„Zauberflöte“ zum Mozartfest in Schwetzingen

Arkadiusz Jakus (Sarastro) und Daniel Kim (Tamino). Foto: Thomas Brenner / Pfalztheater Kaiserslautern

Berlin. Das Schwetzinger Mozartfest wird 50 … die Perle der Kurpfalz hat eine besondere Geschichte

Von Frank Bürger

Gerade wurden die Schwetzinger Festspiele feierlich eröffnet, ein kultureller Höhepunkt im Kulturkalender der Stadt Schwetzingen.

Cornelia Bend, neue Künstlerische Leiterin der Schwetzinger SWR Festspiele. © SWR/Patricia Neligan, honorarfrei – Verwendung gemäß der AGB im Rahmen einer engen, unternehmensbezogenen Berichterstattung im SWR-Zusammenhang bei Nennung „Bild: SWR/Patricia Neligan“ (S2+), SWR Presse/Bildkommunikation, Baden-Baden, Tel: 07221/929-24429, foto@swr.de
© CDU-Landtagsfraktion/Marcel Ditrich…Eröffnung der Schwetzinger Festspiele, unter anderem mit Matthias Steffan, Andreas Sturm, Manuel Hagel und Stefan Dallinger

Hier Programm und Tickets

Zu der Perle der Kurpfalz gehören auch die Schwetzinger Mozartfeste. Sie haben ihren festen Platz. Und auch das Rokokotheater spielt eine besondere Rolle. Und nichts geringeres als den Publikumsmagneten haben die Organisatoren mit Rosa Grünstein an der Spitze gewählt. Das Pfalztheater Kaiserslautern präsentiert hier Mozarts Zauberflöte

Geschichte des Pfalztheaters

1950 wurde eine neue Trägergesellschaft gegründet, und das Kino „Film-Palast“ am Fackelrondell wurde zu einem Stadttheater umgebaut, das im September 1950 feierlich eingeweiht wurde. 1968 wurde der Bezirksverband Pfalz zum Träger des Pfalztheaters. Die Stadt Kaiserslautern gewährt seitdem jährlich eine institutionelle Förderung und übernimmt den Unterhalt des Gebäudes (ohne den Gebäudeunterhalt für bühnentechnische Einrichtungen). Als Träger übernimmt der Bezirksverband Pfalz alle Aufwendungen für den laufenden Betrieb des Pfalztheaters sowie den Gebäudeunterhalt für die bühnentechnischen Einrichtungen. Die erzielten Erlöse aus Eintrittsgeldern etc. fließen zugunsten des Trägers in den Haushalt des Bezirksverbands Pfalz ein. Das Land Rheinland-Pfalz gewährt jährlich eine institutionelle Förderung.

Schon 1976 wurde die Forderung nach einem Neubau im Stadtrat diskutiert, weil das alte Kinogebäude für größere Projekte ungeeignet und immer noch nur provisorisch eingerichtet war. Doch dauerte es noch bis 1995, bis das neue Gebäude am Willy-Brandt-Platz in der Nähe der Fruchthalle fertiggestellt wurde. Finanziert wurde der Bau mit Mitteln des Pfalztheater Rechtsträgers Bezirksverband Pfalz, dem Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Kaiserslautern.

Am 30. September 1995 wurde mit den ersten Vorstellungen schließlich das Dreispartenhaus (Musiktheater, Schauspiel und Ballett) vom damaligen Intendanten Pavel Fieber eröffnet. Der Vorsitzende des deutschen Kulturrates, August Everding, lobte in seiner Laudatio den schon damals ungewöhnlich großen und hochwertigen Neubau als nachahmenswerte Investition in Kunst und Kultur.

(Quelle: Wikipedia)

Die Zauberflöte scheint, ungeachtet der Widersprüche und der Absurdität der Handlung, eine wunderbare Verbindung des Märchens mit seinen Bühneneffekten und Launen mit der irdischen Suche nach Wissen, Wahrheit, Liebe und Weisheit zu sein. Die Musik und die kompositorische Gestaltung gehen über die reine Handlung hinaus und loten die Tiefen der menschlichen Sehnsucht aus. Das als Märchen gestaltete Werk, das sich an ein breites Publikum wendet, hat ein hochgeistiges Thema: die Erleuchtung.

Die moralischen Gefühle, die Bilder und die Symbolik, von denen die Oper nur so strotzt, entstammen weitgehend der freimaurerischen
Lehre und dem Zeitalter der Aufklärung. Auch wenn der Verfasser des Librettos von den Idealen der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit durchdrungen war, wird jeder heutige Leser die Bedeutung, die der Männlichkeit, der Geheimhaltung der mystischen Riten und der Unterordnung der Sklaven und des weiblichen Geschlechts beigemessen wird, sofort bemerken und sie als völlig überholt empfinden.

