Programm mit historischer Bedeutung

Berlin. Aus der Lutherkirche gibt es wieder erfreuliche Nachrichten: Nach der Orgelandacht, die am 05. März um 15:00 beginnt, gibt es wieder Kaffee und Gebäck. Und auch musikalisch ist einiges los: Martin Kückes an der Orgel und der Klangschale begleitet Kim Witt an der Oboe in einem bunten Programm. Neben einem Hit von Bach und einem beschwingten Kalypso kommen – passend zum Beginn der Passionszeit – auch nachdenkliche Töne zu Gehör. Es erklingen Werke von Johannes Mathias Michel und Enjott Schneider. Liturgisch umrahmt wird der Abend von Pfarrer Karsten Dierks.

Von Frank Bürger

Am 5. März treten wir die Reise Richtung Schwetzingen an. Nur wenige Kilometer von meiner Heimat entfernt liegt Mannheim, eine der Wirkungsstätten von Johannes Mathias Michel. Zwei Werke von ihm erklingen zum Orgelwinter…das Moderato con moto aus “Zwei Pastelle”und eine Bearbeitung zu „Nun Danket alle Gott.“

Johannes Matthias Michel wuchs in Gaienhofen am Bodensee auf. Erste musikalische Erfahrungen sammelte er unter anderem bei seinem Vater, dem Komponisten und Kirchenmusiker Josef Michel. Dem Abitur folgte ein Klavierstudium in Basel, anschließend das Studium der Kirchenmusik in Heidelberg und Frankfurt mit dem Abschluss des A-Examens 1988 (u. a. bei Wolfgang Dallmann, Horst Hempel, Heinz Werner Zimmermann und Violeta Dinescu). Bis 1992 erfolgte das Studium in der Solistenklasse Orgel an der Musikhochschule Stuttgart bei Ludger Lohmann mit dem Abschluss eines Solistenexamens. Von 1988 bis 1998 war Michel Bezirkskantor in Eberbach am Neckar, Leiter der Eberbacher Kantorei und der Singschule Eberbach. Seit Januar 1999 ist er Kirchenmusikdirektor an der Christuskirche MannheimBezirkskantor für Mannheim und Landeskantor Nordbaden. Hier leitet er den Bachchor Mannheim und den Kammerchor Mannheim. 2012 erfolgte die Ernennung zum Honorarprofessor durch die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim.[1]

Michel ist Vorsitzender der Karg-Elert-Gesellschaft und Herausgeber von deren Publikationen (Mitteilungen, Jahrbuch, Bibliographie) und Komponist zahlreicher vorwiegend kirchenmusikalischer Werke (KreuzigungNach uns die SintflutSwing- und Jazz-OrgelbüchleinSwing- und Jazz-ChorbuchDas Gespenst von CantervilleMusical-Messe u. a.), die vorwiegend im Strube-Verlag München erscheinen. Er unterrichtet von 1989 bis 2001 an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg sowie seit dem Jahr 2000 an der staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim künstlerisches Orgelspiel. Neben einer umfangreichen Konzerttätigkeit sind zahlreiche Mitschnitte bei Rundfunk- und Fernsehanstalten entstanden. Auf der Orgel und dem Kunstharmonium hat Michel über 12 CD-Einspielungen vorgelegt (Karg-Elert Harmoniumworks Vol. 1–5, Duos für Klavier und Harmonium, Orgelwerke von Schlick, Bach, Karg-Elert, da Bergamo, Petrali u. a.), die bei verschiedenen Labels erschienen sind.

Er war mit der Orgelprofessorin Christiane Michel-Ostertun verheiratet, mit der er drei Kinder hat. Sein Urgroßvater ist der Schriftsteller Wilhelm Michel.

Am Neujahrstag warf Pfarrer Martin Stoelzel-Rhoden mit der Jahreslosung ein Blick auf das Gnadenbild „Mariahilf“ von Lucas Cranach dem Älteren. Dafür komponierte Enjott Schneider eine Elegie für Orgel und Oboe, die im Gottesdienst erklang

Nun erklingt im Rahmen des Orgelwinters Nekyia

Enjott Schneider ist ein deutscher Komponist für Konzertsaal, Bühne, Film und Geistliche Musik. Enjott träumt von einem universalen Erfassen von Welt und Menschen: Musik ist die Sprache des Universums und der Freiheit! Musik ist Kunst – gegen Kommerz und Kapitalismus gerichtet. In vielen Gremien – etwa als Präsident des Deutschen Komponistenverbandes DKV – setzt er sich für kulturelle Vielfalt, Nische und gegen die Dominanz des Mainstreams ein.

Enjott Schneider ist zudem Präsident des Deutschen Komponistenverbandes DKV, Mitglied im Aufsichtsrates der GEMA

Geboren ist er am 25.5.1950 in Weil am Rhein. Er studierte Musik, Musikwissenschaft, Germanistik, Linguistik in Freiburg i. Br. (Promotion Dr. phil. 1977).

Nach Lehraufträgen (Musikhochschule und Universität Freiburg) war er 1979-2012 Lehrer an der Hochschule für Musik München (Professor für Musiktheorie, seit 1996 für Komposition).

Er komponierte Orgelwerke, (u.a. 16 Orgelsinfonien, Orgelkonzerte) Liederzyklen, Kammermusik, Orchester- und Bühnenwerke (neun abendfüllende Opern).
Er schrieb die Musik zu über 500 Filmen, neben Kinofilmen wie „Herbstmilch“, „Stalingrad“, „Schlafes Bruder“, „Wildfeuer“, „Leise Schatten“, „Das Mädchen Rosemarie“ und „23 – Nichts ist so wie es scheint“ auch TV-Movies wie Stauffenberg, Die Flucht, Laconia, Schwabenkinder, Jahrestage, Nicht alle waren Mörder TV-Serien wie „City Eypress“, „Marienhof“ , „Jede Menge Leben“, oder „Weißblaue Geschichten“ und viele TV-Filme, vom „Tatort“ bis zu zahlreichen Dokufilmen („Wunder von Leipzig“, „Drama von Dresden“, „Vatikan – Die Verborgene Welt“).

1990 erhielt er den bayerischen Filmpreis für Filmmusik; 1991 Bundesfilmband in Gold für Filmmusik. Erhielt 2001 in Biarritz den „Fipa d’or“ (beste europaeische Filmmusik „series et feuilletons“) für den Soundtrack zum ARD-Vierteiler „Jahrestage“ (Regie: Margarethe von Trotta), 2009 Deutscher Fernsehpreis für „Die Flucht“ und „Nicht alle waren Mörder“, er erhielt den Preis für das Lebenswerk beim Filmfestival Soundtrack Cologne 2015.

Sein Werk ist u.a. in CDs dokumentiert beim Label WERGO/ Schott Music (Orchesterwerke) und beim Label Ambiente audio (Geistliche Musik).

Seit 2003 ist er Mitglied im Aufsichtsrat der Verwertungsgesellschaft GEMA, von 2012-2017 war er Aufsichtsratsvorsitzender, seit 2013 ist er Präsident des Deutschen Komponistenverbandes DKV

Typisch für das Schaffen ist eine extreme Vielseitigkeit von Avantgarde bis Film und das Charakteristikum, aus Gegensätzlichem kreatives Potential zu schlagen. Die kreative Arbeit geht dabei immer parallel mit schriftstellerischer Reflexion und kritischer Standortbestimmung ihres kulturpsychologischen und soziologischen Stellenwertes.

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