
Berlin. Die Deutsch-Polnischen Nachrichten schauen mit Freude auf die Entwicklung des Kulturzentrums im Rothackerschen Haus in Schwetzingen. Dort hat auch ein Spargelmuseum seinen Platz. Von außen waren zu Weihnachten neue Gesichter zu sehen. Bekannte Figuren der Stadtgeschichte.
Von Frank Bürger
Der Weg vom Haupteingang des Schwetzinger Schlossgartens hinaus zum Rothackerschen Haus führt am Schlossplatz mit „Palais Hirsch“, der Spargelfrau und der Skulptur mit Kurfürst Carl Theodor und der etwas leicht bekleideten Dame von Peter Lenk vorbei, auch an der katholischen Kirche St. Pankratius bis man den zentralen Parkplatz der Stadt erreicht. Auf den ersten Blick gibt es noch keine Baufortschritte. Jedenfalls nicht außen.
Viele Gespräche gab es, es lohnt auch ein Blick in die örtliche Schwetzinger Zeitung.
Das Grundsätzliche. Denn lange überlegte man, was passiert mit dem historischen Gebäude.
Das Rothacker‘sche Haus, 1719 noch als Wohnhaus gebaut, war kurze Zeit später bereits namensgebendes Gasthaus für die Wildemannstraße (die vorher Hintere Gasse hieß). Einer der bekanntesten Gastwirte war später Daniel Helmreich, der erste Bürgermeister Schwetzingens.
Später war das Haus als Brauerei „Zum Zähringer Löwen“ Teil der reichen Brauereitradition der Stadt. Der Schreinermeister Adolf Rothacker schließlich gab dem Haus 1921 den Namen und nach einem Großbrand 1925 auch die heutige Gestalt. Nach dem Erwerb durch die Stadt 1984 wurde es bis Anfang des 21. Jahrhunderts noch als Wohngebäude und Obdachlosenunterkunft weitergenutzt, später hatte der Künstler Otto Mindhoff darin sein Atelier. 2006 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.
Das historisch wertvolle Gebäude wird komplett saniert, durch einen Anbau erweitert und zum neuen Spargel- und Stadtmuseum mit Touristeninformation umgewandelt.
Für die im Bestand entstehenden Museumsbereiche ist eine Teilklimaanlage vorgesehen. In dem Neubau ist ein Museumsbereich vorgesehen, der entsprechend seiner Nutzung eine Vollklimatisierung erhält. Weiterhin ist für die im Erdgeschoss vorgesehene Küche mit dem zugehörigen Gastraum eine entsprechende Lüftungsanlage vorgesehen. Die Erzeugung der notwendigen Heiz- und Kühlenergie erfolgt mittels erneuerbarer Energie. Die Warmwassererzeugung erfolgt auf Basis einer Frischwasserstation
So ist es auf der Homepage der HASENKOX INGENIEURGESELLSCHAFT MBH zu lesen.
Und nun entdecken die Interessierten an den Fenstern Pappfiguren. Eine Nachfrage bei Dominik Göhlich vom Unternehmen OrpheusArtProject gibt Auskunft.
Da ist zum einen der junge Mozart zu sehen.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) hat Schwetzingen gleich dreimal besucht: 1763 als siebenjähriges Wunderkind mit seiner Familie und später als Musiker und Dirigent in den Jahren 1777 und 1790.
Der siebenjährige Mozart besuchte zwischen dem 15. und 29. Juli 1763 mit seiner Schwester und seinen Eltern im Rahmen einer Konzertreise den kurpfälzischen Hof. Die Mozarts wohnten jedoch nicht im Schloss, sondern im Gasthof „Zum Roten Haus“ in der damaligen Speyerer Straße. Heute erinnert eine Plakette an dem ehemaligen Gasthof in der Dreikönigstraße 6 an die berühmten Gäste.
Es sollte viel Zeit vergehen, bis Mozart Schwetzingen ein weiteres Mal besuchte: Am 29. Oktober 1777 reiste der Salzburger mit seiner Mutter Maria Anna nach Mannheim und machte auch in der Sommerresidenz Station. Dreizehn Jahre später, am 24. Oktober 1790, kam Mozart erneut in die Kurpfalz, um im Nationaltheater Mannheim zufälligerweise seine Oper „Die Hochzeit des Figaro“ zu hören oder zu erleben. Ein Nachmittagsausflug führte ihn in den Schwetzinger Schlossgarten.
So hat die Schwetzinger Mozartgesellschaft unter Leitung von Rosa Grünstein eine gewichtige Bedeutung, weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Österreichisches Flair hatte so der Jahresauftakt mit der Philharmonie Baden-Baden.
Eine weitere wichtige Figur, die da am Fenster zu sehen ist, es handelt sich um den französischen Philosophen Voltaire.
