

Berlin. Zum Osterfest der russisch-orthodoxen Kirche am 5. Mai 2024 gegen 12 Uhr gibt es erstmals die Präsentation des Buches „Kloster Götschendorf“ im Kloster selbst. Seit Kurzem gibt es die zweite Auflage des Buches. Auch der Politiker Markus Meckel hat sein Kommen zugesagt.
Von Frank Bürger
Es ist ein Meilenstein in der Geschichte des Buches „Kloster Götschendorf“. Der Klotz-Verlag mit Sitz in Bauschlott gab die zweite überarbeitete Auflage des Buches „Kloster Götschendorf“ heraus. Die Exemplare der ersten Auflage waren vergriffen. In Korrespondenz mit Verlagschef Jeff Klotz und Klosterchef Abt Daniil Irbits kann nun diese zweite Auflage präsentiert werden.
Und das zu einem besonderen Ereignis in der russisch-orthodoxen Liturgie. Das Kloster feiert an diesem Tag Ostern.

Die russisch-orthodoxe und die westlichen Kirchen feiern Ostern am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Allerdings fängt der Frühling in Russland 13 Tage später an. Denn der Frühlingsanfang wird nach zwei voneinander abweichenden Kalendern berechnet. Die russisch-orthodoxe Kirche hält sich an den alten julianischen Kalender. Die westlichen Kirchen nutzen den gregorianischen Kalender aus dem 16. Jahrhundert.
Der letzte Sonntag vor Ostern heißt auf Russisch Weidensonntag: Вербное воскресенье [wʲérbnaje waskrʲißʲénje]. Das Volk soll Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem mit Palmzweigen begrüßt haben. Palmen wurden durch Weiden ersetzt, weil in Russland Weiden als Symbol für das Wiedererwachen der Natur gelten. Auch in der katholischen Kirche werden am Palmsonntag Weidensträucher statt Palmwedel gesegnet
In der Russisch-Orthodoxen Kirche weiht man Zweige mit flauschigen Weidenkätzchen bei der Abendmesse am Samstag vor dem Palmsonntag. Manche Menschen behalten die geweihte Weide ein ganzes Jahr lang im Glauben, dass sie vor Krankheiten bewahren, das Haus schützen und böse Geister fern halten.
Am Weidensonntag ist es erlaubt Fisch zu essen und Wein zu trinken. Danach beginnt die Karwoche, die strengste Woche des Großen Fastens.
Großfürst Wladimir I. der Heilige ließ sich im Jahr 988 taufen und führte in Russland den orthodoxen Glauben ein. Der 28. Juli gilt offiziell als der Tag, an dem Russland getauft und damit christianisiert wurde. 2010 bekam der Tag der Taufe Russlands den Status eines Gedenktages.
In der Russisch-Orthodoxen Kirche wird die Osternacht auf eine besondere Weise zelebriert. Schon am Samstagabend versammeln sich festlich gekleidete Menschen in noch dunklen Kirchen, die eine düstere Welt ohne das Licht des Glaubens symbolisieren. Früher hat man geglaubt, dass die Teufelskreaturen in der Nacht vor Ostern besonders böse wurden. Nach dem Sonnenuntergang trauten sich die Leute nicht mehr auf die Straße, weil sie in jeder Katze eine Hexe und in jedem Hund einen Teufel sahen. Die Kirche war dagegen ein sicherer Zufluchtsort.
In der Karwoche setzt in den russischen Haushalten rege Betriebsamkeit ein. Traditionell fängt man bereits am Montag mit dem großen Frühjahrsputz an. Bis zum „sauberen Donnerstag“ sollte das Haus inklusive Fenster und Türen auf jeden Fall gründlich geputzt sein. Traditionell geht man am Donnerstag in die Banja oder nimmt ein Bad, um den Körper ganz gut zu reinigen.
Am Donnerstag werden auch Eier gefärbt und Osterbrote gebacken. Für diejenigen, die vor Ostern fasten, ist es eine besondere Herausforderung. Denn sogar das Abschmecken der Gerichte ist nicht erlaubt. Aber die Vorfreude ist groß, und die Köchinnen und Köche geben sich ganz viel Mühe.
Der Freitag vor Ostern ist auch in der russisch-orthodoxen Kirche der strengste Tag der Karwoche. Gläubige sollten den Tag in Trauer verbringen, in die Kirche gehen und nach Möglichkeit nicht arbeiten.
