Münchhausen und die Moschee

Foto: Frank Bürger / Babelsberg

Berlin. Der Weg von Babelsberg nach Schwetzingen ist kein weiter, auch wenn es um die Moschee geht.

Von Frank Bürger

Über den verstorbenen Dekan i. R. Werner Schellenberg entwickelte sich vor der Wende die Partnerschaft zwischen den Posaunenchören Schwetzingen und Babelsberg. Faszinierend ist es in die Filmwelt der Babelsberger Filmstudios vorzudringen. Vieles sind ungeschriebene Bücher. Gerade sitze ich, wenn ich das schreibe, vor der Kurfürstenstube des Schlossgartens.

Doch der Film „Münchhausen“ führt zu zwei Punkten. Es sind zwei wichtige Szenen, die von Erich Kästner inszeniert wurden und für Schwetzingen Bedeutung hatten: das ist der Ritt auf der Kanonenkugel und die Begegnung mit Casanova in Venedig.

Wir rollen die Sache von hinten auf und verweisen unter anderem auf einen Artikel von Michael Marek vom März 2025.

„November 1942: Die alliierten Truppen landen in Nordafrika und eröffnen eine zweite Front gegen Nazi-Deutschland. Am 2. Februar 1943 kapituliert die sechste Armee des Generalfeldmarschalls Paulus vor Stalingrad. Während die Rote Armee vorrückt, forciert die SS die Vernichtung der europäischen Juden. In Deutschland spielt sich das Leben mehr und mehr unter der Erde ab, in Bunkern und Luftschutzkellern. Doch die nationalsozialistische Propagandamaschine läuft weiterhin auf Hochtouren…Am 5. März 1943 feierte eines der ehrgeizigsten und aufwendigsten Filmprojekte der NS-Zeit Premiere: »Münchhausen«. Ganz im Stil US-amerikanischer Hollywood-Komödien erzählt der Film die fantastischen Abenteuer des Lügenbarons aus Bodenwerder.“

Zurück geht der Film auf Gottfried August Bürger.

Aus dem Englischen übersetzte er 1786 ins Deutsche zurück. und um einige neue Münchhausiaden erweiterte: „Die wunderbaren Reisen zu Wasser und zu Lande – Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen, wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner Freunde zu erzählen pflegte“. Bürgers Buch wurde zur Grundlage aller Nacherzählungen – auch für den Münchhausen-Film.

„Die Ballonfahrt zum Mond, Cagliostros Ring, der Münchhausen unsichtbar zu machen vermag und nicht zuletzt Münchhausens berühmter Ritt auf der Kanonenkugel, von der Hans Albers in der Rolle des Lügenbarons ins Publikum grüßt – die Filmversion von 1943 präsentierte eine opulente und exotisch anmutende Märchenwelt, die ihre Kinopremiere im größten Kino Deutschlands feierte: dem Berliner Ufa-Palast am Zoo. Das Drehbuch stammt aus der Feder des Journalisten, Lyrikers, Kinderbuchautors und Romanciers Erich Kästner. »Er war ein sehr medienaffiner Autor für seine Zeit«, sagt der Münchner Literaturwissenschaftler Sven Hanuschek und betont Kästners Interesse »an neuen Formen und Medien … Obwohl der Schriftsteller mit einem Schreibverbot belegt wurde und der Gestapo als »Kulturbolschewist übelster Sorte« galt, durfte er das Drehbuch zu »Münchhausen« verfassen. In Absprache mit Goebbels erteilte Reichsfilmintendant Fritz Hippler im Juli 1942 eine mündliche Sondergenehmigung. Allerdings konnte Kästner nur unter dem Pseudonym Berthold Bürger schreiben. Das war kein Zufall und entsprach durchaus der nationalsozialistischen Kulturpolitik: Öffentlich geächtete Autoren, die nicht vor dem NS-Regime ins Ausland geflohen waren und über ein gewisses Ansehen verfügten, genossen eine Reihe von Privilegien. So auch Erich Kästner, dessen gesellschaftskritische Satiren und Gedichte vor 1933 vor allem im Feuilleton der »Vossischen Zeitung« und in Carl von Ossietzkys »Weltbühne« gefragt waren. Auch deshalb wurden am 10. Mai 1933 Kästners Bücher auf dem Berliner Opernplatz verbrannt. 1934 verhaftete ihn die Gestapo und ließ ihn kurz darauf wieder frei; 1937 wurde Kästner erneut verhaftet und wieder entlassen…Bei seiner Premiere am 5. März 1943 im Berliner Ufa-Palast hatte »Münchhausen« einen Riesenerfolg und spielte in den folgenden Wochen weit über 25 Millionen Reichsmark ein. Doch im Abspann des Films fehlte der Name des Drehbuchautors: Berthold Bürger alias Erich Kästner hatte erneut Schreibverbot. Als Hitler erfahren habe, bei wem es sich um Berthold Bürger handelte, habe er einen »Wutanfall bekommen und das Totalverbot ausgesprochen«. Von diesem Führerbefehl, sagt Hanuschek, gab es mehrere Schreibmaschinendurchschläge. »Kästner hatte einen davon in einem Holzrähmchen bei sich im Wohnzimmer in den 1950er Jahren an der Wand hängen.“

Das unterstreicht die fehlende Geradlinigkeit in der von Göbbels gesteuerten Kulturpolitik.