Als Gast des Kurfürsten Carl Theodor weilte der Dichter und Philosoph Voltaire in Schwetzingen. Der Aufenthalt in der Kurpfalz erweckte sein dichterisches Feuer – er begann die Tragödie „Das chinesische Waisenkind“. Das Thema: Chinas Besetzung durch die Mongolen.
1753 folgte Voltaire der Einladung des Kurfürsten Carl Theodor nach Schwetzingen. Der aufgeklärte Dichter war in Europa wegen seiner gesellschaftskritischen Stücke nicht sehr beliebt. Sie wurden daher nicht überall aufgeführt – anders als in Schwetzingen: Vier von Voltaires Werken ließ der pfälzische Regent im Schlosstheater aufführen. In Carl Theodor fand Voltaire einen Fürsprecher und Freund im Geiste – der Austausch inspirierte den angeschlagenen Dichter und beflügelte seine Kreativität.
Die Großzügigkeit Carl Theodors beflügelte den Dichter: Voller Elan begann Voltaire an der Tragödie „Das chinesische Waisenkind“ zu arbeiten. Die Tragödie basiert auf einer Übersetzung eines chinesischen Spiels, das ein französischer Jesuitenpater als Missionar verfasste. Die ersten Absätze erhielt Kurfürst Carl Theodor bereits nach der Abreise Voltaires. Zwei Jahre später, am 20. August 1755 wurde „L’Orphelin de la Chine“ in Paris uraufgeführt – noch im selben Jahr wurde es in Schwetzingen gespielt.
In seinem Werk verarbeitete Voltaire die Zeit der mongolischen Eroberung Chinas – stellvertretend für die damals regierende Mandschu-Dynastie. Seine Geschichte handelt von einem Ehepaar, bei dem sich der Sohn des Kaisers vor Gengis Kan, deutsch „Dschingis Khan“ versteckt. Die Frau ist eine Jugendliebe des Königs der Tataren, die er ebenfalls fordert. Um die kaiserliche Blutlinie zu schützen, will das Ehepaar den eigenen Sohn hergeben und Selbstmord begehen. Am Ende verschont Dschingis Khan alle.
Bei seinem zweiten Besuch 1758 ließ Carl Theodor Voltaires Tragödie „Mahomet ou le fanatisme“, deutsch „Mahomet der Prophet“, aufführen. Darin stellte sich Voltaire gegen religiösen Fanatismus und Willkür. Während seines dreiwöchigen Aufenthalts arbeitete er an einem neuen Werk: „Candide“. Auf wenigen Seiten prangerte der Dichter die Missstände rund um den Globus an – besondere Kritik übte er an der Sklaverei. Aus den ersten Teilen von „Candide“ soll Voltaire dem Kurfürsten vorgelesen haben.
Candide ist so naiv wie sein Name sagt. Weist ihm sein Lehrer nach, die Welt als solche sei optimal eingerichtet, glaubt er das. Nach einem unstandesgemäßen Kuss aus seinem Provinzparadies verstoßen, findet er sich allerdings einer Wirklichkeit voller Kriege, Katastrophen und Niedertracht ausgesetzt, die seinen Optimismus auf harte Proben stellt. Als weltumspannendes Roadmovie mit Love & Crime, Trash & Slapstick inszeniert Voltaire Candides Horrortrip. Den Soundtrack dazu improvisiert Johannes Lang an der Welte-Kinoorgel im kapriziösen Streifzug durch die Musikgeschichte. Es liest der weit über Grenzen Potsdams bekannte Journalist Klaus Büstrin.
Mit dem Stück wird auch dem Weimarer Dreieck Leben eingehaucht.
Immer wieder brachte der inzwischen verstorbene renommierte Künstler, Kurator und Publizist Josef Walch Weitblick mit und inszeniert historische Noten. Als Kurator initiierte er die Ausstellung mit Illustrationen zu der Novelle „Candide“ aus der Feder des bekannten Philosophen Voltaire (1694–1779). Zu Ostern 2018 war sie zum letzten Mal zu sehen, die Gelegenheit war zu nutzen.

„Candide oder der Optimismus“ (frz. Candide ou l’optimisme) ist eine 1759 unter dem Pseudonym Docteur Ralph erschienene satirische Novelle des französischen Philosophen. Im Jahr 1776 erschien eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Candide oder die beste aller Welten. Diese Satire wendet sich unter anderem gegen die optimistische Weltanschauung Gottfried Wilhelm Leibniz’, der die beste aller möglichen Welten postulierte. Voltaire propagiert Skeptizismus und Pessimismus, die Leibniz’ Postulat in den Kontext der Zeit rücken (Eindruck des Erdbebens von Lissabon 1755, Siebenjähriger Krieg) und in Frage stellen. Mit Witz und Ironie prangert Voltaire in seinem „conte philosophique“ den überheblichen Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg und Sklaverei an und verspottet die naive Utopie des einfachen Mannes von einem sorglosen Leben.
