
Berlin. Backbencher gibt es nicht nur im Parlament, sondern in der Kirche.
Von Frank Bürger
Rund 70 Besucherinnen und Besucher folgten im Oktober 2024 der Einladung „auf ein Bier mit Gott“, anstelle von Orgelmusik und Gesangbuchliedern mit Rock- und Pophymnen wie „Livin’ on a Prayer“ von Bon Jovi oder „Auf uns“ von Andreas Bourani.
Thema des Gottesdiensts waren – gewissermaßen als „Startschuss“ für die neue Kooperation der Evangelischen Kirchengemeinde Schwetzingen mit dem Welde Brauhaus – die Schnittmengen von Kneipe und Kirche.
Angesichts der enormen Austritte aus der Kirche sucht diese neue Formate. Aber was nur wenige wissen: Welde und Kirche hat Tradition, nämlich in der letzten Reihe der Lutherkirche in Schwetzingen. Annemarie Bürger wird am 19. Januar 85 Jahre alt. Noch heute sitzt sie in der letzten Reihe und lauscht den Worten von Stadtpfarrer Steffen Groß und dem Team.

Bürger mit Pfarrer Steffen Groß im historischen Lutherhaus zur Schweitzer-Präsentation
Schon ihre Mutter Liesel Ueltzhöffer saß da Jahrzehnte mit ihrem Mann Ludwig und Liesel Welde, der legendären Welde-Liesel.
1919 kam der junge Brauer Hans Hirsch während seiner Walz nach Schwetzingen, wo er sich in die junge Elisabeth „Liesel“ Welde verliebte. Ihr Vater Johann Welde war bereits 1917 verstorben, so half sie ihrer Mutter Barbara damals, die kleine Brauerei über Wasser zu halten. Nach der Hochzeit übernahm Hirsch die Gasthausbrauerei „Zum Grünen Laub“ und baute sie zu einer stattlichen Brauerei aus. Als begeisterter Bierrezeptsammler probierte er neben den damals üblichen Biersorten immer wieder Neues aus. Ob Kurpfalztropfen oder Kurpfalzbräu Spezial, bis in die 1960er Jahre waren die Biere in aller Munde in privaten Vorratskellern ebenso wie auf den Tresen der Gasthäuser. Seit 2016 sind die süffigen Kurpfälzer Gerstensäfte zurück. Gebraut werden sie nach den alten Originalrezepten von Hans Hirsch, die seit Generationen und heute von Ur-Enkel Max Spielmann gehütet und genutzt werden.
Stolz war das Ehepaar Ueltzhöffer, dass Sohn Georg letztendlich als Sänger beim Heidelberger Theater ankam, mit Zwischenstation in Meiningen nicht unweit von Weimar.
Doch die Linie spinnt sich weiter bis zur Deutschen Oper nach Berlin.
Auf Einladung des langjährigen Berliner Chordirektors Walter Hagenkroll sollte er 1957 nach Berlin folgen, auf den Spuren Herbert von Karajans. Aber diesem Ruf folgte er nicht. Auch deshalb ist die Verbindung zur deutschen Oper groß.


In dem Vorgängergebäude des Lutherhauses hat Ludwig Ueltzhöffer monatlich beim Seniorennachmittag Vorträge gehalten. Aufgeschrieben hat er diese auf Streichholzschachteln…wie einst der Theologe Rudolf Bultmann-Und er hatte das Glück mit einem Ensemble einst eine Reise anzutreten und Carl Friedrich Benz ein Ständchen zu bringen…
Carl Friedrich Benz (* 25. November 1844 in Mühlburg als Karl Friedrich Michael Vaillant; † 4. April 1929 in Ladenburg) war ein deutscher Ingenieur und Automobilpionier. Sein Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1885 gilt als erstes praxistaugliches Automobil. Am 29. Januar 1886 meldete er seinen Motorwagen zum Patent an.
Aus seinem 1883 gegründeten Maschinenbau- und Automobilunternehmen Benz & Cie. entstand 1926 durch Fusion mit der Daimler-Motoren-Gesellschaft die Daimler-Benz AG (heute Mercedes-Benz Group AG).

Dem Vater des CDU-Stadtrates Markus Bürger ist es zu verdanken, dass alte Schwetzinger Geschichte lebendig blieb. In der Gaststätte „Grüner Hof“ hängt der Stammbaum der Bürgers.

Zu Gast beim Adventstee des Richard-Wagner-Verbandes Heidelberg kam ich mit Kurt Lenk ins Gespräch. Er ist der Gründer des Unternehmens Optik-Lenk in Schwetzingen…Name Bürger…Milchdynastie…

Und tatsächlich, nur wenige Meter von den Bürgerstuben in der Lindenstraße entfernt bekam Margarethe Östringer, geborene Bürger, qm 1. Juli 1947 die Übergabebescheinigung zum Milchverkauf.
Am 30. Juli 1904 wurde Edmund Bürger in den Bürgerausschuss der Stadt Schwetzingen gewählt. 1924 eröffnete er in der Mühlenstraße 23 eine Kolonialwaren- Flaschenbier- und Milchhandlung.
Eine gute Verbindung.
Er war Mitglied der SPD und Gründungsmitglied des Schwetzinger Turnerbundes Germania.

Der Großvater von Heinz Bürger aus den Bürgerstuben heiratete seine Frau am 18. Juli 1908 in Hamburg, wo er in der Werft arbeitete.
Noch eine schöne kirchliche Note zum Abschluss:
Direkt gegenüber der großen Heiliggeistkirche am Heidelberger Marktplatz befindet sich Hans Hirsch’s Kurpfalzbräu. Hier zog regionale Braukunst ins Herz der romantischen Stadt am Neckar und zollt damit einem bis in die 1950er Jahren weithin bekannten Braumeister und Brauereibesitzer aus Schwetzingen Tribut.

