Der Höfliche Harald

Berlin. Die Literatur-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff ist eng mit der Evangelischen Weihnachtskirchengemeinde über Kantor Dr. Jürgen Trinkewitz verbunden. Am 27. März um 16 Uhr liest der Schauspieler Joost Leers aus dem Buch „Der Höfliche Harald“ von Sibylle Lewitscharoff. Musikalisch umrahmt wird das Ganze vom Kantor Dr. Jürgen Trinkewitz. Da kann auch mal der Brautchor aus Richard Wagners Lohengrin erklingen.

Von Frank Bürger

Der junge Harald wird von seiner resoluten Mutter in die Welt geschickt, um dort zum Helden zu werden. Erst wenn er diese Mission erfüllt hat, solle er sich mit einer Braut an seiner Seite wieder in ihr Haus wagen. Daraufhin stolpert Harald unbeholfen los und begegnet wenig später dem Seebären Käpt’n Drago, der ihn zu einer Reise an Bord seines Schiffes einlädt. Für Harald beginnt damit ein Abenteuer, das er sich nie hätte träumen lassen. Schließlich erwarten den Jungen drei kaum in Zaum zu haltende Mäuse, der mächtige König Ratzeputz und die unglaubliche Vermählung mit einer Braut, die Harald sich schon anders vorgestellt hatte. Das Ensemble der kunterbunten und skurrilen Charaktere erweckt eine Geschichte zum Leben, deren Fortgang unvorhersehbar ist. Trifft Harald zu Beginn seiner Reise in den Norden auf den rauen Käpt’n Drago, begegnet er dann einem vorlauten Mäuse-Trio und endet schließlich ungewollt als Bräutigam in einer Froschgesellschaft. Bei „Der höfliche Harald“ handelt es sich um eine spritzige Geschichte, die sowohl durch ihre ausgefeilte Rhetorik als auch durch eine lebendig ausgestaltete Handlung voller Sinn und noch mehr Unsinn geprägt ist. „Der Höfliche Harald“ ist reich mit Illustrationen ausgestattet – und diese stammen alle von der Autorin selbst.

Überzeugen Sie sich selbst!

Hier ein Exklusivinterview mit Sibylle Lewitscharoff

Die Beschäftigung mit ihren Büchern zeugt von Tiefgang, Eintauchen in das Denken und Fühlen von Individuen…Wie beschreiben Sie nach der Wahl im September die ethischen und gesellschaftlichen Prozesse in Deutschland, vielleicht auch in der Welt…

Jeder, der seine Tassen im Schrank hat, wird die derzeitige Lage in Europa als brandgefährlich einstufen.
Wladimir Putin ist völlig außer Kontrolle geraten.

Sie verwenden theologisches Vokabular in ihren Büchern, haben aber eine kritische Haltung zur Kirche…Gibt es bezüglich der Haltung eine Entwicklung. Wie würden Sie diese heute beschreiben?

Da gibt es keine Entwicklung. Die evangelische Kirche agiert flau im öffentlichen Diskurs und hat sich marginalisiert.

Sie haben auch Erfahrungen im Ausland gesammelt? Wie würden Sie diese beschreiben? Fließen diese Erfahrungen in Ihr Schaffen ein?

Ich habe zwei Jahre in Südamerika verbracht, lebte ein Jahr in Paris, zwei Jahre mit Unterbrechung in Rom, 4 Monate in Rumänien, 6 Monate in der Schweiz … diese Erfahrungen waren außerordentlich prägend für mich, sie haben meine Haltung zur Welt und zum Schreiben stark beeinflußt.

Immer wieder ist die Kombination von Kunst und Literatur zu bemerken. Was war der Weg dorthin?
Mit welchen künstlerischen Mitteln arbeiten Sie?

Kunst und Literatur haben mich immer interessiert. Im Elternhaus war man dafür sehr aufgeschlossen. Ich bin so erzogen worden. Ich arbeite mit allen möglichen Materialien – diversen Papieren und Pappen für die Collagen, mit Stiften, Acrylfarben und Ölfarben.

Welche Bücher empfehlen Sie zum Lesen, aus heutiger Sicht?

Jessas! Unmengen Büchersind empfehlenswert. Gerade lese ich von Esther Kinsky „Rombo“ – der Roman ist ausgezeichnet!

Was haben Sie sich in der nächsten Zeit vorgenommen?

Ich schreibe an einem Roman über zwei Stuttgarter Familien, die von extremen Katastrophen heimgesucht wurden.

Sibylle Lewitscharoff (* 16. April 1954 in Stuttgart) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie wurde 2013 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

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