Dem Geist Raum geben

Heiliggeist in Heidelberg, Zentrum der Reformation. Fotos: Frank Bürger

Berlin. Die Heiliggeistkirche ist die größte und bedeutendste Kirche in Heidelberg. Sie hat Strahlkraft in der ganzen Welt. Bekannt ist die Heiliggeistkirche auch als einstiger Standort der Bibliotheca Palatina.

Von Frank Bürger

Es sind besondere Mauern, die der Heiliggeistkirche Heidelberg. Und ein Gespräch mit Pfarrer Mirko Diepen zeigt. Da entwickelt sich viel in der historischen Kirche, in der am 4.August um 11 Uhr Prälat i. R. Prof. Dr. Traugott Schächtele predigt, in der Sommerpredigtreihe „Abenteuergeschichten der Bibel“. Thema: „Zwischen Kabale und Liebe: Königin Esther“.

Er wirkt ja bei den wöchentlichen Impulsen der Deutsch-Polnischen Nachrichten mit.

Schon 2023 haben wir uns mit der historischen Bibliotheca Palatina beschäftigt.

Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 249v: Herr Konrad von Altstetten. Das Geschlecht derer von Altstetten ist seit 1166 bezeugt und hatte seinen Sitz im Oberrheintal. Es stand in den Diensten des Abtes von St. Gallen. Vermutlich handelt es sich bei dem Minnesänger um den 1320 bis 1327 urkundenden Konrad von Altstetten, der das Meieramt innehatte.

Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 249v: Herr Konrad von Altstetten. Das Geschlecht derer von Altstetten ist seit 1166 bezeugt und hatte seinen Sitz im Oberrheintal. Es stand in den Diensten des Abtes von St. Gallen. Vermutlich handelt es sich bei dem Minnesänger um den 1320 bis 1327 urkundenden Konrad von Altstetten, der das Meieramt innehatte.

Folgendes ist da auf der Website der Kirche zu lesen:

Auf den Doppelemporen der Heiliggeistkirche soll die Bibliotheca Palatina der Heiliggeistkirche als Dauerausstellung sinnlich erfahrbar gemacht werden, an ihrem authentischen Ursprungsort. In analogen und digitalen Formaten eingerahmt in künstlerische Aktionen, aber auch durch eine wissenschaftliche Begleitung sowie Veranstaltungen wollen wir Besucher:innen aus Stadt, Land und der ganzen Welt begeistern. Der Universitätsbibliothek Heidelberg gelang es in Zusammenarbeit mit dem Vatikan erfolgreich, die Bibliotheca Palatina zu digitalisieren und weltweit Wissenschaftler:innen zugänglich zu machen. Dieses Angebot wird 2,5 Millionen Mal jährlich in über 160 Ländern genutzt, es gibt also in der Wissenschaft ein breites Interesse.

Mit der Ausstellung wollen wir Geschichte und Bedeutung der Bibliotheca Palatina auch für eine breitere Öffentlichkeit außerhalb der Wissenschafts-Community übersetzen und mit moderner Ausstellungstechnik und digitalen Mitteln des 21. Jahrhunderts sinnlich und emotional erfahrbar machen. Auch fehlt bis heute für die zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Stadt eine zeitgemäße Erinnerung und Präsentation der Bibliotheca Palatina an ihrem ursprünglichen Standort auf den Emporen der Heiliggeistkirche.

Den historischen Zusammenhang der Wegführung, ihre Folgen für die weitere Entwicklung der Universität, aber auch die verschiedenen Bemühungen ihrer Rückführung nach Heidelberg, bis hin zur erfolgreichen Digitalisierung durch die Universitätsbibliothek sollen als herausragende Aspekte der Wissenschaftsgeschichte in der Heiliggeistkirche thematisiert werden. Gleichzeitig soll sich der Blick nicht ausschließlich in die Vergangenheit richten, sondern die großen Fragen unserer Zeit aufgreifen.

Am 14. Februar 2023 jährte sich die Wegführung der Bibliotheca Palatina von den Emporen der Heiliggeistkirche zunächst nach München und danach über die Alpen nach Rom zum 400. Mal. Daran erinnerten wird mit einen großen Festakt in der Heiliggeistkirche.

