Der königliche Spargel

Die Schwetzinger Spargelkönigin zu Besuch im Landtag Baden-Württemberg hier mit Andreas Sturm (links), daneben CDU-Fraktionsvorsitzender Manuel Hagel und Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Foto: Matthias Busse

Berlin. Das königliche Gemüse hat Weltruhm. Auch der Schwetzinger Spargel ist weit über die Grenzen der kurpfälzischen Perle bekannt.

Von Frank Bürger

„Wir müssen unsere regionalen Erzeuger unterstützen, ohne die Landwirte kein Spargel. Ohne Spargel keine Spargelstadt Schwetzingen Vielen Dank an alle, die den Spargelanbau in Schwetzingen unterstützen, stellvertretend an Emilia I. – die die Stadt Schwetzingen und die Spargel-Kultur sehr sympathisch vertritt“, so schreibt es der Landtagsabgeordnete und Autor Andreas Sturm auf seiner Facebookseite.

Die Deutsch-Polnischen Nachrichten haben viel über den Spargel geschrieben. Und immer wieder verwöhnte mich meine Mutter Annemarie Bürger mit leckerem Spargel. Spargel ist auch ein Stück Europa.

Mit Bedauern muss nun festgestellt werden, dass eine Schwetzinger Spargelinstanz das Handtuch wirft. Denn Andreas Sturm schreibt weiter: „Mich hat es sehr geschmerzt, dass Elfriede Fackel-Kretz-Keller am Wochenende ihren Spargelverkauf geschlossen hat. Der Arbeitskräftemangel ist der Grund. Eine lange Tradition endet, das ist sehr schade!“

Andreas Sturm dürfen wir nun am Sonntag zum Gottesdienst und zur Podiumsdiskussion in der Weihnachtskirche in Berlin erwarten, zum Thema Europa.

Nicht unweit der Verkaufsstelle im Zentrum Schwetzingens befindet sich das Rothackersche Haus. Hier war auch ein Spargelmuseum geplant. Uns liegen derzeit auch nach der Klausurtagung des Stadtrates keine Infos vor, wie es da weitergeht.

Rothackersches Haus. Archivfoto
Archivfoto

Auch in meinem Buch zu Albert Schweitzer spielt der Spargel eine Rolle.

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Spargel mit Stil

Eliette von Gemmingen mit einem Korb grünen, weißen und lila Spargel
Fotos: Rolf Kienle

In der Spargelmetropole Schwetzingen steht das edle Gemüse wieder im Mittelpunkt. Wer sich stilvoll durch die Saison genießen will, hatte am vergangenen Freitag, 16. Mai 2025, die Gelegenheit, nicht nur kulinarisch, sondern auch gesellschaftlich zu glänzen: Beim Workshop „Tischmanieren für Anfänger: Etikette beim Spargelessen“ luden „Museum frei Haus“ ins Schwetzinger Karl-Wörn-Haus, die Mediterrane Kochgesellschaft und Knigge-Expertin Eliette von Gemmingen zu einem genussvollen und lehrreichen Abend ein.

Die Veranstaltung war Teil des innovativen Kulturformats „Museum frei Haus – Kultur da, wo Du bist“, mit dem das Schwetzinger Museum in der Übergangszeit ohne festen Standort seine Inhalte direkt zu den Menschen bringt. Und diese Idee kam bestens an: 15 Teilnehmende folgten der Einladung und erlebten Tischkultur hautnah – informativ, genussvoll und unterhaltsam.

