
Berlin. Spandaus Superintendent Florian Kunz verabschiedete Pfarrer Karsten Dierks am 14. Juni in den Ruhestand. Die Deutsch-Polnischen Nachrichten werfen immer wieder gern einen Blick in die Spandauer Lutherkirche.
Von Frank Bürger
„Kirche auf Augenhöhe“, mit diesem Anspruch ist Pfarrer Karsten Dierks seit 2014 im Spandauer Neustadt-Kiez unterwegs. Als Gemeindepfarrer traf man ihn verlässlich oft dort an, wo viele eine Pfarrperson eher nicht erwarten: hinterm Tresen im Café Paule, als Begrüßender beim Trödel, überhaupt zu jeder denkbaren Uhrzeit im Paul-Schneider-Haus, aber auch im Kiez, beim Streitschlichten auf dem Lutherplatz, auf Stadtteilfesten, beim Quartiersrat, bei politischen Veranstaltungen, im Gespräch mit den sozialen Akteuren im Kiez. Dass alle Menschen prinzipiell gleich sind – vor Gott wie in der Welt –, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Wirken und sein Predigen. Es bleibt festzustellen, dass Menschen mit ganz Zum Abschied von Pfarrer Karsten Dierks unterschiedlichen Kompetenzen und Gaben ihre Ideen realisieren und Kirche mitgestalten können. Ermöglichen, indem man mutig über manches hinwegsieht, sich mit dem begnügt, was gerade möglich ist und mit breitem Kreuz die Ergebnisse und Entscheidungen durchträgt. In seiner Wirkungszeit in der Luthergemeinde konnte so vieles wachsen – ein diakonisches politisch, prophetisch, kämpferisch, leicht ungeduldig, tendenziell apokalyptisch, aber selten hoffnungslos. Als Ordinierter wollte Karsten Dierks in erster Linie Ermöglicher sein. Er ermöglichte, dass Menschen mit ganz Zum Abschied von Pfarrer Karsten Dierks unterschiedlichen Kompetenzen und Gaben ihre Ideen realisieren und Kirche mitgestalten können. Ermöglichen, indem man mutig über manches hinwegsieht, sich mit dem begnügt, was gerade möglich ist und mit breitem Kreuz die Ergebnisse und Entscheidungen durchträgt. In seiner Wirkungszeit in der Luthergemeinde konnte so vieles wachsen – ein diakonisches politisch, prophetisch, kämpferisch, leicht ungeduldig, tendenziell apokalyptisch, aber selten hoffnungslos. Als Ordinierter wollte Karsten Dierks in erster Linie Ermöglicher sein. Ermöglichen, dass Menschen mit ganz Zum Abschied von Pfarrer Karsten Dierks unterschiedlichen Kompetenzen und Gaben ihre Ideen realisieren und Kirche mitgestalten können. Ermöglichen, indem man mutig über manches hinwegsieht, sich mit dem begnügt, was gerade möglich ist und mit breitem Kreuz die Ergebnisse und Entscheidungen durchträgt. In seiner Wirkungszeit in der Luthergemeinde konnte so vieles wachsen – ein diakonisches Kirchenmusikangebot rund um die neue Orgel, ein vielfältig belebter und befriedeter Kirchplatz in der Mitte des Kiezes, ein Nachbarschaftszentrum in Kooperation mit dem Gemeinwesenverein Haselhorst, das als vorbildlich gilt für sozialraumorientierte gemeindliche Arbeit, ein vertrauensvolles Zusammenspiel mit den Gemeinden im Norden Spandaus, die letztendlich in eine neue Gemeindestruktur führte.
Quelle: Nordlicht Spandau
Bei Entpflichtung und Verabschiedung in der Lutherkirche und im Paul-Schneider-Haus gab es viele Beiträge und Prominenz.
Für die Deutsch-Polnischen Nachrichten bedeutet es eine Rückkehr an eine besondere Stätte. Noch zu erwähnen ist ein Bindeglied.
Prof. Dr. Adolf-Martin Ritter
Zu nennen ist da Prof. Dr. Adolf-Martin Ritter.
Karsten Dierks studierte bei dem prägenden Kirchengeschichtler. Ritter hat zudem die Kinder einer Mitarbeiterin des Amtes für Kirchliche Dienste getauft. Und zu guter Letzt war er der Doktorvater von Prälat i. R. Prof. Dr. Traugott Schächtele.