Deshalb haben wir versucht, eine kritische Lektüre des Stücks aus einer zeitgenössischen Perspektive vorzunehmen. Ausgehend von der Annahme, dass wir uns in einer post-aufklärerischen Zeit befinden, habe ich versucht, die im Libretto zum Ausdruck gebrachten überholten Vorstellungen des späten 18. Jahrhunderts zu deuten, was allerdings zu neuen Ergebnissen führt.

Da die kulturellen und sozialen Gegensätze in den letzten 200 Jahren komplexer geworden sind als der einfache Gegensatz zwischen Licht und Dunkelheit, Wissen und Unwissenheit, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse usw., lassen sich die Widersprüche und Paradoxien unserer Gesellschaft nicht mehr wie früher auf Dualismen zurückführen, sodass die Suche nach Weisheit, Wahrheit, Liebe usw. recht kompliziert wird.

Nichtsdestotrotz ist die Suche nach Wissen in unserer Gesellschaft, in der die Wahrheit immer verborgen ist und nicht von der Unwahrheit unterschieden werden kann, so erstrebenswert, dass man sogar an der Existenz der Wahrheit zweifelt. Dennoch können wir die Fähigkeit, die Wahrheit zu enthüllen und die Unwahrheit zu entlarven, als einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Erleuchtung feiern.

Auch wenn wir uns die freimaurerische Vorstellungswelt, die Symbolik und die Rituale zu eigen machen wollen, werden ihre Bedeutungen nicht als selbstverständlich hingenommen, jede Offenbarung einer möglichen Wahrheit, jede Anerkennung wird in Frage gestellt, und wir sind sehr neugierig gegenüber Mysterien, Kulten und jeder Art von religiöser Ordnung.

Wenn in dem Stück die Offenbarung der Wahrheit für Tamino nach der ersten Begegnung mit dem Priester geschieht, wird ihm, wenn er allein gelassen wird, plötzlich bewusst, dass sein Verständnis von Paminas Entführung, von der Notlage der Königin und ihrer wahren Natur falsch sein könnte.

Zum 50. Schwetzinger Mozartfest erwarten wir u. a. das Quatuor Voce, das Bernstein Trio, das Schumann Quartett, Roberto Prosseda, das Minguet Quartett.

Weitere Infos und Karten zum Mozartfest

Die Wurzeln

Die Mozartgesellschaft Schwetzingen wurde am 30. April 1969 von Generalmusikdirektor Dr. Richard Treiber und neun gleich gesinnten Musikfreunden gegründet – so belegt es die Gründungsurkunde. Als gemeinnütziger Verein hat sie sich die Pflege der Tonkunst im Allgemeinen und die Pflege der Werke von Wolfgang Amadeus Mozart im Besonderen zur Aufgabe gemacht. Die Verantwortlichen arbeiten ehrenamtlich im Sinne des Vereinszwecks.

Seit Ihrer Gründung spielt die Mozartgesellschaft Schwetzingen eine tragende Rolle im kulturellen Leben dieser Stadt und der Kurpfalz.

In Erinnerung an die drei Besuche von Wolfgang Amadeus Mozart am Kurpfälzischen Hof und in Schwetzingen (1763, 1777, 1790) sowie im Sinne des Vereinszweckes lädt die Mozartgesellschaft Schwetzingen e.V. gemeinsam mit der Stadt Schwetzingen zum alljährlichen Mozartfest und den Schwetzinger Schlosskonzerten ein. Jeweils im September/Oktober findet das Schwetzinger Mozartfest statt, das seit 1975 Musikfreunde aus Nah und Fern in die kleine Mozartstadt Schwetzingen lockt. Die überregionale Bedeutung dieser Festspiele spiegelt sich in der Akzeptanz der Besucher aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland wieder.

Konzerte werden im herrlichen Ambiente des Schwetzinger Schlosses auch während des Winterhalbjahres veranstaltet. 

Dabei eignen sich das glanzvolle Ambiente des historischen Rokokotheaters und die schönen Zirkelsäle wie auch die Schlosskapelle hervorragend als Podium für internationale Künstler und namhafte Orchester. Die Programme bieten eine bewährte Mischung aus Sinfoniekonzerten über die Oper bis hin zur Kammermusik. Die bedeutendsten Künstler unserer Zeit musizieren immer wieder gerne in Schwetzingen.

Ein ausdrückliches Ziel der Mozartgesellschaft Schwetzingen stellt die Förderung des künstlerischen Nachwuchses dar. Das herausragende musikalische und auch gesellschaftliche Ereignis auf diesem Gebiet ist alljährlich das Konzert mit den Stipendiaten der Jürgen Ponto-Stiftung.

