Würdigung für Gabriele Münter

Produzentin :Dr. Alice Brauner; Co-Produzenten: Michael Zechbauer, Alexander von Glenck, Stefan O. Mahlich, Annegret Weitkämper- Krug; Regie: Marcus O. Rosenmüller, Kamera: Namche Okon

Berlin. Die Deutsch-Polnischen Nachrichten beschäftigten sich auch mit der Künstlerin Gabriele Münter. Der Anstoß dazu kam von CCC Filmkunst. Hier gerät ein neues historisches Projekt in den Fokus.

Von Frank Bürger

Die Ausstellung Gabriele Münter. Contours of a World präsentiert die Künstlerin Gabriele Münter als eine der führenden Persönlichkeiten der modernen Kunst in Europa im frühen 20. Jahrhundert. Mit über fünfzig Gemälden und neunzehn Fotografien, die sie zwischen 1898 und 1900 in den USA aufnahm, wird ihr experimenteller Zugang zu Landschaft, Stillleben und Porträt beleuchtet. Münter strebte danach, „eine Essenz zu vermitteln“, anstatt die Realität zu imitieren, und setzte dabei auf eine lebendige Farbpalette und expressive Formen. Ihre Werke reflektieren ihre Reisen, ihre Zugehörigkeit zum Blauen Reiter und die kulturellen Umbrüche ihrer Zeit. Insgesamt offenbart ihr Schaffen ein Leben, das von Neugier geprägt ist – verwurzelt in lokalen Begegnungen und zugleich tief geprägt von dem Glauben an unsere gemeinsame Menschlichkeit. Die Ausstellung in New York ist noch bis 26. April zu sehen.

Am 21. August 1909 erwarb Gabriele Münter das Haus an der Kottmüllerallee in Murnau. Von da an bis 1914 hielten sich Gabriele Münter (1877-1962) und Wassily Kandinsky (1866-1944) oft in diesem Haus, im Volksmund auch als „Russenhaus“ bezeichnet, auf. Sie richteten es gemeinsam ein, legten den Garten an und bemalten die Möbel nach eigenen Entwürfen.

Die Murnauer Landschaft, insbesondere das Haus selbst, sein Garten und die unmittelbare Umgebung, wurde für Münter und Kandinsky zu einer wichtigen Inspirationsquelle. Oft malten sie den Blick aus dem Fenster zur Kirche und zum Schloß sowie zur Bergkette. Ausgehend von der Auseinandersetzung mit der Landschaft entwickelte sich Kandinskys Malerei zur Abstraktion.

Das Münter-Haus spielte ferner eine ausschlaggebende Rolle in der Geschichte des „Blauen Reiter“. Es wurde zu einem bedeutenden Treffpunkt der Avantgarde. Franz Marc, der in dem nahe gelegenen Sindelsdorf wohnte, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, August Macke und Arnold Schönberg kamen oft zu Besuch ebenso wie Sammler*innen und Galerist*innen. Im Oktober 1911 fanden dort die Arbeitssitzungen zur Vorbereitung des Almanachs „Der Blaue Reiter“ statt. Neben Münter und Kandinsky nahmen Franz und Maria Marc sowie August und Elisabeth Macke daran teil.

Als der Erste Weltkrieg am 1. August 1914 begann, flohen Münter und Kandinsky zunächst in die Schweiz, da Kandinsky als Russe zum feindlichen Lager gehörte. Im November 1914 kehrte er nach Moskau zurück, wo er bis 1921 bleiben sollte. Gabriele Münter lebte vom Sommer 1915 bis Dezember 1917 in Schweden und ließ sich anschließend in Kopenhagen nieder.
Anfang 1920 kehrte Münter nach Deutschland zurück. Von 1931 bis zu ihrem Tod lebte die Malerin wieder in dem Murnauer Haus, ab 1936 mit ihrem Lebensgefährten, dem Kunsthistoriker Johannes Eichner (1886-1958). Im Keller des Hauses verwahrte sie einen unermesslichen Schatz an Bildern, vor allem von Wassily Kandinsky sowie eigene Werke und die anderer Protagonist*innen des „Blauen Reiter“ und seines Umkreises, und rettete diese so auch über die Zeit des Nationalsozialismus. Anlässlich ihres 80. Geburtstages hat Gabriele Münter wichtige Teile dieser einmaligen Sammlung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München geschenkt.

Gemäß dem Wunsch der Künstlerin ist das gesamte Münter-Haus seit der Renovierung in den Jahren 1998/99 als Ort der Erinnerung an ihre Kunst und an die Kandinskys eingerichtet und der Öffentlichkeit zugänglich. Es wurde in seinem ursprünglichen Zustand von 1909 bis 1914 wiederhergestellt. Durch die reiche Ausstattung mit Gemälden, Graphiken und Hinterglasbildern von Kandinsky und Münter sowie mit Beispielen der Volkskunst, die sie sammelten, und mit ihren selbst bemalten Möbeln, vermittelt das Haus heute wieder einen lebendigen Eindruck von der Atmosphäre, die hier vor dem Ersten Weltkrieg herrschte.

