Dankeschön R.I.P Werner Schellenberg

Werner Schellenberg am 10. März 2024 in der Lutherkirche Schwetzingen, mit Annemarie Bürger

Berlin. Am Pfingstfest verstarb Dekan i. R. Werner Schellenberg. Er war ein Bereiter meines Weges.

Von Frank Bürger

Das Pfingstfest 2024 war ein besonderes. Ich hatte das Glück, meine Eltern in den Bürgerstuben in der Lindenstraße Schwetzingen zu besuchen. Im Gottesdienst entdeckte ich Dekan i. R. Werner Schellenberg, seine Frau. Mit im Gottesdienst war auch Prof. h. c. Dr. Jürgen Kegler. Beide waren enge Wegbegleiter meiner Kindheit und Jugend. Gemeinsam mit Mutter Annemarie Bürger feierte er noch in der Lutherkirche Jubelkonfirmation.

Ich wurde von mehreren Seiten benachrichtigt. Was bleibt…

Die Deutsch-Polnischen Nachrichten sind gerade auf dem Weg nach Schwetzingen, zur Renaissance des Albert-Schweitzer-Clubs.

Hier die biografischen Daten aus einem einfühlsamen Beitrag der Schwetzinger Zeitung von Chefredakteur Jürgen Gruler:

„Werner Schellenberg wurde am 19. Februar 1935 in Heppenheim an der Bergstraße geboren, kam aber schon als Neunjähriger nach Lahr und wurde dort auch 1949 in der Stiftskirche von Dekan Albert Zeilinger konfirmiert. Sein Konfirmandenunterricht und die Jahre in der Evangelischen Jugend, im Lahrer BK, führten schon 1951 zum Entschluss, Theologie zu studieren und Pfarrer werden zu wollen.

1954 begann sein Studium an der Universität Heidelberg und in Göttingen. 1956 wechselte Schellenberg nach Basel zu Karl Barth, den er Zeit seines Lebens verehrt hat: „In Vorlesungen, Seminaren und in der exklusiven Soziät lernte ich den großen, auch streitbaren, uns Studenten stets freundlich zugewandten Theologen persönlich kennen. Mit seiner ,Kirchlichen Dogmatik’ prägt er mein theologisches Denken und Wirken bis heute“, sagte der langjährige Dekan im Gespräch mit unserer Zeitung zum 60. Ordinationsjubiläum vor drei Jahren.

1958 kehrte Schellenberg zurück nach Heidelberg zur Vorbereitung auf das erste Theologische Examen. Danach war er drei Monate Lehrvikar bei Pfarrer Erwin Hoffmann in Schwetzingen. Da hatte er schon seine Frau Renate kennengelernt, die ihn bis zuletzt begleitet hat und die immer Teil seines Teams war. Dem zweiten Theologischen Examen folgte am 22. Oktober 1961 in der Lahrer Stiftskirche die Ordination (Ernennung zum Priester) durch seinen Konfirmator Albert Zeilinger. Seine erste Stelle danach war die des Pfarrvikars in der Christuskirche in Karlsruhe. Im Sommer 1962 wurde geheiratet und im Mai 1963 zog die kleine Familie an den Bodensee, Schellenberg übernahm die neu gegründete Diasporapfarrei Allensbach-Bodanrück. Dort kamen die vier Kinder auf die Welt.

1969 kam der Ruf von Landesbischof Dr. Wolfgang Heidland nach Karlsruhe zum Landesjugendpfarrer und Leiter des Amtes für Jugendarbeit im Evangelischen Oberkirchenrat. Die folgenden sieben Jahre waren geprägt durch viele Reisen, Auswärtsaufenthalte, getrennt von der Familie im In- und Ausland. Im Jahr 1976 dann die Rückkehr in unsere Region, die fortan zur Heimat der Schellenbergs werden sollte. Die Wahl zum Dekan des Kirchenbezirks Oberheidelberg und Pfarrer der Melanchthongemeinde in Schwetzingen blieb seine längste Amtszeit: 23 Jahre war er in Schwetzingen Seelsorger – bis in den Herbst 1999. 

Am Herzen lag Schellenberg die diakonische Arbeit: Seit 1983 bis 2011 war er Vorsitzender des Evangelischen Diakonievereins als Träger des Johann-Peter-Hebel-Alten- und Pflegeheims und des neugebauten Hebelhauses in der Hildastraße. Von 1984 bis 96 war er Mitglied der Landessynode, von 1990 bis 96 Vizepräsident und Mitglied des Landeskirchenrates. 

Er liebte in seiner Schwetzinger Zeit, das was die Einheimischen lieben: den Schwetzinger Schlossgarten und auch die Lutherkirche. Öfter war er in der Gartenanlage „Oberer Wald“ in Oftersheim anzutreffen, wo auch unsere Familie einen Schreibergarten hatte, der Ort meiner Kindheit und Jugend.

