200 Jahre badische Landeskirche mit Grüßen von Spandau nach Schwetzingen

Das „Perspectiv“ im Schwetzinger Schlossgarten. Foto: Frank Bürger

Berlin. Ein Lied geht um die Welt – nur von Schwetzingen nach Spandau. Eine besondere Geschichte.

Von Frank Bürger

Die Verbundenheit von Schwetzingen nach Potsdam und Berlin hat etwas. Der badische Prälat Traugott Schächtele hat einige Kontakte nach Berlin und Brandenburg. So kam er angesichts des 200. Geburtstags der badischen Landeskirche dazu den Text für ein Jubiläumslied zu schreiben.

Seine Biografie, zu ersehen auf der Homepage der Evangelischen Landeskirche Baden, lässt schon aufhorchen:

Geboren 1957 in Wolfenweiler (Markgäflerland), verheiratet, fünf erwachsene Kinder. Nach Abitur und Zivildienst Theologiestudium in Freiburg, Tübingen, Basel und Heidelberg; nach dem Lehrvikariat in Karlsruhe-Wolfartsweier Pfarrvikariat in Rheinau-Freistett und Ettlingen; in Ettlingen (Luthergemeinde) dann von 1992 bis 1998 Gemeindepfarrer, danach bis 2007 hauptamtlicher Dekan im Kirchenbezirk Freiburg; im Anschluss daran Professor an der Evangelischen Hochschule in Freiburg (Systematik/Homiletik) sowie Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst.

Seit dem 1.8.2010 als Nachfolger von Ruth Horstmann-Speer Prälat für den Kirchenkreis Nordbaden.

Musikalisch zur Seite stand ihm dabei Musikdirektor Detlev Helmer: Ich erinnere mich noch genau daran, als er 1983 bei seiner Bewerbung die „Vater unser-Sonate“ aus op. 65 von Felix Mendelssohn-Bartholdy in der Schwetzinger Lutherkirche spielte. Seine Biografie ist zu entdecken auf der Seite der Schwetzinger Kantorei.

Detlev Helmer erhielt seine musikalische Ausbildung in Berlin. Er studierte an der Staatlichen Hochschule der Künste (damals HDK) Kirchenmusik, u.a. bei Peter Wackwitz, Rudolf Heinemann, Helmut Barbe, Dieter Schnebel, Christian Grube und Hans Hilsdorf. 1981 legte er das A-Examen ab.

Es folgte ein Gaststudium in Chorleitung an der Kirchlichen Hochschule Berlin bei Martin Behrmann.

Seit 1983 ist er Bezirkskantor im Ev. Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz und in der Ev. Kirchengemeinde Schwetzingen. Seine Schwerpunkte sind Chorleitung, Orgel, Kinderchor, Gottesdienste, Konzerte, Aus- und Fortbildungen. Zu seinen Choraufführungen zählen A-capella-Konzerte, Kindermusicals, Gospelkonzerte mit Band und große Chor-Orchester-Werke (Requien, Messen, Passionen, Oratorien). Unter seiner Leitung und Mitwirkung erhielten moderne Werke in Schwetzingen ihre Ur- und Erstaufführung (z.B. Kantate „Hoffnung von unten“ und Zyklus „Der Stein“ von Burkhard Kinzler, „Requiem für einen polnischen Jungen“ von Dietrich Lohff, Werke von Benjamin Helmer und Timo Jouko Herrmann, Motetten von Antonio Salieri, Werke für Orgel und Percussion).

Er leitet zur Zeit regelmäßig sechs Chöre und gemeinsam mit einem Kollegen im evangelischen Kirchenbezirk den Projektchor „Cappella vocale“.

1995 erhielt die evangelische Stadtkirche Schwetzingen auf seine Initiative eine neue Orgel, erbaut von der Firma Förster & Nicolaus (Lich/Hessen). An ihr finden regelmäßig Konzerte statt.

Detlev Helmer konzertiert im In- und Ausland. Er ist Komponist von Kinder-Musicals, Chor- und Orgelwerken.

2016 wurde ihm für seine Verdienste von der badischen Landeskirche der Titel „Kirchenmusikdirektor“ verliehen.

Barbe studierte an der Berliner Kirchenmusikschule. Seine Lehrer waren Gottfried Grote und Ernst Pepping. Von 1952 bis 1975 war er Kantor an der St.-Nikolai-Kirche (Spandau), danach bis zu seiner Emeritierung Professor an der Hochschule der Künste Berlin.

1956 wurde auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt am Main sein Musical Halleluja, Billy auf eine Textvorlage von Ernst Lange aufgeführt

Damit ist der Weg zum Orgelwettbewerb in der Lutherkirche Spandau mit Verleihung des Ernst-Pepping-Preises durch Stiftsvorsteherin Anne Hanhörster nicht weit.

Die Verbindung der Evangelischen Weihnachtskirchengemeinde zum Stift sind wichtig. So zeichnete Diakonin Katja Krähe vom Johannesstift für die Einsegnung der Konfirmanden in der Weihnachtskirche zu Pfingsten 2021 verantwortlich.

So ist es, dass sich der Sänger und Kirchenmusiker Detlev Hesse und Kantor Dr. Trinkewitz bereit erklärten, das Projekt umzusetzen.

Dabei spielte Trinkewitz an der historischen Reger-Orgel.

Die Orgel wurde 1913 von der Orgelbaufirma G. F. Steinmeyer & Co. ursprünglich für den Schützenhaus-Saal in Meiningen, mit einem fahrbaren Spieltisch erbaut. Das Instrument wurde am 19. April 1914 von Karl Straube eingeweiht. Die Disposition weist Züge der elsässischen Orgelbaureform auf. Die Disposition geht im Wesentlichen auf die Zusammenarbeit der Firma Steinmeyer mit Max Reger zurück. Aufgrund eines Inserates kaufte die Gemeinde 1937 die Max-Reger-Orgel für 8.500 Reichsmark. Die Orgelbauwerkstatt Christian Scheffler aus Sieversdorf restaurierte 2006/2007 die Orgel, befreite sie von den wenigen Zutaten der 1960er-Jahre und verkabelte den Spieltisch neu. Das Taschenladen-Instrument hat 45 Register auf drei Manualen und Pedal. Spiel- und Registertrakturen sind elektropneumatisch. Das Instrument ist eine erhaltenswerte Denkmalorgel, liefert einen wichtigen Beitrag zur Aufführungspraxis der spätromantischen Orgelmusik und befindet sich praktisch im Originalzustand. Nach der Restaurierung kann man die Orgel in der regelmäßig stattfindenden Haselhorster Orgelstunde, die vom Kantor Jürgen Trinkewitz ins Leben gerufen wurde, hören.

Der historische Hintergrund

1821 schlossen sich Lutheraner und Reformierte zu einer „Vereinigten Evangelisch-Protes­tantischen Kirche im Großherzogtum Baden“ zusammen, mit lückenlosem Konsens in den Fragen des Bekenntnisses, des Kultus, der kirchenrechtlichen Rahmenbedingungen und der Finanzen.

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