Ein Stück Filmgeschichte geht verloren

Stern von Angelica Domröse auf dem Boulevard der Stars in Berlin. Foto: Times / Wikipedia

Berlin. Mit Angelica Domröse geht ein Teil deutscher Filmgeschichte verloren, eine persönliche Spurensuche.

Von Frank Bürger

Mit Authentizität, Wärme und großer künstlerischer Kraft: Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke trauert um Schauspielerin Angelica Domröse. Die gebürtige Berlinerin starb nach Medienberichten im Alter von 85 Jahren. Im DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ spielte sie 1973 die Rolle ihres Lebens.

Woidke erklärte dazu: „Mit großer Trauer habe ich vom Tod der Schauspielerin Angelica Domröse erfahren. Für mich war sie eine der prägenden Künstlerpersönlichkeiten des ostdeutschen Films und Theaters. Sie hat über Jahrzehnte hinweg Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern bewegt. Ihre Rollen waren von einer unheimlichen Authentizität und künstlerischer Kraft geprägt, die das Lebensgefühl vieler Menschen widerspiegelte. Besonders ihr Wirken für den DEFA-Film bleibt unvergessen. Gerade in diesen Tagen, an denen sich die Gründung der DEFA zum 80. Mal jährt, wird deutlich, welch bedeutenden Beitrag Angelica Domröse für die Filmkultur in Deutschland und für das Filmland Brandenburg geleistet hat. Mit großer Bewunderung schaue ich auf ihr Leben und ihr Werk. Mein Mitgefühl gilt ihrer Familie, ihren Freunden und allen, die ihr verbunden waren.“

Angelica Domröse startete ihre Ausbildung an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam (heute Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF).

Quelle: Staatskanzlei Potsdam

Domröse und Theodor Fontane

Pommern und Berlin um die Jahrhundertwende. Effi Briest, die Tochter eines Ritterschaftsrates, ist gerade erst 17 Jahre alt, als sie mit dem Baron Geert von Innstetten verheiratet werden soll. Effi achtet den korrekten und vornehmen, aber um zwei Jahrzehnte älteren Mann, aber sie liebt ihn nicht. Doch ihre Eltern bleiben unerbittlich und zwingen ihre noch sehr kindliche Tochter in die Ehe und zu einem Leben in der Provinz. Effi fügt sich, entdeckt jedoch sehr bald ihre Zuneigung für den jungen Major von Crampas. Es bleibt eine temporäre Liaison, die alles gesellschaftliche Aufsehen vermeidet und mit dem Umzug Innstettens nach Berlin endet. Erst sechs Jahre später findet der Baron Beweise für Effis Fehltritt. Dennoch fordert er den Major zu einem folgenschweren Duell…

Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ von 1896 ist mehrfach verfilmt worden, so 1939 von Gustaf Gründgens mit Marianne Hoppe, 1955 von Rolf Jugert mit Ruth Leuwerik und 1972/73 von Rainer Werner Fassbinder mit Hanna Schygulla, wobei bei Letzterem nicht die Fontane-Geschichte im Mittelpunkt stand sondern der Autor und sein Verhältnis zur damaligen Gesellschaft. Wolfgang Luderers Defa-Film für das Deutscher Fernsehfunk genannte DDR-Fernsehen versagt sich größerer Eingriffe und ist darum bemüht, ein möglichst genaues Gesellschaftsbild der Jahrhundertwende zu vermitteln. Diese „Werktreue“ genannte Exaktheit in Milieu und Landschaft mag man in der Figurenzeichnung – seinerzeit aus westdeutscher Sicht – als „konventionell“ etikettieren, aber wer sich heute die alten Defa-Filme ansieht, auch die Co-Produktionen für das Fernsehen, wird im positiven Sinn erstaunt sein über die hohe handwerkliche und die so ermöglichte künstlerische Qualität vor und hinter der Kamera.

Was, um bei Theodor Fontane zu bleiben, etwa auch auf Ralf Kirstens Defa-Spielfilm „Unterm Birnbaum“ von 1973 mit Angelica Domröse in der Hauptrolle der Ursula Hradscheck zutrifft. Wobei die auf der Ideologie des sozialistischen Realismus basierende „Aneignung des künstlerischen Erbes“, so der Sprachgebrauch in Adlershof wie in Babelsberg, naturgemäß auch andere, kritischer zu beurteilende Werke hervorgebracht hat, erinnert sei an Claus Hammels Fontane-Verfilmung „Frau Jenny Treibel“.

