrich Walcker (Ludwigsburg) einer der führenden Innovatoren des europäischen Orgelbaus und der bedeutendste Orgelbauer des British Empire im 19. Jahrhundert. Von ihm und seinem engen Umfeld gingen richtungsweisende Impulse aus, die in eine technische wie klangliche Revolution des englischen Orgelbaus mündeten und die bis heute weltweit nachwirken. Dieses umfassende Werk stellt die erste deutschsprachige Würdigung des Britischen Orgelbaues sowie die erste umfassende Darstellung zum Schaffen der Firma Hill & Son dar. Es beleuchtet über einen Zeitrahmen von etwa 100 Jahren die Herkunft, Entwicklung und Meisterschaft des Firmengründers William Hill, sowie die weitere Entwicklung der Firma Hill & Son unter seinem Sohn Thomas und seinem Enkel Arthur George bis zum Ende der Eigenständigkeit der Firma im Jahre 1916. Neben den aufsehenerregenden Werken für große englische Kathedralen und Klöster (Westminster Abbey, Kings College Cambridge, York Minster) und Konzertsääle (Birmingham Town Hall, Sydney Town Hall, London Queens Hall) werden auch die musikalischen Querverbindungen zu Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Edward Elgar und Marcel Dupre beleuchtet. Ein umfassender Bericht über den Transfer und die mustergültige Restaurierung der großen, von Hill & Son erbauten Orgel aus dem schottischen Kilbarchan ins brandenburgische Prenzlau, sowie ein Faksimile des Firmenkatalogs von Hill & Son „The Art of Organ Building“ (1913) runden den reich illustrierten Band ab. Mit Beiträgen von Nicholas Thistlethwaite, John Maidment, Paul Hale, Colin Menzies, John Sayer, Ted Gantham, Andreas Mähnert, und Hannes Ludwig.

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Doch der gemeinsame Weg war nicht zu Ende.

Im evangelischen Johannesstift traf sich eine illustre Runde.

Mit dabei (linke Seite)

Ute und Dietrich von Buch.

In der Uckermark haben sie deutlich über die Jahrhunderte hinweg ihre Spuren hinterlassen: die berühmten und weniger bekannten Mitglieder der Familie von Buch. Nachweislich seit 1423 hat das Adelsgeschlecht hier immer wieder von sich reden gemacht.

Erfolgreicher in ihren Berufen als Landräte, Generäle oder Bischöfe waren dagegen viele seiner Nachfahren aus der Brandenburgischen Linie, die in Stolpe und Umgebung zu Hause waren. Allen voran Christian Leopold von Buch, einer der bedeutendsten deutschen Geologen des 19. Jahrhunderts. Der Freund von Alexander von Humboldt veröffentlichte 1826 die erste vollständige geologische Karte von Deutschland und gilt als der erste deutsche Feldgeologe. Nach ihm ist nicht nur eine Straße in seinem Geburtsort Stolpe benannt, auch der Verein „Berlin-Brandenburgische Geologie-Historiker“, ein 1998 in Betrieb genommener ICE und eine Fuchsienart tragen seinen Namen. In der Nähe von Großraming in Oberösterreich ist an einem riesigen, außergewöhnlichen Granitbrocken eine Gedenktafel zu seinen Ehren angebracht worden. Der Verein für Heimatkunde in Stolpe ist besonders stolz auf ein Stück des Gedenk-Granitblockes ihres wohl bekanntesten Bürgers. Christian Leopold von Buch ist wie viele seiner berühmten Familienmitglieder in der Erbbegräbnisstätte in Stolpe beigesetzt worden. Dietrich von Buch wird heute eher selten auf seinen berühmten Ur- Ur- Ur- Groß-onkel angesprochen. Der
Bergassessor und Unternehmer und seine Frau leben und arbeiten seit 1996 im Lindenhaus im Ortsteil Wilmersdorf. „Wir haben uns derart von der Uckermark angezogen gefühlt, dass wir beschlossen, dem Ruhrgebiet den Rücken zu kehren und uns hier niederzulassen.“, meint Dietrich von Buch von der Heimat seiner Vorfahren, die jetzt auch seine ist. Da die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg aus Brandenburg und Mecklenburg (hier gab es die Mecklenburgische Linie) vertrieben wurde, leben die etwa 40 Familienmitglieder der Gegenwart über ganz Deutschland verstreut und treffen sich alle zwei Jahre.