Unvergesslich das eigene Erlebnis. Am Anfang des Studiums gab es eine Vorlesung in der Feinen. Doch draußen vor der Tür des Altbaus der Universität in Heidelberg war es zur Adventszeit ziemlich laut. Die Menschen amüsierten sich lautstark auf dem Weihnachtsmarkt
Hier ein Nachruf der Universität Heidelberg (Wolfram Kinzig)
Die Evangelisch-Theologische Fakultät Heidelberg trauert um Prof. em. Dr. Adolf Martin Ritter. Am 19. Juni 2025 ist der langjährige Lehrstuhlinhaber für Historische Theologie (Patristik) im Alter von 91 Jahren verstorben. Mit Martin Ritter verliert die Fakultät einen wissenschaftlich herausragenden und in seinem Fach hochverdienten Kollegen, aber auch einen wunderbaren Menschen und überzeugenden Lehrer des christlichen Glaubens, der sich nicht zuletzt an Universitätskirche sehr engagiert hat. Die Fakultät wird Martin Ritter sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Gerne übernehmen wir die folgende Würdigung der Person und des wissenschaftlichen Werkes von Martin Ritter durch seinen ehemaligen Schüler Prof. Dr. Wolfram Kinzig, Ordinarius für Alte Kirchengeschichte an der Universität Bonn. Wer Martin Ritter begegnete, seinen prüfenden, bisweilen auch skeptischen Blick auf sich ruhen spürte, wusste sogleich: Er meint es ernst. Nicht in dem Sinne, dass er keinen Humor gehabt hätte – man konnte mit ihm herzlich lachen – , aber hier begegnete man einem Intellektuellen, dem es in seiner ganzen wissenschaftlichen Existenz um zentrale Fragen unseres Daseins ging, ja, man könnte etwas pathetisch sagen: Es ging ihm um die christliche Wahrheit und deren Erkenntnismöglichkeit mit den Mitteln der Geschichtswissenschaft. 1 Dieser wissenschaftliche Ernst prägte viele Theologen seiner Generation, die in dunkler Zeit geboren waren. Adolf Martin Ritter kam im Jahr der „Machtergreifung“, am 23. November 1933, in Schwarzenborn am Knüll (Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen) als Sohn eines Pfarrers und einer Krankenschwester zur Welt. Die Mutter musste schon bald ihre Familie mit sieben Kindern allein durchbringen, da der Vater im Krieg geblieben war. Dennoch gelang es ihr, ihre Söhne und Töchter auf die höhere Schule nach Marburg zu schicken. Mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes versehen, begann Ritter sogleich nach dem Abitur vor Ort mit dem Studium der Evangelischen Theologie, wechselte dann nach Heidelberg, wo er seinem späteren Doktorvater Hans von Campenhausen begegnete, und schließlich nach Göttingen, wo vor allem Hermann Dörries großen Eindruck auf ihn machte, es aber auch zu einer ersten Begegnung mit Carl Andresen kam. Ein Auslandsjahr (1958/59) als Stipendiat des Ökumenischen Rates der Kirchen in Athen brachte die Bekanntschaft mit der griechischen Geschichte und Kultur und mit der orthodoxen Kirche, denen er sich zeitlebens verbunden fühlte. Neben dem Vikariat gelang es Ritter, seine theologische Promotion bei von Campenhausen 1962 in Heidelberg abzuschließen. Deren positive Aufnahme führte dazu, dass er nach kurzer Zeit als Gemeindepfarrer an die Universität Göttingen zurückkehren konnte. Dort versah er sieben Jahre lang die Assistentur bei Andresen, engagierte sich in der Hochschulpolitik und arbeitete an seiner kirchengeschichtlichen Habilitationsschrift über den Konstantinopler Patriarchen Joannes Chrysostomos, die er 1970 vollendete. Die weitere akademische Karriere führte von Göttingen über Marburg nach Heidelberg, wohin Ritter schließlich 1981 berufen wurde und bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 seine akademische Hauptwirksamkeit entfaltete. Schon 1979 wurde Ritter in das Exekutivkomitee der „Association Internationale d’Études Patristiques“, der wichtigsten patristischen Vereinigung, gewählt. 