Zurück zu Wolfgang Luderer, der in den 1960er Jahren bei der Defa vier Spielfilme gedreht hatte, darunter der große Erfolg „Meine Freundin Sybille“, bevor er sich fast ausschließlich für den Deutschen Fernsehfunk, 1972 in Fernsehen der DDR umbenannt, dem Medium Bildschirm zuwandte. „Seine“ Effi Briest ist mit Angelica Domröse zwar prominent, aber zumindest in den Anfangsszenen, die auf dem elterlichen Gut Hohen-Cremmen spielen, zu reif besetzt: Eine 17-jährige Dame auf der Schaukel. Da der Altersunterschied offenbar nicht eine so entscheidende Rolle spielen konnte, musste Horst Schulze den Innstetten besonders hölzern geben, was bisweilen arg aufgesetzt wirkt. Der vom Defa-Studio für Spielfilme, PL Adolf Fischer, produzierte 125-minütige Film kam am 31. Juli 1970 auch in die Kinos der DDR, was von der Defa-Stiftung bis heute ignoriert wird. Im Westdeutschland war er in einer um zehn Minuten gekürzten Fassung ab 3. Januar 1971 zu sehen.

Filmmuseum Potsdam

Persönlich durfte der Autor des Artikels Domröse im Potsdamer Filmmuseum bei einer Podiumsdiskussion zu Effi Briest erleben.

Dort beschäftigen sich die Veranstalter mit dem 80. Geburtstag der DEFA.

Am 17. Mai jährte sich das Gründungsdatum der DEFA zum 80. Mal. Ein Jahr lang wendet sich das Filmmuseum Potsdam zahlreichen Themen, Filmen und Personen zu, die das spätere staatliche Filmstudio der DDR geprägt haben.

Am 15. Mai 2026 war der Start der Filmreihe- und Veranstaltungsreihe im Filmmuseum
Deutschland ist nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur 1945 weitgehend zerstört, es herrschen Hunger und Not. Ohne Verzug gründen Filmenthusiast*innen ein »Filmaktiv«, die Keimzelle der zukünftigen DEFA. Neben dokumentarischen Filmen und Wochenschauen entstehen bald die ersten Spielfilme der Nachkriegszeit. Filme wie »Die Mörder sind unter uns«, »Ehe im Schatten« oder »Freies Land« spiegeln die unmittelbaren Bemühungen der Filmemacher*innen, Antworten auf die drängenden Fragen der Umbruchszeit zu finden. Allen voran: Wie konnte es geschehen, dass so viele Menschen der NS-Ideologie folgten?
Am 17. Mai jährte sich das Gründungsdatum der DEFA zum 80. Mal. Ab Mai ist eine Auswahl aus den zwischen 1946 und 1992 entstandenen, mehr als 700 Spielfilmen und den unzähligen Dokumentar- und Kurzfilmproduktionen zu sehen.
Ab 4.6. nimmt eine Foyerausstellung die Anfänge des Studios in den Nachkriegsjahren unter die Lupe, im Juli folgt eine umfangreiche Sonderausstellung.

Ausstellung im Filmmuseum

1945: Deutschland ist nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur weitgehend zerstört, es herrschen Hunger und Not. Ohne Verzug gründen Filmenthusiasten das Filmaktiv, die Keimzelle der zukünftigen DEFA. Die ersten Filme – DIE MÖRDER SIND UNTER UNS, EHE IM SCHATTEN oder DER RAT DER GÖTTER – spiegeln die Bemühungen der Filmemacher, Antworten auf die drängendsten Fragen zu finden: Wie konnte es zu diesem Weltkrieg kommen, wie konnte es geschehen, dass so viele Menschen der NS-Ideologie folgten? Die Ausstellung wirft ein Licht auf die historisch einmaligen Leistungen der ersten Nachkriegsjahre und lädt ein, sich mit dieser Umbruchzeit und den Filmen erstmalig oder auch erneut zu beschäftigen.

Die DEFA war die einzige Firma, die in der DDR-Spielfilme herstellte. Etliche Streifen boten ein hohes Identifikationspotential. Waren sie keine offensichtlichen Politlektionen, spiegelten oder formulierten sie Sehnsüchte, Gefühle und Bedürfnisse der Bevölkerung. Einer Auswahl von Themen werden jeweils drei bis vier DEFA-Filme zugeordnet. Es sind Themen, die jedermann jederzeit umtreiben. Der Abgleich mit gegenwärtigen Bedingungen und Gegebenheiten wird beim Ausstellungspublikum ein in Teilen differenzierteres Bild vom Leben in der DDR und auf den Kinoleinwänden ergeben, mit Staunen, Lachen, Erkenntnis, negativen wie auch positiven Erinnerungen und Perspektiven.