Quelle: Stadtmagazin Angermünde

Familie von Buch spielt auch in meinem Buch zum Kloster Götschendorf eine Rolle, das am 26. August in der Evangelischen Kirchengemeinde in der Wilhelmstadt präsentiert wird.

Es ist das einzige Kloster der Berliner Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche: das Kloster Götschendorf. Der Russland-Journalist Norbert Kuchinke stieß auf seiner Suche nach einem Standort für ein von ihm geplantes russisch-orthodoxes Kloster in der Nähe Berlins auf das Gelände. Nach anfänglichem Zögern der einheimischen Verantwortlichen halfen schließlich Kontakte in die Potsdamer Staatskanzlei und die Fürsprache von Pfarrer Horst Kasner, Vater der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, aus Templin bei der Verwirklichung des Projekts. Der Macher vor Ort ist Abt Daniil Irbits. Mit vielen Farbbildern beschreibt das Buch Vergangenheit und Gegenwart des Klosters sowie des Herrenhauses, welches einst auch der Nazi-Politiker und Kriegsverbrecher Hermann Göring nutzte.

Leider gibt es den Klotzverlag nicht mehr

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Mit am Tisch Hannes Ludwig (rechte Seite hinten), der australische Komponist George Dreyfus und der damalige Stiftskantor Jürgen Lindner, der auch noch über den Albert-Schweitzer-Tee im engen Kontakt mit den Deutsch-Polnischen Nachrichten steht.

Hier das Kooperationsprojekt des Johannesstifts und Prenzlau

Doch der Weg in der Uckermark ist dann nicht weit nach Angermünde. Dort spielte Jürgen Lindner einst auch auf der legendären Orgel von