1983 übernahm er deren Präsidentschaft, die er acht Jahre lang innehatte, und avancierte damit international zu einem der einflussreichsten Kirchenhistoriker seiner Generation. Besondere Kontakte pflegte er schon während der Zeit des Kalten Kriegs zu den orthodoxen Kirchen Südosteuropas. Sie brachten ihm häufige Einladungen vor allem nach Rumänien ein, wo er bis ins hohe Alter regelmäßig Vorlesungen hielt und schließlich mit zwei Ehrendoktorwürden ausgezeichnet wurde. 2 In der Zeit der Massenuniversität blieb Ritter ein gewissenhafter Lehrer, der seine Vorlesungen sorgfältig ausarbeitete und im Skript festhielt. In den Examina achtete er auf solide Grundkenntnisse der gesamten Kirchengeschichte, in den Seminaren erwartete er Genauigkeit im Umgang mit den Quellen und historisches Einfühlungsvermögen. Flapsige Äußerungen ließ er ebensowenig durchgehen wie Fragen und Kritik, die den Plausibilitätshorizont der antiken Verfasser missachteten und darum in seinen Augen anachronistisch waren. Vor diesem Hintergrund setzte er sich beispielsweise auch intensiv mit den Thesen des Philosophen Kurt Flasch auseinander, der Augustin eine „Logik des Schreckens“ attestiert hatte und mit dem Ritter vor vollem Auditorium in Heidelberg öffentlich disputierte. Seinen Studierenden sagte er: „…und zu Augustin empfehle ich Ihnen Flasch – aber man muss ihn kritisch lesen.“ Überaus wichtig war ihm darum auch, dass die Studierenden auf aktuelle Lehrbücher zurückgreifen konnten, und er sah es als Pflicht des akademischen Lehrers an, sie ihnen zur Verfügung zu stellen, was er auch in mehreren vielbenutzten Publikationen tat. So schrieb er unter anderem im „Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte“ einen richtungsweisenden Beitrag über „Dogma und Lehre in der Alten Kirche“, der in seiner präzisen Quellenerschließung nach wie vor zum Besten gehört, was es zu diesem Thema gibt. Ritter war in seiner wissenschaftlichen Kritik manchmal pointiert und schonte dabei um der Sache der Theologie und der Wissenschaft willen, bei der in seinen Augen allein das bessere Argument zählte, auch seine Schülerinnen und Schüler nicht. Bis zum Schluss sah er es als seine Aufgabe an, „Brücken zu bauen: Brücken zu Andersdenkenden, Andersgeprägten, in der Erwartung, von ihnen lernen zu können; Brücken zu den anderen Fächern und Disziplinen, innerhalb wie außerhalb der Universitätstheologie, nicht zuletzt zur biblischen Exegese, der christlichen wie der jüdischen“. Ganz selbstverständlich suchte Ritter darum das Gespräch zu den Nachbardisziplinen, vor allem zur Klassischen Philologie, zur Geschichte und zur Kunstgeschichte. In diesem interdisziplinären Austausch verleugnete er seine Herkunft zu keinem Zeitpunkt: Ritter verstand sich stets als historischer Theologe und als theologisch denkender Historiker. Fragen der Methode interessierten ihn dabei weniger. Oder besser und in Ritters eigenenen Worten gesagt: In der Kirchengeschichte seien „alle zu Gebote stehenden Methoden kritischer Geschichtswissenschaft“ einzusetzen, und er fügte hinzu: „wirklich alle“. Modische turns blieben ihm fremd – in seiner täglichen Arbeit fühlte er sich wie selbstverständlich der 3 historisch-kritischen Methode verpflichtet, von deren Leistungsfähigkeit er bis zum Schluss überzeugt blieb, denn sie erlaubte Antworten auf die Grundfragen seiner Disziplin: Wie haben die Christen der Vergangenheit über Gott und über Jesus Christus gedacht? Wie ist Kirche als Idee entstanden, und wie prägte sie sich institutionell aus? Welche geschichtsbildende Rolle spielte Jesu Gebot der Nächstenliebe? Und immer wieder: Welche Bedeutung hatte der christliche Antijudaismus, und wie sollen wir mit dieser Last heute umgehen? Dabei hatte Ritter, dem Selbstverständnis evangelischer Kirchenhistoriker in Deutschland entsprechend, immer die ganze europäische Kirchengeschichte im Blick, und sah sich darum auch nicht verpflichtet, nur patristische Arbeiten vorzulegen. Er sei, so äußerte er einmal, nicht „Patristiker“, sondern „Kirchenhistoriker mit patristischem