Karfreitagszauber in Erl

Jonas Kaufmann_Tiroler Festspiele Erl_Foto_Xiomara Bender

Berlin. Der 150. Geburtstag des Bayreuther Festspielhauses ist überall zu spüren, auch im idyllischen Tiroler Kleinod Erl.

Von Frank Bürger

Ausgangspunkt des Artikels war ein nettes Gespräch nach meiner Buchpräsentation in Reinickendorf. in meinem Buch auf den geheimnisvollen Spuren von Albert Schweitzer wird deutlich, der Weg zu Richard Wagner ist kein weiter. 2026 ist Wagner-Jahr. Und das Gespräch führte über Künzelsau in das beschauliche Tiroler Örtchen Erl. Am 31. Dezember 2023 besuchten mein Vater und ich das Kino in Limburgerhof.

Jonas Kaufmann (links) und Kiril Petrenko. Zeichnung: Frank Bürger

Bei den Konzerten zum Jahreswechsel interpretieret Chefdirigent Kirill Petrenko mit seinen Berliner Philharmonikern Werke von Richard Wagner. Die Abende beginnen mit der Ouvertüre und der ersten Szene (Der Venusberg) aus „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“. Es folgt der erste Akt aus der „Walküre“ mit Jonas Kaufmann als Siegmund und Vida Miknevičiūtė als Sieglinde sowie nunmehr Kehrer als Hunding.

Limburgerhof ist eine verbandsfreie Gemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis in der Metropolregion Rhein-Neckar und ist überregional bekannt durch das BASF-Agrarzentrum Limburgerhof. Limburgerhof ist eine verbandsfreie Gemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis in der Metropolregion Rhein-Neckar und ist überregional bekannt durch das BASF-Agrarzentrum Limburgerhof. Das BASF-Agrarzentrum Limburgerhof wurde im Jahr 1914 von dem Chemiker und Industriellen Carl Bosch gegründet. Die Versuchsarbeit begann im Frühjahr 1914 mit vier Mitarbeitern, im Jahr 2010 sind es 1500 Mitarbeiter.

Die Tschira-Stiftung hat ihren Hauptsitz in der Villa Bosch in Heidelberg. Das repräsentative Landhaus samt Nebengebäuden wurde 1921–1922 im Auftrag des Ludwigshafener Chemie-Unternehmens BASF für ihren Vorstandsvorsitzenden, den Chemiker und Nobelpreisträger Carl Bosch, erbaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Villa Bosch zunächst den US-amerikanischen Streitkräften als Unterkunft für hochrangige Militärs. Für eine kurze Zeit residierte hier auch General Dwight D. Eisenhower als Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone. Später diente sie einige Jahre einem Heidelberger Unternehmen als Sitz.

1967 übernahm der Süddeutsche Rundfunk (SDR) die Villa, um hier sein Studio Heidelberg-Mannheim einzurichten. 1994 entschied sich der SDR zum Verkauf der Villa. Neuer Besitzer wurde Klaus Tschira, der das Gebäude als Sitz für seine geplante Stiftung nutzen wollte und dafür zahlreiche Restaurierungs-, Renovierungs- und Modernisierungs-Arbeiten vornehmen ließ. Letztendlich erstand die Villa Bosch zur Jahresmitte 1997 im historischen Erscheinungsbild wieder, gleichzeitig mit hoch moderner Infrastruktur. Seither ist sie Sitz der Klaus Tschira Stiftung gGmbH (KTS).

Und von da aus ist der Weg nach Schwetzingen nicht weit

Doch auch Erl atmet mit Jonas Kaufmann Weltluft.

Die Tiroler Festspiele Erl sind seit ihrer Gründung 1997 durch den Dirigenten und Regisseur Gustav Kuhn zu einem zentralen Bestandteil der österreichischen und europäischen Kulturlandschaft geworden und finden weit über die Landesgrenzen hinaus Resonanz. Fernab der Großstädte gedeiht auf diesem fruchtbaren Boden seit mehr als fünfundzwanzig Jahren inmitten schönster Natur Musik auf höchstem Niveau .

Vor der atemberaubenden Kulisse des Kaisergebirges widmen sich internationale Künstler:innen mit großer Leidenschaft in der Sommer- und Wintersaison, daneben aber auch beim Ausklang oder im Rahmen der Festspiele zu Ostern den wichtigsten Werken der klassischen Musik und des Musiktheaters. Daneben kommt der Pflege der Zeitgenössischen Musik und der Vermittlungsarbeit eine wichtige Bedeutung im Festspielprogramm zu.

