Die Rose von Jericho

Die Rose von Jericho. Foto: KI-Generated / PicsArt / Frank Bürger

Berlin. Viele kennen sie, die Rose von Jericho, sie verbindet Berlin, die biblische Stadt Jericho und die Stadt Jerichow in Sachsen-Anhalt.

Von Frank Bürger

Geburtskirche in Bethlehem. Foto: Amal Saleh

Begegnungen hauchen Leben in Geschichten ein. Immer wieder denken wir in Kirche und Schule zur Weihnachtszeit an Bethlehem, an die Geburtsstätte Jesu. Es ist schon ein kleines Wunder, in Spandau einem Menschen zu begegnen, der in Bethlehem seine Wurzeln hat. Im Gespräch mit Amal Saleh beginnt eine Zeitenwanderung, nach Jericho bei Jerusalem und Jerichow in Sachsen-Anhalt.

Die Schreibweise ist unterschiedlich. Doch es gibt Verbindendes. Der Cineastikfreund stößt auf den Film „Jerichow“.

Drei Menschen treffen mit schicksalhafter Zufälligkeit aufeinander. Thomas (Benno Fürmann), jung, kräftig, wortkarg, ein ehemaliger Soldat, unehrenhaft aus der Armee entlassen; Ali (Hilmi Sözer), vom Leben schon ein wenig mitgenommen, aber immer noch leutselig, ein türkischer Unternehmer in Deutschland, der mit seinen Imbissbuden reich geworden ist; Laura (Nina Hoss), seine Frau, attraktiv, reserviert, wie jemand, die schon vieles hinter sich hat. Auf den Landstraßen des deutschen Nordostens, in den Wäldern des weiten, flachen Landes, an den Klippen über dem Meer entfaltet sich das Drama dieser drei Menschen, deren Sehnsüchte sich immer wieder in einem anderen, tieferen Traum brechen. Zwischen Schuld und Freiheit, Kalkül und Leidenschaft liegen Wünsche, deren Erfüllung bald nur noch um den Preis des Verrats möglich scheint.

In der Bibel wird Jericho als grüne Oase beschrieben. Die prosperierende Stadt am Westufer des Jordans galt Pilgern als letzte und sichere Raststation vor der beschwerlichen Reise nach Jerusalem.

Auf Deutschlandkarten findet man das 2000-Seelen-Nest Jerichow irgendwo im Osten des Landes. Die unendliche Weite der flachen Landschaft verheißt hier nicht Freiheit, sondern Trostlosigkeit, der gottverlassene Ort keine nährende Zuflucht, sondern blanke wirtschaftliche Not in einer Zeit und einer Gegend, in der es kaum noch Lohnarbeit gibt, nur noch Schnellimbisse, Baumärkte und Discounter.

Es ist natürlich kein Zufall, dass der Regisseur Christian Petzold, der sich mit vielgelobten Filmen wie „Die innere Sicherheit“ oder „Yella“ den Ruf eines feinnervigen Analytikers der Schattenseiten der Berliner Republik erarbeitet hat, seinen neuen Film „Jerichow“ genannt hat. Anders als im biblischen Jericho treffen in dieser beklemmenden Dreiecksgeschichte aber keine erschöpften Pilger aufeinander, die immerhin noch ein konkretes Ziel vor Augen haben, sondern ehemals Sinnsuchende, die ihren Glauben und ihre Hoffnung auf ein besseres Leben längst aufgegeben haben. Sie stehen nun, innerlich und äußerlich erstarrt, vor einem Leben ohne Perspektiven.

Quelle: Spiegel 2009

Die Hoffnung und Sehnsucht stirbt zuletzt. Denn so ist das Bild von der „Rose von Jericho“ gut gewählt.

„Was wie ein Filmtitel klingt, ist eine ganz erstaunliche Pflanze. Auf den ersten Blick sieht sie nach Nichts aus – eine graubraune Knolle, die seit Langem vertrocknet zu sein scheint. Tatsächlich kann die wenig attraktive Wüstenpflanze etliche Jahre ohne Wasser und Erde überleben. Doch wenn man sie ins Wasser legt, entfaltet sie sich innerhalb weniger Stunden zu einer wunderschönen Wüstenrose.“

Quelle: Geo

Doch es gibt Verbindendes zwischen Jericho und Jerichow. Das sind zwei Klöster.

