Schwedischer Akzent für den Frieden

Berlin. Der Gottesdienst in der Spandauer Nathan-Söderblom-Kirche gibt Impuls sich mit dem Namen zu beschäftigen.

Von Frank Bürger

Wir feiern in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Im Jahre 1930, vor 95 Jahren, erhielt Nathan Söderblom den Friedensnobelpreis für sein ökumenisches Engagement für Frieden und Versöhnung. Nathan Söderblom war der Sohn eines schwedischen Landpfarrers und entschloss sich selbst zum Theologiestudium. In einer Zeit, in der die deutsche akademische Theologie weit über Deutschland hinaus ausstrahlte, lernte er schon als Student in Uppsala jene Strömungen kennen, die innerhalb von Kirche, Theologie und protestantischen Milieus überaus strittig waren: Ihr Ziel war es zum einen, auf philologischer und historischer Grundlage die biblischen und in der Kirche verankerten theologischen Traditionen des Christentums kritisch zu überprüfen, und zum anderen, eine neue Synthese des Christentums mit der Gegenwartskultur zu ermöglichen. Von 1894 bis 1901 war er schwedischer Auslandspfarrer in Paris und wurde hier mit den sozialen Nöten einer Großstadt bekannt. Nebenbei studierte er an der Protestantischen Fakultät in Paris, an der er mit einer Arbeit zur persischen Religionsgeschichte promoviert wurde. Anders als das staatskirchliche Luthertum in Schweden musste der französische Minderheitenprotestantismus gegen eine kulturelle und lange auch politische Dominanz des Katholizismus ankämpfen. An der Pariser Fakultät war darum ein „liberaler“, moderner Geist zuhause, der Söderblom inspirierte. 

Die „Soziale Frage“ stand also mit auf der Tagesordnung. Mit solchen Aktivitäten und seiner in Paris erworbenen Qualifikation empfahl sich Söderblom für die Professur für Religionsgeschichte in Uppsala, die er von 1901 an innehatte. Am Ende seines Lebens sagte Söderblom „Ich weiß, dass Gott lebt. Ich kann es beweisen durch die Religionsgeschichte“, und so gab er auch einer Vorlesungsreihe, die er kurz vor seinem Tod in Edinburgh gehalten hatte, den Titel „Der lebendige Gott“. Für Leipzig „entdeckt“ wurde Söderblom durch den Kirchenhistoriker Albert Hauck, der selbst ein Mann mit einem weiten historischen Horizont war und Söderblom in Schweden kennengelernt hatte. Allerdings kam Söderblom vor allem zugute, dass er als Lutheraner in das Profil der Leipziger Fakultät passte. Söderblom, der eigentlich nach Berlin berufen werden sollte und dies ablehnte, ging also 1912 nach Leipzig, aber nur unter der Bedingung, dass er seine Lehrveranstaltungen in Uppsala weiter halten konnte. So lehrte und lebte er (nämlich in der Stallbaumstraße) in den Jahren 1912 bis 1914 in Leipzig, immer vom 15. Mai bis zum 1. September und vom 15. Dezember bis zum 15. Januar. Dramatisch waren seine letzten Wochen in Leipzig: Gerade zum Erzbischof von Uppsala berufen, musste er in den ersten Kriegstagen mit seiner Frau Anna – sie war eine der ersten Studentinnen an der Universität Uppsala gewesen – und seinen 11 Kindern ausreisen. 

Seine ersten Jahre als Bischof von Misserfolgen überschattet: Von seinem neutralen Heimatland aus versuchte Söderblom, Vertreter aus den evangelischen Kirchen der miteinander im Krieg stehenden Staaten an einen Tisch zu bringen. Seine Aufrufe fruchteten ebensowenig wie die von Papst Benedikt XV (1854-1922). Als der Krieg zuende war, blieb der Hass. Für die Führungsschicht des deutschen Protestantismus waren die Niederlage und der Versailler Vertrag mit seinen Gebietsverlusten und seiner Zuschreibung der Kriegsschuld eine narzisstische Kränkung. 

