Cineastischer Hauch auf Fahrt

Sarah Grether. Foto: Sarah Grether

Berlin. Unterwegs zu sein hat es in sich. Dazu gehören auch cineastische Erlebnisse mit viel Weltluft, in diesem Fall: Sarah Grether.

Von Frank Bürger

Die Welt ist klein. So sagt man daher. Aber sie ist es wirklich. Sarah Grether ist US-amerikanische Schauspielerin, Choreographin und Tänzerin. Die Begegnung mit ihr und ihrem Ehemann Conor Wickham McNally war eine besondere. Sarah Nevada Grether lebt in Berlin, Los Angeles und New York. Die Weltluft ist auf der gemeinsamen Fahrt aus dem Süden nach Norden zu spüren. Auch die Feine ist keine unbekannte für sie. Oft ist sie in den Vereinigten Staaten, wo sie geboren wurde. Immer wieder ist sie im Fernsehen und auf der Leinwand zu sehen.

Ein wichtiges Projekt: Grand Jeté

Grand Jeté ist ein deutscher Spielfilm von Isabelle Stever aus dem Jahr 2022. Das Drama basiert auf dem 2017 erschienenen Roman Fürsorge von Anke Stelling. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine frühere Berufstänzerin und Tanzlehrerin (dargestellt von Sarah Nevada Grether), die eine inzestuöse Liebesbeziehung mit ihrem Sohn (Emil von Schönfels) eingeht, von dem sie sich entfremdet hatte.

Die Weltpremiere fand im Februar 2022 bei den 72. Internationalen Filmfestspielen Berlin statt.

Für ihre Rolle in Grand Jeté wurde sie für den Preis der deutschen Filmkritik als beste Darstellerin nominiert.

Das Gespräch mit dem Paar hatte so viele Ebenen.

Da war ihr so aufregendes Leben, das auch bei Wikipedia aufgeschrieben ist.

Sarah Nevada Grether wurde 1982 in Reno, Nevada, geboren und wuchs auf einer Farm in Camarillo, Kalifornien, auf. Sie erhielt ihre frühe klassische Tanzausbildung an der Channel Islands Ballet School in Ventura, Kalifornien, der School of American Ballet im Lincoln Center in New York City und der Pacific Northwest Ballet School in Seattle, Washington.

Im Alter von 16 Jahren zog sie nach Deutschland, um von 1998 bis 2001 an der Hamburgischen Ballettschule unter der Leitung von John Neumeier zu trainieren. Im Jahr 2000 war sie Halbfinalistin beim internationalen Tanzwettbewerb Prix de Lausanne und von 2001 bis 2006 trat sie als Solo- und Gruppentänzerin beim Stuttgarter Ballett unter der Leitung von Reid Anderson auf. Während ihrer Jahre beim Stuttgarter Ballett tanzte sie Solo- und Hauptrollen wie die Stella in John Neumeiers Adaption von Tennessee Williams Drama Endstation Sehnsucht unter dem Originaltitel A Streetcar Named Desire sowie Werke der Choreografen John Cranko, Wayne McGregor, Uwe Scholz, Glen Tetley, Christian Spuck und Hans van Manen.

Seit dem Jahr 2008 ist sie als freischaffende Künstlerin in Berlin in den Bereichen Modern Dance, Performance Art, Gesang und Schauspiel tätig. Sie arbeitete unter anderem mit Regisseuren wie Isabelle Stever, Rolando Villazón und Claus Guth. 2015 spielte sie die Hauptrolle der Lilly in dem Spielfilm Die Verlorenen unter der Regie von Reynold Reynolds und 2014 war sie als Nadya in Tatjana Turanskyjs Spielfilm Top Girl und als Tänzerin Debbie in der Webserie Bigheads zu sehen.

Wieder eine Verbindungslinie stellt die Zusammenareit mit Villazón dar, der unter der Woche seine Sendung bei Klassikradio präsentiert, was auch bei den wöchentlichen Impulsen ihren Niederschlag findet. Auch Verbindungen zur Deutschen Oper Berlin gibt es…sie inspirierte noch mehr den Ringzauber dort zu genießen.

Noch interessanter die Wurzeln der Familie, die auch wieder Verbindungen zeigen.

