
Berlin. Die Berlinale hat die Bundeshauptstadt derzeit im Griff. Und vor 80 Jahren gründete die Filmlegende Artur Brauner die Central Cinema Company. Der Blick fällt auf Auschwitz und auch auf Dr. Mabuse, der in Spandau gedreht wurde.
Von Frank Bürger

© Richard Hübner / Berlinale 2026
Die Internationalen Filmfestspiele in Berlin sind eröffnet. Festivaldirektorin Tricia Tuttle erklärte die 76. Berlinale für eröffnet. Zum Auftakt wurde das Politdrama «No Good Men» über Frauen in Afghanistan gezeigt.
Zur Eröffnung kam auch Schauspielerin Michelle Yeoh («Wicked», «Everything Everywhere All at Once»), die mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk geehrt wurde.
Wegner: Kino ist mächtiges Instrument der Aufklärung
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner erklärte in Vorfeld des Filmfestivals: «Die Berlinale ist immer auch ein politisches Festival und nimmt gerade in diesen herausfordernden Zeiten die Menschenrechte konsequent in den Blick. Kino ist hier nicht nur Unterhaltung, sondern ein mächtiges Instrument der Aufklärung.»
Charli xcx und Ethan Hawke in Berlin erwartet
Die Berlinale findet vom 12. bis zum 22. Februar 2026 statt. Während des Festivals werden unter anderem US-Star Pamela Anderson («The Last Showgirl»), Schauspieler Ethan Hawke («Blue Moon», «Before Sunrise») und die britische Musikerin Charli xcx («brat») erwartet. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 330.000 Kinotickets verkauft.
Quelle: Hauptstadtportal Berlin
Jubiläum von CCC
Mit von der Partie ist natürlich auch Dr. Alice Brauner. Sie freut sich jetzt schon auf die Knaller 2026. Denn 1946 gründete ihr legendärer Vater Artur Brauner die „Central Cinema Company“

Denn im Herbst erwartet die Kinofreunde ein besonderer Blick nach Auschwitz.
Im Fokus steht der berüchtigte Block 10 – ein abgeriegelter Bereich des Lagers, in dem Anfang 1943 Hunderte jüdische Frauen unter unmenschlichen Bedingungen interniert wurden. Dort führten NS-Ärzte grausame Experimente zur Zwangssterilisation durch. Häftlingsärzte waren gezwungen zu kollaborieren.
Im Zentrum der Geschichte steht der jüdische Gynäkologe Dr. Maximilian Samuel (Christian Berkel), der vor eine grausame Entscheidung gestellt wird: Verweigert er sich der Mitarbeit an den Experimenten, droht die Ermordung seiner 20-jährigen Tochter Liese Lotte (Sarah Maria Sander) in der Gaskammer. Gefangen in einem tiefen moralischen Dilemma, sucht er nach einem eigenen Weg.
Das hochkarätige Ensemble umfasst Christian Berkel, Axel Prahl, Moritz Führmann, Johannes Zirner und Bibiana Beglau. Regie führt Marcus O. Rosenmüller, Idee und Drehbuch stammen von Alice Brauner.
„Block 10“ ist eine Koproduktion der Berliner CCC Cinema und Television, MZ-Film (München), Niama-Film (Stuttgart) sowie der ARD Degeto Film. Die Dreharbeiten laufen noch bis zum 4. November und finden neben Berlin auch in Nordrhein-Westfalen statt.
Der Kinostart ist für Herbst 2026 im Camino Filmverleih geplant. Der internationale Vertrieb liegt bei Beta Cinema.
Gefördert wird „Block 10“ von der Film- und Medienstiftung NRW, der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg sowie der FFA und dem DFFF.
Dr. Mabuse in unserer heutigen Zeit
Noch dazu wird über die ARD Degeto ein ganz besonderer Moment Filmgeschichte lebendig.
Eine der ikonischsten Figuren der deutschen Filmgeschichte wird mit einer Cyberthriller-Serie wiedererweckt. Der Mythos von Dr. Mabuse wird in die Gegenwart verlegt – in eine Zeit, in der demokratische Strukturen unter Druck stehen und digitale Desinformation reale Folgen hat. Eine Reihe rätselhafter Gewalttaten erschüttert das Land. Die Täter handeln aus unterschiedlichen Motiven und scheinbar aus freiem Willen. Doch ihre Weltbilder wurden verzerrt und manipuliert. Die Ermittlungen führen in die dunklen Zonen des Internets. Schließlich taucht ein Name aus den 1920er Jahren wieder auf: Dr. Mabuse. Arbeitete er einst mit Hypnose an der „Herrschaft des Verbrechens“, nutzt er heute Fake News, Algorithmen und KI. Sein Ziel: die Kontrolle über Wahrnehmung und Wahrheit. Doch wer steckt heute hinter diesem Namen? Ein terroristisches Mastermind, ein politisches Hacker-Kollektiv – oder ein mediales System, das längst außer Kontrolle geraten ist?
Die Neuauflage der filmhistorischen Marke wird als Cyberthriller mit einer aktuellen politischen Dimension beschrieben: „Dr. Mabuse ist kein Relikt der Vergangenheit. Er ist ein Kind unserer Zeit.“ Die Dreharbeiten zur sechsteiligen Serie (à 40 Minuten) beginnen im Sommer. Mit Friedrich Mücke, Tom Wlaschiha und Deleila Piasko in den Hauptrollen ist „Mabuse“ prominent besetzt.
Quelle: Insta Alice Brauner
1960 drehte der legendäre Fritz Lang in den CCC-Studios den Film „„Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, es war sein letzter Film.

