Auschwitz: Unermessliches Leid

Todeswand in der Gedenkstätte Auschwitz

Berlin. Millionen Menschen wurden unter der NS-Diktatur ermordet. Am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz 1945 wird der Opfer gedacht. 80 Jahre danach wird erinnert.

Von Frank Bürger

Delegationen aus 55 Ländern werden heute vor Ort der Millionen Opfer des Holocaust gedenken. An der Zeremonie nehmen zahlreiche Staats- und Regierungschefs teil, im Mittelpunkt sollen jedoch die Überlebenden stehen. Rund 50 ehemalige Häftlinge aus Auschwitz und anderen Konzentrationslagern werden dabei sein, drei oder vier von ihnen halten die zentralen Ansprachen. 

„Ich gehe davon aus, dass in ihren Stimmen Hinweise und Aufrufe an uns zu hören sind, wie man die Welt gestalten sollte“, sagte Gedenkstättenleiter Piotr Cywinski der Nachrichtenagentur PAP. Er verwies darauf, dass angesichts des wachsenden Populismus und Informationschaos heutzutage Orientierung notwendig sei. „Ihre Erfahrung zählt dazu.“

Es könnte eine der letzten Gedenkfeiern mit Überlebenden sein. Das frühere deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau steht symbolhaft für den Holocaust und das Grauen des Nationalsozialismus. Rund 1,1 Millionen Menschen wurden hier zwischen 1940 und 1945 erschossen, in Gaskammern ermordet oder starben an Hunger und Krankheiten. Am 27. Januar 1945 erreichten sowjetische Soldaten das Lager im von der Wehrmacht besetzten Polen und befreiten etwa 7.000 Überlebende.

Aus Deutschland reisen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger und Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau zur Gedenkfeier an – fast die gesamte Staatsspitze. Außerdem gehören Vizekanzler Robert Habeck und Finanzminister Jörg Kukies zur deutschen Delegation. CDU-Chef Friedrich Merz ist aus Termingründen nicht dabei.

Quelle: ARD


„Arbeit macht frei“, eine Aufschrift in schweren Eisenlettern, eingefasst in einen Bogen, hängt über dem Eingangstor zum Konzentrationslager Auschwitz. Fast jeder kennt das Bild, aber nicht jeder hat es persönlich gesehen. Im Jahr 2024 besuchten mehr als 1,8 Millionen Menschen die Gedenkstätte. Vor allem, etwa ein Viertel, Polen. Es folgten Briten, Spanier, Italiener und erst auf Platz fünf: die Deutschen, so die Daten des Auschwitz-Birkenau Museums.

In Polen ist dieser Ort im nationalen Gedächtnis fest verankert. Während die Deutschen Auschwitz vor allem mit der Shoa verbinden, tun dies die Polen auch mit der eigenen Nation.

Es waren Polen, die 1940 die ersten politischen Häftlinge im KZ Auschwitz waren. Ab 1942, als die Deutschen Auschwitz in das System der Massenvernichtung der Juden einbezogen, stieg die Zahl der deportierten Juden im Lager rapide an. Mehr als eine Million Juden haben die Deutschen hier ermordet. Ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte. Die Vernichtung fand im besetzten Polen statt, was bis heute für Missverständnisse sorgt. Kaum ein Fehler empört in Polen so sehr wie der Ausdruck „polnische Todeslager“.

Quelle: ZDF

 80 Jahre nach der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz gedenken heute auch in Berlin Politik, Theater, Kirchen und engagierte Bürger der Opfer des Holocaust. Den ganzen Tag über gibt es Gedenkgottesdienste und andere Veranstaltungen.

Quelle: NTV

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, vorab zum 80. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar, der in Deutschland als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen wird:

Wegner: „Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau steht wie kein anderer Ort für die menschenfeindliche Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten. Das unermessliche Leid, mit dem wir Auschwitz bis heute verbinden, hat sich tief in das Gedächtnis Europas eingeschrieben. Berlin ist die Stadt, von der aus die systematische Vernichtung der europäischen Juden, Sinti und Roma und ganzer Bevölkerungsgruppen geplant und organisiert wurde. Es ist unsere gemeinsame Pflicht und unser historisches Erbe, an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors und der Shoah zu erinnern und den überlebenden Zeitzeugen Gehör zu verschaffen. Aber es ist auch unsere Verantwortung, aufzustehen gegen jede Form von Antisemitismus, denn die Feinde der Demokratie dürfen nie lauter sein als jene, die für Frieden, Freiheit und Demokratie einstehen. Berlin steht fest an der Seite der Jüdinnen und Juden und aller Opfer von Gewaltherrschaft und Extremismus. Menschenfeindlichkeit, Hass und Hetze haben in Berlin keinen Platz.“

Der Regierende Bürgermeister wird am 29. Januar 2025 um 12 Uhr an der Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestags anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus teilnehmen (Wort-Bild-Termin; Deutscher Bundestag, Plenarsaal, Platz der Republik 1, 11011 Berlin; Hinweis für die Medien: Eine Akkreditierung des Deutschen Bundestags ist erforderlich.) Die Gedenkstunde wird live im Parlamentsfernsehen und im Internet übertragen.

Repräsentanten des Berliner Senats nehmen anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus an mehreren Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen teil. Anlässlich des Jahrestags am 27. Januar wird das Brandenburger Tor ab Sonnenuntergang mit dem Schriftzug der internationalen Gedenkkampagne #WeRemember angestrahlt.

Über das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau war das größte der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager. Es wurde 1940 durch das Naziregime in der Nähe der heute polnischen Stadt Oświęcim errichtet. Mehr als 1,1 Millionen Menschen wurden dort ermordet – vor allem Jüdinnen und Juden, aber auch nichtjüdische Polen, Roma und Sinti, sowjetische Kriegsgefangene und weitere Personen. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Website der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Über den Internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Der in Deutschland vom ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog initiierte Gedenktag wird seit 1996 am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung der Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee im Jahr 1945, begangen. 2005 wurde er von den Vereinten Nationen als „International Day of Commemoration to Honour the Victims of the Holocaust“ übernommen und wird seit 2006 weltweit begangen. Der World Jewish Congress und die UNESCO organisieren zu diesem Gedenktag unter dem Hashtag #WeRemember weltweit Gedenk-Aktionen.

Gedenken in Spandau

Siehe auch

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