Hans Grether, er ist der Bruder des Urgroßvaters von Sarah Greter, entstammt einer angesehenen Markgräfler Familie. Sein Ahne Johann Jakob Grether war von 1807-1810 Bürgermeister der Stadt Lörrach. Dessen jüngerer Bruder, Johann Georg – Hans Grethers Ururgroßvater –, hatte von 1814-1820 und nochmals von 1832-1835 dieses Amt inne und erhielt als erster den Titel „Oberbürgermeister“. Auch Grethers Onkel, Johann Josef Grether, war von 1872-1906 Bürgermeister von Lörrach. Grethers früh verstorbener Vater, ein origineller, weitsichtiger Landwirt, war dank seiner Tüchtigkeit zu Wohlstand gekommen. Im Elternhaus an der Basler Straße in Lörrach erlebte Grether zusammen mit sechs Geschwistern seine Jugend. Er besuchte in Lörrach die Volks- und die Realschule und danach das Realgymnasium in Karlsruhe. 

1921 endgültig nach Bolivien, wo ihm die bolivianische Regierung die Leitung der Eisenbahn-Studienkommission übertragen hatte. Am 15. Februar 1922 hatte die bolivianische Deputiertenkammer ein Gesetz über den Bau einer Bahnlinie von dem 2560 Meter über dem Meer liegenden Cochabamba nach Santa Cruz (440 Meter über dem Meer) mit einer etwa 60 km langen Anschlußbahn nach Puerto Ichilo beschlossen. Grether war vom bolivianischen Präsidenten Baudista Saavedra zum Leiter der Studienkommission berufen. Mit dem Ausbau des Schienennetzes, insbesondere dem Bau dieser Trasse, waren in Bolivien große Erwartungen verknüpft. Zum einen sollte der Anschluß an das brasilianische Netz erreicht und damit die Verbindung zum Atlantik geschaffen, zum anderen die wirtschaftliche Erschließung des bolivianischen Hochlandes gefördert werden. Dies galt für die dort betriebene Landwirtschaft – Viehzucht in erheblichem Umfang, aber auch sonst waren die landwirtschaftlichen Gegebenheiten dieser Region günstig –, neuerdings aber gerade auch für die Förderung von Erdöl. Die unlängst bei Santa Cruz entdeckten Vorkommen hatten bereits Standard Oil auf den Plan gerufen; Grether sah in der Ölfördergesellschaft einen potentiellen Geldgeber. Früh versuchte er deshalb, auch deutsche Investoren für diese Projekte zu interessieren. Die Schwierigkeiten für die vorgesehene Bahntrasse waren immens, galt es doch, die Anden mit ihren über 4000 Meter hohen Pässen zu überwinden. Grether unternahm drei mehrmonatige Erkundungsexpeditionen zur Erforschung und Vermessung des Landes. Er arbeitete in einer weitgehend unerforschten Wildnis mit gewaltigen Höhenunterschieden und mörderischem Klima. Die Überquerungen von Bergen und Flüssen (Chapare, Chimore, Ichilo u. a.) machten immer wieder gewaltige Anstrengungen erforderlich. Geradezu „nebenbei“ gelang Grether damals der Beweis, daß der Rio Ichilo auf weiten Strecken schiffbar ist, was für die Erschließung dieser Region bedeutsam werden sollte. Seine Arbeitsmethode ließ ihn zum Vorläufer und Wegbereiter für die „Unidad geografica Boliviana“ werden.
Am 24. Oktober 1925, nach knapp vierjähriger Arbeit, konnte Grether seinen umfangreichen Schlußbericht dem bolivianischen Nationalkongreß präsentieren. Zuvor hatte er selbst sogar für die Finanzierung der Projekte gesorgt und aus den USA beachtliche Anleihen beschafft. Im Sommer 1925 war er von London aus ein letztes Mal nach Lörrach zum Besuch seiner Mutter gekommen.
Das reich dokumentierte Ergebnis der Arbeit Grethers stellt weit mehr dar als Vorschläge zur Verwirklichung einer Bahntrasse. Es war eine Bestandsaufnahme von natürlichen Voraussetzungen und daraus sich ergebenden Entwicklungsalternativen für den Verkehrsausbau und die ganze Wirtschaft des Landes: eine Art „Generalerschließungsplan“ für Bolivien durch Bahn-, Straßen- und Wasserwegebau. Ein „Ferrocaril Transcontinental“, der die Anden in drei möglichen Parallellinien (Nord-, Zentral- und Südroute) durchquert, sollte dem Binnenland Bolivien Anschlüsse zum Pazifik einerseits, u. a. an den peruanischen Hafen Ilo, und an den Rio Paraguay andererseits bringen. Grether dachte dabei immer an die Landeserschließung. So wollte er auch Neusiedler durch die Bahn versorgt wissen und empfahl, besondere Dienste hierfür einzurichten. Sein zweiter Schwerpunkt betraf den Ausbau des Straßennetzes, das er parallel zur Bahnlinie orientieren wollte. Den dritten Bereich sollte die Flußregulierung darstellen, wobei es sein Leitgedanke war, die Voraussetzungen für den Handel dadurch zu verbessern. Zur Gesamtkoordination und Überwachung schlug Grether eine zentrale Leitungsstelle beim Verteidigungsministerium vor, das „Kommando Handel und Schiffahrt“.
Am 25. (oder 26.?) Oktober 1925 starb Grether. Die Regierung Boliviens ehrte den Toten in großartiger Weise. Staatstrauer herrschte. Ein schlichter Granitstein mit der Inschrift „H. Grether. 26. OCT 1925“ auf dem Friedhof von La Paz erinnert an den Toten. Doch nicht allein der 1922 am Rio Ichilo, dort, wo der Fluß schiffbar zu werden beginnt, angelegte und 1929 offiziell nach ihm benannte Puerto Grether erinnert heute noch in Bolivien an sein Werk. Grethers großartiger Plan, der nach seinem jähen Tod zunächst in Vergessenheit geraten war, wurde durch einen seiner Schüler, José González Arce, wieder zutage gefordert und bildete schließlich eine wichtige Grundlage für den Landesausbau Boliviens, machte Grether so zum Vordenker für die Entwicklung einer ganzen Nation.