Im Mai 2014 erschien ein neuer Museumsführer zum Münter-Haus. Darin werden verschiedene Aspekte des Lebens von Münter und Kandinsky in Murnau aufgefächert. Ein Kapitel widmet sich dem Garten, den Kandinsky mit großer Hingabe gestaltet und bestellt hat. Auch die Funktionen des Münter-Hauses als Schaffensort und als Treffpunkt wichtiger Persönlichkeiten aus dem Interessenkreis des „Blauen Reiter“ werden näher erörtert. Ein weiteres Kapitel gibt Einblick in das Leben Münters in dem Haus ab 1931, dem Jahr, in dem sie sich dort endgültig niederließ. (10 €, ISBN 978-3-9815164-1-8)

Quelle: Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung

Ausblick auf 2027

2027 feiert Gabriele Münter ihren 150. Geburtstag. Die UNESCO-Generalkonferenz hat sich auf ihrer aktuellen Tagung in Samarkand daher entschlossen, ein Gedenkjahr zu Ehren der Künstlerin auszurufen und hierfür die Schirmherrschaft zu übernehmen. Das teilten die Städtische Galerie im Lenbachhaus München und die dort angesiedelte Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung mit. „Gemeinsam mit der UNESCO freuen wir uns auf das Jahr 2027 im Zeichen von Gabriele Münter – der Künstlerin und Stifterin, der wir unsere internationale Strahlkraft und die weltweit größte Sammlung von Kunst des Blauen Reiter verdanken“, so Museumsdirektor Matthias Mühling.

Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, ergänzte: „Mit Gabriele Münter würdigt die UNESCO eine Künstlerin, die die Moderne und ihre Rezeption entscheidend geprägt hat. Münter war eine Wegbereiterin der Gleichberechtigung in der Kunst, Mitbegründerin des Blauen Reiter und schließlich seine Rettung: Während der NS-Herrschaft versteckte sie Werke von Kandinsky, Klee und vielen anderen. Ihr Schaffen, ihr Mut und ihr Einsatz für die Kultur sind bis heute beeindruckend.“

Zum 150. Geburtstag Münters plant das Lenbachhaus die Ausstellung „Die Blauen Reiterreiterinnen“, eine Kooperation mit dem Museum Wiesbaden, dem Paula Modersohn-Becker Museum Bremen und der Fondazione Marianne Werefkin Ascona. Gabriele Münter wird darin als zentrale Figur der künstlerischen Netzwerke der Moderne vorgestellt. Der Festakt zum Jubiläum soll am 19. Februar 2027, dem 150. Geburtstag der Malerin, in Murnau stattfinden, organisiert von der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung im Münter-Haus, das als Gedenkstätte vielfältige neue Forschungsprojekte zu Leben und Werk der Künstlerin vorbereitet.

Quelle: Kunstmarkt.com/Werner Häußner

Neues historisches Projekt

Dr. Alice Brauner bei der Arbeit. Foto: Anne Wilk, Copyright: CCC Cinema und Television

Denn im Herbst erwartet die Kinofreunde ein besonderer Blick nach Auschwitz.

Im Fokus steht der berüchtigte Block 10 – ein abgeriegelter Bereich des Lagers, in dem Anfang 1943 Hunderte jüdische Frauen unter unmenschlichen Bedingungen interniert wurden. Dort führten NS-Ärzte grausame Experimente zur Zwangssterilisation durch. Häftlingsärzte waren gezwungen zu kollaborieren.

Im Zentrum der Geschichte steht der jüdische Gynäkologe Dr. Maximilian Samuel (Christian Berkel), der vor eine grausame Entscheidung gestellt wird: Verweigert er sich der Mitarbeit an den Experimenten, droht die Ermordung seiner 20-jährigen Tochter Liese Lotte (Sarah Maria Sander) in der Gaskammer. Gefangen in einem tiefen moralischen Dilemma, sucht er nach einem eigenen Weg.

Das hochkarätige Ensemble umfasst Christian Berkel, Axel Prahl, Moritz Führmann, Johannes Zirner und Bibiana Beglau. Regie führt Marcus O. Rosenmüller, Idee und Drehbuch stammen von Alice Brauner.

„Block 10“ ist eine Koproduktion der Berliner CCC Cinema und Television, MZ-Film (München), Niama-Film (Stuttgart) sowie der ARD Degeto Film. Die Dreharbeiten laufen noch bis zum 4. November und finden neben Berlin auch in Nordrhein-Westfalen statt. 

Der Kinostart ist für Herbst 2026 im Camino Filmverleih geplant. Der internationale Vertrieb liegt bei Beta Cinema. 

Gefördert wird „Block 10“ von der Film- und Medienstiftung NRW, der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg sowie der FFA und dem DFFF.

Alice Brauner sorgt mit „Block 10“ für Aufsehen – und für Gänsehaut. Der neue Kinofilm erzählt eines der dunkelsten Kapitel von Auschwitz und zeigt erstmals originales digitales Filmmaterial aus dem ehemaligen KZ in einer fiktionalen Produktion. Eine Entscheidung, die polarisiert und Fragen nach Verantwortung, Würde und Erinnerung aufwirft.
Christian Berkel übernimmt die Hauptrolle als jüdischer Gynäkologe Dr. Maximilian Samuel, der in Auschwitz gezwungen wird, bei Zwangssterilisationen mitzuwirken – und dennoch versucht, heimlich Leben zu retten. Der Schauspieler spricht offen über die emotionale Belastung der Dreharbeiten und warum dieser Film gerade jetzt wichtiger ist denn je.
Wie weit darf ein Spielfilm gehen? Ist der Einsatz echter Auschwitz-Aufnahmen ein mutiger Schritt gegen das Vergessen – oder ein riskanter Tabubruch? „Block 10“ entfacht eine Debatte über Geschichte, Moral und die Grenzen des Kinos.

Kinostart ist am 5. November 2026. Dann erscheint auch ein Buch zu diesem Kapitel

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