
Berlin. In Spandau ist gerade ein neues Gymnasium in Planung. Anlass mit Dr. Carola Brückner, Stellv. Bürgermeisterin von Spandau, Stadträtin für Bildung, Kultur, Sport und Facility Management, über ihre Arbeit zu sprechen.
Von Frank Bürger
Wie ist die Idee geboren worden, in Haselhorst ein neues Gymnasium zu installieren?
Ursprünglich war die gesamte Fläche – wo nun auch das Gymnasium verortet werden soll – für Wohnungsbau vorgesehen (mehr als 1.000 Wohnungen). Frühzeitig hatte das Stadtplanungsamt darauf hingewiesen, dass auf diesem Grundstück ein Schulstandort verortet werden müsse, weil Alternativflächen nicht vorhanden waren. Die ersten Realisierungswettbewerbe sahen eine Grundschule am Standort vor. Auch auf Grundlage des jährlichen Schulmonitorings wandelte sich aber mit der Zeit der Gedanke. Der Bedarf an Gymnasialplätzen musste ausweislich des Monitorings ebenfalls befriedet werden und die neue Gemeinschaftsschule Insel Gartenfeld sollte den in der Region ebenfalls wachsenden Bedarf an Grundschulplätzen abdecken. In den fortlaufenden Verhandlungen kristallisierte sich die Idee eines Gymnasiums immer weiter heraus und festigte sich. Unter Bezirksbürgermeister a.D. und Schulstadtrat Helmut Kleebank wurde im Bezirksamt die Entscheidung der Umsetzung eines Gymnasiums mit 4 Zügen getroffen.
Beschreiben Sie noch mal selbst, warum man sich für den Stuttgarter Entwurf der Gymnasiumplanung entschieden hat?
Derzeit laufen die „routinemäßigen“ Verhandlungen mit den drei bestplatzierten Büros. Ich kann daher noch keine Aussage über das zukünftige Büro treffen. Der erstplatzierte Entwurf fügt sich sehr gut in die städtebauliche Umgebung ein, nutzt in ansprechender Weise die Freifläche für Spiel- und Bewegungsareale und berücksichtigt dabei die sozialräumliche Öffnung. Das geforderte Raumprogramm wurde nicht nur weitestgehend erfüllt, sondern erschließt mit seiner klaren Struktur die inneren Bereiche sehr gut. Aber auch die beiden anderen Entwürfe haben ihre Vorzüge. So gefiel mir am drittplatzierten Entwurf von Gina Barcelona (Barcelona) mit SHA Scheffler Helbich Architekten GmbH (Berlin) besonders gut, dass der kompakte Baukörper nicht zuletzt durch die begrünten feingliedrigen Balkone im Bereich der Unterrichtsräume leicht und offen wirkt und durch die Holzbauweise der CO2-Fußabdruck deutlich reduziert wird.
Es entstehen viele neue Wohnungen in Spandau, warum gibt es gerade diesen Boom?
Das Land befördert den Wohnungsbau stark und dann, wenn auch das Zusammenspiel zwischen privaten bzw. städtischen Eigentümern (Wohnungsbaugesellschaften) und der bezirklichen Stadtentwicklung gut funktioniert, ist in einem relativ überschaubaren Zeitraum auf geeigneten Flächen vieles möglich.
Wo werden noch weitere Kitas und Schulen in Spandau aufgrund der Einwohnerentwicklung gebraucht?
In den kommenden Jahren sind einige Neubauvorhaben zu nennen: Die Grundschule Fehrbelliner Tor und die Grundschule Wiesen-/Weidenweg (beide 3 Züge) werden von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen erbaut. Die Gemeinschaftsschule Insel Gartenfeld sowie das eingangs beschriebene Gymnasium Rhenaniastraße erbaut die HOWOGE. Derzeitig sind alle Grundschulregionen stark nachgefragt – die aufgezeigten Maßnahmen sollen hier für Abhilfe schaffen. Im Bereich der ISS-Plätze wird es in den nächsten Jahren eine starke Übernachfrage geben. Sollten die finanziellen Möglichkeiten im Land Berlin vorhanden sein, wird sich der Bezirk auf die Schaffung weiterer ISS-Plätze fokussieren müssen.