Effi Briest in der DEFA

Theodor Fontane und die Effi sind zu einem Herzensanliegen der Deutsch-Polnischen Nachrichten geworden.

Der Weg vom Schwielowsee nach Zerben ist kein weiter. Wir machten uns auf die Spurensuche von Theodor Fontane und Elisabeth von Plotho.

Die Bootsfahrten mit der Reederei Kuhn mit Theaterflair waren ausverkauft. Sogar aus Riesa kamen Gäste, um literarischen Spuren auf einem Boot zu folgen.

Theodor Fontane begibt sich auf eine Dampferfahrt über den Schwielowsee und begegnet einer geheimnisvollen Fremden. Während er versucht zu erraten wer sie ist, plaudern und philosophieren sie über das Wasser und seine Naturgewalt, über Schiffe aller Arten und den Schwielowsee.

Es spielten Edward Scheuzger (Theodor Fontane) und Michaela Wrona (die geheimnisvolle Fremde). 

Handelt es sich bei der geheimnisvollen Fremden vielleicht um die weltberühmte Effi

Die wahre Effi Briest hieß Elisabeth

„eine Geschichte nach dem Leben“

So heißt es 1895 in einem Brief von Theodor Fontane an Marie Uhse. Das Ehe-Epos und Schicksal der gleichnamigen Titelheldin „Effi Briest“ beruht auf der wahren Geschichte der Elisabeth von Ardenne, geb. Edle und Freiin von Plotho.

An den Ufern der Elbe wird sie 1853 im Schloss Zerben, zu jener Zeit im Besitz der Familie von Plotho, geboren. Dort wächst Elisabeth, jüngste Tochter des Edlen Freiherrn Carl Albrecht Felix von Plotho und Franziska Maria geborene Welling, mit ihren drei Schwestern und dem ältesten Bruder Wolfgang, dem einzigen männlichen Nachkommen, auf.

Elisabeth, im Kreise der Familie kurz „Else“ gerufen, zeigt sich in ihrer Kindheit als ein äußerst aufgeschlossenes, lebhaftes junges Mädchen. Mit ihren vornehmlich männlichen Spielkameraden verbringt Elisabeth so viel Zeit wie möglich in der Natur. Nicht selten wird ihr unerschrockenes und temperamentvolles Auftreten zum Gegenstand von Gesprächen der Dorfbewohner Zerbens, welche die junge Elisabeth schlicht und liebevoll „unser Elseken“ nennen. Elisabeth und ihre Geschwister lieben in Kindertagen besonders die Ausflüge zum Forsthaus in Penningsdorf und die Picknicks mit ihrer Mutter.

Die Erziehung Elses liegt jedoch in weiten Teilen in den Händen des Pfarrers, einer Gouvernante und einer Privatlehrerin, die von Else als langweilig und unfähig beschrieben wird.

1864 verliert die junge Elisabeth ihren Vater durch einen tödlichen Jagdunfall. Die Mutter ist es nun, die die Güter Zerben, Penningsdorf und Güsen alleine führen muss. Diese Verantwortung tragend und der Reputation des Herrengeschlechts verpflichtet, bemüht sich die Mutter ihre Töchter statthaft unter die Haube zu bringen.

So kommt es, dass die vierzehnjährige Else mit dem Fähnrich Léon Armand von Ardenne, einem Zieten-Husar der Garnisom von Rathenow, bekannt gemacht wird. Wider Willen wird die noch kindliche Else von ihrer Mutter angehalten, dem Klavierspiel Ardennes zuzuhören. Die Mutter Elses ist sichtlich bestrebt, eine Heirat beider in die Wege zu leiten.

Dabei ist es zu jener Zeit freilich nicht die Liebe, die eine Ehe begründet. Vielmehr gilt es vordergründig sowohl monetären als auch gesellschaftlichen Einfluss durch eine standesgemäße Heirat zu sichern. Elisabeth jedoch lehnt eine Heirat mit Léon Armand von Ardenne zunächst beharrlich ab.

