
Berlin. Generalsuperintendent Kristóf Bálint hat uns aufmerksam gemacht. In Petzow bewegen wir uns auf den Spuren von Peter Joseph Lenné, Karl Friedrich Schinkel und Theodor Fontane
Von Frank Bürger
Spurensuche, das gehört zu den Deutsch-Polnischen Nachrichten. Zuletzt besuchte Generalsuperintendent Kristóf Bálint die Flecken Sacrow mit der wunderbaren Heilandskirche und Petzow.
Wir haben uns intensiv mit der Heilandskirche beschäftigt. Bisher waren wir aber noch nicht in dem Kleinod Petzow.
Fünf Kilometer südlich Berlin-Wannsee liegt der kleine Ort Petzow. Erstmalig 1419 erwähnt, seit 1929 Ortsteil von Werder (Havel), hat er eine spannende Geschichte. Die einzigartige Lage Petzows, auf einer Landzunge zwischen drei Seen gelegen, war schon immer anziehend. Der preussische König Friedrich Wilhelm IV., Schinkel und Lenné waren hier. Den großen Brandenburgischen Dichter Theodor Fontane zog es nach Petzow und er hatte viel zu berichten. Gutsherr Carl Friedrich August von Kaehne war 1820 Auftraggeber für das einzigartige dörfliche Ensemble mit dem neogotischen Schloss im Mittelpunkt.
Quelle: Heimatverein Petzow

Das Waschhaus ist im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Parks durch den Gutsbesitzer Carl Friedrich August Kaehne um 1820 entstanden, eine Mitwirkung von Schinkel ist naheliegend.
Entsprechend seiner Nutzung ist das Petzower Waschhaus unmittelbar am Haussee gelegen. Neben diesem nützlichen Aspekt ist hier auch ein Gestaltungsmittel der Gartenkunst berücksichtigt: Die Spiegelung des Baues im Haussee.Foto: HV Petzow (K.Franke, Geltow)
Der zum Haussee traufständige Bau zeigt ein Rohrdach mit einem hölzernen Bogenfries als Trauf- und Ortganggesims. Das Waschhaus ist in ortstypischem Sichtziegelmauerwerk errichtet. Die Fassade ist durch Mauervorlagen, welche durch Flachbögen aus Raseneisenstein miteinander verbunden sind, so gegliedert, dass die Wirkung einer Arkadenstellung entsteht. Die Mauervorlagen bestehen aus grünlichen Ziegelsteinen, während das Mauerwerk in rötlich-gelblichen Steinen erstellt ist. An der vom See aus gesehen rechten Giebelseite gibt es einen auf zwei Holzstützen ruhenden Dachüberstand. Zwischen den Stützen gab es früher ein Geländer aus Birkenstäben. Das Gebäude hat im Inneren zwei Raume, in die jeweils ein getrennter Zugang von außen führt. Die Räume haben aber im Gebäudeinneren auch eine Verbindungstür untereinander. Laut Erzählungen gab es im Waschhaus einen „Waschraum“ mit großem Kessel, in dem die Wäsche gekocht wurde und einen „Mangelraum“, wo man die Wasche, nachdem sie im Haussee klargespült und im Freien getrocknet war, mangelte.
Möglicherweise wurden umliegende Rasenflächen als Bleiche für die Wäsche genutzt. Das Waschhaus, noch im Jahre 1996 als ruinös beschrieben, wurde mit Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg Ende des 20. Jahrhunderts restauriert und dient seit dem Jahre 2001 als Heimatmuseum.
Das Waschhaus ist Eigentum der Stadt Werder (Havel). Museumsgestaltung und der Betrieb des Museums ist seit dem Jahre 2002 in den Händen des Heimatvereins Petzow e.V. Die Nutzung durch den Heimatverein erfolgt auf der Grundlage einer Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Werder (Havel).
Die Ständige Ausstellung des Museums besteht aus den Teilen „Ortsgeschichte“ und „Zur Kulturgeschichte der Wäschepflege“.
Hier der Link zur Ortsgeschichte
Die Petzower Gutsbesitzer
Die Gutsbesitzerfamilie (von) Kaehne bestimmte über mehr als dreihundert Jahre Geschichte, Wohl und Wehe in Petzow. Theodor Fontane bezeichnete sie einmal als „einen Ausnahmefall“ indem sie es geschafft habe, sich „von der Pike auf“ in den deutschen Adel „aufzudienen“.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) siedelt Peter Kaehne (1590-1659) mit Frau und Kind in Petzow an und es beginnt in Not, Tragik und bitterer Armut eine außergewöhnliche Familiengeschichte. Gut zweihundert Jahre später erstrahlt das Haus „von Kaehne“ als eines der angesehensten des deutschen Landadels, nach weiteren hundert Jahren ist die Familie „im Mannesstamm erloschen“.
Carl Friedrich August von Kaehne (1775-1857), geistiger Vater der Ortserneuerung und Auftraggeber für Herrenhaus und Park.