Erl, das durch die 400-jährige Geschichte der Passionsspiele kulturell vorgeprägt ist, wird so zu einem Ort, an dem sich in einer besonderen Atmosphäre künstlerisches Können und Anspruch zu einzigartigen Konzert- und Musiktheatererlebnissen verbinden!

Star-Tenor leitet seit Ende 2024 die Tiroler Festspiele in Erl bei Kufstein. Und nun läutet die ausverkaufte Inszenierung von Wagners Parsifal die Festspiele ein.

Erl, das atmet Weltluft…das zeigt schon das Festspielhaus mit Zukunftsorientierung.

Der Saal des Festspielhauses ist selbst ein Instrument. Freistehende Wände aus kanadischem Akazienholz ermöglichen ein Mitschwingen der Architektur. Auf der steil ansteigenden Tribüne, die auf jedem Platz eine hervorragende Sicht bietet und einem griechischen Theater empfunden ist, finden 732 ZuschauerInnen. Die Akustik wird als eine der besten in Europa ge-rühmt, denn es ist auch bei größeren Besetzungen  eine vollkommende Transparenz des Klanges gegeben. Musiker aus aller Welt schätzen die Akustik und wählen den Saal auch gerne für Aufnahme-Sessions. Bei seiner Eröffnung war der Orchestergraben der Größte seiner Art auf der ganzen Welt. Der Bühnenraum ist circa 450 Quadratmeter groß und wird ständig erweitert. 

Entworfen wurde das neue Haus der Tiroler Festspiele Erl vom Wiener Architekturbüro Delugan Meissl Architects. Die markante, in schwarz gehaltene Fassade wirkt neben dem weißen Passionsspielhaus mutig und zurückhal-tend zugleich. Das Festspielhaus respektiert die aufstre-bende Form des benachbarten Passionsspielhauses und setzt kontrastreich horizontale Impulse. Gleichzeitig erinnern die markanten Formen des Festspielhauses an Die Dornen aus der „Erler Dornenkrone“, dem Wap-penemblem des Dorfes. Das einmalige Ensemble der beiden Häuser steht im wunderbaren Dialog mit der Natur und den Jahreszeiten, und so wechseln sich die Häuser in ihrer optischen Prominenz je nach Saison ab.

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Wege führen nach Stuttgart und Wien

Delugan Meissl Architects

Das neue entstehende Haus für Film und Medien in Stuttgart als Projekt des Wiener Architektenbüros tritt als ein offenes, einladendes und kommunikatives Gebäude in Erscheinung. Maximale Transparenz bei gleichzeitiger Anpassbarkeit an unterschiedlichste Settings im Inneren sind zentrale Anforderungen an die Fassade, dabei spielen die ausladenden Grids als fixe Sonnenschutzelemente eine gewichtige Rolle, weil sie Verschattung bei gleichzeitig vollem Ein- und Ausblick ermöglichen. Diese Transparenz in Kombination mit der medialen Bespielbarkeit der Fassadenflächen lässt das Gebäude mit der Stadt ebenso wie mit seiner nachbarschaftlichen Umgebung kommunizieren.

Im Inneren des Gebäudes wird die Auseinandersetzung mit Film und Medien entlang eines klar gezeichneten Weges in Szene gesetzt, Besucher- und NutzerInnen werden vielfältige Flächen mit unterschiedlichen Aktivitätsfeldern geboten.

Auf Platzniveau verwebt eine großzügige Eingangstreppe das Haus für Film und Medien mit dem öffentlichen Raum, sie inszeniert – angelehnt an den roten Teppich – das Betreten des Hauses, das Entree befindet sich dabei ganz bewusst auf der „Belle Etage“.

Die vom Haus überragte und dadurch witterungsgeschützte Freifläche der Gastronomie kann als weitere Übergangszone zwischen dem Gebäude und dem Freiraum verstanden werden und lädt zum Aufenthalt im Freien ein.

Eine Verdichtung der Obergeschoße zugunsten eines zurückspringenden Sockels ermöglicht die großzügige Aufweitung der Esslinger Straße zum Leonhardsplatz hin, wodurch wertvoller Platz für eine attraktive Bespielung des öffentlichen Raumes geschaffen wird.

