

Berlin. Im August 2023 stellte die SPD-Fraktion Spandau den Antrag, der deutschen Filmikone Artur Brauner und seiner Frau Maria ein Denkmal zu setzen. Die Umsetzung fällt nicht leicht.
Von Frank Bürger
Die Studios der CCC-Filmkunst sind historisch bedeutend. Fraktionsübergreifend wollen die Spandauer Abgeordneten dem Gründer Artur Brauner und seiner Frau ein Denkmal setzen. Nach dem Gespräch mit Alice Brauner in der Zentrale des Filmimperiums folgte nun ein Treffen mit der Spandauer SPD-Fraktionsvorsitzenden Ina Bittroff im Fraktionsraum der Sozialdemokraten.
Ina Bittroff sieht auch die wirtschaftliche Bedeutung des Filmunternehmens, das 1946 gegründet wurde und seit 1949 in Spandau Filme drehte. „Er ist der einzige Filmstandort hier in Spandau“, stellt sie fest. Alle andere seien in östlichen Bezirken. „Diesen historisch bedeutenden Ort kann man gut präsentieren“, so die Fraktionschefin weiter.
„Bei Artur Brauner war viel Bauchgefühl dabei, weshalb er den Spandauer Standort gewählt hat“, stellt sie fest. Gemeint sei die Lage an der Havel, am Wasser, gegenüber der Insel Eiswerder. „Dieser Ort hat sehr viel Flair“, stellt Bittroff fest. Die Heimatkundliche Vereinigung, der Ina Bittroff voransteht, hat in der Nähe auf der Insel Eiswerder ihren Sitz. Die Historie Spandaus nach dem Zweiten Weltkrieg sei sehr wenig erforscht. „Da muss noch mehr getan werden“, stellt sie fest.
Folgende Timeline gab es nach ersten Gespräch mit Alice Brauner. Nach einem Besuch in den Studios folgte am 22. September 2023 der fraktionsübergreifende Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung. Im Juli 2024 wurde ein Schlussbericht in den Ausschuss Bauen, Verkehr, Grünflächen, Umwelt und Natur unter dem Vorsitz des CDU-Bezirksverordneten Siegfried Wärk überwiesen. Fazit: Bis heute erfolgte aus unterschiedlichen Gründen kein Aufruf der Drucksache im Ausschuss. Dieser muss sich im nächsten Schritt mit der Umbenennung beschäftigen. „Ich werde versuchen, dass das Thema auf die Tagesordnung gesetzt wird“, sagt Ina Bittroff mit Nachdruck.
Dann muss eine Beschlussvorlage erarbeitet werden, über die in der Bezirksverordnetenversammlung entschieden wird.
Ideen, welchen Ort die Umbenennung betreffen könnte, gab es viele. Auch die Benennung einer Schule ist im Fokus. „Wir haben in Berlin Schulen und Straßen, die denselben Namen tragen. Das eine schließt das andere nicht aus“, sagt Ina Bittroff. „Mir persönlich gefällt als Weg die Promenade hinter den Studios, also die Spandauer Havelpromenade. Ein Gedanke wäre auch die Kleine Eiswerderstraße, die ich in die Waagschale werfen würde. Zu betonen ist da die örtliche Nähe zu den Studios. Dazu gibt es da sehr wenig Anwohner, die gefragt werden müssten. Hier befindet sich auch noch heute der Sitz der ersten Firma, die Artur Brauner gegründet hat“, so Ina Bittroff.
Alice Brauner dachte auch an die Eiswerderbrücke. „Brückenumbenennungen sind wirklich schwer“, mein Ina Bittroff. „Solange es den Standort Eiswerder gibt, wäre diese Möglichkeit obsolet.“
Die Insel Eiswerder sei ein historischer Ort, der sich jetzt mausert. Zudem sei der Begriff der „Eiswerderbrücke“ ein geprägter Begriff in Spandau, der Weg auf die Insel.
Die Bedeutung der Insel: „Die alten Fabrikhallen dort werden zu einem Campus ausgebaut.“ Es seien unheimlich viele Firmen da. Dort lebten viele Künstler. „Hier wird vieles denkmalgerecht saniert. Von der Architektur her ist das sehr interessant. Die Bleiglasfensterproduktion ist weit über die Grenzen Spandaus und der BRD hinaus ein Begriff“ , formuliert sie. „Der Ort fängt an zu atmen“, ihre Einschätzung.
Die Namensfindung sei nun Sache des Amtes und der Bezirksverordneten. „Das Amt denkt auch an Straßen in den Neubaugebieten, die man nach Artur Brauner und seiner Frau benennen könnte“, erklärt sie. „Aber eh es dort um Straßenbenennungen geht, gehen einige Jahre ins Land“, so Ina Bittroff. Für sie keine Option.
„Eine Straßenumbenennung ist ein einprägsames Mittel, um jemandem ein Denkmal zu setzen“, stellt Ina Bittroff fest.
Und es müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Derjenige, nach dem man eine Straße umbenennt, muss mindestens vor fünf Jahren verstorben sein. In Berlin müssen Straßenbenennungen nach Frauen erfolgen. „Das ist bei Artur Brauner etwas schwierig, aber deshalb soll die Umbenennung nach dem Ehepaar erfolgen. Beide haben sehr viel gemeinsam gemacht. Maria Brauner hat ihre Spuren nicht so sehr in Spandau öffentlich hinterlassen, sondern mehr im Hintergrund gewirkt. Sie hat eine wesentliche Rolle in der jüdischen Gemeinde und im jüdischen Krankenhaus gespielt. Das Ehepaar Brauner hat sich gegenseitig den Rücken freigehalten“, erklärt die Co-Fraktionsvorsitzende der SPD.
Der Grund, warum Spandau in Berlin den ersten Schritt in diese Richtung geht, erklärt sich Ina Bittroff so: „Ich bin Spandauerin, meine Familie kommt aus Spandau. Und die Spandauer kennen die CCC-Studios“, meint sie. In der Familie habe es Bekanntschaften mit Schauspielern und Komparsen gegeben. Unvergesslich bleibt so der Moment, als sie vor einigen Jahren an den Studios vorbeifuhr und feststellte: Sie haben eine neue Farbe. „Das hat ein Leuchten in meine Augen gezaubert, weil einfach dieser schlummernde Ort wieder präsent war“, erklärt sie.
Es war der Anstoß für die Sozialdemokratin, da tätig zu werden!
Alice Brauner setzt sich wie ihr Vater mit der rechten Gewalt auseinander, auch in dem neuen Projekt über den BLOCK 10 in Auschwitz. „Wir müssen das Bewusstsein in die Köpfe der Menschen bringen: Rassismus hat in dieser Welt nichts zu suchen. Dieser Aufgabe muss sich Politik stellen. Dazu gehört auch der rauhe Ton in den Parlamenten. Sensibles Hinhören und auch Dagegensprechen, das sollte gelebt werden. Wir müssen das Gemeinsame suchen, nicht die Unterschiede, das betrifft auch Hautfarbe und Religion.
Impressionen




Reportage über CCC

Der Ausgang