Die Familiengeschichte der Kaehnes erreichte ihren gesellschaftlichen Höhepunkt, als ihr herausragendster Vertreter, Carl Friedrich August Kaehne (1775-1857), der als geistiger Vater der Petzower Ortserneuerung unter Mitwirkung von Lenné und Schinkel gilt, durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. in den Adelsstand erhoben wurde (1840). Sie erlebte ihre tieftraurigsten Zeiten, als die letzten beiden Gutsbesitzer als „Schießkaehnes“ in die Geschichte eingingen, von Kurt Tucholsky in seinem Gedicht „Kähne“ (1922) gegeißelt.
Das Schloss

Das zu den frühesten gotisierenden Herrenhäusern in der Mark Brandenburg gehörende Petzower Herrenhaus ist der Kernbau dieses einmaligen historischen Ensembles von Dorf, Herrenhaus, Kirche und Park in Petzow.
Kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel, berühmtester Architekt Preußens und ab 1830 oberster preußischer Baubeamter, soll seinen Anteil an der Verwirklichung des Baues haben.
Zu dieser Zeit aber noch als Privatarchitekt. Beweise in Form von Schinkelschen Zeichnungen und Aufzeichnungen sind zwar nicht erbracht. Vieles spricht aber dafür: die engen Verbindungen von Lenné, Beuth, Schinkel und Kaehne sowieso aber auch das Schinkelsche Prinzip von der Verbindung der Zweckmäßigkeit mit dem Schönen oder der bewusste Einsatz von ortseigenem Baumaterial.
Die Kirche

Die Entstehungsgeschichte der Petzower Dorfkirche auf dem Grelleberg entbehrt gewiss nicht einer gewissen tragischen Komik und lässt Parallelen in der heutigen Zeit nur allzu deutlich erkennen. Fast nämlich wäre der von Schinkel eingebrachte Entwurf am offenbar alles beherrschenden Sparsamkeitsprinzip in Preußen gescheitert und uns wäre der einzigartig charakteristische Anblick dieses Kleinodes niemals vergönnt gewesen. Doch die Rangeleien zwischen der Oberbaudeputation Schinkels und dem Vorschlag des Königlichen Zaucheschen Baurates Redtel, der Einsparungen sowohl der Apsis, der Bogenhalle zwischen Turm und Schiff sowie materialseitig des Turmes vorsieht, haben letztendlich zum Ergebnis, dass sich der Schinkelsche Entwurf durchsetzt. Nicht zuletzt, weil das Kirchlein es dem preußischen Kronprinzen und späteren König angetan hat und er sich vehement sowohl für sein Aussehen als auch für seinen Standort einbringt.„Die Idee, die Dorfkirche auf dem Grellberg errichten zu lassen, verdanken wir dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm…Es entstand ein graziles Bauwerk, das selbst Blickfang ist und zugleich einen herrlichen Rundblick bietet“, schreibt der verdienstvolle Kirchenhistoriker und Orgelsachverständige Andreas Kitschke anlässlich der Einweihung der neuen Kirchenorgel im Juni 2011.
Die Kirche auf dem Grelleberg in Petzow ist bereits die zweite, die man in dem kleinen Ort baute. Sie ersetzte die alte Fachwerkkirche, die unweit des Herrenhauses im Park stand und anfangs des 19. Jahrhunderts schon stark beschädigt war.
Einen nicht unwesentlichen Anteil am Kirchenbau hat Petzows Gutsbesitzer Carl Friedrich August von Kaehne. Er verblüfft mit kühlem Kalkül und entspannt die finanzielle Seite der Angelegenheit auf seine Weise. Kaehne, zweifacher Ziegeleibesitzer an den beiden Petzower Standorten Grelle und Löcknitz, bietet Ziegel, Klinker, Kalk und Mauersand zum Selbstkostenpreis für den Bau an.
Zur Grundsteinlegung am 4. Oktober 1840 sind die Fundamente bereits fertig gestellt. Am 19. August 1841 beginnt die Bauausführung und am 30. Oktober 1842, dem 23. Sonntag nach Trinitatis, hält Bischof Daniel Neander in Anwesenheit des Königspaares die Kirchweihe.
Schinkel lebt da schon nicht mehr. Seine Petzower Kirche, ein schlichtes und filigranes Meisterwerk, führen andere zu Ende. Der König setzt dabei auf seinen Hofarchitekten Ludwig Persius, der seinerseits seinem Mitarbeiter, dem Baukondukteur Gustav Emil Prüfer die örtliche Bauleitung übergibt, während von Seiten der Potsdamer Regierung der Regierungs- und Baurat Carl Redtel verantwortlich zeichnet. Für eine oftmals genannte Mitwirkung August Stülers, Schinkel-Schüler und dessen Nachfolger in der preußischen Oberbaudeputation, findet sich allerdings in den reichlich überlieferten preußischen Bauakten kein Hinweis, so Kirchenhistoriker Andreas Kitschke.