Im September 2023 wurde unser Projekt „Heiliggeist mehr Raum geben“ in die Liste der förderwürdigen Projekte in der Förderlinie KulturInvest 2023 der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien aufgenommen. Damit hat das Projekt, das die Evangelische Kirche in Heidelberg in Kooperation mit der Stadt Heidelberg, dem Kurpfälzischen Museum, der Universitätsbibliothek, der Stiftung Schönau, der badischen Landeskirche und vielen weiteren Unterstützern entwickelt hat, die erste Hürde genommen. Eine Millionenförderung wurde in Aussicht gestellt. Der in Berlin eingereichte Antrag umfasst nicht nur die Einrichtung einer Dauerausstellung zur Bibliotheca Palatina, sondern bettet die Ausstellung ein in ein Gesamtkonzept, welches auch die barrierefreie bauliche Aufwertung der Heiliggeistkirche, die Verbesserung der touristischen Infrastruktur und die Wiederherstellung des Chorraums durch die Versetzung der Orgel auf die Westempore umfasst.

Das Land Baden-Württemberg hatte Hoffnungen auf eine Rückführung der kurpfälzischen „Bibliotheca Palatina“ aus dem Vatikan nach Heidelberg eine Absage erteilt. Derzeitiger Eigentümer sei nicht das Land Baden-Württemberg, sondern der Vatikan, sagte der Sprecher des Wissenschaftsministeriums in Stuttgart, Roland Böhm, am 16. Februar 2023 dem evangelischen Pressedienst.

Im Oktober gab es dann aber andere Töne.

„Der Haushaltsausschuss des Bundestags beschließt Förderung einer neuen Ausstellung zur „Bibliotheca Palatina“ in der Heiliggeistkirche Heidelberg Der Bund ermöglicht somit die „Rückkehr“ der weltberühmten Pfälzischen Bibliothek nach rund 400 Jahren ins kulturelle Herzen unserer Stadt. Das geplante barrierefreie Besucherzentrum wird die Dauerausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Heidelberg haben wir das Betriebskonzept für die Heiliggeistkirche entwickelt.“

So ist es auf der Homepage von „Metrum“ zu lesen.

„Wir haben METRUM 1999 mit dem Anspruch gegründet, das Know-how und Handwerkszeug der klassischen Unternehmensberatung für die Weiterentwicklung von Institutionen aus Kultur und Bildung zu nutzen.

Wir beraten die Leitungen von Orchestern, Museen, Theatern, Konzerthäusern, Festivals, Kulturzentren, Hochschulen, Bibliotheken, Forschungsinstitutionen und Stiftungen. Gleichzeitig sind wir unabhängige Ratgeber und Gutachter für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Ministerien und Kommunen. Auch Wirtschaftsunternehmen nutzen unsere Expertise für die Realisierung von Projekten rund um Kultur und gesellschaftliches Engagement.

Das Team von METRUM steht für eine werteorientierte Unternehmensführung. Dies schließt die durchgängige Ehrlichkeit und Transparenz mit ein: untereinander und gegenüber unseren Kunden, mit denen wir auch unbequeme Erkenntnisse diskutieren. Wir haben höchste Ansprüche an die Qualität unserer Arbeit und identifizieren uns mit unserer Aufgabe. Die Begeisterung für Inhalte, Themen und Ziele unserer Kunden ist die tragende Säule unseres Selbstverständnisses und Erfolgs. METRUM ist seit seiner Gründung 1999 ein inhabergeführtes Unternehmen. Der direkte Draht zur Unternehmensleitung ist bei uns selbstverständlich. Als Unternehmen entwickeln wir uns permanent und dynamisch weiter. Um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sind wir GWÖ-Mitgliedsunternehmen geworden und arbeiten an der Nachhaltigkeitszertifizierung von METRUM„, ist es auf der Seite des Beraters zu lesen.

Am 28. September 2023 verkündete so die Parlamentarische Staatssekretärin Franziska Brantner (Bündnis 90 / Die Grünen) auf ihrer Homepage und in den sozialen Medien:

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags hat heute beschlossen, die Heiliggeistkirche für eine neue Dauerausstellung der Bibliotheca Palatina mit 6,85 Millionen Euro zu bezuschussen.

Das ist ein großer Erfolg für Heidelberg.

Der Bund ermöglicht so die Rückkehr der weltberühmten Pfälzischen Bibliothek nach rund 400 Jahren ins kulturelle Herzen unserer Stadt. Das geplante barrierefreie Besucherzentrum wird die Dauerausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und die Teilhabe aller ermöglichen. Die Ausstellung mit Originalmanuskripten einer der wichtigsten deutschen Bibliotheken der Renaissance wird Heidelberg als Kultur- und Tourismuszentrum mit internationaler Strahlkraft voranbringen. Der Dank dafür gebührt insbesondere Dekan Dr. Christof Ellsiepen für sein herausragendes Engagement.

