Licht über Bayreuth

Berlin. „Wagner, Wagner, Wagner“, so tönt es im Programm bis zur Sanierung des Mannheimer Nationaltheaters. Richard Wagner lebt auf den Bühnen der Welt. Leider hatte da Friedelind Wagner nicht Recht, mit der Wirkung ihres Buches: „Nacht über Bayreuth“. Mit einer besonderen Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ beginnen die Bayreuther Festspiele am Sonntag, in nicht so leichten Corona-Zeiten

Von Frank Bürger

Das Nationaltheater Mannheim läutet die neue Spielzeit nach einer verkürzten Sommerpause bereits am 3. September 2021 mit einem »Opernair« auf der Seebühne im Luisenpark ein. Neben Wiederaufnahmen der beliebten White-Wall-Opern und Benjamin Brittens »Albert Herring« steht in der Opernsparte die neue Spielzeit u. a. im Zeichen Richard Wagners. So feiern »Tristan und Isolde«, inszeniert von Luise Kautz, der »Der fliegende Holländer« in der Regie von Roger Vontobel und ein kompletter Ringzyklus als White-Wall-Opern Premiere im Opernhaus – jeweils unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Soddy.

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Gestern wurde das Programm vorgestellt.

Genau zum richtigen Zeitpunkt. Am kommenden Sonntag starten die Bayreuther Festspiele.

… eine Viertelstunde vor Beginn treten die so genannten Pausenmusiker zum ersten Mal auf den Balkon des Festspielhauses – und intonieren eine eigens dafür komponierte Fanfare. Passend mit einem Motiv des nächsten Akts oder Aufzugs: Einstmals eine Novität wie die Festspiele selbst.

Diese Tradition geht bis auf Richard Wagners Zeiten zurück. Die Pausenfanfaren erklingen seit 1876 zu allen Aufführungen, bei fast jedem Wetter. Immer zur gleichen Zeit, denn schon zu den ersten Bayreuther Festspielen wurden der Vorstellungsbeginn auf 16 Uhr (außer bei Holländer und Rheingold) und die Pausenlänge auf sechzig Minuten festgesetzt.

Geblieben ist auch der Kanon von zehn Wagner-Werken, aus denen der Spielplan zusammengesetzt ist: „Der fliegende Holländer“, „Tannhäuser“, „Lohengrin“, der vierteilige Zyklus „Der Ring des Nibelungen“, „Tristan und Isolde“, „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Parsifal“.

„Parsifal“ durfte ich zuletzt mit einem Freund im Nationaltheater Mannheim hören. Gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der fast neben uns Platz genommen hatte.

Zudem bin ich froh, dass sich auch der Karlsruher Intendant Peter Spuhler dem Thema angenommen hat. Nun muss er leider das Theater verlassen.

Hoch aktuell dieser Rückblick…

Blick nach Karlsruhe

Am Badischen Staatstheater wurde das Abenteuer gewagt, den Ring mit unterschiedlichen Regisseuren zu inszenieren, ein gelungenes Unternehmen, das zu Ostern und im Mai zu bewundern ist. Dazu rückte die Uraufführung von Uraufführung von Avner Dormans Bayreuth-Oper „Wahnfried“. Sie fokussiert die Wirren im Familienleben nach dem Tod Wagners. Der reine Wahnsinn ist es im Zusammenbrechen dem Briten Houston Stewart Chamberlain zu begegnen, der seine erste Frau Anna für Richards Tochter Eva links liegen ließ und ansonsten vorwiegend rechtes Gedankengut verbreitete. Die Vorherrschaft der arischen Rasse war für ihn reine Selbstverständlichkeit und sein fanatisches Streben, Deutsch zu werden, Deutscher zu sein, zeigt Regisseur Keith Warner in unter die Haut gehenden Momenten.

Ein fataler Irrtum bestärkte den Zerfall Deutschlands. Vier Wochen vor Hitlers Münchner Putschversuch am 9. November 1923 schrieb ihm Chamberlain: „Sie haben Gewaltiges zu leisten vor sich, aber trotz Ihrer Willenskraft halte ich Sie nicht für einen Gewaltmenschen.“

Wahnfried

So ist es folgerichtig, dass sich auch die Leitung des Hauses Wahnfried vorbildlich mit dem „Politikum Wagner“ auseinandersetzt.