Die alte Fachwerkkirche stand noch bis 1842 im Park und wurde dann abgerissen. An ihrer Stelle errichtete im Jahre 1856 der Potsdamer Steinmetzmeister Knopff ein Kreuz aus Pirnaer Sandstein. Gemäß einer Kabinettsorder von König Friedrich Wilhelm IV. sollten an Plätzen, an denen früher einmal eine Kirche stand, Kreuze errichtet werden um den Ort vor „Profanation“ zu schützen.
Ein paar Jahrzehnte später wird Theodor Fontane bei seinen „Wanderungen durch die Mark“ auch nach Petzow kommen und eine ausführliche Beschreibung seiner Eindrücke hinterlassen.
Für die Petzower Kirche findet er erst einmal wenig charmante Worte. Eine „taube Nuss“ ist sie nach seiner Auffassung, da in ihr nichts historisch Übernommenes seinen Platz fand. Wie halt in so vielen Kirchenneubauten dieser Zeit: „…das halbverblasste Freskobild, die Inschrifttafel, der Grabstein mit der Plattenrüstung, – ihnen hätte man auch in dem Neubau ein Plätzchen gönnen können…“.
Und er macht an diesem aus seiner Sicht bedauernswerten Umstand die zeitgenössischen Architekten fest. Sie wären schließlich unter den Künstlern die Pietätslosesten, schnaubt er. Doch dann wird der Meister schnell versöhnlich: „Aber so leer und kahl sie ist, und so verstimmend diese Kahlheit wirkt, so gewiss ist es doch auch, dass man im Hinaustreten auf das Flachdach des Turmes diese Verstimmung plötzlich und wie auf Zauberschlag von sich abfallen fühlt. Sie geht unter in dem Panorama, das sich hier bietet. Die ‚Grelle‘, eine tiefe Flussbucht, liegt uns zu Füßen; unmittelbar neben ihr der Glindower See. Die Havel und der Schwielow, durch Landzungen und Verschiebungen in zahlreiche blaue Flächen zerschnitten, tauchen in der Nähe und Ferne auf und dehnen sich bis an den Horizont, wo sie mit dem Blau des Himmels zusammenfließen. Dazwischen Kirchen, Dörfer, Brücken, – alles, nach zwei Seiten hin, umrahmt von den Höhenzügen des Havellandes und der Zauche. Das Ganze ein Landschaftsbild im großen Stil; nicht von relativer Schönheit, sondern absolut. Man darf hier getrost hinaustreten, ohne sich des Vergleichssinnes zu entschlagen.“
Letzterem ist sicher zuzustimmen. Hingegen wird Fontanes „verstimmende Kahlheit“ von heutigen Besuchern eher als wohltuend schlicht wahrgenommen.
Seit den 1980er Jahren ist die Kirche entwidmet und unter Obhut des Landkreises Potsdam-Mittelmark/vormals Potsdam-Land zu einem sehenswerten und beliebten Kulturstandort entwickelt worden. Interessante Ausstellungen sind hier über das Jahr zu sehen. Natürlich finden auch viele Konzerte, z.B. das beliebte, traditionelle Silvesterkonzert, statt. Durch ein modernes Ausstellungssystem samt Beleuchtung und eine transportable Bühne sind vielfältige Möglichkeiten dafür gegeben. Eine moderne Wandheizung ermöglicht eine flexible Nutzung auch während der kalten Jahreszeit.
Von großer Beliebtheit sind Eheschließungen und Taufen, die Kirche ist auch Außenstelle des Standesamtes Werder (Havel). Seit ihrer Wiedereröffnung im Oktober 1994 haben sich schon fast 1.500 Paare hier das Ja – Wort gegeben (Stand 2023).
Der Weg von Petzow nach Spandau ist kein weiter. 1839 restaurierte Schinkel die durch die Reformation geprägte Nikolaikirche.

Auch die Verbindungen zu Peter Joseph Lenné sind weitereichend, von europäischer Bedeutung.
Der Hofgartenintendant Ludwig von Sckell, Schöpfer des Schlossparks von Schwetzingen, der Nymphenburg und des Englischen Gartens in München war sein Lehrmeister. Peter Joseph Lenné schuf Paradieslandschaften von Gärten, auch im preußischen Potsdam. „Schon zu Lebzeiten war der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné renommiert, weil er über Jahrzehnte für das preußische Königshaus tätig war. In der Kunstgeschichte hat er einen festen Platz als herausragender Vertreter des späten Landschaftsgartenstils in Deutschland, der die Wandlung zum Historismus vollzog. Zuvor hatten Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817), Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823), Maximilian Friedrich Weyhe und Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) maßgeblich zur Etablierung des Landschaftsgartenstils in Deutschland bei getragen. International ist das Wirken Lennés vor allem im Zusammenhang mit dem Weltkulturerbe in Potsdam gewürdigt worden.“ So ist es auf dem Portal der Rheinischen Geschichte zu lesen. Etwas davon ist zu spüren bei einem Spaziergang durch den von Sckell geprägten Schlossgarten im badischen Schwetzingen.