Im Berliner Raum entstand 1927 Fritz Langs Klassiker des deutschen Films „Metropolis“.
In 310 Drehtagen, mit 36.000 Komparsen und 200.000 Kostümen und das für damalige Verhältnisse gigantische Budget von fünf Millionen Reichsmark – wurde ein universelles, zeitloses Thema in Bilder umgesetzt, das bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. (Deutsche Kinemathek)
Wie kein anderer Film repräsentiert METROPOLIS die Blüte des deutschen Stummfilms made in Berlin – Babelsberg. Die Elektrizität brachte die Dinge in Bewegung, brachte die Nächte und den Asphalt zum Leuchten. Der Motor trieb das Automobil und das Aeroplan, mit dem Fahrstuhl wuchsen die Wolkenkratzer. Durch den Kinematographen wurde die Vision / Illusion einer zukünftigen Metropole an die weißen Wände der Kinopaläste geworfen und das Volk stieg aus den Katakomben empor und forderte seinen gerechten Anteil. Eine neue Ära war geboren und wird durch das Babylon Orchester Berlin im 1929 gebauten Babylon in altem/neuen Glanz auf der Gold umrahmten Leinwand zum Leben erweckt.
Eine mitreißende Zeitreise in die Vergangenheit, eine mitreißende Zeitreise in die Zukunft.
Ein Film aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden
Bei der Beisetzung in Berlin hielt Fritz Lang, Schöpfer des cineastisch bedeutenden Streifens „Metropolis“ und des Heldenepos „Die Nibelungen“ eine Grabrede. Unter den Gästen auch der Schauspieler Emil Jannings, der beim „Faust“ die Rolle des Mephistos übernahm.
Kirchliche Note

Der Kreis schließt sich. Auch die Kirche klinkte sich in die Berlinale mit ein.
Am 15 Februar gab es auf Radio 3 einen Gottesdienst mit Filmmusik. Die Predigt hielt Berlins Generalsuperintendentin Julia Helmke.
Tenor: „Vielleicht ist das eine der großen Aufgaben unserer Zeit und auch dieser Berlinale: mutig werden, mutig bleiben und neu sehen, neu hören lernen … Am Ende bleibt nicht der Applaus, nicht der Goldene Bär, nicht der perfekte Moment: Es bleibt die Liebe. Es geht darum, Gottes Liebe in unserem Leben wahrzunehmen und sichtbar werden zu lassen: in Worten, Taten und in unserer Gemeinschaft.“
Die Moderation lag in Händen von Barbara Manterfeld-Wormit.