Auf der Homepage ist zu lesen:

„Friedelind Wagner, die älteste Tochter von Richard Wagners Sohn Siegfried und dessen Frau Winifred, war eine der prominentesten Vertreterinnen der Opposition gegen die Festspiele als „Hitlers Hoftheater“ und die begeisterte Schützenhilfe aus Wahnfried. Sie hat bewiesen, dass man als „Wagner“ durchaus kein Nationalsozialist sein musste. Am 29. März 2018 wäre sie 100 Jahre alt geworden. „Ich lasse mich nicht zermahlen!!!“ schrieb Friedelind Wagner am 6. November 1939 in einem Brief an ihre Tante Daniela Thode. Friedelind Wagner steht mithin für einen bedeutsamen Kontrapunkt gegen den Geist, der sich exemplarisch im Siegfried Wagner-Haus manifestierte. Von Jugend an gab sie das „schwarze Schaf“ in der Familie und ging nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 im Alter von erst 21 Jahren ins entbehrungsreiche amerikanische Exil. Es ist indessen schwer zu beurteilen, ob der endgültige Bruch mit Wahnfried vor allem politischen Überzeugungen entsprang oder in höherem Maße ihrer notorischen Daueropposition gegen die Mutter und ihrer Außenseiterrolle in der Familie. In jedem Fall wurde Friedelind Wagner, inzwischen amerikanische Staatsbürgerin, nach ihrer Rückkehr nach Bayreuth 1953 als „Verräterin“ beschimpft.

Das Richard-Wagner-Museum zeigte vom 30. März bis 27. Mai 2018 unter dem Titel „‚Ich lasse mich nicht zermahlen!!!‛– Friedelind Wagner und Bayreuth“ eine „Intervention“ zu Friedelind Wagner im Rahmen seiner Dauerausstellung im Siegfried-Wagner-Haus.

Das Siegfried-Wagner-Haus symbolisiert in besonderer Weise die nationalsozialistische Inanspruchnahme Wagners und der Bayreuther Festspiele. Von 1936 bis 1940 beherbergte Winifred Wagner hier Adolf Hitler während seiner Festspielbesuche. Sie selbst lebte darin bis zu ihrem Tod 1980. Dieser historisch in besonderer Weise kontaminierte Ort ist heute Schauplatz der Dokumentation und Darstellung der Ideologiegeschichte Wagners, der Bayreuther Festspiele und der Wahnfried-Familie vor und während des „Dritten Reichs“.

Heute hörte ich dazu einen interessanten Beitrag beim Südwestfunk. Gerade bekam ich viel Literatur dazu von einem verstorbenen väterlichen Freund.

Und auch auf dem grünen Hügel gibt es Neuerungen:

Die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, kündigt Reformen für die in diesem Jahr wieder stattfindende Veranstaltung an. Die Satzung der Richard-Wagner-Stiftung soll überarbeitet werden, wie sie der „Augsburger Allgemeinen“ sagte: „Es wurde nun vom Stiftungsrat die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zur Reform der Satzung der Richard-Wagner-Stiftung beschlossen.“

Katharina Wagner will „bestehende Strukturen anpassen“

Was genau das bedeutet und mit welchen Punkten die Arbeitsgruppe sich beschäftigen soll, ließ die Urenkelin des Komponisten Richard Wagner offen. Nur so viel: „Ich unterstütze Frau Staatsministerin Grütters ausdrücklich darin, bestehende Strukturen den heutigen Erfordernissen anzupassen“, so Katharina Wagner, die seit wenigen Monaten Hochschulratsmitglied in Nürnberg ist.

Bayreuther Festspiele: Politik erkennt „Schwierigkeiten“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte zum Jahreswechsel angekündigt, sich die Strukturen auf dem Grünen Hügel vornehmen zu wollen. „Wenn man Schwierigkeiten erkennt, sollte man die Lösung nicht auf die lange Bank schieben“, sagte sie. Ihr gehe es darum, dass es in Bayreuth vernünftige und wirksame Strukturen gibt, erklärte Grütters.

Die Richard-Wagner-Stiftung, die laut Katharina Wagner nun auf dem Prüfstand steht, gibt es seit 1973. Die Stiftung ist Eigentümerin des Festspielhauses und wählt außerdem den Festspielleiter.

Die Vorfreude auf die Festspiele ist jetzt aber groß…Warten wir auf „Wagner, Wagner, Wagner“.

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