Hier nun ein Artikel zur Bedeutung Wagners

 (Er war ein) „berühmter Orgelbauer zu Berlin, geboren zu Carow bei Genthin, wo der Vater Pastor war, kam im J. 1719 nach Berlin, wo er sich um eine „Concession über das Orgelbauen“ bewarb. Der auf Befehl der Minister d. d. 7. November dess. J. vom Magistrat hierauf erstattete Bericht muß günstig ausgefallen und W. mit der Concession begnadigt worden sein, denn wir sehen ihn sogleich mit dem Bau eines großen Werkes beschäftigt. Zum Bau einer neuen Orgel in der Marienkirche zu Berlin hatte die Wittwe Stiller, geb. Betz 1500 Thlr. gestiftet und am 28. Nov. 1719 wurde mit W. ein Contract zur Ausführung des Werkes abgeschlossen, nach welchem er die Orgel für 2000 Thlr. zu bauen versprach. Im Frühjahr 1723 war sie vollendet und es ward am 12. Mai desselben Jahres bei der Abnahme anerkannt, daß alles „gut und tüchtig gemachet sei.“ — Als im J. 1800 der Abt Vogler nach Berlin kam und sein Simplificationssystem einführen wollte (s. o. S. 174), ging der damalige Organist von S. Marien Seidel darauf ein und es wurden von den 2556 Pfeifen der Wagner’schen Orgel 1555 Pfeifen herausgenommen. 1829 ist indessen die Orgel wieder hergestellt und neuerdings ist das herrliche Werk in sachkundigster Weise gänzlich renovirt worden. — Außer der Marienkirchenorgel hat W. in Berlin und Umgegend noch viele andere Orgeln erbaut, nämlich die alte Orgel in der Garnisonkirche zu Potsdam (1723), welche 1730 von König|Friedrich Wilhelm I. der Jerusalemer Kirche in Berlin geschenkt wurde, die berühmte durch mechanische Kunstwerke und Ausschmückungen ausgezeichnete Orgel in der Garnisonkirche zu Berlin mit 3220 Pfeifen (1725), die Orgel in S. Georgen (1727), die alte Orgel auf dem Friedrichs-Werder, die Orgeln in der Parochialkirche (1730—1731) für 2130 Thlr., in der französischen Kirche in der Klosterstraße und im Friedrichs-Hospital; endlich sind noch die neue Orgel in der Garnisonkirche zu Potsdam und die in der Kirche zu Cottbus zu nennen. Wo W. seine Orgelbaustudien gemacht hat, ist leider nicht mehr zu ermitteln. Aus der Aehnlichkeit inbezug auf Disposition und Intonation der Orgelstimmen mit denen der Silbermannschen Orgeln (A. D. B. XXXIV, 310 ff.) geht hervor, daß beide bei demselben Meister gelernt haben. Die Intonation ist, wie es damals allgemein gebräuchlich war, auf glattem Kern erfolgt, und nicht wie jetzt üblich, auf gestochenem Kern. W. verdient neben Silbermann genannt zu werden, und ist nur deshalb weniger berühmt geworden, weil er unter ungünstigeren Verhältnissen arbeitete und seine Werke nicht die sorgfältige Pflege und Behütung erfuhren, wie die Dresdener Orgeln. — Die vorstehenden Angaben beruhen zum Theil wörtlich auf Mittheilungen des jetzigen Organisten der Marienkirchenorgel, des Musikdirectors Otto Dienel, eines der ersten lebenden Orgelspieler.“

Friedlaender, Ernst, „Wagner, Joachim“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 506-507 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119003791.html#adbcontent

Wagner in Angermünde

Quelle: Maria Schella, Angermünde

Die Marienkirche zu Angermünde besitzt eine Barockorgel von Joachim Wagner. Dieser war der bedeutendste Orgelbauer in Berlin-Brandenburg im 18 Jh. und baute die Orgel in St. Marien zu Angermünde von 1742 bis 1744.

Dem Bau dieser Orgel ging ein erbitterter Streit zwischen dem Probst und dem Kantor voraus, dem schließlich der König Friedrich Wilhelm von Preußen höchstpersönlich durch ein Machtwort zugunsten des Kantors ein Ende setzte und durch einen Brief den Orgelneubau anordnete.

Diese Orgel hat insgesamt 30 Register, verteilt auf 2 Manuale und besitzt 1850 Pfeifen. Davon sind 1380, also ca. 60 % der Pfeifen von Wagner. Außer 22 Stimmen sind das Gehäuse, 2 Keilbälge, 2 Zimbelsterne und 2 Kesselpauken original erhalten.   

Sie zählt damit zu den besterhaltenen Barockorgeln in Deutschland und ist nach der Wagner-Orgel im Dom zu Brandenburg die zweitgrößte erhaltene Wagner-Orgel. Aber sie ist die einzige Wagner-Orgel, die über eine Paukenanlage verfügt, die von den dazu gehörenden Engeln traktiert wird. Ein besonderer preußischer Kulturschatz in der Orgellandschaft Brandenburg!

Die Orgel zu Felchow

Quelle: Hannes Ludwig

Die Dorfkirche Felchow wurde in der 2. Hälfte des 13. Jh. als flachgedeckter rechteckiger Saalbau mit schiffsbreitem Westturm und eingezogenem Chor in Feldsteinmauerwerk errichtet. Barocker Turmaufsatz. Drei spitzbogige Portale erhalten. Die Orgel um 1745 von Joachim Wagner unter Verwendung eines Orgelprospekts des ausgehenden 17.Jh. gebaut. Durch die reichhaltige und kunstvolle Ausstaffierung der Prospektfassade gehört diese Orgel zu den schönsten Instrumenten dieses Typs in Wagners Werk.