Die „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ haben sich intensiv mit dem Verhältnis zwischen Potsdam und Schwetzingen, auch mit der Beziehung des Kurfürsten Karl-Theodors und Voltaires beschäftigt.
Wie viele seiner Zeitgenossen studierte Voltaire die bekannten Briefe und Veröffentlichungen der reisenden Jesuiten und Missionare. Daher wusste er vieles über die in Europa weitgehend unbekannten Kontinente. In seinen Werken verarbeitete Voltaire dieses Wissen und nutzte es, um auf die Missstände in der Welt hinzuweisen. Bei seinen zahlreichen Aufenthalten an europäischen Höfen konnte der Philosoph seine Begeisterung für das Reich der Mitte und ferne Länder weitergeben.
Und nun zur letzten Figur…
Franz Joseph Seedorf, eigentlich Franz Joseph Fegeli (* 31. Dezember 1691 in Freiburg im Üechtland, Schweiz; † 10. Juli 1758 in Schwetzingen) war ein Jesuitenpater, Theologieprofessor und Kontroversschriftsteller. Als Beichtvater und Gewissensrat zweier pfälzischer Kurfürsten hatte er großen Einfluss am Kurpfälzer Hof.
Pater Seedorf hieß eigentlich Franz Joseph Fegeli und stammte aus dem schweizerischen Freiburg im Üechtland. Nach dem Gutssitz seiner Familie nannte er sich Seedorf. Er trat 1709 zu Landsberg am Lech in das Noviziat der Jesuiten ein und studierte ab 1712 an der Universität Ingolstadt, wo er von 1729 bis 1732 auch als Professor der Philosophie bzw. der Theologie wirkte.
Später gehörte Seedorf zum Jesuitenkolleg in Mannheim und übernahm 1736, beim Tod des Vorgängers Pater Nikolaus Staudacher, das Amt des Beichtvaters von Kurfürst Karl III. Philipp. Nach dem Ableben des Herrschers im Jahr 1742 führte der Pater diese Aufgabe beim Nachfolger Kurfürst Karl Theodor weiter. Mit diesem war er sehr vertraut, da er schon früher als sein Erzieher gewirkt hatte.
Im Vorfeld der Konversion des Prinzen Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld (1724–1767) richtete Franz Joseph Seedorf mehrere lange, theologische Briefe an ihn, die 1748, kurz nach dem Glaubenswechsel des Wittelsbachers, in Mannheim auch als apologetisches Buch erschienen.[4] Wegen ihrer inhaltlichen Qualität hat Bischof Andreas Räß (1794–1887), 120 Jahre später, in Band X seines Werkes Die Konvertiten seit der Reformation, nochmals mehrere dieser Briefe dokumentiert.[5] Pater Seedorf beruft sich darin zur Widerlegung des Protestantismus nicht nur auf katholische Autoren, sondern zitiert auch orthodoxe bzw. altorientalische Bischöfe und Patriarchen; eine für die damalige Zeit ganz außergewöhnliche und revolutionäre Methode, welche die geistige Aufgeschlossenheit des Verfassers erkennen lässt
Das erste am heutigen Schlossplatz von Schwetzingen erbaute Haus wurde 1748 im Auftrag des Kurfürsten von Franz Wilhelm Rabaliatti für Seedorf erbaut. Es heißt heute „Palais Hirsch“ und dient für Kunstausstellungen, Gemeinderatsversammlungen sowie andere Veranstaltungen.
Hier in Schwetzingen verstarb Pater Franz Joseph Seedorf 1758.
Gemäß dem Mitteilungsblatt der Freimaurer zu Neuwied von 1787, soll Seedorf Mitglied der Mannheimer Freimaurerloge Zur Einigkeit gewesen sein. Sonstige Belege darüber existieren allerdings nicht. Unabhängig davon war der Jesuit sehr weltoffen und pflegte freundschaftliche Kontakte nach allen Seiten, auch zu vielen Mitgliedern der Loge.
Ebenfalls als Freimaurer bezeichnet sich Abt Daniil, der Prior des Klosters St. Georg in Götschendorf. Im entsprechenden Buch vom Januar 2023 spielt auch Albert Schweitzer eine Rolle. Dazu gibt es 5. Februar um 15 Uhr im Lutherhaus Schwetzingen einen Vortrag.

Nach derzeitigem Standpunkt steht am Sonntag ein Besuch im Palais Hirsch an. Hier gab es schon besondere Präsentationen, auch eine Darstellung des Gmeiner Verlags zur Jugend des Autors.
Gespannt darf man nun sein, wie langsam ein Spargelmuseum entsteht.