Söderblom stellte die „Soziale Frage“ in den Mittelpunkt und beförderte damit den Zweig der Ökumene, der sich „Life and Work“ („Praktisches Christentum“) nannte und der jenseits von theologischen Kernfragen alle Kirchen anging. Unterdessen hatte er Hilfsaktionen organisiert, die auch den Deutschen zugute kamen: So wurde mit schwedischer Hilfe auf dem Hainstein bei Eisenach ein Gebäudekomplex angekauft, in dem eine Weiterbildungsanstalt für Jugendliche eingerichtet wurde. Zum Dank wurde Söderblom hier 1933 ein Denkmal errichtet. Nach längeren Mühen gelang es Söderblom, 1925 eine große ökumenische Versammlung zu organisieren – 1.600 Jahre nach dem ersten ökumenischen Konzil, wie man vermerkte – und rund 600 Kirchenvertreter aus 37 Ländern nach Stockholm einzuladen. Darunter waren auch Vertreter der Orthodoxen, nicht aber der Katholischen Kirche. Die wirtschaftlichen und sozialen Nöte der Nachkriegszeit standen hier auf der Tagesordnung, aber eben auch die internationalen Beziehungen. Sein ökumenisches Engagement für die Versöhnung trug Nathan Söderblom 1930 den Friedensnobelpreis ein. Söderblom war der einzige Preisträger, der den Stifter persönlich   kennengelernt hatte: In Paris war Nobel Glied seiner Gemeinde und unterstützte diese finanziell. Als er 1896 in San Remo starb, organisierte Söderblom seine Beerdigung.

So setzte er sich wie die Nobelpreisträger Albert Einstein und Albert Schweitzer für den Frieden ein, der auch immer wieder in der Spandauer Kirche verkündet wurde. Begegnung und Abschied nehmen gehört dazu. Das geschah auch am 17. August im Gottesdienst. Dort wurde der Organist Edgar Friedrich verabschiedet. Und es wurde eine Kerze des Friedens entzündet.

Fotos: Alexander

Bei der sich anschließenden Kaffeerunde spielte Literatur eine wichtige Rolle. Eine Gottesdienstbesucherin zog in Bezug zum Predigttext aus dem Philipperbrief Linien zu einem Lied von Joseph von Eichendorff.

Der Autor mit Anastasia im Eichendorff-Museum bei Heidelberg

Verabschiedung Edgar Friedrich

Predigttext  Phil 3,(4b–6)7–14

Wenn ein anderer meint, er könne sich aufs Fleisch verlassen, so könnte ich es viel mehr, 5 der ich am achten Tag beschnitten bin, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer, 6 nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen. 7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne 9 und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott kommt durch den Glauben. 10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, 11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.  Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder und Schwestern, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. 

Zwei den Gottesdienst prägende Lieder

Sommerliches Abendlied

(Melodie „Wie lieblich ist der Maien“)

1.    Der Sommer steht in Blüte,
hoch geht der Sonne Lauf.
Der Mensch sehn sich nach Güte,
nimmt gern die Wohltat auf,
die seinen Sinn erheitert
und nährt der Seele Kraft.
Nicht gilt mehr, was gescheitert,
sondern was Zukunft schafft.

2.    Zur Nacht zuletzt sich neiget
der Tag, wird frisch und klar.
Und endlich sich jetzt zeiget,
was noch verborgen war,
als sich der Sonne Strahlen
in unsre Haut gebrannt.
Und milde Farben malen
des Tages Nachtgewand.

3.    Was bleibt, gewährt der Segen.
Er gibt dem Tag Gewicht
und will auf ihn jetzt legen
das immerwährend Licht,
das uns noch Richtung zeiget,
wenn Irre uns sonst droht.
Vor ihm sich dankbar neiget
das himmlisch‘ Abendrot.

4.    Der Glaube uns verbündet,
setzt Grenzen außer Kraft.
Voll Hoffnung man jetzt kündet
was Mut zur Zukunft schafft.
Ich wag‘ die neuen Wege,
betrete weiten Raum,
eh ich zur Ruh mich lege.
Der Tag birgt sich im Traum.

Hinterlasse einen Kommentar