Nach Aussagen Ludwigs wurde sie im vergangenen Jahr restauriert. Am 27. Januar diesen Jahres starb Dietrich Pavel, der sich sehr für die Orgel engagierte.

Die Wurzeln liegen in Carow

Foto: Birgit Baumgärtel

Joachim Wagner wurde am 13. April 1690 in Karow (historisch oft Carow geschrieben, bei Genthin) als Sohn des dortigen Pfarrers geboren. Er gilt als der bedeutendste Orgelbauer der Barockzeit in Preußen und schuf zeitlebens rund 50 Orgeln, nachdem er unter anderem zwei Jahre bei Gottfried Silbermann gelernt hatte.

Sein bekanntestes Werk ist die Orgel der Marienkirche in Berlin. Die St. Marienkirche in Berlin-Mitte ist die älteste noch sakral genutzte Pfarrkirche der Stadt und liegt direkt neben dem Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz. Die im 13. Jahrhundert errichtete, geschichtsträchtige Backsteingotik-Kirche dient heute als City- und Bischofskirche der Evangelischen Kirche.

Kurze Historie der Wagner/Kern-Orgel in der St. Marienkirche

Im Jahre 1721 stellte Joachim Wagner, damals 31-jährig, seine erste eigene Orgel in der St. Marienkirche in Berlin fertig. Es ist erstaunlich, dass er den Auftrag erhielt, eine so große Orgel als Meisterstück zu erbauen, ohne zuvor sein Können unter Beweis gestellt zu haben. Zwei seiner Brüder bürgten für ihn, doch ausschlaggebend dürfte gewesen sein, dass er unmittelbar davor für zwei Jahre Geselle Gottfried Silbermanns war und ihn seine einstigen Magdeburger Lehrmeister Christoph Treutmann und Matthäus Hartmann protegierten. Hier startete er eine große Orgelbauerkarriere. 1723 fand die offizielle Abnahme des 40 Register umfassenden Instrumentes statt.
Abbé Vogler ließ 1800 die Wagner-Orgel durch den Orgelbauer Johann Friedrich Falckenhagen simplifizieren, wobei etwa ein Drittel der Pfeifen entfernt wurde. Es folgten 1813 die Wiederherstellung des alten Klangs durch Johann Simon Buchholz, 1830 eine Dispositionsänderung durch Carl August Buchholz, 1892/93 eine Erweiterung durch die Firma Schlag & Söhne sowie 1908 eine Umstellung auf pneumatische Traktur von Wilhelm Sauer.
Die St. Marienkirche blieb von Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges weitgehend verschont, sodass auch die Orgel überleben konnte. In den folgenden Jahren arbeitete die Firma Alexander Schuke einige Male an der Marienorgel, beseitigte Schäden durch den Krieg, elektrifizierte die Traktur, entfernte Register aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und orientierte sich wieder am Ursprung von 1721.
Diese Mischung vieler Umbau-Etappen und die zunehmende Fehleranfälligkeit (besonders nach dem strengen Winter 1996) führten zu einem lauter werdenden Ruf nach einem Orgelneubau. Diesen führte die Straßburger Firma Daniel Kern unter Verwendung aller noch vorhanden alten Pfeifen und des Prospektes 2002 aus. In 22 der nun 45 Register gibt es alte Pfeifen, einige davon sind sogar nahezu komplett alt; der Prospekt hat sich fast vollständig erhalten. Die fehlenden Pfeifen wurden rekonstruiert, ganze Register und die technische Anlage nach alten Wagner-Vorbildern neu gebaut. Mit der Erweiterung des Tonumfangs und der Disposition um 5 Register, sowie der Veränderung der Tonhöhe und der Manualverteilung wich man aus Gründen der Musizierpraxis bewusst vom Vorbild ab.

Kurze Impression

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