Am Samstag nimmt man in Russland Osterbrote und Eier mit in die Kirche, um sie weihen zu lassen.
An Ostern ist es in Russland üblich, zu den Friedhöfen zu gehen und den verstorbenen Angehörigen Eier, ein wenig Brot und Bier zu bringen. So lässt man sie auch an den Feierlichkeiten teilhaben. Es heißt, dass dieser heidnische Brauch in der Sowjetzeit wieder populär wurde. In der UdSSR waren Religionen verboten. An Ostern konnten die Menschen nicht in die Kirchen gehen und gingen stattdessen zu den Friedhöfen. Die russisch-orthodoxe Kirche trennt aber frohe Tage und Trauertage. Ostern ist ein fröhliches Fest und soll von der Trauer um die Verstorbenen nicht überschattet werden. Den Friedhof sollte man also an dem dafür vorgesehenen Tag besuchen. In der russisch-orthodoxen Tradition ist es der Dienstag nach Ostern.
Den Ostersonntag nennt man in Russland auch der „Helle“ oder „Erleuchtete“ (Russisch: Светлое Воскресенье). Das russische Wort für „Sonntag“ (воскресенье [waskrißʲénje]) stammt von dem Wort „Auferstehung“ (Воскресение [waskrißʲénije]). Erstaunlicherweise herrscht am Ostersonntag fast immer sehr schönes sonniges Wetter. „Die Sonne spielt“, sagen die Russen. Nach einem alten Brauch soll man am Ostersonntag Vögel aus den Käfigen freilassen.
Früher durften am Ostersonntag Männer und Burschen zu jeder Zeit Glocken läuten. So war die Luft erfüllt vom Klang der vielen Glocken, die für eine fröhliche und festliche Stimmung sorgten. Unvorstellbar war Ostern in Russland auch ohne Schaukeln. Jung und Alt hatte Spaß dabei, vor allem aber Kinder und Mädels. Junge Kerle spielten Harmonika und schauten zu. Es wurde geflirtet, was das Zeug hält. Immer noch sehr populär ist das Rollen der bemalten Eier auf der Erde. Das Ziel dieses Spiels ist es, die Eier der Gegner zu zerbrechen, ohne die eigenen dabei zu beschädigen. Erfahrene Spieler achten auf die Form der Eier und basteln sich sogar spezielle Rinnen zum Rollen. Russische Bauern glauben, dass rollende Eier den Boden besonders fruchtbar machen.
Gefärbte Eier sind ein internationales Ostersymbol. In Russland schreibt man in Kirchen geweihten Eiern magische Kräfte zu. Sie sollen die Ernte gegen den Hagel, das Vieh gegen Krankheiten und das Haus gegen böse Geister schützen. Ein im Fundament eingelegtes Osterei soll den Hausbesitzern Glück und Wohlstand bringen. Übers Gesicht gerollte Ostereier sollen sogar junges Aussehen verleihen. Kein Wunder also, dass man früher geweihte und gefärbte Ostereier als Glücksbringer ein ganzes Jahr lang behielt. Irgendwann kam man dann auf die Idee, Eier aus Holz zu schnitzen und zu bemalen. Sehr wertvoll sind Eier aus Porzellan, sowie goldene, silberne und mit Edelsteinen verzierte Eier. Weltbekannt und sehr geschätzt sind kunstvoll gearbeitete Eier des russischen Goldschmieds und Hofjuweliers Peter Carl Fabergé (1846 – 1920).
Traditionell werden Eier zu Ostern in Russland vorwiegend rot gefärbt. Natürlich kann man auch andere Farben nehmen. Oft werden Eier einfach in Zwiebelschale gekocht oder in bunte Stoffreste gewickelt. Spinat macht Eier grün und rote Bete färbt sie rot. Das Abreiben mit einem Öllappen bringt die Eier wunderbar zum Glänzen!
Russischer Ostertisch und Tipps zum Färben und Kochen von Eiern
Quelle: Russlandjournal
Im vergangenen Jahr tauschte ich mich mit Abt Daniil über Fasten und Ostern aus. „Es ist Fastenzeit. Bald ist Fest der Auferstehung Christi. Die Wolken werden sich verziehen und die Sonne der Wahrheit wird aufgehen“, so Daniil Irbits auf seinem Facebook Kanal.
Die Buchpräsentation hat auch eine politische Note. In Berlin führte Autor Frank Bürger ein Gespräch zum Kloster mit Markus Meckel, der von den Deutsch-Polnischen Nachrichten begleitet hat. Er hat sein Kommen zugesagt.

