
Berlin. Noch einmal werfen die Deutsch-Polnischen Nachrichten einen Blick an die Ostsee. Ein Gastbeitrag von Jürgen Schneider
Hier ein Essay zur Rolle und Bedeutung der Künstlerkolonien in Ahrenshoop.
Überwiegend entstanden sie im 19. Jahrhundert in den bevorzugten Ausflugsgebieten erholungssuchender Stadtbewohner und waren nicht nur ein nationales deutsches Phänomen. Auch international setzten Ort, wie Katwijk, Skagen, Pont Aven oder Barbizon Akzente bis ins Heute. Zunächst als Ruhe- und Arbeitsort für großstadtmüde Künstler gedacht, entwickelten sie sich zumeist schnell zu Plätzen intellektuellen Austauschs.
Das Zusammentreffen von Künstlern und Sommerfrischlern in der Provinz war somit auch ein idealer Ort für Kunsthändler und Galeristen für ihr Gewerbe. Der Artikel widmet sich im Speziellen der Halbinsel Darß mit seinem Künstlerort Ahrenshoop. An der Grenze von Pommern und Mecklenburg liegt der Ort Ahrenshoop mitten im Fischland, einer Gegend zwischen Ostsee und Bodden. Die ursprüngliche Landschaft zog seit ca. 1880 erste Feriengäste an. Die landschaftliche Schönheit, der Spannungsbogen zwischen romantischer Landschaft und den Urgewalten des Meeres inspirierte bildende und auch schreibende Künstler jener Zeit. Die Menschen jener Gegend waren arm. Fischer und Bauer stellten das soziale Milieu, waren aber den Fremden gegenüber aufgeschlossen. So war es naheliegend Ausstellungs- und Begegnungsstätten für Künstler und Gäste zu begründen.
1894 eröffnet Paul Müller-Kaempff das Pensions- und Atelierhaus St. Lucas und zog damit die ersten Künstlerfreunde an. Mit wechselnden Eigentümern überdauerte dieses Kleinod als Künstlerhaus bis heute. Der 1909 eröffnete Kunstkaten ist das traditionsreichste Ausstellungshaus im Ort und zählt zu den ältesten Galerien Norddeutschlands. Das blaue Reetdachhaus mit seinem funktionalen Anbau kann als ein gelungenes Beispiel für die Verbindung traditioneller Bauweisen mit moderner Formensprache aufgeführt werden.
Programmatisch stellt die agile und sachkundige Direktorin Sandra Schröder seit Jahren ein ebenso abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm im Spannungsfeld von Tradition und Moderne vor. Zu den architektonischen Highlights des Ortes zählt das moderne Kunstmuseum Ahrenshoop. Es wurde 2013 durch das Team von Staab Architekten Berlin an die Stiftung Kunstmuseum übergeben.
Heute beherbergt es eine ständige Sammlung und Räume für Wechselausstellungen.
Sehenswert!!!
Geschichte:
Immer mehr Künstler fanden den Weg nach Ahrenshoop und ließen sich nieder, oftmals nur als Sommer- oder Feriensitz, einige auch für immer. Zu den wichtigsten Gründungsvertretern der frühen Ahrenshooper Jahr zählen u.a. Paul Müller-Kaempff, Cesar Klein, Anna Gerresheim, Fritz Greve, Elisabeth van Eicken und viele andere. Alexey von Jawlenski, Marianne von Werefkin, oder auch Erich Heckel weilten nur kurzfristig vor Ort. Mit den steigenden Urlauberzahlen in den dreißiger Jahren fanden viele Künstler bessere Absatzbedingungen für ihre Produkte und die heute noch bestehende Bunte Stube (gleich neben dem Kunstkaten gelegen) war beliebter Ort wo Kunst, Bücher, Andenken und Regionales aufeinandertrafen. Gerhard Marcks, Dora Koch-Stetter und Hans Kinder zählen zu den namhaftesten Künstlern der Zeit nach 1945.
Ahrenshoop und seine Nachbarorte zählte in der Vergangenheit und auch heute zu den Orten, wo bekannte Persönlichkeiten Ruhe und
Abgeschiedenheit fanden. Albert Einstein, Hermann Hesse, Udo Lindenberg oder auch Jogi Löw waren darunter. Auch heute noch ist Ahrenshoop ein Ort für Kunst. So etablierten sich im Umfeld der bestehenden Kunsteinrichtungen eine Vielzahl von Produzentengalerien.
Zu den wichtigsten Protagonisten der Kunstszene vor Ort zählt der Galerist und Auktionator Robert Dämmig. Mit seinen Ahrenshooper Kunstauktionen und der Galerie Alte Schule Ahrenshoop setzt er seit Jahrzehnten Wegzeichen für die Zeitgenössische Kunst. Mehrmals finden Kunstauktionen mit Arbeiten von regionalen und überregional bekannten Künstlern statt. Schwerpunkte setzt der Auktionator mit Künstlern wie Lyonel Feininger, Gerhard Marcks, Moritz Götze, Max Uhlig und vielen anderen.
Keramik: Einen besonderen Schwerpunkt des örtlichen künstlerischen Schaffens bildet die Keramik. Die Familien Löper und Klünder betrieben seit Jahrzehnten keramische Werkstätten vor Ort. Heute werden diese von der Folge-Generation fortgeführt. Kunstwerke dieser Künstler sind z.B. im Kunstgewerbemuseum Berlin zu finden. Ursprünglich auf maritime Motive spezialisiert, entwickelten sie eine bis ins moderne reichende Formensprache. Im Umfeld dieser renommierten Betriebe siedelten sich eine große Zahl Keramiker an. Astrid Lucke im nahen Örtchen Born zählt ebenso zu den renommierten und mehrfach ausgezeichneten Keramikerinnen.
Kunst ist Zukunft!
Der Bürgermeister der Gemeinde, Benjamin Heinke betonte letztens in einem Gespräch mit dem Autor dieses Artikels die Bedeutung von Kunst, Künstlern und Kunstfreunden für den Kurort und die Region. Kunst ist unser Brand konstatierte der Bürgermeister und hob die Bedeutung der kulturellen Angebote hervor. Dafür sei es notwendig zu investieren. Die Kurabgabe ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Finanzierung der kultur-touristischen Infrastruktur. Neben Bildender Kunst gibt es zahlreiche literarische Angebote und seit 25 Jahren das jährliche internationale Jazzfestival.
Fazit: jederzeit ein lohnendes Ziel für kunstaffine Menschen
Ausstellungsempfehlungen zu Ahrenshoop
Ahrenshoop. Kunstkaten
Künstlerkolonie Katwijk
Ein euroart-Projekt in Kooperation mit dem Katwijks Museum und dem Kunstmuseum Ahrenshoop
- 25. September 2026 – 28. Februar 2027
Ahrenshoop, Kunstmuseum
Die Künstlerkolonie und klassische Moderne in Ahrenshoop
Dauerausstellung
Ahrenshoop. Galerie Alte Schule Ahrenshoop
Iris Band (*1961) Tage im Mai - 20. Juni bis 2. August 2026
Ahrenshoop, B12 Künstlerhaus Gerhard Marcks
Musiker und Dichter im Werk von Gerhard Marcks
Bis 11. Juli 2026