Das Kloster Quarantal hat seinen Namen von „quarantena“, was so viel wie vierzig bedeutet. Jesus ging nach seiner Taufe im Jordan durch Johannes den Täufer für vierzig Tage in die Wüste. Dort wurde er der biblischen Überlieferung dreimal vom Teufel versucht, hat aber widerstanden.

Foto: Tamar Hayardeni (Tamarah) / Wikipedia

Das Kloster oberhalb von Jericho (drei Kilometer nordwestlich) in der judäischen Wüste und 350 Meter über dem Meeresspiegel klebt wie ein Wespennest am Fels, es wurde unmittelbar über der senkrechten Wand des Berges errichtet und stülpt sich über der Höhle, in welcher der Überlieferung nach Jesus seine Fasten- und Gebetszeit verbracht haben soll. Die Grotte wurde zur Kapelle ausgestaltet und erhielt den Namen „Kapelle der ersten Versuchung“. Der Altar steht über dem Stein, auf dem Jesus der Überlieferung nach gesessen haben soll.

Weitere Infos

Weit über die Grenzen hinaus bekannt ist das Kloster von Jerichow, mit der sich die Deutsch-Polnischen Nachrichten vielfach beschäftigt haben.

Der Autor neben der Säule mit Weltluft in der Krypta des Klosters Jerichow

Das Kloster wurde 1144 in der Nähe des Jerichower Marktes als Prämonstratenserstift von Hartwig I. von Bremen gegründet. Hartwig I. wurde als Sohn des Grafen Rudolf von Stade geboren und war der letzte aus dem mit ihm ausgestorbenen Geschlecht der Grafen von Stade. Nach dem Tode seines Vaters 1124 wurde er auf Gütern seiner Mutter Richardis Gräfin von Sponheim bei Magdeburg und Jerichow erzogen. Ebenso aus dem Geschlecht der Sponheimer stammt Jutta von Sponheim. Sie wurde Vorsteherin (magistra) einer benediktinischen Frauenklause auf dem Disibodenberg und avancierte zur Erzieherin und Lehrmeisterin von Hildegard von Bingen. Der Ruf von der Bedeutung Hildegards sprach sich schnell unter den Adeligen herum. Hartwigs Schwester, die ebenfalls Richardis hieß, kam zu Hildegard. 1141 begann Hildegard in Zusammenarbeit mit Propst Volmar von Disibodenberg und Richardis von Stade, die als enge Vertraute Hildegards galt, ihre Visionen und theologischen wie anthropologischen Vorstellungen in Latein niederzuschreiben. Da sie selbst die lateinische Grammatik nicht beherrschte, ließ sie alle Texte von ihrem Schreiber korrigieren. Ihr Hauptwerk Scivias entstand in einem Zeitraum von sechs Jahren. Sie beschreibt darin insgesamt 26 selbst erlebte religiöse Visionen. Das Werk gilt seit den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs als verschollen.

Bis weit in die Elbauen sind die Kirchtürme der Stiftskirche St. Marien St. Nikolai sichtbar und zeugen von der großen Bedeutung des Klosters Jerichow. Das altehrwürdige Stift des Ordens der Prämonstratenser ist Norddeutschlands ältester Backsteinbau. Die Einmaligkeit der Jerichower Klosteranlage liegt in ihrer weitgehend unveränderten spätromanischen Ausprägung und ihrer schlichten Schönheit.

Am Rande eines Naturschutzgebiets gelegen, führt der Elberadweg direkt an der mittelalterlichen Klostermauer entlang. Dahinter lädt der Klostergarten mit einer Vielzahl an Färbe-, Heil- und Nutzpflanzen in seinen Hoch- und Flachbeeten zum Verweilen ein. Das modern gestaltete Museum bietet Klein und Groß die Möglichkeit, tiefer in die Geschichte des Klosters und seiner ehemaligen Bewohner einzutauchen.

(Quelle Kloster Jerichow)

Dann natürlich ist der Weg zum Kloster Götschendorf in der Uckermark und dem Buch dazu nicht weit

Markus Meckel, Abt Daniil und Frank Bürger (v. l. n. r.)

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