Die Ausrichtung und Orientierung des neuen Gebäudes zum Leonhardsplatz hin werden betont, es entsteht daraus ein starkes Spannungsfeld mit der gegenüberliegenden Kirche, das sich in Form der neuen HFM Plaza auf Erdgeschoßniveau wirksam abzeichnet.

Um in den unteren Ebenen maximale Transparenz zwischen Innen und Außen zu ermöglichen, werden die beiden Kinosäle als fensterlose Volumen in den obersten Geschoßen platziert. Die Multifunktionsräume befinden sich unmittelbar über der Eingangsebene, wodurch sich dazwischen die Funktionen Bildung, Verwaltung, Gastronomie, Ausstellung und Aufenthalt entlang eines Erschließungsweges mit vielfältigen räumlichen Sequenzen aufspannen können. Immer spielen dabei visuelle Außenraumbezüge, mit Panoramablick in die Stadt Stuttgart eine wesentliche Rolle.

Das szenographische Konzept des Hauses ist eng mit der Architektur verbunden. Die Mission ist es, ein flexibles, offenes Haus zu schaffen, das zum Behälter unterschiedlichster Formate wird und sich immer wieder neu erfindet. Vier räumliche, programmatische Elemente werden den KuratorInnen an die Hand gegeben, um das Haus erfolgreich zu bespielen und zu nutzen. Die Vision-Box als Krone des Gebäudes trägt die Vision und Mission in den Stadtraum. Die Unterseite der Decke (Atmospheric Ceiling) über dem Foyers und die Fläche vor dem Gebäude (Interactive Square) sind eine Verlängerung der Orientation Wall und verbinden Innen und Außen. Im Zusammenspiel mit der Vision Box kommunizieren die Elemente gesamthaft nach Außen. Die Architektur selbst schafft Frei-Räume für eine flexible Bespielung und programmatische Vielfalt. Anstatt Design-Elemente zu gestalten, erzeugen wir Leerstellen und somit Möglichkeiten, diese immer wieder neu zu füllen.

Die Fassade des neuen Hauses für Film und Medien gliedert sich in drei Fassadenabschnitte, die die innere Struktur des Hauses abbilden: Der zweigeschoßige Kopf mit den dahinterliegenden Nutzungen, für die lediglich temporäres Tageslicht erforderlich ist, erscheint nach außen monolithisch geschlossen und kann mit den im grobmaschigen Grid integrierten LED- Modulen auf subtile Weise mit der Stadt und der nachbarschaftlichen Umgebung kommunizieren. Die horizontale Schichtung der drei darunterliegenden Nutzungsebenen mit Ausstellung, Bildung, Gastronomie und Büros wird über vorgefertigte, fixverglaste Fensterbänder im Raster von 125 cm umgesetzt. Vorgelagerte, starre Metallroste stellen einen permanenten Sonnenschutz dar und unterstützen einen filmsequenzartigen Ausblick aus den Innenräumen in die Stadt. Durch integrierte Blend-, Sonnenschutz- bzw. Verdunkelungsrollos kann sich die transparente Fassade raumweise flexibel an die wechselnden Nutzungserfordernisse anpassen. Im zurückspringenden Sockel werden Foyer und Gastronomie mit raumhohen, bis zum Boden reichenden Verglasungen ausgestattet, um bis tief ins Gebäudeinnere einen Blickbezug von außen nach innen und vice versa zu schaffen. Damit wird die visuelle Wirksamkeit des LED- Rasters an der Deckenuntersicht des Eingangsgeschoßes bestmöglich unterstützt.

Charakteristisch für das Bauwerk sind die großzügigen Auskragungen der obersten fünf Geschosse in zwei Gebäuderichtungen. Diese werden über ein umlaufendes Fachwerk aus Stahl realisiert. Die Fachwerkkonstruktion nutzt als Leichtbauweise die obersten beiden Geschosse als statische Höhe und dient als verformungsarmes und wirtschaftliches Aufhängungssystem für die auskragenden Geschossdecken. Alle Tragwerkselemente sind in hohem Maße vorgefertigt, werden schnell und emissionsarm vor Ort montiert und können ebenso komplett zerstörungsfrei rückgebaut werden. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft können Komponenten vollkommen wiederverwendet oder nahezu abfallfrei recycelt werden.

Quelle: Baunetz-Architekten

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