
Berlin. Im Kirchenkreis Spandau gibt es ein kirchenmusikalisches Highlight: Im Rahmen der 77. Haselhorster Orgelstunde gastiert der renommierte Improvisationsmeister Dirk Elsemann.
Von Frank Bürger
Am 15. März um 16 Uhr gastiert der Orgelmusiker Dirk Elsemann im Rahmen der 77. Haselhorster Orgelstunde in der evangelischen Weihnachtskirche.

Seine Biografie lässt mit der Zunge schnalzen
Dirk Elsemann (* 18.8.1977 in Rhede/ Westfalen)
erhielt als Siebenjähriger seinen ersten Orgelunterricht bei Alfred Heinzel/ Bocholt und trat bereits 1989 seine erste Organistenstelle an der Christuskirche/ Bocholt an. 1994 – 2000 Organist an Heilig Kreuz/ Bocholt. 1994 erster Preis (Orgelimprovisation) im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Er besuchte Meisterkurse bei Frédéric Blanc, Anders Bondeman, Helmut Deutsch, Mikko Korhonen, Jon Laukvik, Tomasz Adam Nowak, Peter Planyavsky, Jan Raas und Daniel Roth. 1997 – 2004 Kirchenmusikstudium in Düsseldorf und Berlin mit dem Abschluss des A-Diploms. Seine Lehrer waren u. a. Stefan Schmidt, Leo van Doeselaar, Erwin Wiersinga, Paolo Crivellaro, Wolfgang Seifen, Raimund Wippermann sowie Uwe Gronostay. 1999 Gewinner des Gottfried-Schreuer-Preises für künstl. Orgelspiel und Improvisation in Düsseldorf. Seit 2001 Kirchenmusiker an Heilig Kreuz/ Berlin-Wilmersdorf. 2005 Konzertexamen Orgelimprovisation mit Auszeichnung. Seit 2004 rekonstruiert und erweitert er die romantische Steinmeyer-Elsemann-Orgel der Kath. Kirche Heilig Kreuz/ Berlin-Wilmersdorf. 2003 – 2021 Lehrauftrag für Liturg. Orgelspiel und Improvisation an der UdK Berlin. 2008 – 2013 Lehrauftrag für Gottesdienstliches Orgelspiel am Ev. C-Seminar Berlin. 2016 – 2024 Lehrauftrag für Orgelimprovisation an der HMTM in Hannover. 2021 – 2025 Gastprofessor, ab 2026 ordentlicher Professor für Liturg. Orgelspiel und Improvisation an der UdK Berlin. Seit 2014 Mitglied der Erzbischöflichen Kirchenmusikkommission Berlin. Seine musikalische Arbeit wird abgerundet durch eine europaweite Konzerttätigkeit sowie Rundfunk- und CD-Aufnahmen.
Quelle: Homepage Dirk Elsemann
Auf Zuruf von Organisator Kantor Jürgen Trinkewitz wird er improvisieren.

Hier nun ein Beitrag von Jürgen Trinkewitz zum Thema „Improvisation“:
Die Kunst der musikalischen Improvisation ist ein Spiel ohne Noten, aus dem Augenblick heraus. Diese Kunst ist eine alte. Bereits in der Renaissance und im Barock wurde das Lernen der musikalischen Grundlagen, des Komponierens, des Spielens und des Improvisierens zusammen gelehrt und gelernt. Das betraf vor allem das Spiel auf Tasteninstrumenten wie Cembalo und Orgel. Doch auch andere Instrumentalisten wie Geiger und Flötisten konnten aus dem Stegreif spielen.
Viele der Orgelkompositionen, die wir heute nach Noten spielen, waren vor allem als Lehrmaterial und Muster für die damaligen Schüler eines „Meisters“ gedacht. Ziel war es, im Gottesdienst und in Konzerten zu improvisieren.
Es gibt viele Anekdoten über Wettbewerbe zwischen Komponisten, die um die Wette improvisierten. Die bekannteste Geschichte ist die von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Louis Marchand (1669-1732). Die Komponisten hielten sich 1717 beide in Dresden auf. Geplant war ein musikalisches Duell auf Cembalo und Orgel, bei dem beide Musiker ihr Können, insbesondere in der Improvisation, messen sollten.
Der Legende nach hörte Marchand den Konkurrenten spielen, erkannte die enorme Qualität Bachs und verließ aus Angst vor einer demütigenden Niederlage am Morgen des Wettstreits fluchtartig Dresden. Da Marchand nicht erschien, blieb Bach als „Sieger ohne Duell“ zurück und gab stattdessen ein Konzert, das die Anwesenden, darunter Mitglieder des Hofes, begeisterte.
Im Laufe des späten 19. und des 20. Jahrhunderts ist die Improvisationskunst peu à peu etwas verloren gegangen. Man kann sich zum Beispiel gar nicht mehr vorstellen, dass bei einem Klavierabend Anfang des 19. Jahrhunderts der Pianist erst einmal improvisierte und dann die auf dem Programm stehende Sonate von Beethoven oder Schubert daran anschloss.
In der Orgelmusik des 20. Jahrhunderts erhielt sich besonders in Frankreich eine Tradition der Improvisation, die ihre Wurzeln im Orgelspiel des 18. Jahrhunderts hatte, und bis heute im liturgischen Orgelspiel von praktischer Bedeutung ist. Im Kirchenmusikstudium hat das improvisierte liturgische Orgelspiel den Rang eines Hauptfaches.
Das Improvisieren im Gottesdienst, wie zum Beispiel die Vorspiele zu Gemeindeliedern oder die Orgelmusik während des Abendmahls, gehört zu den regelmäßigen Aufgaben eines Kirchenmusikers. Manche Kollegen improvisieren auch die Musik am Anfang und Ende eines Gottesdienstes, was besonders bei den katholischen Kollegen weit verbreitet ist.
Das hört sich bestenfalls leicht und selbstverständlich an – und muss doch viele Jahre geübt werden. Da unterscheiden sich das Improvisieren im Jazz und der Popmusik nicht von der Orgelmusik.
Besonders qualifizierte Spieler:innen beherrschen auch größere Formen der Improvisation und improvisieren teilweise ganze Konzerte, wie zum Beispiel Dirk Elsemann, der in Berlin an der Universität der Künste eine Professur für Orgelimprovisation inne hat. Er improvisiert so hervorragend, dass man den Unterschied zwischen einem komponierten Stück zum Beispiel von Max Reger und seiner Improvisation nicht hören kann.
Diesen bedeutenden Improvisator können Sie an der historischen Reger-Orgel in der Ev. Weihnachtskirche am Sonntag, den 15. März 2016 um 16 Uhr hören! Nutzen Sie diese Gelegenheit, einen großen Meister der Improvisation in Spandau an einer vorzüglichen Orgel zu erleben.
Hier nun eine Auswahl von unterschiedlicher Aufnahmen im Netz.
Die Deutsch-Polnischen Nachrichten haben sich auch mit einem seiner Lehrer Wolfgang Seifen intensiv beschäftigt.
Die Deutsch-Polnischen Nachrichten haben eine deutsch-polnische Note in der Arbeit von Wolfgang Seifen begleitet, der als einer der besten Improvisationskünstler der Welt gilt.