Werner Boll und Frank Bürger in Eppelheim

Von den wichtigen Verbindungen der Familie nach Lörrach berichtete mein Musiklehrer Werner Boll. Er war Ausgangspunkt meiner cineastischen Beschäftigung und der Spurensuche über die Streifen Münchhausen, Kolberg, den Polenweiher, über Friedrich-Wilhelm Murnau, Fritz Lang, die Produktionen Horst Wendlandts, nur um einiges zu nennen.

Vor einigen Wochen ist nun die Zweitauflage meines Buches zu „Kloster Götschendorf“ erschienen. Auch hier spielt Boll eine Rolle.

„Über Jahrzehnte hinweg sang ich in vielen Chören. Vorbild war mein Patenonkel. Er war professioneller Chorist am Heidelberger Theater. Er sang bei der Beerdigung von Wilhelm Furtwängler auf dem Heidelberger Bergfriedhof. Gerade erst bekam ich als Geschenk meines väterlichen Freundes Werner Boll aus Eppelheim als Erbstück eine CD-Sammlung mit Werken Furtwänglers.“

Auf der Hochzeit meiner Eltern 1957 war Walter Hagen-Groll zu Gast. Er war eine der gefragtesten Chordirektoren der Welt und wollte eigentlich meinen Patenonkel Georg Ueltzhöffer mit nach Berlin nehmen. Hier eine Würdigung der Deutschen Oper Berlin:

„Es dürfte immer noch eine Ausnahme sein, dass der Name des Chordirektors genannt wird, wenn es darum geht, die Verantwortlichen für den Ruf eines großen Opernhauses auszumachen. Im Falle von Walter Hagen-Groll war es jedoch selbstverständlich, dass sein Name im gleichen Atemzug mit den Chefdirigenten und Intendanten genannt wurde, die der Deutschen Oper Berlin in der Zeit nach 1961 zu weltweitem Ansehen verhalfen. Denn fast ein Vierteljahrhundert lang leitete Hagen-Groll nicht nur diesen damals größten Opernchor Europas, sondern machte aus den 120 Sängern und Sängerinnen ein Kollektiv, das mit seinem Ausdrucksspektrum die Möglichkeiten eines Opernchores erweiterte und damit den Chor als gleichberechtigten Partner von Sängern und Orchester etablierte. Durch das Wirken Hagen-Grolls wurde der Chor der Deutschen Oper Berlin nicht nur zum begehrten Partner von Auftritten und Aufnahmeprojekten unter Dirigenten wie Karajan, Böhm und Sinopoli, sondern er wurde auch zum Modellfall eines großen Opernchores, dessen Klangkultur bis heute Maßstäbe setzt.

Durch die Kontinuität und Bedeutung seiner künstlerischen Arbeit wurde Walter Hagen-Groll zu einem prägenden Künstler nicht nur der Deutschen Oper Berlin, sondern auch zu einem international geschätzten kulturellen Repräsentanten Westberlins. Seinem Stammhaus blieb er fast seine ganze Laufbahn über treu: geboren in Chemnitz, trat er sein Amt als Chordirektor der Deutschen Oper Berlin bereits mit 34 Jahren an, wechselte erst 1984 für zwei weitere Jahre an die Wiener Staatsoper und gab sein Wissen ab 1986 auch als Professor einer Chordirigentenklasse am Salzburger Mozarteum weiter.

Walter Hagen-Groll verstarb am 3. November 2018 in Salzburg.“

Die Begegnung mit Sarah Grether ist eine weitere Bereicherung.

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