„Dem Geist Raum geben“, heißt die Hochhglanzbröschüre zur Ausstellung zur Bibliothek Palatina in der Heiliggeistkirche.

„Am 14. Februar 1623 wurde das letzte Buch der wichtigsten abendländischen Bibliothek aus der Heiliggeistkirche in Heidelberg auf einen Ochsenkarren verladen, um dann den Weg nach Rom anzutreten und ordentlich katalogisiert Teil der vatikanischen Bibliothek zu werden. Knapp 400 Jahre später wurde die letzte der über dreitausend wertvollen Handschriften in Rom unter den Scanner gelegt und durch die Universitätsbibliothek Heidelberg digital im lnternet veröffentlicht. Zwei Daten einer unglaublichen Geschichte – von der Heiliggeistkirche in alle Welt. Doch den Ort gibt es noch im Original, zwei überdimensionierte hohe Emporen, wo sich einst Professoren und Studierende in die Bücher vertieften. Auch heute noch mitten in derWissenschaftsstadt Heidelberg warten sie sehnsuchtsvoll leer auf Besucher*innen, die hier vom alten Glanz dieser international bedeutsamen Bibliothek eine Ahnung bekommen sollen.

Die Bibliotheca Palatina war in der Renaissance die bedeutendste Büchersammlung des Abendlandes. Die sogenannte „Mutter aller Bibliotheken“ befand sich hauptsächlich auf den Emporen der Heiliggeistkirche und war aus drei Quellen erwachsen, der kurfürstlichen Sammlung auf dem Heidelberger Schloss, der Stiftsbibliothek der Heiliggeistkirche und den Bibliotheken der Heidelberger Universität.

Berühmt war sie nicht nur wegen ihres Umfangs von rund 3700 Handschriften und 13000 Drucken, sondern insbesondere, weil sich unter den Handschriften zahlreiche sehr alte und prachtvoll illustrierte Exemplare befanden. Die Spitzenstücke waren das weltberühmte Falkenbuch des Stauferkaisers Friedrich ll. und der Codex Manesse, der seit Mai 2023 UNESCO-Weltdokumentenerbe ist.

lm Dreißigjährigen Krieg wurde die Palatina als Opfer kultureller Kriegsführung in den Vatikan gebracht. lhr größter Teil ist auch heute noch dort untergebracht, lediglich die deutschsprachigen Handschriften wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Heidelberg zurückgegeben und werden in der Universitätsbibliothek aufbewahrt. Zu einer epochalen Ausstellung im Herbst 1986 kehrten die wichtigsten Bücher der Palatina auf die Emporen der Heiliggeistkirche zurück. Zwischen 2001 und 2021 hat die Universitätsbibliothek Heidelberg in Zusammenarbeit mit der vatikanischen Bibliothek die Handschriften der Bibliotheca Palatina digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht.

Dem Geist Raum geben – das ist unser Anliegen, wenn wir in Kooperation mit Stadt und Universität die Bibliotheca Palatina am Ursprungsort neu präsentieren wollen. Heiliggeist war ein Ort der Kontroversen, der konfessionellen Entzweiung und des Streits – und ist heute zugleich ein Ort der Verständigung, der gelebten Ökumene und der Versöhnung. Der Raub der Palatina ist dieser Stadt eingeschrieben als Aufgabe, den Geist gegen alle Widerstände hochzuhalten und zu entwickeln: Die älteste deutsche Universität blüht bis heute. Die digitale Wiedergewinnung der Palatina ist ein Schritt in der Aufarbeitung dieser Geschichte, in der sich wie im Fokus aktuelle Fragen kultureller Identität zeigen. Daran knüpft unsere Vision einer Ausstellung an, die den inneren Reichtum dieser Universalbibliothek mit ihrer Geschichte und ihren Themen auf multimediale und synästhetische Weise für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar macht. Die Bibliotheca Palatina kehrt so an ihren Ursprungsort zurück…Lassen Sie uns dem Geist Raum geben“, schreibt Dr. Christof Ellsiepen Dekan der Evangelischen Kirche in Heidelberg.

Die Heiliggeistkirche, das bedeutet auch exzellente Musik. Bei der Spurensuche durfte ich im Rahmen des Programms „Bach to Britain“ zu Gast sein beim Orgelkurzkonzert von Jan Wilke.

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