Aus Frankfurt (Main) kommt der Heidelberger Glühweinverkäufer Christoph Schneider. Er kommt auch in dem Buch vor und hat selbst gemeinsam mit mir ein Buch auf der Spandauer Insel Eiswerder verfasst.

Wieder mehr Weltluft in Götschendorf…denn das Vorwort zum Buch schrieb kein geringerer als Bernt Schmidbauer. 1991 bis 1998 als Staatsminister bei Bundeskanzler Helmut Kohl der Beauftragte für die Nachrichtendienste des Bundes.
Auch Irbits ist immer noch mit viel Prominenz unterwegs.

Unterschiedliche Medienorgane, darunter auch der Rundfunkdienst der Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz haben das Buch bekannt gemacht.
Hier eine Rezension bei Amazon:
Das Buch „Kloster Götschendorf“ ist in seiner Form einzigartig. Abt Daniil, der Chef vor Ort, hat das Erscheinen des Buches mit initiiert und begleitet.
Zum Inhalt:
Es war das Lieblingsjagdschloss von Fürst Leopold IV., dem Vater von Dr. Armin Prinz zur Lippe. Heute hat auf dem Gelände das westlichste Kloster der russisch-orthodoxen Kirche seinen Sitz. Die Rede ist von Schloss Götschendorf in der Uckermark, das der letzte regierende Fürst Lippes 1910/11 erbauen ließ.
Heute sitzt Abt Daniil gerne in einem runden Pavillon aus Holz, in der er gerne Gäste einlädt.
Das Kloster Götschendorf ist das einzige Kloster der Berliner Diözese der russisch-orthodoxen Kirche. Der Russland-Journalist Norbert Kuchinke stieß auf seiner Suche nach einem Standort für ein von ihm geplantes russisch-orthodoxes Kloster in der Nähe Berlins auf das Gelände. Nach anfänglichem Zögern der einheimischen Verantwortlichen halfen schließlich Kontakte in die Potsdamer Staatskanzlei und die Fürsprache von Pfarrer Horst Kasner, Vater der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, aus Templin bei der Verwirklichung des Projekts. Der Macher vor Ort ist Abt Daniil Irbits. Mit vielen Farbbildern beschreibt das Buch Vergangenheit und Gegenwart des Klosters sowie des Herrenhauses.
Das Gut mit Herrenhaus ist seit dem 15. Jahrhundert im Besitz der Familie von Arnim, 1910 wurde ein neues Gutshaus errichtet, 1942–1945 war es Jagd- und Gästehaus von Hermann Göring und bis 1975 Ferienhaus der Nationalen Volksarmee, danach des Rates des Kreises und des Ministeriums der Staatssicherheit. Seit 1990 stand es leer, 2007 wurde ein Kloster eingerichtet.
Vor allem die Bezüge zum Leben und Wirken des Autoren sind interessant. Da wandern die Gedanken zum benachbarten Schloss Wartin, wo die einstige Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin oft zu Gast war.
Da wandern die Blicke hin zur politischen und kulturellen Situation in der Uckermark, zu der Familie von Arnim, nach Schwedt, Angermünde und auch nach Polen. Bürger hat mehrere Jahre journalistisch dort gearbeitet und kennt das Merkelland. Er hat persönlich die Eltern der einstigen Bundeskanzlerin getroffen.
Da ist die Begegnung mit der Ukraine, mit Tänzerinnen in einem trinationalen Projekt mit Polen und Deutschland.
Und: Es wird deutlich, der Abt distanziert sich von den Geschehnissen in der Ukraine und von Putin, hilft Ukrainern vor Ort.
Vor allem das reichliche Bildmaterial machen das Kloster erlebbar.
Intensive Recherchen sind spürbar und lassen das Lesen zu einem Erlebnis werden.
