Deutsch-Polnische Note in Schwetzingen

Berlin. Spurensuchen in Schwetzingen führten über das Rothackersche Haus und den Landtagsabgeordneten Andreas Sturm zu Dominik Göhlich, eine deutsch-polnische Geschichte. Hier ein Interview.

Von Frank Bürger

Wie kamen Sie zu den Betätigungsfeldern Tattoos und Kunst?

Kunst war in meiner Familie nie ganz fremd, einige meiner Verwandten, darunter ein Onkel sowie Cousin und Cousinen, hatten schon immer ein Faible für Malerei. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir mein Cousin, der fünf Jahre älter ist als ich. Wenn er im Sommer für mehrere Wochen zu Besuch kam, hatte er stets seinen Zeichenblock und Stifte dabei. Er zeichnete frei aus dem Kopf Looney-Tunes-Figuren, das faszinierte mich als kleinen Jungen ungemein. Oft saßen wir gemeinsam da, und ich lernte von ihm.

Mit etwa zwölf Jahren vertiefte sich meine Leidenschaft. Zunächst durch Freunde aus der Schule, später formte sich daraus eine feste Gruppe: Wir machten Kunst, Musik, fuhren Skateboard, immer mit Block und Stiften im Rucksack. Die Nähe zu Heidelberg und seiner ausgeprägten Hip-Hop-Kultur prägte uns stark und wurde Teil unserer Identität.

Doch irgendwann holt jeden jungen Menschen der „Ernst des Lebens“ ein. Ich begann eine Ausbildung zum Chemikanten, holte das Abitur nach und studierte anschließend „Chemische Technik und Geoinformatik“ mit Schwerpunkt Kartografie. Während des Studiums wurde mir jedoch klar, dass ich nicht dort hingehöre, mein Herz schlug für etwas anderes. 2015 entschied ich mich deshalb, das Tätowieren auszuprobieren. Zwar hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur wenige Tattoos und kaum direkten Kontakt zur Szene, aber die Vorstellung, dass Menschen meine Zeichnungen dauerhaft auf ihrer Haut tragen, übte eine große Faszination auf mich aus.

Ich bewarb mich bei verschiedenen Studios, fand schnell einen Platz, an dem ich mich weiterentwickeln konnte, und kam so zurück zu meiner künstlerischen Leidenschaft. Später eröffnete ich mein eigenes kleines Atelier. Dort konnte ich nicht nur tätowieren, sondern auch freier arbeiten, was bald zu Aufträgen außerhalb der Tattooszene führte, etwa Kunstprojekte in Schwetzingen, darunter auch größere städtische Kooperationen. Das führte letztlich sogar zu ersten Ausstellungen, unter anderem in der Orangerie des Schwetzinger Schlosses.

Welche Beziehung haben Sie zu Schwetzingen?

Ich bin in Schwetzingen geboren und aufgewachsen, ein echter Schwetzinger Bub. Mein Leben spielte sich immer in der Region ab: Ich wohne heute in Ketsch, arbeitete und studierte in Mannheim und Heidelberg. Hier habe ich Freunde und Hobbys gefunden, hier wurde gelacht und geweint, Erfolge gefeiert und Rückschläge verarbeitet.

Die kulturelle Vielfalt der Region, besonders durch die Nähe zu Heidelberg, das seit 2023 als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt ist, hat mich nachhaltig geprägt. Gerade die Hip-Hop-Kultur war für mich und meine Freunde ein wichtiger Teil unserer Jugend. Jede Stadt bringt ihre eigene Note ein, und wir waren eben die Jungs und Mädels aus Schwetzingen – das verbindet.

Seit der Eröffnung meines eigenen Ateliers 2019 in Schwetzingen bin ich auch beruflich enger mit der Stadt verwoben. Es entstanden mehrere Kooperationen mit städtischen Einrichtungen, wodurch sich meine Bindung zur Stadt weiter vertiefte.

Welche Beziehung haben Sie zu Polen?

Meine Großmutter wurde in Görlitz geboren, einer Stadt, die heute durch die deutsch-polnische Grenze geteilt ist (Zgorzelec). Mein Großvater stammte aus Breslau, dem heutigen Wrocław. Der vollständige Name meiner Familie lautet Göhlich von Symanowski.

Meine Großeltern blieben zeitlebens tief mit ihren Herkunftsorten verbunden – das zeigte sich auch in ihrer Mentalität: Sie lebten einfach und pragmatisch, etwas, das auch auf mich abgefärbt hat. Wenn ich an Polen denke, denke ich vor allem an Familie. Aus diesem Grund habe ich kürzlich den Künstlernamen Symanowski angenommen, als Hommage an meinen Großvater.

Wie kam es zur Kooperation mit der Stadt Schwetzingen zum Thema Rothackersches Haus?

Der Kontakt kam über Lars Maurer, den Leiter des Karl-Wörn-Hauses, zustande. Wir hatten zuvor schon bei anderen Projekten zusammengearbeitet, etwa beim „Kunst am Bau“-Projekt an der Karl-Friedrich-Schimper-Gemeinschaftsschule im Jahr 2020, bei dem ich zusammen mit Frau Dr. Barbara Gilsdorf wirkte. Damals erstellte ich Comics, die das Leben des Namensgebers Karl Friedrich Schimper in die heutige Zeit transportieren sollten.

Eine ähnliche Idee entstand für das Rothackersche Haus: Gemeinsam mit Herrn Maurer entwickelte ich ein Konzept, bei dem zehn bekannte Schwetzinger Persönlichkeiten – darunter Carl Theodor oder Wolfgang Amadeus Mozart – als lebensgroße Comicfiguren dargestellt werden. Diese zieren während der Renovierungsarbeiten die Fenster des Hauses und sollen Neugier und Interesse wecken.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Andreas Sturm und dem Thema Oscar Wilde?

Andreas Sturm und ich lernten uns eher zufällig kennen, eine Nacht-und-Nebel-Aktion, könnte man sagen. Einige seiner Wahlplakate zur Landtagswahl 2021 waren beschädigt worden, und über Kontakte kam der Auftrag an mich, eines davon zu reparieren.

Wir verstanden uns auf Anhieb gut, und es folgten weitere Projekte, unter anderem das Cover seines Buches Shakespeare und die Entstehung des europäischen Geistes. Für sein neues Buch Born to be Wilde bat er mich ebenfalls um ein Coverdesign. Oscar Wilde war mir zunächst nicht sehr vertraut, aber seine Persönlichkeit fesselte mich sofort. Ich tauchte tiefer in sein Leben ein, Andreas’ lebendige Erzählungen halfen dabei sehr.

Am Ende entstand nicht nur das Buchcover, sondern eine ganze Serie an Illustrationen im Stil moderner urbaner Kunst, die jedes Kapitel einleiten – eine Hommage an einen außergewöhnlichen Mann.

Welche Projekte sind aktuell geplant?

Im Fokus steht derzeit das Buch Born to be Wilde – geplant sind dazu Lesungen und Ausstellungen, unter anderem am 12. Juli in Waghäusel im Atelier Zigarolo, mit einer Lesung von Andreas Sturm und einer Ausstellung meiner Arbeiten.

Ich hoffe auch, Andreas bei seinem Wahlkampf zur Landtagswahl 2026 erneut unterstützen zu können.

Privat steht 2025 ebenfalls eine große Veränderung an: Meine Frau und ich erwarten in wenigen Wochen unser erstes Kind, das wird natürlich meine Aufmerksamkeit fordern. Nebenbei wird aber auch weiterhin tätowiert. 

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