Heilandskirche im Fokus

Fotos: Frank Bürger

Berlin. Mit der MS Königswald ist eine Entdeckungstour auf der Havel ein Erlebnis, mit historischer Note.

Von Frank Bürger

„,Gott mit uns seit 1861´ So steht es in Stein geschlagen an unserem Kontor. Die Schiffswerft Bolle wurde 1861 am Pareyer Verbindungskanal bei Derben gegründet – damals noch unter dem Namen „Schiffswerft Gebrüder Bolle“. Die Lage der Werft erwies sich als günstig: die Schiffe konnten über den Elbe-Havel-Kanal aus Richtung Berlin sowie über die Elbe anreisen. Außerdem schützte die Pareyer Schleuse die Werft vor Wasserstandsschwankungen der nahe gelegenen Elbe. Unsere Werft hatte schon immer ein gemischtes Produktionsprogramm: Sie übernahm Schiffsneubauten, Schiffsreparaturen und -umbauten. In dieser Zeit wurden überwiegend Motorgüterschiffe, aber auch Schiffe für den Fischfang im Schwarzen Meer fertiggestellt. Bis 1972 blieb die Werft im Privatbesitz der Familie Bolle – bis sie zwangsweise an die DDR verkauft werden musste und Teil eines VEBs wurde (Volkseigener Betrieb). Mit dem Ende der DDR ging die Werft im Jahr 1990 zurück in den Familienbesitz. Die folgende Umstrukturierung und Modernisierung knüpfte an die Tradition an und die Schiffswerft Bolle setzte Kurs für eine erfolgreiche Zukunft: Seit der Reprivatisierung gingen mehr als 200 Schiffe vom Stapel. Heute ist die Werft in 6. Generation und wird von Mario Bolle geleitet.“

Quelle: Homepage der Werft

Die Deutsch-Polnischen Nachrichten werfen immer wieder gern einen Blick nach Neuderben und auch nach Potsdam.

„Hier hat sich im Laufe der Jahre ein vertrauensvolles Miteinander entwickelt“, sagt Mario Bolle mit einem Lächeln im Gesicht zur Kooperation mit der Potsdamer Weißen Flotte.

Die Schiffswerft Bolle GmbH, die bereits die Potsdamer Schiffe “Fridericus Rex”, und “Königswald”, “Wassertaxi 1” sowie den Dampfer “Gustav” generalüberholte und aus deren Schiffbauhallen auch die Neubauten MS “Belvedere”, “Wassertaxi 2”, “Wassertaxi 3”, und die MS “Sanssouci” stammen, hat mit der termingerechten Übergabe der MS “Schwielowsee hybrid” an die Weisse Flotte Potsdam GmbH erneut bewiesen, dass sie ein verlässlicher Partner ist, der durch Innovation und Qualität besticht.

Die „Schwielowsee“ ist das erste deutsche Hybrid-Fahrgastschiff, mit dem wir auch schon unterwegs waren

Anfang Juli war es nun möglich, mit der MS Königswald eine Tour auf der Havel zu machen.

Historisch ist nicht nur Verbindung Sachsen-Anhalt nach Brandenburg, historisch ist auch die Fahrt vorbei an der Heilandskirche bei Sacrow.

Darüber berichtet „evangelisch.de“ in einem Beitrag vom 3. November 2019. Die Memoiren wurden auch an Bord der MS Königswald lebendig:

Einst von der DDR-Grenze abgeriegelt und entstellt, inzwischen Unesco-Weltkulturerbe: 1844 wurde die Sacrower Heilandskirche an der Havel vor den Toren Potsdams eingeweiht. Wie ein antikes Schiff, das am Flussufer vor Anker liegt, wird sie mitunter poetisch beschrieben. Doch 1961 fiel das Werk des preußischen Baumeisters Ludwig Persius der Politik zum Opfer. Die deutsch-deutsche Grenze verlief quer über das Kirchengelände. Der Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren war auch für das Denkmal eine Befreiung. 1961 wurde in der evangelischen Kirche der letzte Weihnachtsgottesdienst nach dem Mauerbau gefeiert, erst 1989 nach Öffnung der Grenze der nächste. Die Gemeinde der Sacrower Heilandskirche habe dies mit Unterstützung des Senats und des DDR-Übergangsregierungschefs Hans Modrow (SED) erreicht, schreibt der damalige West-Berliner Regierende Bürgermeister Walter Momper (SPD) in seinen Erinnerungen über diesen Gottesdienst: „Man hatte Stühle, Kerzen und eine Bauheizung hergeschafft.“

„Es war ein merkwürdiges Gefühl, als Manfred Stolpe uns vor der Hinterlandmauer empfing und an den Warnschildern des Grenzgebiets vorbei durch den Grenzzaun ins Niemandsland geleitete“, schreibt Momper: „Ich empfand Beklemmung, als ich an den unbesetzten Wachtürmen vorbei durch den Todesstreifen ging.“ Mit dem Bau der Mauer wurde einst der Glockenturm im italienischen Stil zum Teil der DDR-Grenzanlagen, die Betonplatten wurden direkt neben den Turm gesetzt. Wenige Tage nach dem Weihnachtsgottesdienst 1961 wurde der Innenraum samt Altar und Orgel auf dem von den Grenztruppen streng bewachten Gelände zerstört. Eine weitere Nutzung war damit nicht mehr möglich. Knapp drei Jahrzehnte stand die evangelische Kirche im Niemandsland, im Sperrgebiet der Grenzanlagen. Der angrenzende, einst von Peter Joseph Lenné angelegte Landschaftspark und das nahegelegene Gutshaus wurden vom Zoll der DDR genutzt. Garagen, andere Gebäude und eine Anlage zur Ausbildung von Zollhunden mit nachgebauter Grenzübergangsstelle wurden im Park errichtet.“

So war es mir vergönnt, für Walter Momper Reden schreiben zu dürfen, Manfred Stolpe war bei meiner Amtseinführung als Chefredakteur der Zeitschrift „Frohe Botschaft“ mit dabei.

Und die Spuren führen auch nach Spandau.

Im Landbuch Kaiser Karl IV. von 1375 wird Sacrow zum ersten Mal erwähnt. Da ist vom König und dem Wald noch keine Rede, die slawische Bezeichnung „za krowje“ deutet auf „hinter dem Gebüsch“. Der See davor gehört den Jungfern. Sie sind Benediktinerinnen aus Spandau, besitzen bis zur Reformation diverse Ländereien und neben diesem See in Sacrow auch ein Heide in Berlin.

1816 ist das Jahr der Änderungen für Sacrow. Inmitten der landwirtschaftlich genutzten Flächen werden kleine rauchende und übel riechende Betriebsstätten gebaut. Der Berliner Bankier Johann Matthias Magnus erwarb das Landgut. Geboren als Immanuel Meyer Levi machte er vom Textilkaufmann in Schwedt zum Berliner Bankier mit Sitz in der Behrenstraße Karriere, sobald das preußische Emanzipationsedikt ihm das ermöglichte. Magnus krempelt in Sacrow alles um. Nicht mehr die Spuren der romantischen Undine, die von E.T.A. Hoffmann zur Zauberoper vertont in eben diesem Jahr 1816 im Schauspielhaus uraufgeführt wurde, sondern Essig und Bleizucker bestimmen die Gefilde

Am 21.Juli 1844 wird die „Kirche des heilbringenden Erlösers im heiligen Hafen“ am Port von Sacrow geweiht.

Es gibt immer wieder Neues bei einer Potsdamtour.

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