Warum man früher Spargel mit den Fingern aß

Knigge-Expertin Eliette von Gemmingen, ausgebildete Hotelkauffrau mit Stationen im Europäischen Hof Heidelberg, Adlon Berlin und auf der Burg Hornberg, führte mit viel Charme und Fachwissen durch den Abend. In ihrem Vortrag erklärte sie, warum es historisch gesehen absolut korrekt war, Spargel mit den Fingern zu essen: Im 18. und 19. Jahrhundert stand in vielen bürgerlichen und adeligen Haushalten ausschließlich Silberbesteck zur Verfügung. Das erwies sich jedoch als ungeeignet, denn beim Schneiden des Spargels reagierte dieser mit dem Silber und setzte Silbersulfid frei – ein Stoff, der nicht nur das Besteck schwarz färbte, sondern auch unangenehm schmeckte. Die Lösung: Spargel wurde kurzerhand per Hand gegessen.

Wer das heute ebenfalls bevorzugt, darf dies laut von Gemmingen selbstverständlich tun – allerdings gehöre dann eine Schale Wasser mit Zitronenscheibe zur Handreinigung neben den Teller.

Genussvoll lernen in drei Gängen

Dass Tischmanieren nicht trocken sein müssen, bewies das begleitende Menü der Mediterranen Kochgesellschaft. Es wurde stilvoll serviert und bestand aus:

Vorspeise: Grüne Spargelsuppe mit Ricotta

Hauptgang: Spargel mit Sauce Gribiche (hartgekochte Eier, Kapern, Cornichons, Olivenöl)

Dessert: Minzjoghurt mit Grenadine

Dazu wurden korrespondierende Weine gereicht – auch hier gab die Knigge-Expertin wertvolle Tipps: Ein Grauburgunder geht (fast) immer, zu kräftigen Saucen passen ein Mersault aus dem Burgund oder ein Grüner Veltliner. Und für ein Dessert wie eine Spargel-Panna Cotta mit Ingwer empfiehlt sich eine Riesling-Auslese. Beim Wein gilt übrigens dieselbe Etikette-Regel wie beim Besteck: von leicht nach schwer – beziehungsweise: von außen nach innen. Letzteres ist übrigens auch für Kinder leicht zu merken: Der letzte Buchstabe von „Gabel“ ist ein „l“ – also links, der von „Messer“ ein „r“ – rechts.

Tischkultur als Kommunikationshilfe

Von Gemmingen sieht Tischmanieren nicht als starres Regelwerk, sondern als Werkzeug für entspannte Kommunikation. „Wer weiß, wie es geht, muss sich nicht mehr damit beschäftigen – und kann sich ganz dem Gespräch widmen“, erklärt sie. In Familien würden grundlegende Umgangsformen jedoch heute oft nicht mehr aktiv vermittelt – gerade deshalb sei es wichtig, sie in Veranstaltungen wie dieser mit Freude und Genuss zu erleben.

Besonders charmant: Am Tisch wurde schnell diskutiert, wie der Spargel in der eigenen Heimatregion traditionell gegessen wird. Mit Schinken und Pfannkuchen? Nur mit Kartoffeln? Oder gebraten als Salat? Der Workshop bot nicht nur Etikette-Wissen, sondern auch reichlich Gesprächsstoff – ganz im Sinne des Formats Museum frei Haus, das Kultur in den Alltag integriert und Menschen zusammenbringt.

„Wir freuen uns, mit unserem Konzept Museum frei Haus über den sprichwörtlichen Tellerrand zu schauen und unser Publikum immer wieder mit ungewöhnlichen Themen und Formaten zu überraschen. Gerade Veranstaltungen wie diese zeigen, wie vielseitig Museumsarbeit sein kann – auch ohne festen Ort“, so der Museumsleiter Lars Maurer

Dass Eliette von Gemmingen Station im Europäischen Hof macht, zeigt ihre Qualität.

Auch die Deutsch-Polnischen Nachrichten haben Verbindung zu dem grandiosen Hotel

Der Autor mit Max Ehrlich und Gabriele Priester im Europäischen Hof

Die Einladung erfolgte über den Richard-Wagner-Verband Heidelberg. Von dort aus ist der Weg nicht weit nach Schwetzingen, wo auch der Bayreuther Meister weilte, der am 22. Mai geboren wurde.

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