Nun die beiden Themen des Films…der Ritt auf der Kanonenkugel, die in einer Moschee einschlägt. Münchhausen überlebt natürlich die Explosion

Um 1924 wurde die älteste heute noch erhaltene Moschee Deutschlands in Berlin von den Spenden der Ahmadiyya erbaut: Die Wilmersdorfer Moschee, die damals „Berliner Moschee“ hieß. Der Imam der Moschee Maulana Sadr ud-Din brachte 1939 auch die erste deutsche Koranübersetzung aus muslimischer Hand heraus. Weiterhin wurde im Zeitraum von 1924 bis 1940 die erste muslimische Zeitschrift Moslemische Revue herausgegeben. Redakteur sowohl der Übersetzung als auch der Zeitschrift war der jüdische Konvertit Hugo Marcus. In der Ahmadiyya-Gemeinde spielten deutsche Konvertiten schnell eine deutlich größere Rolle als in anderen muslimischen Gemeinschaften in Berlin. 1925 war von rund 25, im Jahr 1930 von rund 100 Konvertiten die Rede.

Daneben gab es ja die Schwetzinger Moschee.

Heinz Dotzler: Die Schwetzinger Moschee

Die Gartenmoschee zählt zu den faszinierendsten Bauten im Schlossgarten von Schwetzingen. Kurfürst Carl Theodor folgte damit nicht nur einem Modetrend seiner Zeit, sondern zeigte sich als weltoffener, toleranter Herrscher. Nicolas de Pigage errichtete die Gartenmoschee mit ihrem Zentralbau, den beiden Minaretten und Gebetsgängen zwischen 1779 und 1795. Als Vorbild für diese außergewöhnliche Gartenarchitektur dienten neben der Gartenmoschee von William Chambers in Kew Gardens in London vor allem Entwürfe von Johann Fischer von Erlach. Faszinierend ist die Kombination abendländischer und orientalischer Architektursprache. So finden sich barocke Kuppel, spitzbogige Fenster und Rundbogenarkaden neben Minaretten, Pavillons und Halbmonden.

Der Innenraum der Gartenmoschee besteht aus einem runden Zentralraum, der von Säulen und Nischen gegliedert ist. Nischen und Architekturelemente sind farbig gefasst. Inschriften in arabischer und deutscher Sprache verweisen auf Tugenden wie Weisheit, Fleiß und Verschwiegenheit. Alle arabischen Texte haben Fehler in der Punktierung der Konsonanten und der Vokalisierung – ein Fehler des deutschen Steinmetzes, der 1794 die Inschriften übertrug. Beeindruckend ist ein Blick in die hohe Kuppel.

Ein Spaziergang durch die Gebetsgänge mit ihrem bezaubernden Licht-Schatten-Spiel zählt zu den Höhepunkten eines Besuchs im Schlossgarten. Holzgitterwerk bietet Ausblicke in den Innenhof und in den umliegenden Türkischen Garten. Pavillons mit mächtigen Kuppeldächern und vergoldeten Halbmonden betonen die Mitten der Längsseiten und die Ecken der Gänge. Ihre Wände sind mit arabischen und deutschen Sinnsprüchen verziert.

Als letzte erhaltene ihrer Art aus dem 18. Jahrhundert ist die Gartenmoschee von Schwetzingen ein einmaliges Zeugnis für das damals herrschende Interesse an der arabischen Welt. Da das Gebäude jedoch nicht zur Ausübung einer Religion errichtet wurde, steht es vor allem für die Toleranz des aufgeklärten Bauherrn Carl Theodor. Verweise auf unterschiedliche Religionen sollten den Betrachter zum Nachdenken anregen.

Der Film „Münchhausen“ führt ja auch zur Gestalt des Casanova, der auch in Schwetzingen zu Gast war.

Hier der Beitrag dazu von Susan Richter, den uns Wolfgang Schröck-Schmidt von der edition Schröck-Schmidt zur Verfügung stellte.