Quelle: Mozartgesellschaft Schwetzingen

Der Präsident der Deutschen MozartGesellschaft, Prof. Dr . Erich Valentin, schrieb zum 70. Geburtstag von Richard Treiber : ,,Der Name Treiber hat in der Musikgeschichte seit dem 17. Jahrhundert einen guten und vielfältigen Klang. Wir wissen nicht, ob die thüringischen Gelehrten und compositeurs von damals oder jener Grazer Wilhelm Treiber, der anno 1880 als Kasseler Hofkapellmeister Chef des jungen Chordirektors Gustav Mahler war- , wir wissen nicht, ob diese Namen in der Genealogie des nunmehr siebzigjährigen Richard Treiber in Schwetzingen, den es zu ehren gilt, erscheinen. Der Funktion von Gelehrsamkeit und Kapellmeisteramt nach könnte es denkbar sein. Auf alle Fälle aber ist der historische Treiber-Akkord in unserem Jahrhundert durch die aktive, Anregungen gebende und einfallsrei¬ che Persönlichkeit des Doctor philosophiae der Universität Heidelberg und einstigen Konstanzer Generalmusikdirektors gerade mit seinem Wirken in Schwetzingen (und darüber hinaus) durch eine wesentliche, gegenwartsverbundene Nuance bereichert worden . Das Thema seiner 1936 verfaßten Dissertation befaßt sich mit dem 18. Jahrhundert . Solche Richtungsweisung läßt es nicht zufällig erscheinen, daß Mozart die Mitte seines künstlerischen Tuns darstellt. Treiber gründete die Mozart-Gesellschaft Schwetzingen und ist als deren Präsident Beiratsmitglied der Deutschen Mozart-Gesellschaft und wurde in Anerkennung seiner Verdienste von der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg mit der Silbernen Mozart-Medaille ausgezeichnet, Tätigkeiten und Ehrungen, die nur einen Teil von dem widerspiegeln, was der Unermüdliche auf dem Gebiet von Lehre und Kunstausübung ,daheim und draußen4vollbracht hat und- siebzig Jahre sind kein Alter- hoffentlich noch vollbringen wird. Denn zum ,Ruhestand ist Richard Treiber nicht geboren.“

So hatte in der Nachfolge Treibers Gymnasiallehrer Werner Boll den Vorsitz inne. Dieser war aber zugleich als Vorsitzender für den Richard-Wagner-Verband Heidelberg aktiv. Inspiriert von dem Geist Mozarts und auch Richard Wagners gab es so ein wunderbares Konzert 1986 im Rokokotheater.

Es war 1996, kurz bevor ich Schwetzingen verlassen hatte, dass ich auch Hermann Prey erleben durfte, bei einem seiner letzten Auftritte. Als Zugabe präsentierte er dieses besondere Stück. Auch wieder hatte ich das meinem Musiklehrer Werner Boll zu verdanken.

Werner Boll (2. v. rechts) mit Hermann Prey. Foto: privat

1986 reisten Musikdirektor Detlev Helmer und ich auf Bolls Initiative als Stipendiaten nach Bayreuth. Uber Prälat Traugott Schächtele gab es hier noch einmal eine Kooperation mit der Weihnachtskirche zum 200. Geburtstag der badischen Landeskirche.

Im Juni 2019 wurde die SPD-Politikerin Rosa Grünstein zur Präsidentin der Mozartgesellschaft gewählt.

Von 1989 bis 1998 war die in Berlin geborene Politikerin Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Rhein-Neckar-Kreis, von 1994 bis 2003 stellvertretende Vorsitzende der SPD Rhein-Neckar und von 1999 bis 2001 Mitglied im Landesvorstand der SPD Baden-Württemberg. Außerdem ist sie Vorstandsmitglied der Carlo-Schmid-Stiftung[1] sowie Gründungs- und Vorstandsmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Pfalz in Speyer.

Am 4. Januar 2000 rückte Grünstein für Karl-Peter Wettstein in den Landtag von Baden-Württemberg nach. Bei den Landtagswahlen 2001, 2006 und 2011 erlangte sie das Zweitmandat des Wahlkreises 40 (Schwetzingen). Von 2000 bis 2011 war sie Mitglied im Petitionsausschuss, im Innenausschuss (davon zwei Jahre als Sprecherin der SPD-Fraktion) und im Umweltausschuss. Im Mai 2011 wurde Rosa Grünstein von der SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Zudem war Grünstein Sprecherin für Ausländer-, Migrations- und Integrationspolitik der SPD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg

Quelle: Wikipedia

Rosa Grünstein mit Heinz Bürger. Foto: Sabine Rebmann

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