Erst später fügt sich Else dem Bestreben ihrer Mutter und nimmt die Ablehnung einer Heirat in einem Brief an Armand zurück. Dieser schickt ihr daraufhin Feldpost von der Front und bittet seinen Vater im Folgenden um Erlaubnis, Else zu ehelichen.

1871 findet die Verlobung Léon Armand von Ardennes und Elses in Stechow bei Rathenow und 1873 sodann die Hochzeit in Zerben statt. Am selben Tag noch verlässt Else ihr Elternhaus, das Schloss Zerben, und zieht mit ihrem Bräutigam nach Berlin.

Zwischen 1873 und 1877 bringt diese Verbindung die Kinder Margot und Egmont hervor.

Zu Gast bei Carl Robert Lessing, dem Besitzer der Vossischen Zeitung, und seiner Frau Emma macht Theodor Fontane die Bekanntschaft mit Elisabeth und Armand.

Die Familie von Ardenne verlässt Berlin jedoch schon bald, um im Schloss Benrath bei Düsseldorf am Rhein, dem einstigen Wohnsitz des Kurfürsten Karl Theodor, zu wohnen. Hier nimmt das Schicksal der unglücklich verheirateten Elisabeth seine Wendung. Sie lernt den Amtsrichter Emil Hartwich kennen und lieben. Beide wechseln fortan Liebesbriefe.

Elisabeths Ehemann aber schöpft Verdacht und findet die Schreiben Hartwichs. In der Folge dessen fordert Léon Armand von Ardenne seinen Nebenbuhler 1887 zum Duell heraus, welches für Hartwich tödlich endet. Die Ehe zwischen Elisabeth und Armand wird geschieden und die Kinder dem Mann zugesprochen.

Der „Fall Ardenne“ erhebt sich zu einem gesellschaftlichen Skandal; wird in Zeitungen thematisiert und in Tischgesellschaften diskutiert. Auch Fontane erfährt zu Gast bei dem bekannten Ehepaar Lessing von dem Ehebruch Elisabeths und den jüngsten Ereignissen in der Familie von Ardenne, die er Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts so schließlich in seinem Gesellschaftsroman „Effi Briest“ zu einem Meisterwerk verarbeitet.

Während „Effi“ in Fontanes Roman jedoch frühzeitig am Verlust ihrer Kinder zerbricht und verstirbt, wird Elisabeth im wahren Leben 98 Jahre alt. Nach sechzehn langen Jahren, in denen ihr die Kinder entzogen wurden, kann sie schließlich auch die Verbindung zu diesen wieder aufnehmen.

Elisabeth war zeitlebens eine starke, bemerkenswerte Frau mit ausgeprägter Schaffens- und Willenskraft. Sie arbeitete als Krankenschwester, reiste viel und bestieg mit 50 Jahren den 2970 hohen Berg „Scesaplana“ bei Liechtenstein. Auch im Alter zeigte sich ihre Rastlosigkeit und ihr überaus großer Willen aktiv am Leben teilzunehmen und es frei zu gestalten. So lernte sie noch mit 60 Jahren das Skilaufen und mit 80 Jahren das Radfahren.

In Gedenken an die beeindruckende Persönlichkeit Elisabeths und mit viel Liebe zum Detail stehen Gemeinde, Kreis und Land Sachsen-Anhalt für die Erhaltung dieses kulturgeschichtlichen Erbes ein. Von einer einzigartigen Wälder- und Seenlandschaft umrahmt, lädt das Schloss Zerben heute sowohl Literaturfreunde als auch Naturliebhaber zum Staunen, Entdecken und Verweilen ein.

Quelle: Schloss Zerben

Elisabeth von Plotho, Vorbild für die Romanfigur „Effi Briest“, liegt abgelegen auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf begraben, wo es regelmäßig Führungen gibt.

In den vergangenen Jahren versucht ein Förderverein, mit den Organisatoren, dem Violinist Marco Reiß und der Superintendentin Ute Mertens, auch gemeinsam mit der Gemeinde dem Schloss wieder Leben einzuhauchen. Da zeigte sich auch: Der Weg von Zerben nach Bayreuth ist kein weiter. Noch in Planung ist eine Vorstellung des Buches „Kloster Götschendorf“ in dem Schloss…da begegnen sich Welten…

Der Albert-Schweitzer-Tee

Dort am Schloss wird auch von Landwirt Daniel Ladwig die Melisse zum Albert-Schweitzer-Tee angebaut.

Ganz aktuell die Meldung aus Zerben: Die Ernte der Melisse steht bald an.

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