„Ein Ort des Gedenkens und der Zusammenkunft“

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Schwedt. Ein blühender Ort für Toleranz und Völkerverständigung: Über dem Bodendenkmal der früheren Synagoge in Schwedt wurde heute ein neues Seminarhaus eröffnet. In seiner Ansprache betonte Ministerpräsident Dietmar Woidke: „Das Gebäudeensemble der früheren Jüdischen Gemeinde Schwedt mit den einst blühenden Maulbeerbäumen galt seit jeher als eines der wichtigsten jüdischen Denkmale in Brandenburg. Die heutige Eröffnung zeigt auf beeindruckende und berührende Weise, wie umfassend die Wiedererweckung gelungen ist. Schmerz und Trauer vereinen sich an diesem besonderen Ort mit Gedenken und Wissensvermittlung.“

Von Frank Bürger

Es ist schon etwas Besonderes in Schwedt: die Mikwe

Vermutlich hatte die Stadt Schwedt/Oder bereits im Mittelalter einen nicht unerheblichen jüdischen Bevölkerungsanteil, worauf noch heute der Name Jüdenstraße verweist. 1672 erhielt Benedikt Levi als erster Schutzjude das Recht, in Schwedt ein Haus zu erwerben. Die weitere Geschichte verlief sehr wechselhaft. Erst mit dem Edikt vom 11. März 1812 wurden die in Preußen lebenden Juden zu Inländern erklärt. 1912 lebten in Schwedt 9.530 Bürger, davon 173 Juden.

Sie waren Händler, Kaufleute, Lehrer und Stadtverordnete. Bürger jüdischen Glaubens kämpften in den Kriegen 1870/71 und im 1. Weltkrieg. Eine Gedenktafel aus dieser Zeit nennt 8 gefallene jüdische Mitbürger. Am 9. November 1938 wurde die Schwedter Synagoge verwüstet und später abgetragen. Nur zwei Mitglieder der jüdischen Gemeinde blieben wegen ihres hohen Alters in Schwedt/Oder.

Es waren der Kaufmann Hugo Meinhardt, er wurde im Dezember 1942 auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt und Theodor Wangenheim, der wenig später verstarb. Der Jüdische Friedhof blieb bis heute fast vollständig erhalten. Zu jedem Gemeindezentrum gehörte auch ein Ritualbad, die sogenannte Mikwe (hebr. Sammlung des Wassers). Sie diente den vorgeschriebenen religiösen Waschungen.

In Schwedt/Oder ist die Mikwe 1878 errichtet und bis in die dreißiger Jahre des Jahrhunderts benutzt worden. Erhalten geblieben ist hier die ältere, ursprüngliche Form des Badeschachts. Sie stellt eine Einmaligkeit in der Kulturgeschichte dar. Der Zugang erfolgt unterirdisch, nur die Kuppel ist sichtbar. Das historische jüdische Ritualbad ist eine Außenstelle des Schwedter Stadtmuseums mit dem Schwerpunkt jüdische Geschichte.

Diese jüdische Schwedter Geschichte fokussiert nun Ministerpräsident Dietmar Woidke.

„Den ermordeten und vertriebenen Jüdinnen und Juden wird mit einem umfangreichen Angebot des Schwedter Veranstaltungsortes auf ganz unterschiedliche Weise gedacht. Seminare, Vorträge und Ausstellungen geben die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen und regen zum Nachdenken an.“

Wie sehr den Verantwortlichen am Austausch gelegen ist, belegt die Zusammenarbeit der Städtischen Museen Schwedt mit der Universität Szczecin. Das Seminarhaus wird zu einem zentralen Veranstaltungsort eines mit 1,1 Millionen Euro aus EU-Mitteln geförderten deutsch-polnischen Projekts.

Woidke, der auch Polen-Koordinator der Bundesregierung ist, erklärte: „Hier sollen junge Leute aus Polen und Deutschland in Kontakt kommen. Die dunkle Zeit des Nationalsozialismus hat so viel Leid gerade auch über die östlichen Nachbarn Deutschlands gebracht, dass heute und in Zukunft nicht genug für die grenzüberschreitende Verständigung und ein vertrauensvolles Miteinander getan werden kann.“ Im Rahmen des Projekts sind beiderseits der Oder Veranstaltungen und Exkursionen in der Uckermark und in Pommern sowie Vorträge und Workshops in Schwedt und Kulice geplant.

Woidke dankte den Einwohnern Schwedts, der Leiterin der Städtischen Museen, Anke Grodon, und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Mitgliedern des Fördervereins der Städtischen Museen für ihr Engagement bei der Rettung, Rekonstruktion, Bewahrung und Weiterentwicklung des Gebäudeensembles. Woidke: „Sie alle haben das Areal zu immer schönerer Blüte gebracht. Mit der Freilegung des Synagogenfundaments wurden die Relikte jüdischen Lebens auch für die Öffentlichkeit sichtbar und erhielten zusätzliche Strahlkraft.“

Hintergrund:

Die Jüdische Gemeinde Schwedt, die das Areal Ende des 18. Jahrhunderts erwarb, war die größte jüdische Gemeinde in der Uckermark. Das Häuschen des Synagogendieners, das jüdische Tauchbad, die Mikwe, und die Synagoge waren über 130 Jahre der religiöse Bezugspunkt der Gemeinde. Im Zuge der Novemberpogrome 1938, dem Auftakt für den millionenfachen Massenmord, erstarb das gesamte jüdische Leben in Deutschland und mit ihm die blühende Gemeinde in Schwedt. Von den etwa 135 jüdischen Einwohnerinnen und Einwohnern, die 1930 in Schwedt registriert waren, entschlossen sich in den Folgenjahren viele zur Flucht. Mindestens 70 der aus Schwedt stammenden Jüdinnen und Juden wurden während des Holocaust ermordet. Es gibt in Schwedt bis heute keine Jüdische Gemeinde.

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