Musikepos für die Jungfrau von Orleans

Jeanne d'Arc
Jeanne d’Arc (Miniaturmalerei eines unbekannten Malers, spätes 19. oder frühes 20. Jahrhundert

 

Berlin. Am 16. Mai vor 100 Jahren wurde Johanna von Orleans heiliggesprochen. In Reims soll ein trinationales Konzert im Sinne des Weimarer Dreiecks an die französische Nationalheldin erinnern. Leider fehlt bisher ein Orchester aus Deutschland. Ein Hilferuf geht nun an Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Von Frank Bürger

Sie wird in der römisch-katholischen Kirche als Jungfrau und Heilige verehrt. Während des Hundertjährigen Krieges verhalf sie bei Orléans dem Dauphin und späteren französischen König Karl VII. zu einem Sieg über Engländer und Burgunder, anschließend geleitete sie Karl zu seiner Königssalbung nach Reims. Nach der Niederlage der Franzosen in der Schlacht von Compiègne wurde Jeanne d’Arc am 23. Mai 1430 durch Johann II. von Luxemburg gefangen genommen, später an die Engländer ausgeliefert und schließlich in einem kirchlichen Verfahren des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, der pro-englisch eingestellt war, aufgrund verschiedener Anklagen verurteilt. Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d’Arc im Alter von 19 Jahren auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

 

24 Jahre später strengte die Kurie einen Revisionsprozess an, in dem das Urteil aufgehoben und Jeanne zur Märtyrin erklärt wurde. Im Jahr 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig- und 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 30. Mai. An diesem Tag gedenkt man ihrer auch in der Church of England.

 

Der Hauch von Europa schwingt um die Gestalt mit. Deshalb hat sich der tiefgläubige Emmanuel Konstant musikalisch mit der Gestalt beschäftigt. 100 Jahre nach der Heiligsprechung soll am 16. Mai in dem historisch bedeutsamen Reims sein Werk zu Johanna erklingen.

 

Alles schien sicher. Dem Weimarer Dreieck sollte weiter Leben eingehaucht werden. Ein Chor aus Polen konnte gewonnen werden. Doch nun fehlt ein Orchester. Die Verhandlungen mit Saarland scheiterten.

 

Letzte Hoffnung: ein Brief  an die Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

 

„Seit mehr als einem Jahr bereiten wir im Rahmen der Schaffung einer gesamteuropäischen „Stanislaus“-Kulturroute, die Polen, Frankreich und Deutschland verbindet, ein großes Konzert vor, das am 16. Mai im Dom von Reims zur Feier des hundertsten Jahrestages der Heiligsprechung von Jeanne d’Arc stattfinden soll“, schreibt Konstant.

Dieser Jahrestag biete eine seltene Gelegenheit, eine neue Annäherung an diese bedeutende historische Figur vorzuschlagen, die zweifellos die berühmteste weibliche Figur Europas in der Welt ist, die aber leider von der französischen extremen Rechten zum Symbol ihrer nationalistischen Sache gemacht wurde.

„Nun, bevor sie zur Ikone eines Kampfes wurde, der nie der ihre war, ist Jeanne d’Arc zunächst ein Archetyp des „ewig Weiblichen“, eine Figur des absoluten Heldentums, ein Bild der verfolgten Gerechten, der Menschenwürde, die einen hohen Preis für ihre Weigerung zahlt, sich kaufen zu lassen“, so Konstant.

Da die Kathedrale von Reims sowohl mit Jeanne d’Arc als auch mit der von den Präsidenten de Gaulle und Adenauer besiegelten deutsch-französischen Versöhnung in Verbindung gebracht wird, bestehe die Idee darin, diese beiden Daten in einer einzigen Verurteilung des Nationalismus, dessen Opfer Jeanne d’Arc, Frankreich, Deutschland und die Kathedrale von Reims waren, zusammenzuführen, indem sie den Franzosen, Deutschen und Polen, den Feinden von gestern, vorschlägt, an diesem Jubiläumskonzert im Geiste brüderlicher Gemeinschaft teilzunehmen, um in Jeanne d’Arc eine humanistische Ikone zu feiern, die nicht spezifisch französisch, sondern europäisch ist und das Martyrium allen Widerstands verkörpert und nicht den Rückzug in die eigene Identität.

Der Vorschlag wurde auf beiden Seiten der Grenzen sehr begrüßt, so sehr, dass dem Chor von Nancy, dem Schöpfer des Werkes , ein saarländisches Orchester und der polnische Chor der Universität Lublin, der derzeit der einzige unserer Partner ist, der seine Teilnahme an diesem Projekt garantiert, hinzugefügt werden sollte.

Doch leider kommen keine Musiker aus dem Saarland

Wenige Monate vor dem Konzert lässt uns dieser katastrophale Fehltritt hilflos zurück.

Ohne die Beteiligung Deutschlands würde das Projekt viel an Kraft verlieren.

„Deshalb wenden wir uns angesichts der Dringlichkeit, in der wir uns befinden, an die höchsten Behörden in Deutschland und an die Medien, in der Hoffnung, dass schnell eine Lösung gefunden werden kann. Ich weiß aus Erfahrung, dass sich das Werk mit guten Musikern in wenigen Proben zusammenstellen lässt. Die Partitur im post-romantischen Stil ist für ein Ensemble aus Streichern, Blechbläsern und Schlagzeug geschrieben, das etwa 40 Musiker repräsentiert“, so Konstant weiter.

Für eine Frage der künstlerischen und symbolischen Kohärenz sei es wichtig, dass die Richtung durch den Komponisten gesichert wird, der dieses Werk bereits von Domrémy bis Orléans dirigiert hat.

„Es verstehe sich von selbst, dass ich in dieser Hinsicht bereit bin, zur Überwachung der Proben zu reisen, und dass anlässlich des Konzerts der ernannte Dirigent des Orchesters eingeladen wird, die letzte europäische Hymne zu dirigieren“, so Konstant.

Die Mutter von Konstant ist Marie Viroux, die am 25. Februar in Schwetzingen auf Einladung von Oberbürgermeister der badischen Spargel- und Festspielstadt Schwetzingen, Partnerstadt von Luneville, in der Marie Viroux waltet und wirkt und am Weimarer Dreieck arbeitet.

Der Bezug: Der in Lothringen geborene Nicolas de Pigage studierte in Paris an der Académie Royale d’Architecture. Nach Aufenthalten in Frankreich, England, Italien und den Niederlanden kehrte Pigage in seine Heimatstadt Lunéville zurück. Hier war er vermutlich für den polnischen Exilkönig Stanislaus I. Leszczynski tätig. Auf Empfehlung kam Pigage 1749 als „Intendant dero Gärthen und Wasserkünste“ in die Kurpfalz, um für Kurfürst Carl Theodor den Neubau von Schloss Schwetzingen zu planen.

 

 

 

 

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