Harter Ritt auf der Kanonenkugel

Historisch: Münchhausen im Filmpark. Foto: Frank Bürger

Berlin. Die Ufa hatte wie viele Unternehmen zur Nazi-Zeit Probleme mit jüdischen Bürgerinnen und Bürgern. Das fokussierte Landesbischöfin Heike Springhart am 30. Juni beim ZDF-Fernsehgottesdienst.

Von Frank Bürger

Der Film „Münchhausen“ wurde mit großem Aufwand und Starbesetzung in den Ufa-Filmstudios in Babelsberg als dritter abendfüllender deutscher Farbfilm produziert. Für Hans Albers war die Darstellung des Lügenbarons eine seiner glanzvollsten Rollen. „Münchhausen“ wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Ufa uraufgeführt. Die Jury hat den Film, dessen Drehbuch Erich Kästner aufgrund seines offiziellen Berufsverbots unter Pseudonym schrieb, in den Boulevard des Films aufgenommen, weil er – auch aufgrund seiner für die damalige Zeit raffinierten künstlerisch-technischen Umsetzung – eine der erfolgreichsten Ufa-Filmproduktionen ist. Bis heute wird kontrovers diskutiert, ob im Film – obwohl er als Auftragswerk des NS-Propagandaministers Goebbels produziert wurde – auch unterschwellig Kritik am NS-Regime enthalten ist.

Quelle: Potsdam.de

Am 30. Juni kam der ZDF-Fernsehgottesdienst von der Insel Mainau, ein Ort meiner Kindheit. Die Predigt von Landesbischöfin Heike  fokussierte auch die Ufa und das unrühmliche Kapitel unter der Nazi-Herrschaft. Zu einem der Lieder, die erklangen, gehörte auch das Lied „Irgendwo auf der Welt“.

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Irgendwo auf der Welt ist ein Schellack-Schlager von Werner Richard Heymann, der für den Film Ein blonder Traum (1932) mit Willy Fritsch, Willi Forst, Lilian Harvey, Paul Hörbiger, Trude Hesterberg geschrieben wurde. Das Lied, im Film interpretiert von Lilian Harvey, wurde international populär durch die Comedian Harmonists.

Auch Richard Heymann war betroffen von dem Judenhass der Nationalsozialisten. Er wurde 1896 im heutigen Kaliningrad, damals noch Königsberg, geboren.

Heymann arbeitete bereits in der Stummfilmzeit mit dem später bekannten Produzenten Erich Pommer zusammen und improvisierte bei den Dreharbeiten am Klavier die später mit Orchester erklingende Musik. Da sein Gehalt während der galloppierenden Inflation nicht angepasst wurde, zerstritten sich Heymann und Pommer und Heymann begann für das Kabarett „Die Wilde Bühne“ zu arbeiten. Im Herbst 1923 brannte die Wilde Bühne ab, womit auch diese Einnahmequelle versiegte. Heymann bewarb sich auf die Stelle als Assistent des Kinokapellmeisters Ernst Rappee, dessen Posten er im Herbst 1926 übernahm. Sein Zuständigkeitsbereich in dieser Position umfasste die Kompositionen und Arrangements von Stummfilmen. Nach dem Aufkommen des Tonfilms komponierte er dafür berühmt gewordene Melodien, etwa für Die Drei von der Tankstelle, Der Kongreß tanzt, Ein blonder Traum und Ich bei Tag und Du bei Nacht.

Nach Beginn der Zeit des Nationalsozialismus kündigte ihm 1933 die Ufa wegen seiner jüdischen Abstammung. Er ging in die Emigration – zuerst nach Paris, dann versuchte er, in Hollywood eine neue Heimat und Wirkungsstätte zu finden, was jedoch misslang. Er kehrte daher nach Paris zurück und ging später nach London. Ende der 1930er Jahre begab er sich ein weiteres Mal in die USA und komponierte zahlreiche Filmmusiken, u. a. für die Ernst-Lubitsch-Filme Ninotschka mit Greta Garbo und Sein oder Nichtsein. Er wurde mehrmals für den Oscar nominiert, u. a. für die Filmmusik für den Film Blaubarts achte Frau, die in Kooperation mit Friedrich Hollaender entstand.

Mit Nico Hoffmann führen die Spuren zurück von Babelsberg nach Baden.

Nico Hofmann, Sohn eines Journalistenehepaars, absolvierte nach dem Abitur 1978 am Moll-Gymnasium in Mannheim ein zweijähriges Volontariat bei der Tageszeitung Mannheimer Morgen,[1] bewarb sich im Alter von 20 Jahren bei der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) und wurde dort aufgenommen. Er studierte von 1980 bis 1985, sammelte nebenbei erste praktische Erfahrungen als Regieassistent bei Dieter Dorn und schloss das Studium mit Auszeichnung ab. Danach arbeitete Hofmann als Autor, Regisseur und Produzent. Von 2015 bis 2023 war Hofmann Geschäftsführ der UFA GmbH, danach bis Februar 2024 Chairman des Unternehmens.

Er gilt als Kultproduzent. So wagte er 1997 als Regisseur eine Neuverfilmung des legendären Streifens „Es geschah am hellichten Tag“.

Weitere Infos zum legendären Streifen

2020 führte Hofmann die Liste der 100 wichtigsten geouteten Führungskräfte in Deutschland an.

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