
Berlin. Manchmal plant man einen Gottesdienst – dann kommt vieles anders. Auch das kann wunderbar sein.
Von Frank Bürger
Sonntagmorgen. Eine Stunde vor dem Gottesdienstbeginn. Einen Tag zuvor war ich mit Karsten Grüneberg von der evangelischen Weihnachtskirchengemeinde auf dem Weg in die Uckermark. Zuerst besuchten wir Gisela Scholz mit ihrem Bruder Ulrich Dohnke, wohnhaft in Mönkebude, zum Kloster Götschendorf, eine ganz besondere Geschichte.

Es ist nicht immer leicht einen Lektoren für einen Gottesdienst zu finden. Als Pfarrer im Ehrenamt war ich dieses Mal in der historischen Spandauer Melanchthonkirche im Einsatz. Und ich war froh, dass sich Karsten Grüneberg bereit erklärte, den Dienst in der Melanchthonkirche zu übernehmen.
Doch eine Stunde vor Gottesdienst: Die Kantorin stand aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verfügung. Ein Stolperstein besonderer Art. Aber Spontanität war angesagt.
Voller Glockenklang in der Melanchthonkirche
Doch das langjährige Engagement und die Kooperation mit Michael Reichert, Organist im Evangelischen Johannesstift und auch bei der katholischen Kirche, half bei Vor- und Nachspiel.
Vorspiel
Nachspiel
Beim Predigttext orientierte ich mich an dem vorgegebenen Text der Perikopenreihe für den Sonntag Okuli
Predigttext: Jer 20, 7-11a
HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. 8 Denn sooft ich rede, muss ich schreien; »Frevel und Gewalt!« muss ich rufen. Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. 9 Da dachte ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, verschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es zu ertragen, aber konnte es nicht. 10 Denn ich höre, wie viele heimlich reden: »Schrecken ist um und um!« »Verklagt ihn!« »Wir wollen ihn verklagen!« Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: »Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.« 11 Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.
Orientierung gab mir eine Predigt der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden und Beauftragten zum Reformantionsjubiläum 2017: Margot Käßmann

Auch die Friedensethik Albert Schweitzers spielte bei der Predigt eine Rolle, in Bezug auf seinen Einsatz gegen den Einsatz der Atombombe und für den Frieden. 1952 erhielt der Arzt, Theologe und Musiker des Friedensnobelpreis.
Ausschnitt aus dem Film „Besuch in Lambarene“ (Quelle: DEFA)
Ein besonderer Dank geht an Karsten Grüneberg, der bei der Liturgie und Liedgestaltung unterstützte. Auch ohne Orgelbegleitung sangen die Gottesdienstbesucher mit. So wurde aus den vermeintlichen Stolpersteinen ein gelungener Gottesdienst. Anschließend kamen wir bei Kaffee und leckeren Keksen ins Gespräch.
Hier kam das Thema zuerst auf Artur Brauner und seine Verbundenheit zu Haselhorst. Der Vater einer Gottesdienstbesucherin war Filmvorführer und lernte den Filmemacher kennen. Derzeit ein aktuelles Thema
Auch das benachbarte abgerissene Kriegsverbrechergefängnis spielte eine Rolle.
Das Kriegsverbrechergefängnis Spandau war ein im heutigen Berliner Ortsteil Wilhelmstadt des Bezirks Spandau gelegenes Gefängnis, in dem ab 1947 die im Nürnberger Hauptkriegsverbrecher-Prozess verurteilten Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs ihre Haftstrafen verbüßten. Nach dem Tod des letzten Häftlings, Rudolf Heß, wurde es abgerissen.
(Quelle Wikipedia)
Einer der Gottesdienstbesucher stellte fest: „Ich war vor dem Abriss im Kirchturm.“ Doch die Gewehre der russischen Soldaten ließen es nur eine kurze Zeit werden.
Und der Weg von dort aus in den Schwetzinger Schlossgarten ist kein weiter. In Schwetzingen soll am 29. Oktober 2025 ein neues Buch zu Albert Schweitzer vorgestellt werden.