Wo liegt das Hauptaugenmerk ihrer Arbeit in den nächsten Jahren?
Mein Fokus für die Legislaturperiode liegt vornehmlich auf der Sicherung der Schulplatzversorgung. Spandau braucht dringend eine weitere Schule im ISS-Bereich. Schulen müssen zudem schneller saniert werden und wieder Wohlfühlorte sein, die sauber und für die Schülerinnen und Schüler wie auch für die Lehrerinnen und Lehrer ansprechend sind. Als Stadträtin setze ich mich zudem für eine gute Kooperation zwischen den verschiedenen Bildungsakteuren im Bezirk ein. Durch eine effiziente Vernetzung von Einrichtungen der Bildungs- und Kulturlandschaft mit den Schulen können Ressourcen bestmöglich genutzt werden, auch im Bereich der Digitalisierung. Die Möglichkeit, Familienzentren an Schulen anzusiedeln, um Bildung und soziale Unterstützung noch enger zu verzahnen, begrüße und unterstütze ich sehr.
Gewalt an Schulen ist auch in Spandau ein Thema, wo sehen sie die Ursachen? Was kann man dagegen tun?
Das Thema Gewalt ist immer mal wieder im Fokus an einzelnen Spandauer Schulen. Die Spannbreite reicht von kleinen Konflikten zwischen Kindern bis hin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen von Jugendlichen oder schulfremden Personen. Die Ursachen sind vielfältig. Cybermobbing kann ebenso ein Grund sein wie das Hereintragen von familiären Konflikten in die Schule. Die Schulen verfügen selbst über eine breite Palette an wirksamen Maßnahmen zur Aufarbeitung, Konfliktlösung und Präventionsmaßnahmen. Hierbei unterstützen die schuleigenen Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen sowie die Mitarbeitenden des SIBUZ maßgeblich. Es finden an den Schulen außerdem zahlreiche Projekte zur Gewaltprävention auch mit außerschulischen Partnern statt.
Schulausstattung ist auch ein großes Thema, was wird hier geleistet? Für die Ausstattung an den Schulen (u.a. Lehr- und Lernmittel) gibt es feste Schlüssel, die durch das Land Berlin vorgegeben werden. Hinsichtlich der digitalen Ausstattung gibt es bereits seit mehreren Jahren den Digitalpakt – ein Bundesförderprogramm, bei dem auch der Bezirk Spandau bereits Mittel erhalten hat und auch weiterhin erhalten wird. Es kommt hier aber auch darauf an, was Sie genau interessiert. Die feste Ausstattung, z.B. mit Küchen, wird bei Bauvorhaben durch externe Vorhabenträger direkt umgesetzt.
Schule und Kultur gehören schon eng zusammen, wie sieht da die Verzahnung aus?
Ich möchte die bestehende Kooperation zwischen der Volkshochschule, der Hauptbibliothek bzw. den Stadteilbibliotheken und der Musikschule mit den Spandauer Schulen ausbauen. Die Kultur- bzw. Bildungseinrichtungen sollten in die Schulen gehen und nicht darauf warten, dass Kinder und Jugendliche zu ihnen kommen. Ich habe erfreulicherweise ein gutes Team im Amt für Weiterbildung und Kultur, das die Chancen eines außerschulischen Angebots insbesondere für Kinder und Jugendliche im Zusammenspiel der Einrichtungen sieht. Wir sprechen hier über Angebote der Sprachförderung oder der Jugendkunstschule bis hin zu dem geplanten mobilen Bandbus, der in die Stadtteile und an die dortigen Schulen fährt. Auch der neue dezentrale Kulturfonds kann genutzt werden, in der außerschulischen Bildungsarbeit Kinder und Jugendliche mehr in den Blick zu nehmen.
Herzlichen Dank für das Interview