Schwerpunkt“. Das durchzuhalten sei „überaus anstrengend, aber auch hilfreich, um sich nicht in Partikularitäten zu verlieren“. Sein wissenschaftliches Œuvre ist darum thematisch ungewöhnlich vielfältig. Ein Schwerpunkt liegt auf der Theologiegeschichte des 4. Jahrhunderts mit ihrer Entstehung der Glaubensbekenntnisse und der ökumenischen Konzilien. Hier konnte er zeigen, wie sich die antike christliche Theologie in Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Philosophie formierte und ihre Grundlehren formulierte. Die Dissertation über „Das Konzil von Konstantinopel und sein Symbol“ avancierte schnell zum Standardwerk und machte ihn weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Die Habilitationsschrift über „Charisma im Verständnis des Joannes Chrysostomos“, obwohl ebenfalls sehr gut rezensiert, erfuhr demgegenüber deutlich weniger Resonanz. Die Themenkreise der Qualifikationsschriften blieben Ritter zeitlebens wichtig: Zum Konzil von Konstantinopel hat er sich über die Jahrzehnte immer wieder geäußert und seine von vielen Seiten, u.a. aus Tübingen, kritisierten Thesen verteidigt. Was Chrysostomos anbetraf, so schwankte er zwischen großer Sympathie für die Menschenfreundlichkeit des „Goldmunds“ und dem Befremden über dessen Antijudaismus, den er in mehreren Publikationen zu erklären suchte. Später beschäftigte er sich, angetrieben von der Frage nach dem Verhältnis zwischen Christentum und Platonismus, auch intensiv mit philologischen Problemen: Seine kritische Edition (gemeinsam mit Günter Heil) von Schriften des Pseudo-Dionysios Areopagites, eines der rätselhaftesten und schwierigsten, aber bis weit ins Mittelalter hinein einflussreichsten christlichen Philosophen der Spätantike, gilt als grundlegend. Die „Mystische Theologie“ 4 dieses unbekannten Autors hat er übersetzt und kommentiert und „Dionys vom Areopag“ zuletzt 2018 in monographischer Form behandelt. Auch an der Herausgabe und Übersetzung von Contra Iulianum, der großen Auseinandersetzung des Patriarchen Kyrill von Alexandrien mit einem der schärfsten philosophischen Kritiker des Christentums in der Antike, dem Kaiser Julian, war er intensiv beteiligt. Neben dem Denken fand auch das Leben der Kirche Ritters Interesse, insbesondere die Entwicklung der Diakonie. Eine Kirche ohne praktische Nächstenliebe war für ihn nichts wert, und die Gestalt der Kirche musste diesen Auftrag des Evangeliums widerspiegeln. Darum nehmen Arbeiten zur Ekklesiologie, aber auch ethische Themen wie der christliche Umgang mit Eigentum oder mit Sklaverei in Ritters Schaffen ebenfalls erheblichen Raum ein. Jenseits der Alten Kirche interessierten ihn zunehmend das Mittelalter, die Geschichte der Orthodoxie und immer auch das Schicksal der Kirche im 20. Jahrhundert. Regelmäßig trieb es ihn vom Schreibtisch und Katheder auf die Kanzel: Ritter war und blieb zeitlebens ein begeisterter und engagierter Prediger. Ein Jahrzehnt lang wirkte er in Heidelberg als Universitätsprediger. Er verstand es, in seinen Predigten in unnachahmlicher Weise das biblische Evangelium zum Leuchten zu bringen und in der Kraft des Glaubens zur positiven Lebensgestaltung und konstruktiven Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Zeit, die er fest im Blick behielt, zu ermutigen. Von der Wertschätzung, die ihm vor Ort wie weltweit zuteilwurde, zeugen nicht zuletzt zwei Festschriften. Bis ins hohe Alter blieb Ritter äußerst produktiv.
Schächtele war zu Gast bei einer besonderen Ordinationspremiere

Prälat Traugott Schächtele (Landeskirche Baden) und der ordinierte Pfarrer Frank Bürger in der Nikolaikirche
Im Juni 2021 gab es einen besonderen Orgelwettbewerb in der Kirche
Im Juni 2024 durfte ich hier das Benefizkonzert für Kinder moderieren
Bereits am 13. Juni 2026 war Bischof Christian Stäblein in Spandau auf Einladung von Raed Saleh, dem Vorsitzenden der SPD-Fraktion Berlin, in Spandau.