Nicolas de Pigage (1723-1796) schuf mit dem Schlosstheater von 1752 bis 1753 sein erstes Meisterstück in Schwetzingen. Die Erstausstattung war vom blumigen Rokokostil geprägt. Nach 1770 erfolgte eine Farbgebung in zurückhaltenden Grautönen im frühklassizistischen Stil. Der original erhaltene Zuschauerraum bietet mit seiner Bestuhlung von 1937 das authentische Bild eines intimen Schlosstheaters aus dem 18. Jahrhundert. Die angrenzenden Säle mit ihren hohen Fenstertüren dienen immer noch als Foyer und Wandelhalle.

Quelle: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

n der badischen Zeit nutzte man das Theater nur 1823 und zum großen Herbstmanöver 1840 für jeweils eine Vorstellung. Danach wurde der große Raum des Theaters sogar zum Dörren von Hopfen missbraucht. Kurz nachdem der badische Großherzog 1918 abgedankt hatte, ging der Schwetzinger Schlossgarten 1919 in den Besitz des Badischen Staates über. Ab 1922 plante man, das vergessene Juwel der barocken Bühnenkunst aus seinem langen Dornröschenschlaf zu erwecken und das Theater wieder in Betrieb zu nehmen. Nur der Geldmangel in der Nachkriegszeit und die Inflation verhinderten dies.

Unter der Nazi-Regierung von Baden, die sich sogar Rückendeckung bei Propagandaminister Göbbels holte, wurde das Theater wieder bespielbar gemacht.

Eröffnet wurde das Schwetzinger Theater am 10. Oktober 1937 mit einer Festvorstellung mit den Concerto grosso von Georg Friedrich Händel, dem Schauspiel „Die Laune des Verliebten“ von Johann Wolfgang von Goethe und der Oper „Die Pilger von Mekka“ von Christoph Willibald Gluck. Zu diesem Anlass wurde die Stadt zeittypisch beflaggt, die Schlosswache trat in kurpfälzischer Uniform des 18. Jahrhunderts an, Fackeln säumten den Weg zum Theater und Rokoko-Paare begrüßten die Gäste im Foyer.

Quelle: Schwetzinger Zeitung

Dazu gehört auch ein belegbarer Besuch des Propagandaministers in Schwetzingen. Herbert Baumann kennt das alles nur zu gut, wuchs er doch mittendrin auf. Seine Eltern, Konditormeister Christian Baumann und dessen Frau Marie, führten einst das Schlosscafé, das heutige „Theodors“, sowie die „Kurfürstenstube“. Sie pachteten die Lokalitäten 1938 und die Familie verwöhnte dort 30 Jahre lang ihre Gäste. In das Gästebuch des Schlosscafés kamen natürlich auch bekannte Menschen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und vor allem Kunst sowie Kultur – auch während der dunkelsten Zeit Deutschlands. Ganz vorne im Gästebuch hat sich Paul Joseph Goebbels (1897 – 1945) verewigt. Der einstige Reichspropagandaleiter in der Zeit des Nationalsozialismus war mit dem japanischen Botschafter Hiroshi Oshima am 11. Juli 1939 im Schloss zu Gast. Die Gespräche hatten weltpolitisch Folgen.

Der Dreimächtepakt war ein am 27. September 1940 auf Initiative Adolf Hitlers geschlossener Vertrag des Deutschen Reiches mit dem Kaiserreich Japan und dem Königreich Italien, dem sich danach weitere Staaten anschlossen. Er wurde von den Vertragspartnern auch als Achse Berlin-Rom-Tokio bezeichnet.

Der Angriff auf Pearl Harbor, auch bekannt als Überfall auf Pearl Harbor beziehungsweise als Operation Ai[1], war ein Überraschungsangriff der Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräfte in Friedenszeiten auf die in Pearl Harbor im Hawaii-Territorium vor Anker liegende Pazifikflotte der USA am 7. Dezember 1941. Am darauffolgenden Tag erklärten die USA dem Kaiserreich Japan den Krieg.

Mit dem Angriff weitete das Kaiserreich Japan den seit 1937 geführten Pazifikkrieg aus. Durch die Operation sollte die Pazifik-Flotte der USA vorübergehend ausgeschaltet werden, um ungehinderten Zugriff auf Rohstoffe in Südost-Asien zu erhalten. Nach der Kriegserklärung der USA am 8. Dezember erklärten daraufhin das mit Japan verbündete nationalsozialistische Deutsche Reich sowie Italien am 11. Dezember 1941 den Krieg gegen die USA (Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten). Damit wurde der Angriff auf Pearl Harbor mit seinen Folgen zu einem entscheidenden Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg,

Mit dem Atombombenabwürfen auf Hiroschima und Nagasaki setzten die Amerikaner einen Schlussstrich unter das Kapitel des „Zweiten Weltkriegs“. Am 6. August läuteten in Gedenken an die Opfer und Angehörigen der Attacken die Glocken der Weihnachtskirche

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