Werfen wir noch einen Blick zurück…

Ja, es ist die Zeit der Kindheit, die Zeit der Jugend, bevor ich Schwetzingen zum Lehrvikariat nach Laufenburg (Baden) 1994 unter glücklichen Umständen verließ. Dankbar dafür bin ich Dekan Werner Schellenberg und auch Helmut Barié, Leiter des Peterstifts in Heidelberg als Dozent für Homiletik.

Im April 2023 erreichte mich nun Post aus Ettlingen: Ein Ermutigungsbuch für Pfarrerinnen und Pfarrer, das wir auch schon mal präsentiert haben. Nun habe ich die Lektüre abgeschlossen.

Es war mehr als eine Zeitenreise.

Helmut Barié, 1940 geboren, Kindheit in (Stutensee-) Friedrichstal, Jugend in Sinsheim/Elsenz. Studium der Evangelischen Theologie in Heidelberg, Basel und Bonn. Religionslehrer, Wissenschaftlicher Assistent in Heidelberg, Promotion bei Professor Dr. Walther Eisinger, Gemeindepfarrer in Lörrach und nebenamtlicher Studentenpfarrer an der dortigen PH, Leiter des Petersstifts Heidelberg als Dozent für Homiletik, Seminardirektor des Predigerseminars Heidelberg. 1995 Prälat des Kirchenkreises Mittelbaden, 2004 Prälat des Kirchenkreises Südbaden. Im Ruhestand seit 2006 treibt er weiter sein Hobby Ornithologie, wurde beim Versuch, einen Eisvogel wiederzubeleben, von diesem in die Zunge gebissen, und widmet sich gelegentlich der Vertretung seines Gemeindepfarrers in Ettlingen.

Durch sein Berufsleben hat er viele Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Baden kennengelernt.

Mit dem Ermutigungsbuch bedankt er sich bei den Ehemaligen aus dem Petersstift.

Die Post verdanke ich dem Gespräch von Prälat Traugott Schächtele, der zu meiner Ordination nach Berlin reiste, und Helmut Barié.

Besonders beeindruckt haben mich die vielen Namen…

Da ist der einstige EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, Autor der Zeitschrift „Frohe Botschaft“, die ich als Chefredakteur betreute.

Nach dem Abitur 1979 am Gymnasium Casimirianum Coburg und dem Grundwehrdienst als Sanitäter in Passau studierte Heinrich Strohm von 1980 bis 1981 Jura, Geschichte und Politologie in Freiburg. Von 1981 bis 1988 studierte er Evangelische Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkeley. In seiner Zeit als Student arbeitete er in Wärmestuben für Obdachlose und in Flüchtlingsheimen. Von 1989 bis 1992 war er Assistent am Lehrstuhl für Systematische Theologie und Sozialethik bei Wolfgang Huber an der Universität Heidelberg. Er wurde 1992 mit der Arbeit Vorrang für die Armen. Auf dem Weg zu einer theologischen Theorie der Gerechtigkeit promoviert. Von 1992 bis 1994 war er Vikar in Heddesheim. Am 21. Dezember 1997 wurde er in Ahorn ordiniert.

Heinrich Bedford-Strohm (* 30. März 1960 in Memmingen als Heinrich Strohm) ist ein deutscher evangelisch-lutherischer systematischer Theologe mit dem Schwerpunkt Sozialethik. Seit 30. Oktober 2011 ist er Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Vom 11. November 2014 bis zum 10. November 2021 war er zusätzlich Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Auch mit Wolfgang Huber gab es viele Begegnungen.

Ein anderes wichtiges Kapitel sind die Begegnungen mit Christian Möller.

Wer hätte gedacht, dass ich über die Deutsch-Polnische Gesellschaft intensive Kontakte mit seinem Sohn Stefferl haben würde.

Steffen Möller bei seiner Buchvorstellung 2018

Traugott Schächtele teilte mir nun mit, dass er den damaligen Landesjugendpfarrer bereits mit 17 Jahren kennenlernen durfte. Er war auch zu meiner Ordination in der Spandauer Nikolaikirche und auch über das Klotz-Verlagshaus sind wir verbunden.

Gemeinsam mit dem Schwetzinger Pfarrer Steffen Groß wird am 8. Juni 2024 in der Lutherkirche Abschied von Schellenberg genommen.

Steffen Groß bereitet mit die Renaissance des Albert-Schweitzer-Clubs in Schwetzingen vor.

Pfarrer Steffen Groß (rechts) mit dem Autoren Frank Bürger im Lutherhaus Schwetzingen

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